Eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Judoszene war in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Arthur Schnabel.
* 16. September 1947 Schweigen
† 22. Oktober 2018 Cancun (Mexiko)
Die deutsche Judo-Legende Arthur Schnabel ist tot. Der 71-Jährige verstarb bei der Veteranen-WM in Mexiko.
Wie am Freitag bekannt wurde, brach der 71-Jährige am vergangenen Montag bei den Veteranen-Weltmeisterschaften in Mexiko in seinem Hotelzimmer zusammen.
Trotz Reanimationsversuchen, konnte er nicht mehr wiederbelebt werden.
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Heute wurde bekannt, dass Arthur Schnabel - eine wirkliche deutsche Judolegende - überraschend verstorben ist. Vor wenigen Tagen noch wurde er Zweiter bei der Veteranen-WM in Cancun/Mexiko. Mein besonderes Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freunden.
Laufbahn und Erfolge
Er war einer der besten deutschen Judoka aller Zeiten, gewann fünf deutsche Meistertitel, sieben Medaillen bei Europameisterschaften und holte als erster deutscher Judoka der Nachkriegszeit eine Olympische Medaille 1984 in Los Angeles.
Erfolge/Funktion:
- Olympiadritter 1984
- 7-mal EM-Dritter
- 5-mal deutscher Meister
Schnabel war Olympiadritter 1984 in der Offenen Klasse (All-Kategorie) und siebenfacher EM-Dritter zwischen 1976 und 1984.
Arthur Schnabel war zuerst als Fußballspieler, Boxer und Gewichtheber aktiv.
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Erst 1969, mit 22 Jahren, kam er zum Judosport, brachte es am Ende aber bis zum 6. Dan.
Als Mitglied des 1. Mannheimer JC wurde er fünffacher deutscher Meister im Einzel.
Arthur Schnabel als Mensch
Der gebürtige Schweigerner, der allerdings nahezu sein komplettes Leben in Mannheim verbrachte, wird vor allem für seine sportlichen Erfolge, aber auch sein Engagement im Sport in Erinnerung bleiben.
Doch obwohl er sich dem Spitzensport verschrieb, ging Schnabel regelmäßig seiner Arbeit als Bäcker- und Konditormeister nach.
In seinem eigenen Café verbrachte er unzählige Stunden um seine Kunden mit süßen Leckereien zu verzaubern.
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"Arthur ist ein feiner Kerl" (FAZ, 26.11.1982), sagte sein berühmter Vorgänger im Schwergewicht, Klaus Glahn, über ihn.
"Er ist kämpferisch und menschlich ein Vorbild", ergänzte Manfred Liedtke, Trainer des Rüsselsheimer Bundesligateams, mit dem er zwei Europacups gewann.
So ganz konnte Schnabel seinen geliebten Sport sowieso nie los lassen. Auch in den Seniorenklassen trat er immer wieder an, konnte zahlreiche Deutsche Meisterschaften für sich entscheiden und war auch bei Welt- und Europameisterschaften nicht weniger erfolgreich.
Arthur Schnabel als Sumoringer
Arthur Schnabel hat sich jüngst bei den Sumo-Europameisterschaften in Riesa selbst ausgetrickst.
Es geschah im Kampf gegen einen Schweizer, der später Dritter wurde: „Ich dachte, der Gegner ist draußen und drehte mich um, grüßte ab - und flog raus, weil der zwar mit dem Gesäß, nicht aber mit seinen Füßen außerhalb des Rings war.“
Für den 115 Kilo schweren Schnabel steht seither fest: Beim Sumo muß man konzentrierter bei der Sache sein als beim Boxen, Ringen oder Judo. Es ist „wie beim Start in der Formel 1“.
Selten wird die maximale Kampfdauer von zweieinhalb Minuten erreicht, weil nämlich einer der beiden Kampfhähne nicht aufpaßt.
Ist erst mal das Gleichgewicht weg, ist der Kampf schon verloren, mit einem von 48 erlaubten Griffen wird man aus dem Ring bugsiert.
Als Judoka war der Mannheimer Schnabel (50) mehrmaliger Europameister und Olympia-Dritter von Los Angeles 1984.
Als Sumoringer hat er nun neue Ziele: die WM, die am Samstag in Tokio beginnt.
In den drei Gewichtsklassen (bis 86/ bis 115/ über 115 Kilogramm) dürfen jeweils zwei Deutsche gemeldet werden.
Warum es in Europa verschiedene Gewichtsklassen gibt? „Nun, hier gibt es nicht so viele extrem Dicke wie im Fernen Osten“, glaubt Schnabel.
Zehnmal war er schon in Japan, als Judoka, und beim elften Mal kommt er als Sumo-Ringer und will eine Medaille gewinnen. Dabeisein ist ihm zuwenig für den strapaziösen Aufwand, den er betreibt.
Der Alltag eines Champions
So konnte er 1984 aus beruflichen Gründen nicht wie seine Kameraden am Olympia-Vorbereitungslehrgang in Japan teilnehmen; umso höher ist daher die bei den Spielen in Los Angeles gewonnene Bronzemedaille einzuschätzen.
Ich habe Arthur immer besonders dafür bewundert, dass er schon während seiner aktiven Zeit seine Bächerei als selbstständiger Bäcker- und Konditormeister betrieben hat.
Sein Tagesablauf: Um 3.30 Uhr rappelt sein Wecker, er springt in die Backstube, damit Mannheims Gartenstadt am Morgen frische Brötchen hat.
Um 13 Uhr ist das Backwerk vollendet, und der Meister begibt sich zur Ruhe - wenn keine Meisterschaften anstehen.
Im anderen Fall geht es erst noch ins eigene Sportstudio zum Kampftraining. Was folgt, sind weitere Trainingseinheiten, bevor es um 22.30 Uhr wieder für fünf Stunden ins Bett geht.
Sumo-WM
Bei der WM sind die Japaner und die Russen favorisiert, aber auch die Tschechen und Franzosen sowie die US-Amerikaner werden mit vorne erwartet.
Zum Beispiel der 306-Kilo- Mann Emanuel Jarborough, gegen den sich Schnabel einmal bös verschätzt hat. „Ich dachte, ich hätte ihn ausgetrickst, da fuhr er plötzlich seine riesigen Arme aus. Ich hob zwei Meter ab und flog aus dem Ring!“
Auf den Bewegungsablauf kommt es an.
„Wenn man mit einem 300-Kilo-Mann oft genug trainiert, lernt man ihn kennen und versucht dann, ihn ins Leere laufen zu lassen“, hat Schnabel inzwischen gelernt.
Nun findet er es „faszinierend, wenn ein Kleiner einen Großen dicken erschüttern kann.“
Der Sumo- Laien Lästern über „die Dicken, Faulen und Fetten“ verebbt spätestens, wenn der Meister des Sumo einen Spagat hinlegt.
Unfaire Mittel sind tabu, und wie im afrikanischen Fußball wird vor den Kämpfen Reis und Salz gestreut, um böse Geister zu vertreiben.
Danach reiben die Athleten die Hände aneinander, führen sie mit der Innenfläche nach außen und breiten ihre Arme aus: Keine Waffen, keine Steine, keine Rasierklingen.
„Ich wollte noch etwas für mich tun“, begründet Schnabel sein Engagement als Sumo-Ringer.
Anfangs hat er sich etwas geniert wegen dem Mawashi, dem primitiven Lendenschurz.
Aber im Wettkampf schauen die fachkundigen ZuschauerInnen nicht (nur) auf nackte Männerärsche.
