Amerikanisches Wrestling: Chips, Inhaltsstoffe und Kontroversen

Der Trend um amerikanische Wrestling-Chips hat in den letzten Jahren für Aufsehen gesorgt. Diese bunten Plastikscheiben mit Metallkern, die Fotos amerikanischer Showringer zeigen, sind bei Grundschülern sehr begehrt. Sie sammeln, tauschen und spielen damit, was jedoch auch zu Kontroversen geführt hat.

Was sind Wrestling-Chips?

Wrestling-Chips sind bunte Plastikscheiben mit Metallkern, auf denen die Fotos amerikanischer Showringer abgebildet sind. Rey Mysterio mit den zehn Power-Punkten ziert eines der begehrtesten Wrestling-Chips. Oft sammeln schon Kinder in der Kita Wrestling-Chips.

Spielvarianten und ihre Risiken

Sieben Spiel-Varianten sind üblich, eine heißt "Slammerz": Ein Spieler legt seinen Chip auf den Boden. Sein Gegner wirft einen zweiten darauf und versucht, durch einen geschickten Treffer, den liegenden Chip umzudrehen. Und Grundschüler spielen immer öfter auch um Geld. Je mehr Power-Punkte ein Chip hat, desto mehr Geld bekommt der Gewinner. Jeder verspielte Chip reißt ein Loch in die Taschengeld-Kasse. Ein Viererpack kostet im Kiosk 1,50 Euro. 90 unterschiedliche sind im Handel: rote, blaue und schwarze mit männlichen Show-Ringern, violette mit muskelbepackten Frauen. Der goldene Rey Mysterio wird im Internet für über zehn Euro gehandelt.

Verbote und Bedenken

Lehrer und Eltern barmen, das sei Glücksspiel, und haben sie kurzerhand verbannt. Einige Schulleiter haben die Chips bereits verboten. "Diese Chips haben nichts mehr mit Spiel zu tun, sie sind reine Abzocke", sagt Uwe Jeske, Leiter der Stechlinsee-Grundschule im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Er hat die bunten Plastikscheiben vor einigen Wochen vom Schulhof verbannt, weil sie "Glücksspielcharakter" hätten. Zu oft habe die Spielerei "in emotionale Freundesbeziehungen eingegriffen". Die Chip-Verbote halte er für übertrieben.

In einigen Hamburger Grundschulen kursiert derweil eine kostengünstigere Variante des Chip-Spiels: Hier spielen die Kinder mit den Kronkorken von Bier- oder Limonadenflaschen.

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Psychologische Aspekte

Die Erklärung für das Geschäft mit den Wrestling-Chips sei ganz simpel, sagt der Entwicklungspsychologe Herbert Scheithauer von der Freien Universität Berlin. Die Industrie habe festgestellt, dass Grundschulkinder immer mehr Taschengeld haben, "daher setzen die Firmen Trends durch Werbung". Es werde ausgenutzt, wovor selbst Erwachsene nicht immer sicher sind: "Man verspricht Zugehörigkeit. Wrestling-Chips entwickeln sich zur Währung des Schulhofes.

Das Spielen um Chips kann man nicht zu den Glücksspielen im engeren Sinn zählen", sagt Psychologe und Glücksspielforscher Tobias Hayer von der Universität Bremen. Einige Spielvarianten aber ähnelten dem Glücksspiel. Die Vermutung vieler Eltern, die Spielerei könne süchtig machen, weist Hayer zurück. Dennoch, so betont er, "ist es wichtig, dass Kinder ihr Freizeitverhalten nicht einseitig ausrichten".

Die "One-Chip-Challenge" und ihre Folgen

In den USA ist ein Teenager nach der sogenannten One-Chip-Challenge gestorben. Dabei essen die Teilnehmer einen extrem scharfen Tortilla-Chip. Der Hersteller verbannt das Produkt daraufhin aus den Regalen. Ein einzelner Tortilla-Chip war das Letzte, was der 14-jährige Harris aus Worcester im US-Bundesstaat Massachusetts vor seinem Tod zu sich nahm. Am 1. September musste ihn seine Mutter von der Schule abholen, weil der Zehntklässler über starke Bauchschmerzen klagte. Nachdem sie ihn nach Hause gebracht hatte, wurde der Junge ohnmächtig und starb kurz darauf in einem Krankenhaus (stern berichtete). Zwar stehen die Ergebnisse der Autopsie noch aus, doch für die Frau ist klar: Der Junge starb in Folge der sogenannten One-Chip-Challenge. Dabei essen die Teilnehmer einen extrem scharfen Chip der Sorte "Paqui-Chip". Dieser ist mit Carolina Reaper gewürzt, der angeblich schärfsten Chilisorte der Welt.

Da diese Warnhinweise jedoch offenbar nicht beachtet werden, zieht der Hersteller jetzt die Reißleine: "Aus diesem Grund arbeiten wir aktiv mit unseren Einzelhändlern zusammen, um das Produkt aus den Regalen zu entfernen", heißt es dazu auf der Internetseite von Paqui. Doch nicht nur in den USA ist man besorgt über den Internet-Trend. Ende August kam es deshalb bei Schülern einer fünften Klasse in Euskirchen bei Köln zu einem medizinischen Großeinsatz. Mehrere Kids mussten wegen Magenschmerzen behandelt werden, einige wurden wegen Haut- und Atemwegsreizungen erstversorgt.

Gesundheitliche Risiken und Warnungen

Inzwischen warnt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor Mutproben mit den scharfen Chips oder anderen extrem scharfen Lebensmitteln. Der übermäßige Verzehr von stark Gewürztem könne zu "ernsthaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen" führen. "In der Vergangenheit wurden immer wieder Fälle bekannt, bei denen unerwünschte Wirkungen wie Schleimhautreizungen, Übelkeit, Erbrechen und Bluthochdruck beobachtet wurden", teilt das Institut mit. Vor allem Kinder reagierten empfindlich auf scharfe Chili-Produkte. Der scharf brennende Geschmack wird dem Institut zufolge durch Inhaltsstoffe der Chili aus der Gruppe sogenannter Capsaicinoide verursacht. Dazu zählt auch der Scharfstoff Capsaicin, der etwa in der Carolina Reaper enthalten ist. Die Stoffe würden von zahlreichen Paprika-Arten - zu denen auch die Chili gehört - gebildet, um Fressfeinde davon abzuhalten, die Früchte zu essen. Das Institut geht davon aus, dass ein Erwachsener maximal fünf Milligramm Capsaicin pro Kilogramm Körpergewicht ohne Probleme zu sich nehmen kann.

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Fusion von UFC und WWE

Der UFC-Mutterkonzern Endeavor übernimmt den Wrestling-Vermarkter WWE. Damit entsteht in den USA ein riesiger Sport-Entertainment-Konzern.Die Kampfsportveranstalter Ultimate Fighting Championship (UFC) und World Wrestling Entertainment (WWE) tun sich zusammen. Der UFC-Mutterkonzern Endeavor gab am Montag bekannt, den Wrestling-Vermarkter zu übernehmen. WWE werde bei dem Deal mit 9,3 Milliarden Dollar (8,6 Mrd Euro) bewertet.Durch die Fusion entstehe ein globaler Sport-Entertainment-Riese mit einem Unternehmenswert von insgesamt mehr als 21 Milliarden Dollar. Endeavor werde mit 51 Prozent die Kontrollmehrheit an dem neuen Konzern halten, der nach Abschluss der Übernahme in der zweiten Jahreshälfte an die Börse gehen soll.

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