8. Kyu Judo Prüfungsinhalte: Ein umfassender Überblick

Am 01.07.2022 wurde im DJB ein neues Graduierungssystem (GS) im Kyubereich eingeführt. Seit dem 01.01.2024 ist das die alleine gültige Grundlage für Graduierungen im Kyu-Bereich. Die detaillierten Materialien befinden sich im Downloadbereich unter Dokumente -> Ressorts -> Prüfungswesen -> Kyuprüfungen. Bei den Inhalten gibt es jetzt mehr Flexibilität und es wird stärker auf Wiederholung Wert gelegt. Ebenso gibt es ab dem 1. Kyu die Möglichkeit, einen Schwerpunkt zu wählen.

Im Gegensatz zur früheren Kyu-Prüfungsordnung, in der bereits der 8. Kyu Grundfertigkeiten (-kenntnisse) dokumentierte, kennzeichnet dieser "Marketing-Gürtel" nunmehr lediglich grundsätzliche "Erfahrungen" (kein "Können" !) im Judo. "Durch eine Graduierung zum 8. Somit ist zukünftig der durch Prüfung erworbene "Einstiegsgürtel" in das Graduierungssystem des DJB der gelbe Gürtel (7. Kyu). Erst in dieser Stufe werden sportlich motorische Fertigkeiten und persönliche Voraussetzungen erwartet.

Unter dem Motto „Der weiß-gelbe Gürtel, dein erster Schritt zum schwarzen Gürtel“ haben Vereine die Möglichkeit, in Schnupperkursen, beim „Tag des Judo“ oder im Rahmen anderer Projekte mit einfachen ausgewählten Inhalten elementare Grundlagen spielerisch zu vermitteln und anschließend den weiß-gelben Gürtel auch ohne Vereinszugehörigkeit zu verleihen. So baut der Judoverein direkt eine Bindung auf und motiviert die neuen Judoschüler dazu, die nächsten Schritte im Leben eines Judoka zu gehen. Wer will schließlich nicht einen schwarzen Gürtel besitzen?

Der neue 8. Kyu im Detail

Der Deutsche Judo-Bund (DJB) hat das Kyu-Graduierungssystem überarbeitet und neu konzipiert. Das neue Graduierungssystem soll sowohl Tradition und Moderne, als auch klare Standards und Flexibilität ermöglichen. Das moderne Technikverständnis und die Kompetenzorientierung weisen hierbei den Weg. Eine Verbindung von Wissen und Können unter Berücksichtigung individueller Entwicklung, Fähigkeiten und Fertigkeiten, gepaart mit individuellen Aufgabenstellungen und selbstständigen Lösungsansätzen werden angestrebt. Dadurch wird ein tieferes Verständnis von Situation und Lösung hergestellt.

Anders als bisher muss im Rahmen der Graduierung zum 8. Kyu kein erreichtes Fertigkeitsniveau, sondern ausschließlich ein Grundverständnis von und über Judo erlangt werden. Der „neue“ weiß-gelbe Gürtel ist nicht mehr Teil des Graduierungssystems, sondern soll als „Einstiegsgürtel“ das Eintauchen in die Welt des Judosports schneller ermöglichen.

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Prüfungsbestimmungen und Techniken

Bitte üben Sie auf Judo- oder ähnlichen Turnmatten.

Fallschule Rückwärts

Bewegungsbeschreibung: Aus der eigenen Rückwärtsbewegung geht man in die Hocke, Kinn auf die Brust, und rollt sich auf den Rücken. Übermäßige Energie wird durch ein Abklatschen auf der Matte abgefedert.

Fallschule Seitwärts

Bewegungsbeschreibung: Aus der eigenen Seitwärtsbewegung fällt man auf die Seite entgegengesetzt der Bewegungsrichtung. Übermäßige Energie wird durch ein Abklatschen auf der Matte abgefedert.

Wurftechniken

Wurftechniken sind immer zu zwei Seiten ausführbar. Die Bewegungsbe-schreibungen hier sind allgemein gehalten und deswegen eventuell schwerer verständlich als die detaillierteren in den Ausführungshilfen für die Seiten.

Uki-Goshi (Hüftschwung)

Bewegungsbeschreibung: Tori fasst um Ukes Rücken und mit dem verbleibenden Arm hoch an Ukes gegenüberliegendem Arm. Es herrscht Rücken-Bauch-Kontakt, Blickrichtung (und damit auch Richtung der Füße) ist gleich. Tori wirft ihn durch ein Verdrehen seiner Schultern auf den Rücken.

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O-Goshi (großer Hüftwurf)

Bewegungsbeschreibung: Tori fasst um Ukes Rücken und mit dem verbleibenden Arm hoch an Ukes gegenüberliegendem Arm. Es herrscht Rücken-Bauch-Kontakt, Blickrichtung (und damit auch Richtung der Füße) ist gleich. Tori hebt Uke aus und wirft ihn durch ein Verdrehen seiner Schultern auf den Rücken.

Kuzure-Kesa-Gatame (Schärpenhaltegriff)

Bewegungsbeschreibung: Uke liegt auf dem Rücken, Tori mit seiner Seite auf Ukes Brust. Eine Hand fasst unter der Schulter her, die andere hält Ukes freie Hand fest.

Mune-Gatame (Brusthaltegriff)

Bewegungsbeschreibung: Uke liegt auf dem Rücken, Tori mit dem Bauch auf Ukes Brust.

Stand- und Bodenaufgaben

Standaufgaben: Tori wirft aus einer aktiven Vorwärts- sowie Rückwärtsbewegung von Uke. Wichtig ist hier, dass Tori seinen Wurf an die Bewegungsrichtung anpasst. Die Aufgabe ist zwar sehr offen gestellt, allerdings ist zum Beispiel ein Außensturz aus der Rückwärtsbewegung nicht sinnvoll auszuführen. Wenn Tori vorwärts geht, wirft er/sie O-Soto-Otoshi (da er/sie keinen anderen Wurf zu dem Zeitpunkt kennt). Wenn Tori rückwärts geht, wirft er entweder einen O-Goshi oder einen Uki-Goshi.

Bodenaufgaben: Tori wirft, entwickelt daraus im Boden einen Haltegriff, Uke befreit sich daraus. Hier ist „judotypisches“ Verhalten wichtig. Sobald Uke fiel, sollte er im besten Falle in die Bankposition oder Bauchlage gehen, um sich besser verteidigen zu können.

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Weitere Informationen

Das neue Kyu-Graduierungskonzept wurde zum 1. Juli 2022 veröffentlicht und allen Landesverbänden und Vereinen zugänglich gemacht. Nach einer anderthalbjährigen Übergangsphase soll das neue Graduierungssystem zum 1. Januar 2024 implementiert sein.

Die im Kyu-Programm beschriebenen „Anforderungen für Kyu-Grade“ sind integraler Bestandteil der Graduierungsordnung des Deutschen Judo-Bundes.

Die Prozesse bleiben im BJV unverändert: weiterhin dürfen nur Inhaber einer gültigen BJV-Graduierungslizenz graduieren. Wie bisher müssen Graduierungen vorab angemeldet werden; die Listen sind nach Graduierung unmittelbar an den zuständigen Bezirksprüfungsbeauftragten zu schicken.

Schüler/innen an allgemein- und berufsbildenden Schulen sowie Teilnehmer/innen an Arbeitsgemeinschaften in denselben, Angehörige von Bundeswehr, Polizei, BGS und ähnlichen öffentlichen Institutionen sowie Studenten an Hochschulen benötigen keinen DJB-Mitgliedsausweis. Sie können bis zum 1. Kyu Prüfungen ablegen und diese auf Urkunden bestätigen lassen. Dazu benötigen sie die Kyu-Prüfungsmarke. Diese werden auf der Urkunde (bzw. die Prüfungsmarke bei Nichtbestehen auf der Prüfungsliste) entwertet.

Häufig gestellte Fragen zum 8. Kyu

  • Wieso wurden die Inhalte zum 8. Kyu verändert? Die Gründe sind ausführlich in Dokument 50 erläutert. Der 8. Kyu soll nach kurzer Zeit (ca. 6 Unterrichtseinheiten) vergeben werden können. Ziel ist, ein Grundverständnis über Judo zu vermitteln.
  • Muss ich auch Graduierungen zum 8. Kyu anmelden? Ja.
  • Was kostet der 8. Kyu? Die Urkunde zum 8. Kyu kostet nur 3,50 Euro. Damit ist eine Graduierung zum 8.
  • Brauche ich eine Marke? Nein, es ist keine Marke nötig; eine Urkunde ist ausreichend.
  • Wer darf zum 8. Kyu graduieren? Alle Inhaber einer BJV-Graduierungslizenz dürfen natürlich auch zum 8. Kyu graduieren. Zusätzlich dürfen weitere Personen graduieren, wenn sie gemäß DJB-Vorgabe eine ‚zertifizierende‘ Beratung erhalten haben. Dieser Personenkreis ist im Moment formal nicht eingegrenzt. Im BJV haben wir beschlossen, dass die ‚zertifizierende Beratung‘ durch den jeweils zuständigen Bezirksprüfungsbeauftragten erfolgt.
  • Wie wird der 8. Kyu im Judopass vermerkt? Der Eintrag um Judopass kann durch den Verein erfolgen: das Datum der Graduierung sowie die Nummer der Urkunde müssen eingetragen werden; abgestempelt werden kann mit dem Vereinsstempel.

Achtung: die Passordnung ist weiterhin gültig, d.h. jeder Judoka im Verein muss spätestens 3 Monate nach Eintritt einen Judopass bekommen und die jeweils gültige Jahressichtmarke einkleben. Trotzdem kann es vorkommen, dass die Graduierung zum 8. Kyu erfolgt, bevor der Judopass da ist.