Kickboxen ist eine dynamische und spektakuläre Kampfsportart, die Schläge und Tritte kombiniert. Sie ermöglicht es Ihnen nicht nur, Selbstverteidigungsfähigkeiten schnell zu erlernen, sondern fördert auch den Muskelaufbau, die Bewegungskoordination und das Selbstbewusstsein. Der Sport hat seinen Ursprung im Karate und entwickelte zwei Hauptvarianten: die amerikanische Variante (Full-Contact-Karate) und die japanische Version, die Karate und Muay Thai verbindet.
Im Kickboxen kennzeichnet die Gürtelfarbe den Fortschritt und das Können. Durch die Entstehung aus dem Karate haben die meisten Verbände die Kickboxen Gürtel mit übernommen.
Ursprung der Gürtelprüfungen im Kampfsport
Die Gürtelprüfungen haben ihren Ursprung in Japan, insbesondere im Judo. Jigoro Kano, der Gründer des modernen Judo, führte das Gürtel- und Dan-System Ende des 19. Jahrhunderts ein, um den Fortschritt und die Fähigkeiten seiner Schüler systematisch zu bewerten und zu dokumentieren.
Das Dan-Kyu-System
Kano entwickelte das Dan-Kyu-System, das in zwei Hauptkategorien unterteilt ist: Kyu-Grade für Anfänger und Dan-Grade für Fortgeschrittene. Die Kyu-Grade beginnen bei einem höheren Wert (z.B. 10. Kyu) und arbeiten sich bis zum 1. Kyu vor, während die Dan-Grade bei 1. Die Einführung von farbigen Gürteln zur Unterscheidung der verschiedenen Kyu-Grade kam später hinzu, um den Fortschritt der Schüler sichtbarer zu machen.
Ausbreitung in andere Kampfkünste
Das Gürtelprüfungs- und Rangsystem wurde schnell von anderen Kampfkünsten übernommen, darunter Karate, Taekwondo, Jiu-Jitsu und viele mehr. Jedes System passte das ursprüngliche Modell an, um den spezifischen Anforderungen und Traditionen der jeweiligen Kunst zu entsprechen.
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Moderne Anwendung
Heute wird das Gürtelprüfungs- und Rangsystem weltweit in vielen Kampfsportarten angewendet. Es dient nicht nur zur Bewertung der technischen Fähigkeiten und des Wissens der Schüler, sondern auch zur Förderung von Disziplin, Respekt und kontinuierlichem Lernen.
Bedeutung der Gürtelprüfungen
- Motivation: Die Gürtelprüfungen bieten den Schülern klare Ziele und motivieren sie, kontinuierlich zu trainieren und ihre Fähigkeiten zu verbessern.
- Struktur und Fortschritt: Das Rangsystem bringt Struktur in das Training und ermöglicht es den Lehrern, den Fortschritt der Schüler systematisch zu bewerten.
- Anerkennung: Der Erhalt eines höheren Gürtels ist eine Form der Anerkennung für die harte Arbeit und das Engagement der Schüler.
Gürtelgrade im Kickboxen
Die Anzahl der Gürtel im Kickboxen kann je nach Verband und Stilart variieren. Die einzelnen Dachverbände haben hier teils unterschiedliche Anforderungen, weshalb im Detail hier die Gürtelprüfungen der WAKO (als größte Organisation) vorgestellt werden.
Hier ist eine allgemeine Übersicht der Gürtelgrade, wie sie in vielen Kickbox-Verbänden verwendet werden:
Schülergrade (Kyu)
- Weiß: Anfängerstufe
- Weiß-Gelb
- Gelb: Grundkenntnisse erlernt
- Gelb-Grün
- Orange: Fortgeschrittene Grundtechniken
- Orange-Grün
- Grün: Erste fortgeschrittene Techniken
- Grün-Blau
- Blau: Gute Beherrschung der Grund- und Fortgeschrittenentechniken
- Blau-Rot
- Rot (Braun): Vorbereitung auf den ersten Meistergrad
- Rot-Schwarz
Meistergrade (Dan)
- 1. Dan: Erster Meistergrad
- 2. Dan: Zweiter Meistergrad
- …
- 10. Dan
Gürtelprüfungen im Detail (WAKO)
Zwischen den einzelnen Graden sind Wartezeiten vorgeschrieben, die der Vorbereitung zur entsprechenden Kickboxen Prüfung dienen. Abgefragt werden Abwehr- und Angriffstechniken, Theorie und am dem 3. Kyu Sparring. Das Vorwissen aus vorangegangenen Prüfungen wird stichpunktartig abgefragt.
- Weißer Gürtel: Als Anfänger habt Ihr einen sogenannten „weißen“ Gürtel, wobei hier einfach überhaupt keiner getragen wird. Es gibt auch keine Prüfung.
- Gelber Gürtel: Der Prüfling zum 5. Kyu muss hier eine sichere Fortbewegung in der Kampfstellung vorzeigen, verschiedene Geraden sowie Vorwärtsfußtritte an den Pratzen ausführen, vorwärts sowie rückwärts abrollen können, Euch gegen Eure Grundtechniken verteidigen und Würgeangriffe abwehren. Außerdem müsst Ihr den Begriff der Notwehr sinngemäß definieren können.
- Oranger Gürtel: Nach einer Vorbereitungszeit von ebenfalls 6 Monaten könnt Ihr die Kickboxen Prüfung zum 4. Kyu absolvieren. Hier kommt das Schattenkickboxen als Prüfungsteil hinzu und Ihr müsst nun mit den Fäusten auch Haken schlagen können, sowie den Halbkreistritt beherrschen. In der Selbstverteidigung müsst Ihr einen Sturz anfangen, Euch gegen einen Schwitzkasten sowie Unterarmwürgen verteidigen und Euch aus Handgelenkgriffen befreien. Der Theorieteil erfordert Euer Wissen über den Semikontaktkampf.
- Grüner Gürtel: Ebenfalls 6 Monate nach dem 4. Kyu könnt Ihr die Prüfung zum 3. Kyu ablegen. Hier erwarten Euch zusätzlich die Aufwärtshaken mit den Fäusten sowie die Seitwärtstritte mit den Beinen. In der Selbstverteidigung sollt Ihr das seitliche Fallen beherrschen und Euch gegen Umklammerungen wehren. Erstmals müsst Ihr auch ein kurzes Sparring gegen alle bekannten Angriffe vorzeigen. In der Theorie wird Euer Wissen des Leicht- und Vollkontaktkampfes abgefragt.
- Blauer Gürtel: Nach 6 Monaten als Grüngurt könnt Ihr den Ausbildungsstand des 2. Kyu erlangen. Dafür müsst Ihr die Handtechniken der Vorstufen festigen und den Axttritt sowie den Tritt mit dem Außenrist erlernen. Das Sparring gehört hier ebenso zur Prüfung, wie die Selbstverteidigung gegen Stockangriffe und mehrere Gegner. Die Theorie besteht aus dem Wissen um die Geschichte des Kickboxen und die Formen Regelkunde.
- Brauner Gürtel: Als 1. Kyu habt Ihr 1 Jahr Vorbereitungszeit und müsst zusätzlich noch den Fußfeger und den Hakentritt erlernen. Die Vorführung aller gelernten Techniken im Sparring, alle Fallübungen und die Verteidigung gegen Messerangriffe und mehrere Gegner machen dieses Programm zum schwierigsten Kyu-Programm. Die Theorie besteht aus einer Zusammenfassung aller vorangegangenen Stufen und einem Lehrbeispiel.
- Schwarzer Gürtel (1. Dan): Wer die Prüfung zum 1. Dan erfolgreich abgelegt hat, darf sich im Kickboxen Meister nennen. Dafür müsst Ihr allerdings die Schlag- und Tritttechniken aller Schülergrad beherrschen und im Sparring offensiv und defensiv sicher anwenden können. Weiterhin werden Euch nun Sprungtritte abverlangt und die Verteidigung gegen angriffe, bei denen Ihr Euch am Boden befindet. Außerdem benötigt Ihr einen Lehrgang in Erste-Hilfe drei weitere Lehrgänge, wovon einer ein Kampfrichterlehrgang sein muss.
- Schwarzer Gürtel (2. Dan): Die Kickboxen Prüfung zum 2. Dan benötigt 2 Jahre Vorbereitungszeit und einen speziellen Vorbereitungslehrgang, sowie die C-Lizenz als Kampfrichter. Das Prüfungsprogramm wird ab hier völlig selbstständig vorgeführt.
- Schwarzer Gürtel (3. Dan): Für den 3. Dan benötigt Ihr 3 Jahre Vorbereitung, einen C-Trainerschein und müsst einen Einsatz als Kampfrichter auf Landes- oder Bundesebene vorweisen können.
- Schwarzer Gürtel (ab 4. Dan): Die Verleihung erfolgt auf Antrag vom Bundesverband durch den Weltverband.
Die Gürtelprüfungen für die unterschiedlichen Gürtelfarben sind vom Aufbau her sehr ähnlich und gliedern sich folgendermaßen:
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- allgemeine Grundausbildung (z.B. in Bezug auf Koordination, Dehnung, Ausdauer)
- kickboxspezifische Ausbildung
- soziale Verantwortung (Disziplin, Teamfähigkeit)
- Theorie
- Selbstverteidigung und Gewaltprävention
Die Gürtelprüfungen der Erwachsenen sind ebenfalls vom Aufbau her gleich und gliedern sich in folgende Prüfungsblöcke:
- Kampfstellung und Fortbewegen sowie Schattenkickboxen
- Grundtechniken (Hand- und Fußtechniken)
- Kombinationen der Grundtechniken
- Abwehrkombinationen
- Modellsparring
- Freies Sparring
- Selbstverteidigung
- Theorie
Weitere Aspekte der Gürtel im Kickboxen
Beim Kickboxen trägt man, wie bei vielen anderen Kampfsportarten auch einen Gürtel, was dieser auf sich habt, wie lang er sein soll etc.
Wozu trägt man beim Kickboxen Gürtel?
Das Graduierungssystem über die Gürtel wurde, wie auch viele der Techniken, aus dem Karate übernommen. Der Gürtel hat für den Kickboxer nicht den Zweck wie für den Judoka oder Karateka, die Jacke zusammenzuhalten, sondern dient dem Erkennen des Ausbildungsstandes. Die Japaner behaupten auch manchmal, dass der Gürtel mit dem Schüler zusammen „Erfahrung sammelt“.
Gibt es spezielle Kickboxen Gürtel?
Es gibt keine speziellen Kickboxen Gürtel, sondern hier kommen die gleichen Gürtel zum Einsatz, wie Ihr sie im Handel oft unter dem Begriff „Budogürtel“ findet.
Kann der Gürtel individuell gestaltet werden?
Da es sich hier um normale Budogürtel handelt, gelten selbstverständlich die selben Regeln in der Individualisierung. Das heißt, dass Ihr Euren persönlichen Gürtel mit Eurem aufgesticktem Namen oder Vereinslogo im heimischen Training problemlos tragen könnt, für die Verwendung in Wettkämpfen allerdings können andere Regeln gelten. Hier hat wieder jeder Verband andere detaillierte Vorschriften.
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Wie wird der Gürtel gewaschen?
Die Kickboxgürtel bestehen in den meisten Fällen aus vielen Lagen reiner Baumwolle, Seide oder aus einer Mischung. Diese Materialien sind zwar prinzipiell waschbar, aber die Verarbeitung der Gürtel verbietet die Maschinenwäsche in jeglicher Form. Eine kalte Handwäsche ist zwar prinzipiell möglich, wird aber im Regelfall auch nicht durchgeführt. Da der Gürtel normalerweise nicht mit der Haut in Berührung kommt, nimmt er auch keinen Schweiß auf und muss demnach nicht gewaschen werden.
Wie lang sollte der Gürtel sein?
Generell wird die Länge über Eure Körpergröße bestimmt und passt in fast allen Fällen perfekt. Je nach Körperform kann es in Ausnahmefällen nötig sein, eine andere Länge zu nehmen, als die Tabelle empfiehlt.
Die Tabellen mit den Gürtellängen der jeweiligen Hersteller unterscheiden sich nur unwesentlich.
