Das Deutsche Derby: Ein historischer Rückblick auf das bedeutendste Galopprennen

Das Derby ist das bedeutendste Rennen des Jahres im deutschen Galopprennsport. Mit einer Dotierung von 650.000 Euro ist es auch das höchst dotierte. Es geht über eine Distanz von 2.400 Meter und nur dreijährige Hengste und Stuten dürfen in die Startboxen einrücken, das heißt: Jedes Pferd kann dieses Rennen nur einmal im Leben bestreiten - und es gibt in jedem Jahrgang nur ein einziges, das es gewinnen kann.

Seit 1869 wird das Derby der Galopper gelaufen - bis auf sehr wenige Ausnahmen in Kriegsjahren - immer auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn. Hier liefern wir einen historischen Rückblick und haben die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

Nina Baltromei schreibt Geschichte

Deutsches Derby Geschichte - nie zuvor hat eine Frau im Sattel dieses Rennen gewinnen können. Mit Nina Baltromei gewann erstmals in der Geschichte dieses Rennens eine Frau im Sattel das mit 650.000 Euro dotierte wichtigste Ereignis der deutschen Turf-Saison.

Einen Tag vor ihrem 27. Geburtstag siegte sie im Sattel von Hochkönig für Trainerin Yasmin Almenräder aus Mülheim/Ruhr, bei dieser absolviert sie aktuell ihre Ausbildung. Es war der erst 50. Erfolg der ehemaligen Amateurrennreiterin, aber eine extrem knappe Angelegenheit. Denn erst auf der Ziellinie hatte Hochkönig den mitfavorisierten Convergent (Clifford Lee) erreicht, der kurz wie der Sieger ausgesehen hatte.

Rang drei ging an Lazio (Martin Seidl), während Andrasch Starkes Ritt Path Of Soldier nach 2400 Metern auf dem geteilten vierten Platz mit Enzian (Thore Hammer-Hansen) endete. Hochkönig steht im Besitz des Stalles Cloverleaf, wohinter sich Hans Bierkämper aus Dortmund und Bernd Robert Gossens aus Issum verbergen. Sie hatten das Pferd im vergangenen Jahr für einen geringen fünfstelligen Betrag gekauft.

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“Ich bin völlig überwältigt”, war Yasmin Almenräder in Tränen aufgelöst, “von dem Pferd natürlich und besonders von Nina, sie hat das unglaublich cool gelöst.” Denn noch eingangs der Zielgeraden lag Hochkönig in hinteren Regionen des 17köpfigen Feldes, machte Position um Position gut und war im Ziel minimal vorne.

“Ich bin eigentlich komplett durch”, war der erste Kommentar von Nina Baltromei, die sich 2012 nach dem Tod ihres Vater, einem erfolgreichen Trainer, eigentlich vom Rennsport entfernt hatte, erst vor einigen Jahren wieder als Amateurrennreiterin wieder eingestiegen ist. Erst im Frühjahr hatte sie eine Ausbildung zum Profi begonnen. Hochkönig ist ein Sohn von Polish Vulcano, der als Deckhengst im Gestüt IDEE steht. Er gehört dem langjährigen Derbysponsor Albert Darboven, der auch bei dieser Siegerehrung die Ehrenpreis übergab.

Weitere Frauen im Derby

Am 06.07.2025 war es Nina Baltromei mit Hochkönig im IDEE 156. Deutschen Derby, die dafür sorgte, dass auch dieses Kapitel in der detuschen Galoppgeschichte geschrieben werden kann. Einen Tag vor ihrem 27. Geburtstag sorgte die Tochter des früheren Trainers Werner Baltromei, die erst einen Monat zuvor eine Ausbildung bei Yasmin Almenräderr in Mülheim begonnen hat, für die Sensation.

Der Derbysieg war zugelich der 50. Sieg der ehemaligen Amateurrennreiterin. 46 Jahre zuvor war Monika Blasczyk 1979 mit gerade mal 18 Jahren die erste Frau, die bei einem Deutschen Derby reiten durfte. Auf Varanes, der von ihrem Vater Hans Blasczyk trainiert wurde, landete sie auf dem 13. Platz. Im Rennsattel war Monika Blasczyk ansonsten hoch erfolgreich und wurde sechsmal Championesse (1978, 1979, 1980, 1982, 1987 und 1990), inzwischen arbeitet sie als Galopper-Trainerin in Verl.

32 Jahre nach Monika Blasczyk ist Stefanie Hofer (jetzt Koyuncu) 2011 die zweite Frau, die bei einem Derby in den Sattel steigt. Nachdem die Krefelderin im Jahr zuvor durch einen Sturz um den sicheren Derbyritt gebracht wurde, bekam sie beim IDEE 142. Deutschen Derby das Engagement auf dem Pferd des Derby-Sponsors und HRC-Vizepräsidenten Albert Darboven, Mi Senor, mit dem sie auf dem 12. Platz landete.

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2016 dann mit Eva-Maria Zwingelstein (jetzt Geisler) Rennreiterin Nummer 3, die sich im Derby in den Sattel schwingen durfte, sie steuerte Rosenhill auf den 13. Platz. Danach war es 2017 (als 14. mit Sternkranz) und 2020 (11. mit Anatello) Sibylle Vogt, die als einzige Frau mit in die Derbystartboxen einrücken durfte. In 2022 war es die gebürtige Schweizerin, der mit Imi für Trainer Peter Schiergen und Holger Renz als Besitzer. als Dritte die erste Platzierung einer Frau auf dem Siegertreppchen gelang.

Sarah Steinberg gewinnt als erste Trainerin das Derby: Erste Trainerin, die einen Derbysieger vom Geläuf holt: Sarah Steinberg 2023 mit Fantastic Moon und René Piechulek. Der von ihr trainierte Fantastic Moon (Sea The Moon) aus der Zucht von Graf und Gräfin Stauffenberg gewann mit ihrem Lebensgefährten René Piechulek an Bord für die vielköpfige Besitzergemeinschaft Liberty Racing 2021 das IDEE 154. Deutsche Derby.

Nur zwei Jahre nach ihr gelingt Yasmin Almenräder mit Hochkönig der zweite Treffer einer Trainerin im Derby, Nina Baltromei als erste Frau im Sattel eines Derbysiegers

Erfolgreichste Jockeys

Rekordhalter gemeinsam mit Gerhard Streit: Andrasch Starke nach dem Sieg mit Sisfahan im IDEE 152. Deutschen Derby. Deutschen Derby zog Andrasch Starke gleich mit dem bisherigen alleinigen Rekordhalter Gerhard Streit und hat jetzt acht Dreijährige zum "Blauen Band" verholfen: 1998 Robertico, 2000 Samum, 2002 Next Desert, 2006 Schiaparelli, 2008 Kamsin, 2013 Lucky Speed, 2015 Nutan und eben 2021 Sisfahan.

Streit sammelte seine acht Siege in in dem Zeitraum von 1938 bis 1961: 1938 Orgelton, 1939 Wehr Dich, 1940 Schwarzgold, 1941 Magnat, 1943 Allgäu,1946 Solo, 1952 Mangon und 1961 Baalim.

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An dritter Stelle liegt Otto Schmidt (7 Siege), auf dem 4. Platz folgt Tom Busby, der bis 1896 fünfmal das Deutsche Derby gewann, dazu dreimal das Derby in Wien und zweimal in Kopenhagen.

Erfolgreichste Trainer

Der erfolgreichste Trainer im Deutschen Derby war mit 9 Siegen (1927 Mah Jong, 1930 Alba, 1935 Sturmvogel, 1938 Orgelton, 1939 Wehr Dich, 1940 Schwarzgold, 1941 Magnat, 1943 Allgäu, 1949 Asterblüte) George Arnull, geboren 1880 in Newmarket, gestorben 1960 in Köln. Arnull war ein Neffe der beiden Hamburger Vereinstrainer William King Arnull und Ernest Nevill Arnull, deren Großvater Bill Arnull dreimal als Jockey das englische Derby gewann. George Arnull errang alle Derbysiege als Privat-Trainer in Diensten des Gestüts Schlenderhan.

Trainer-Legende: Heinz Jentzsch mit Gestüt Ittlingens Lando nach dem Sieg im Deutschen Derby 1993. Seine Sieger hießen 1969 Don Giovanni, 1970 Alpenkönig , 1976 Stuyvesant, 1978 Zauberer, 1984 Lagunas, 1985 Acatenango, 1993 Lando, 1994 Laroche. Von ihm stammt auf die immer wieder zitierte Aussage über das Derby: "Es ist ein total verrücktes Rennen. An diesem Tag drehen alle durch."

Erfolgreichster aktiver Trainer: Peter Schiergen (rechts) und Sohn Dennis Sammarco unter Bauyrzhan Murzabayev nach dem Sieg im IDEE 153. Deutschen Derby. Die Liste seiner Sieger: 2004 mit Shirocco, 2002 mit Dai Jin, 2002 mit Next Desert, 1997 mit Samum, 1998 mit Robertico.

Andreas Wöhler hat ebenfalls fünf Sieger: 2019 mit Laccario, 2016 mit Isfahan, 2011 mit Waldpark, 1996 mit Belenus, 1989 mit Pik König.

Erfolgreich als Trainer und Jockey

Als Jockey und Trainer erfolgreich: Hein Bollow hier mit Kilometer und Besitzer Adolf Schindling nach dem Sieg im 87. Deutschen Derby. Allen voran Hein Bollow, der als Reiter 1953 mit Allasch, 1954 mit Kaliber, 1956 mit Kilometer und 1962 mit Herero viermal erfolgreich war, gewann 1974 mit Marduk das Derby noch einmal als Trainer.

Harro Remmert siegte 1973 im Derby auf Athenagoras als Reiter und 1995 mit All My Dreams als Trainer. Zu einem besonderen Kuriosum kam es 1937, als Ernst Florian Grabsch mit Abendfrieden als Trainer-Jockey für das Gestüt Graditz erfolgreich war.

1 - 2 - 3 im Derby

Gleich drei Pferde auf den vorderen Plätzen vom Derby-Geläuf zu holen, das gelang bisher nur drei Trainern. Andreas Schütz ist nicht nur der jüngste Trainer, dem dieses Kunststück gelang, er schaffte als Einziger auch den "Doppel-Dreier"

  • 1967 Sven von Mitzlaff mit Luciano, Norfolk und Presto
  • 1985 Heinz Jentzsch mit Acatenango, Pontiac und Lirung
  • 2000 Andreas Schütz mit Samum, Subiaco und Acamani
  • 2002 Andreas Schütz mit Next Desert, Salve Regina und Tomori

Erfolgreichste Besitzer

Das Gestüt Schlenderhan ist der erfolgreichste Besitzer: Hier holt Georg Baron von Ullmann zusammen mit seinem Sohn Philip und Trainer Jens Hirschberger (links) den legendären Adlerflug mit Fredrik Johansson vom Geläuf. Das Gestüt Schlenderhan mit 19 Siegen:

  • 1908 Sieger
  • 1914 Ariel
  • 1918 Marmor
  • 1927 Mah Jong
  • 1930 Alba
  • 1935 Sturmvogel
  • 1938 Orgelton
  • 1939 Wehr Dich
  • 1940 Schwarzgold
  • 1941 Magnat
  • 1943 Allgäu
  • 1949 Asterblüte
  • 1953 Allasch
  • 1969 Don Giovanni
  • 1970 Alpenkönig
  • 1976 Stuyvesant
  • 2007 Adlerflug
  • 2009 Wiener Walzer
  • 2020 mit dem in Frankreich von Francis-Henri Graffard trainierten In Swoop.

An zweiter Stelle folgt mit 12 Erfolgen bis 1944 das staatliche Hauptgestüt Graditz.

Überlegenste Derby-Sieger

1981 siegte Gestüt Zoppenbroichs Orofino unter Jockey Peter Alafi mit zwölfdreiviertel Längen Vorsprung - lange Zeit galt der Dschingis Khan-Sohn somit als überlegenster Sieger, allerdings zeigt der genauere Blick, daß 1871 Bauernfänger laut Richterspruch "Leicht mit 20 Längen gegen Dietrich gewonnen" hat.

Ebenfalls souverän war 2015 Sea The Moon mit elf Längen, genauso wie 1940 Schwarzgold, die überlegen mit zehn Längen gewann. Auch Adlerflug 2007 und Surumu 1977 waren mit sieben Längen Vorsprung der Konkurrenz weit enteilt.

Schnellste und langsamste Derby-Zeit

Für die 2.400-Meter-Distanz benötigte Belenus unter Kevin Darley im BMW 130. Deutschen Derby nur 2:25,81 Minuten - die schnellste Zeit, in der das Deutsche Derby jemals gelaufen wurde. 1927 ist das Deutsche Derby als "Sumpf-Derby" in die Geschichte des Rennsports eingegangen.

In tiefstem Morast erreichte der Schlenderhaner Mah Jong mit E. Pretzner im Sattel nach 3:30,2 Minuten das Ziel. Diese Zeit war die schlechteste, die jemals für einen Derby-Sieg gemesssen wurde. Wolkenbruchartiger Regen hatte das Geläuf in einen Morast verwandelt.

Höchste und niedrigste Siegquote im Derby

1982 auf Ako 608:10 war die höchste Siegquote im Derby. Die niedrigste Siegquote im Derby gab es 1905 auf Patience mit einer Gewinnquote von 10:10.

Stuten-Siege im Derby

War 1997 die 12. und vorerst letzte Stute, die ein Derby gewann: Borgia mit Olivier Peslier und Trainer Bruno Schuetz nach dem Sieg im BMW 128. Deutschen Derby. Erst 42 Jahre später - 1997 - gewann Borgia vom Gestüt Ammerland mit Jockey Olivier Peslier.

Hier folgt die komplette Liste aller erfolgreichen Pferdedamen im Derby:

  • 1873 Amalie von Edelreich
  • 1875 Palmyra
  • 1879 Künstlerin
  • 1880 Gamiani
  • 1885 Budagyöngye
  • 1905 Patience
  • 1915 Pontresina
  • 1936 Nereide
  • 1940 Schwarzgold
  • 1949 Asterblüte
  • 1955 Lustige
  • 1997 Borgia

Bisher gelang mit Nereide, Schwarzgold, Asterblüte und Lustige vier Derbysiegerinnen das Doppel: Nach ihrem Erfolg in Hamburg gewannen sie auch die Diana, das zweithöchstdotierte Rennen in Deutschland, das ausschließlich Stuten vorbehalten ist.

Zusammenfassung der Derby-Rekorde

Die folgende Tabelle fasst einige der wichtigsten Rekorde und Erfolge im Deutschen Derby zusammen:

Kategorie Rekordhalter Details
Erfolgreichste Jockeys Andrasch Starke, Gerhard Streit 8 Siege
Erfolgreichster Trainer George Arnull 9 Siege
Erfolgreichste Besitzer Gestüt Schlenderhan 19 Siege
Schnellste Derby-Zeit Belenus (2000) 2:25,81 Minuten
Langsamste Derby-Zeit Mah Jong (1927) 3:30,2 Minuten
Überlegenster Sieg (Längen) Bauernfänger (1871) 20 Längen (richterlich geschätzt)