Wörter Schwingen: Übungen und Beispiele für den Deutschunterricht

Die Zebra-Materialien für Klasse 1 beinhalten Übungen zum Erwerb der phonologischen Bewusstheit. Diese spezielle Form der Sprachwahrnehmung ist die Grundlage für das Verstehen und Nutzen des alphabetischen Prinzips der Schriftsprache und bildet somit die Basis für einen gelingenden Schriftspracherwerb. Gleichzeitig wird die phonologische Bewusstheit für das Schreiben nach Gehör aber auch vorausgesetzt.

Übungen auf Laut- und Buchstabenebene

Die Arbeit mit der Zebra-Schreibtabelle fördert diese, da durch sie eine intensive Beschäftigung mit Laut-Buchstabenbeziehungen angeregt wird. Insofern ist es für die Verwendung der Schreibtabelle wichtig, geeignete Übungen im Vorfeld anzubieten.

Wichtige Aspekte für die Arbeit mit der Schreibtabelle:

  • Das Klären der Anlautbilder.
  • Das deutliche Sprechen der Wörter (ohne dialektale Einflüsse) und Abhören auf den Anlaut (in wenigen Fällen den In-/Endlaut: Schnecke, Ring, Katze).
  • Das Besprechen ähnlich klingender oder ähnlich artikulierter Laute (d/t).
  • Das Bewusstmachen von Schreibvarianten für denselben Laut (z. B. v/w) und Lautvarianten für denselben Buchstaben (z. B. stimmhaftes und stimmloses-s, gespannter und ungespannter Vokal).
  • Das Aufmerksam machen auf Mehrgrapheme (mehrere Buchstaben können für einen Laut stehen, z.B. sch).

In den Zebra-Materialien für die Klasse 1 finden sich zur Förderung der phonologischen Bewusstheit verschiedene Aufgabenformate: Beispiele: Übungen aus dem Arbeitsheft Lesen/Schreiben Klasse 1, S. 5 f..

Die App Zebra Schreibtabelle hilft den Kindern durch die Audioausgabe Laut-Buchstabenbeziehungen zu festigen. Die Kinder können lautgetreue Wörter schreiben und sie vorlesen lassen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, frei zu schreiben. Durch die Vorlesefunktion bekommen die Kinder eine Rückmeldung, ob sie lautlich richtig geschrieben haben. Suchaufgaben helfen, mit der Schreibtabelle vertraut zu werden.

Im Download zum Artikel findet ihr das Buchstaben-Anlautspiel aus dem Zebra Buchstabenheft, Seite 24, in dem die Kinder Lautbilder und Buchstaben zuordnen müssen. Benötigt werden Spielfiguren und ein Würfel.

Lesen Sie auch: Schwingen live sehen

Anleitung: Die Kinder würfeln reihum und ziehen jeweils auf das erwürfelte Feld. Von hier aus müssen sie auf das passende Lautbild zum Buchstaben springen oder umgekehrt muss der richtige Buchstabe zum Lautbild gefunden werden. Gewonnen hat, wer zuerst im Ziel ist.

Übungen auf Silbenebene

In den Zebra-Materialien für Klasse 1 und 2 wird immer wieder das Silbenschwingen angeregt. Wörter können so in sinnvolle kleinere Einheiten zerlegt werden. Das Silbenschwingen hilft beim Schreiben. Wörter werden deutlich gesprochen, in Silben geschwungen und geschrieben. Das Zerlegen von Wörtern in Silben ist ebenfalls Bestandteil der phonologischen Bewusstheit.

Im Anschluss sollten die Schreibungen vor allem auch nach der Regel „Jede Silbe hat einen König“ (Silbenkern) geprüft werden. Der geübte Leser nutzt die Silbenstruktur von Wörtern automatisiert. Beim Lesen hilft die Silbe ebenfalls, da sie Wörter in kleinere, für das Lesen überschaubare und sinnvolle Einheiten unterteilt. In den Zebra-Materialien stehen Texte und Wörter zur Leseerleichterung teilweise im schwarz-grünen Silbendruck.

Im Downloadbereich findet ihr das Silbenspiel aus dem Zebra Buchstabenheft Seite 23, in dem die Kinder Wörter in Silben zerlegen müssen. Benötigt werden auch hier Spielfiguren und ein Würfel.

Anleitung: Die Kinder würfeln reihum und ziehen jeweils auf das erwürfelte Feld. Sie sprechen das Wort zur Abbildung deutlich und zerlegen es in Silben. Entsprechend der Silbenanzahl ziehen sie vorwärts. Gewonnen hat, wer zuerst im Ziel ist.

Lesen Sie auch: Emmentalisches Schwingen – Rangliste

Warum Lautieren und Silbenschwingen von Anfang an eine wichtige Rolle in den Zebra-Materialien einnehmen

Laut und Silbe werden in den Zebra-Materialen von Anfang an gemeinsam in den Blick genommen. Für den Schriftspracherwerb ergeben sie aber nur gemeinsam Sinn, da wie im Referenzartikel dargelegt beide Einheiten für die deutsche Schriftsprache eine große Rolle spielen. Linguistisch handelt es sich um verschiedene sprachliche Einheiten. Für den Orthographieerwerb kommt die Silbe nicht ohne den Laut aus und umgekehrt. Die Fachdidaktik muss dies berücksichtigen.

In der FRESCH-Strategie Sprechen-hören-schwingen wird sowohl auf die Silbe als auch auf den Laut Bezug genommen. Im Anschluss werden die Silben geschwungen und das Wort wird verschriftet. Wörter werden zunächst deutlich gesprochen und abgehört. Die Schreibung beruht demnach nicht ausschließlich auf dem Lautprinzip, sondern Silbenregeln werden von Anfang an mitbedacht („Jede Silbe hat einen König“).

Auch in weiteren Strategien, die verstärkt ab Klasse 2 eine Rolle spielen, sind Silbe und Laut von Bedeutung: etwa beim Weiterschwingen (Zebra Sprache 2, S. 51-53) oder beim Ableiten (Zebra Sprache 2, S. 80-84). Diese Strategien sind auch für die Klasse 3 und 4 relevant und werden dort aufgegriffen.

Ebenso beim Einprägen von Merkwörtern (Zebra Sprache 2, Kapitel 7) spielt die lautliche Betrachtung eine Rolle: Je bewusster die Kinder die Schreibweise reflektieren (Wie wird der Laut hier ggf. anders als im Deutschen verschriftet? Z. B. th für t in Theater; Wie kann ich das Wort in kleinere Einheiten (Silbe oder Wortbaustein) zerlegen?), desto besser prägen sich Schreibweisen ein.

Insofern lohnt es sich, durch geeignete Übungen an Laut und Silbe zu arbeiten.

Lesen Sie auch: Livestream: Schwägalp Schwinget

Rechtschreibstrategien von Anfang an: Sprechen - hören - schwingen

Die Strategie Sprechen - hören - schwingen ist die grundlegendste und gleichsam die komplexeste Rechtschreibstrategie. Sie umfasst die alphabetische und orthographische Stufe. Der einzelne Laut, als kleinste schriftsprachliche Einheit, spielt beim Hören und Sprechen eine Rolle. Beim Schwingen wird der Fokus auf die Silbe bzw. den Laut im Kontext der Silbe gelegt. Dies wird im Folgenden näher erläutert.

Berücksichtigung des Lautprinzips

Wie oben beschrieben, kann die Rechtschreibstrategie Sprechen- hören - schwingen mehreren Stufen des Schriftspracherwerbs zugeordnet werden. Sie ist in den Zebra-Materialien als basalste Strategie bereits in den Arbeitsmaterialien für Klasse 1 verankert.

Beim deutlichen Sprechen und Abhören der Wörter werden diese zunächst lautlich analysiert. Für das Schreiben müssen nun adäquate Laut-Buchstabenbeziehungen gefunden werden. Dieser Prozess kann durch die Zebra Schreibtabelle unterstützt werden. Die Kinder können somit erste Wörter, Sätze und Texte schreiben, wobei nur der lautgetreue Wortschatz orthographisch richtig geschrieben werden kann.

Streng genommen eignet sich das Verschriften nach dem Lautprinzip nur für einen begrenzten Wortschatz, zu dem auch viele häufige Wörter nicht gerechnet werden können, deren Schreibung vom alphabetischen Prinzip abweicht (z. B. und, ihn). Da die Strategie Grundeinsichten in die deutsche Schriftsprache als Alphabetschrift zulässt, die recht bald von den Kindern angewendet werden können (bspw. Kenntnisse zu Laut-Buchstabenbeziehungen), kann sie außerdem Schreibmotivation fördern.

Eine wertvolle Hilfe beim Erwerb der Strategie mit Fokus auf dem Laut kann die App „Die Zebra Schreibtabelle“ sein. Hier werden sowohl entsprechende Übungen zum Schreiben nach Laut-Buchstabenbeziehungen zum Grundwortschatz angeboten als auch zum freien Schreiben.

In den Zebramaterialien werden auch Buchstabenverbindungen wie Sp/sp, St/st und ie in den Blick genommen sowie komplexe Anfangsränder (blau, brauchen, grau, drei, gleich).

Berücksichtigung des Silbenprinzips

Neben dem Laut umfasst die Rechtschreibstrategie Sprechen - hören - schwingen auch die Silbe als basale Einheit der Schriftsprache. Durch den Silbenkontext erhält der einzelne Laut seine Bedeutung. Insbesondere Beachtung erhält dabei der Vokal als Kern jeder Silbe („In jeder Silbe steht ein Königsbuchstabe“). In vielen zweisilbigen Wörtern, steht in der zweiten Silbe ein e, das sog. Reduktions-e, das in vielen Wörtern kaum oder nicht hörbar ist (z.B. ma-len, Bru-der, sau-er).

Ob der Vokal in der ersten Silbe kurz oder lang gesprochen wird, kann an dessen Position in der Silbe erklärt werden: Steht der Vokal am Silbenendrand (to-ben), so wird dieser lang gesprochen. In diesem Fall sind keine weiteren Längenkennzeichnungen, wie etwa ein Dehnungs-h, nötig.

Langvokale werden in den Zebra-Materialien mit einem Strich, Kurzvokale mit einem Punkt gekennzeichnet.

Anzumerken ist, dass Sprech- und Schreibsilbe nicht immer identisch sind. Dies betrifft insbesondere Wörter, deren erste Sprechsilbe aus nur einem Vokal besteht (Esel) sowie Wörter mit Silbengelenken (Zan-ge, Rü-cken, Ta-sche).

Da längst nicht alle Wörter zweisilbig sind, üben die Kinder ab Klasse 2 mit den Zebramaterialien auch, mehrsilbige Wörter („lange Wörter“) in Silben zu zerlegen.

FRESCH-Strategien im Überblick

Die FRESCH-Strategien sind ein wichtiger Bestandteil des Deutschunterrichts, um Kindern den Weg zu guten Rechtschreibern zu ebnen. Es ist wichtig, dass die einzelnen Strategien der Reihe nach systematisch eingeführt und geübt werden. Erst wenn eine Strategie sicher verinnerlicht und geübt wurde, sollte die nächste folgen.

  1. Silben schwingen: Diese Strategie kann vom ersten Schultag oder sogar schon im Kindergarten eingeübt werden.
  2. Groß oder klein?: Diese Strategie hilft den Kindern, die Groß- und Kleinschreibung zu verinnerlichen.
  3. Verlängern und Weiterschwingen: Diese Strategie lenkt das Augenmerk der Kinder auf das Wortende.
  4. Ableiten: Hier geht es darum, den Kindern die Wortstammschreibung bewusst zu machen.
  5. Merkwörter: Diese Wörter müssen die Kinder einfach auswendig lernen, um sie richtig zu schreiben.

Beispiele für Übungen zum Silben schwingen

  • Namen der Kinder (Su-san-ne, A-li, Mus-ta-fa, Ma-xi-mi-li-an)
  • Gegenstände im Klassenzimmer (Stuhl, Ta-fel, Turn-beu-tel, Bü-cher-ta-sche)
  • Lieblingstiere (Schwein, La-ma Eich-hörn-chen, Af-fe)

Die dreischrittige Nomenprobe

  1. Handelt es sich bei dem Wort um einen Menschen, ein Tier, eine Pflanze oder ein Ding?
  2. Kann ich vor das Wort einen bestimmten oder unbestimmten Artikel setzen?
  3. Kann ich das Wort in die Mehrzahl setzen?

Sind mindestens zwei der Bedingungen erfüllt sein, handelt es sich um ein Nomen.

Beispiele für Verlängern und Weiterschwingen

  • Hund - Hunde
  • Weg - Wege
  • Korb - Körbe
  • Hand - Hände

Beispiele für Ableiten

  • fahren - fährt
  • Gefahr
  • gefährlich
  • gefährden
  • Fähre