Wie viele Dan-Grade gibt es im Karate?

Im Karate und anderen Kampfkünsten werden Schüler- und Meistergrade unterschieden. Jeder dieser Stufen wird eine Gürtelfarbe zugeordnet. Generell gilt aber, dass ein weißer Gürtel die unterste Klasse darstellt. Je höher die Klasse ist, desto dunkler wird in der Regel der Gürtel - bis hin zum schwarzen Gürtel, dem Meistergrad (japanisch: Dan). Die Meistergrade sind unterteilt in 1. bis 10. Dan.

Kōdōkan Judo hat dieses System im 19. Jahrhundert erstmalig verwendet. Vorher gab es kein Graduierungssystem nach Gürtelfarben in den Kampfkünsten aus Okinawa und Japan.

Die Schülergrade (Kyū)

Im Deutschen Karate Verband gibt es eine Abstufung über fünf Schülergrade (5. bis 1. Kyū), wobei für jeden Kyū-Grad eine Farbe in der vorgenannten Reihenfolge stand. Diese Farben haben in den unterschiedlichen Arten jedoch nicht durchweg die gleiche Bedeutung.

Folgende Auflistung gilt für den Deutschen Karate-Dachverband und nur für die Karatestile Shotokan, Goyu Ryu und Wado Ryu:

  • 9. Kyū (weiß): Hier beginnt das Lernen. Das Weiß steht für Reinheit und Klarheit. Geschwindigkeit und Kraft sind erst einmal nebensächlich. Wichtiger ist eine korrekte Ausführung der Techniken.
  • 8. Kyū (gelb): Die Bewegungsabläufe in den Grundtechniken sind nun flüssiger.
  • 7. Kyū (orange): Orange steht hier für das Feuer und die Wärme der Sonne.
  • 6. Kyū (grün): Der Schüler kann schon viel differenzierter und vielseitiger agieren.
  • 5. bis 4. Kyū (blau): "Die Pflanze wächst zum blauen Himmel", heißt es in Japan über diese farbliche Kennzeichnung der Schülerklasse im Karate.
  • 3. bis 1. Kyū (braun): Die letzten drei Schülergrade, in denen die Farbe Braun aus dem Japanischen übersetzt bedeutet: "Der Baum hat eine starke Rinde.

Die Meistergrade (Dan)

Die Meistergrade sind unterteilt in 1. bis 10. Dan.

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  • 1. bis 10. Dan (schwarz): Der erste Meistergrad. Hier hat das Lernen allerdings noch kein Ende gefunden, denn es gibt noch neun weitere und höherrangige Meistergrade, die durch den schwarzen Gürtel symbolisiert werden.

Schwarz und auch der "Schwarze Gürtel" ist die Farbe der Meisterinnen und Meister und nur diesen vorbehalten. Schwarz, steht für das Weltall, vereinigt alle anderen Farben in sich und ist somit die stärkste aller Farben. Schwarz symbolisiert ebenso die Autorität, das Wissen und die Erfahrung der MeisterInnen.

Der höchste Meistergrad ist der 10. Dan, dessen Träger auch an einem rot-weißen Gürtel zu erkennen sein können. Das kann je nach Stilrichtung verschieden sein. Bis dorthin ist es ein sehr langer Weg und nur sehr wenige Menschen haben den 10. Dan im Karate zu Lebzeiten erreicht. Es heißt auch, dass dieser Grad posthum, also nach dem Tod des Karateka, ehrenhalber verliehen werden kann, um die Leistung und das Wirken des Meisters zu würdigen.

Der Weg zum Meistergrad

Im überlieferten Verständnis des Budo haben die Dangrade weit weniger Bedeutung als in unserer westlichen Welt. Vielmehr gilt Schwarz = Weiß. Der Lehrer bleibt ein Schüler. Der 1.-4. Dan sind weiterhin Schülergrade. Erst ab dem 5. Dan, dürfen sich die Träger als MeisterInnen sehen. Vor allem geht es darum sich selbst zu meistern.

"Erst wenn man begreift, dass traditionelle Kampfkunst gleichermaßen Test als auch Übung des Charakters darstellt, kann man nachvollziehen, worauf die besondere Stellung des Meisters gründet."

Es werden weiterhin dieselben Techniken trainiert, doch erst jetzt besteht die Möglichkeit diese selbständig zu verändern, anzupassen, weiterzuentwickeln. Es ist der Weg der Freiheit, des über die reine Technik hinauswachsen.

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Je nach Kampfkunst oder Organisation werden die Dan-Graduierungen differenziert gehandhabt. Einige Schulen vergeben einen Junior-Dan schon ab dem 12. bzw. 14. Lj. Häufiger jedoch wird der 1.Dan frühestens ab Volljährigkeit verliehen. Meist erwartet man von den SchülerInnen dazu den "obligatorischen" Bruchtest (z.B. beim Taekwondo).

Bis zum 5. Dan werden (üblicherweise) Prüfungen bei höher graduierten MeisterInnen in der eigenen Schule abgelegt. Oft gehört dazu auch eine schriftliche Arbeit zu theoretischen / philosophischen Aspekten der Kampfkunst. Beim Judo werden bis zum 8.Dan Graduierungsturniere durchgeführt, bei denen die Anwärterin eine bestimmte Anzahl an Punkten "sammeln" muss.

Einige Systeme graduieren nur bis zum 9. Dan, der 10. bzw. 11. Dan wird dann teilweise nur posthum (nach dem Tode) verliehen, wenn herausragende Verdienste für diese Kampfkunst oder den Verband geleistet wurden. Bei einzelnen Wing Tzun-Organisationen können LehrerInnen bis zum 12. Dan aufsteigen.

Bei Mindestalter und Wartezeiten gibt es große Unterschiede. Ich meine vor kurzen irgendwo gelesen zu haben, dass in den USA unterdessen sogar der 20. Dan (Hä?) erreicht werden kann.

In aller Regel werden "Schwarzgurte" getragen. Oft sind diese dann nach vielen Jahren ziemlich zerschlissen (manche helfen extra mit der Drahtbürste nach). Damit diese dennoch zu unterscheiden sind, werden "Dan-Balken" aufgenäht.

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Zu besonderen Anlässen tragen die höheren Dangrade (ab 6. Dan) Gürtel in rot-weiß/rot-schwarz oder rot (ab 9. Dan). Manchmal tragen die ranghöchsten LehrerInnen mit dem 10. Dan wieder einen "Weißgurt" (in manchen Systemen "rot-weiß") um die Vollendung anzudeuten.

Zudem werden auch "Ehren-Dan" in schwarz-gold ausgegeben. Ab dem 7. Dan darf der Titel Großmeister verwendet werden.

Es ist auch möglich sich Kampfkunst-/Verbandsübergreifend prüfen und graduieren zu lassen. Gerade für Schulen/Lehrer, die keinem eigenen Dachverband angehören ist das eine gute Möglichkeit weiterzukommen. Viele Verbände bemühen sich darum, dennoch hat sich bisher nichts einheitliche etabliert.

Immer wieder versuchen einzelne Schulen internationale, europäische oder deutsche Organisationen / Dach-Verbände zu gründen und sind dann die einzige teilnehmende Schule oder kommen leider nicht über wenige angeschlossene Vereine hinaus.

Die einzelnen Dan-Stufen

Die einzelnen Dan-Stufen repräsentieren den persönlichen, technischen bzw. geistigen Entwicklungsstand der Weg-SchülerInnen in speziellen Bereichen. Meisterschaft ist die Bereitschaft zu gehen, Schritt für Schritt und sich selbst hinzugeben. Ich opfere mein kleines Ich und verschreibe mit mit Allem dieser einen Sache.

  • 1.-4. "Für einen Dan legt man eine Prüfung ab, bei der es sich nicht mehr nur um die physischen Techniken dreht, sondern auch um geistige Reife und körperlich-geistige Balance. Bereits als Voraussetzung zum 1. Dan muss man sämtliche Grundtechniken des Taekwondo beherrschen. Bei allen weiteren Dan-Prüfungen dreht es sich um Vervollkommnung. Es reicht nicht aus, Techniken vorführen zu können. Der Schüler geht immer wieder um die Kurve auf seinem Weg und lernt etwas Neues. Auf diese Weise perfektioniert er seine Technik immer weiter und erhält sich die Frische seiner Fähigkeiten. Es reicht nicht aus, etwas nur zu können. Man muss es auch praktizieren.
  • 1. Den ersten Schwarzgurt (Shodan = kleiner Grad o. Anfangsgrad) zu erreichen meint, die Basis aller technischen Fähigkeiten - auf hohem Niveau - zu beherrschen, eine "Vorahnung" über das Wissen der Techniken. Die Trainierenden beginnen von vorn. Jetzt beginnt die eigentliche Ausbildung für die, welche bis hierher durchgehalten haben. All jene, für welche es um mehr geht, als möglichst schnell den nächsten Gürtel zu bekommen oder Pokale. Es geht um das tiefe Verstehen der Kampfkunst, des Weges.

"Der schwarze Gurt und der weiße Gurt sind beide gleich. Der Weiß-Gurt ist der Beginn der Technik, der Schwarz-Gurt der Beginn des Verstehens. Der 1. DAN ist am schwierigsten zu erreichen, dennoch beinhaltet er das Potenzial zu schnellem Wachstum. Andere schauen ehrfurchtsvoll, vielleicht auch etwas neidisch, zu ihm auf und sehen in ihm ihren Anführer. Der DAN-Träger hat viele Jahre ausdauernd trainiert, sich motiviert und Erfahrung gesammelt. An den gewachsenen Fähigkeiten ist seine Einstellung nun sichtbar geworden. Er erkennt immer öfter, dass es beim erlernen einer Technik um viel mehr geht, als diese zu beherrschen.Er beginnt erste Zusammenhänge zu erahnen.

1. "Für mich ist der Schwarze Gürtel Auszeichnung und Last. Geschenk und Aufgabe. Die Verantwortung, außerhalb vom Dojo, ohne Gi und Obi, meisterlich zu Leben und zu Handeln. Das, was ich auf der Matte von meinen SchülerInnen erwarte, selbst zu tun. Es besteht die Gefahr sich mit dem scheinbar Erreichten zufriedenzugeben und dadurch in der Entwicklung zu stagnieren. Zusätzlich kann die neue herausgehobene Stellung ihn von der Gruppe isolieren und zu Gefühlen der Einsamkeit führen. Er ist jetzt ein Vorbild und aufgerufen dies zu leben. Achtsamkeit ist angeraten, um Überheblichkeit sowie Egoismus zu vermeiden. Das Wohl der Gruppe steht im Vordergrund. Er ist zielstrebig, konzentriert, erfolgreich, kreativ und lässt sich begeistern. Gleichzeitig sollte er darauf achten, nicht zu energisch zu sein. Neuen Wegen und Ideen steht er aufgeschlossen gegenüber. Er hat sich das Vertrauen der Gruppe verdient.

  • 2. Die Reise auf dem Weg zu "wahrer" Meisterschaft stellt an die Reisenden gewisse Bedingungen. Es fällt der "Weg-Schülerin" leicht ihre Kompetenz im Lehren weiter zu verbessern. Dieser DAN steht im Besonderen für Ying & Yang, männlich & weiblich, Licht & Schatten und somit für die Ambivalenz und Unentschlossenheit seiner Trägerin. Bleibt die Schülerin beständig und bescheiden, wird der beschrittene Weg zum Erfolg führen.Sie spürt das sie den "Anfang des Weges" erreicht hat und ist sich der vielen Hindernisse, welche noch vor ihr liegen, durchaus bewusst. Die größte Gefahr besteht in dieser Stufe darin, die notwendigen Konfrontationen und "Prüfungen" zu vermeiden, sich durch zu lavieren. Nach der Glückseligkeit, dem Überschwang und dem berechtigten Stolz des ersehnten 1. DAN, ist die folgende Stufe eher ruhig, langsam und stetig.
  • 3. Das Ziel vor Augen, ist der Danträger unerschütterlich entschlossen den eingeschlagenen Weg (DO) bis ans Ende seiner Tage fortzuführen. Es gibt nichts was ihn davon abhalten kann.Von den kommenden Herausforderungen lässt er sich nicht (mehr) einschüchtern. Seinem Lehrer, seiner Schule, seiner Kampfkunst und seinem Weg bleibt er treu ergeben. Seine Kampfkunst ist ein untrennbarer Teil seines Lebens und Wesens geworden. Oft kann er den Meister in sich wahrnehmen und beginnt entsprechend zu handeln. Wie in dem Bild des Ying-Yang, sind seine hellen und dunklen Seiten im Gleichgewicht. Nach einem stürmischen Weg voller Höhen und Tiefen hat er seinen inneren Frieden gefunden und ist zur Ruhe gekommen. Alles an ihm strahlt Harmonie aus. Der Weg hat das Potenzial zu schnellem Wachstum, Anerkennung und Ehre.
  • 4. Der Weg ist zum Lebensprinzip geworden und gleichzeitig der Beginn des Budo. Die körperlichen und technischen Grenzen sind erreicht, neue Herausforderungen stehen an. Die Schülerin ist fest mit ihrem Weg verbunden. Die Theorie, Praxis und vor allem die geistigen Aspekte der Kampfkunst haben sie durchdrungen und werden im Alltag gelebt. Bei allem, was sie tut, ist sie auf der Suche nach innerer Vollkommenheit und Wahrheit, dem Weg zu authentischer Meisterschaft. Doch noch ist sie keine Meisterin, sie steht an der Schwelle zu den Stufen des Wissens (5.-6. Dan) und der Reife (7.-10. Dan). Die korrekte innere Haltung steht vor dem Beherrschen der reinen Technik. Von der Dan-Trägerin werden Kenntnisse der Geschichte, der philosophischen Grundlagen ihrer Kampfkunst und Geübtheit in Achtsamkeitstechniken erwartet. Das Erreichen des 4. Wer diese Stufe erreicht, wird bestätigen das Strenge, Ernsthaftigkeit, Geradlinigkeit, Regelmäßigkeit und auch Schönheit diese Passage kennzeichnen. Wenn die Dan-Trägerin hartnäckig bleibt, sind materieller Erfolg, hohe Auszeichnungen und die zunehmende gesellschaftliche Anerkennung gewiss. Vorausgesetzt, sie nimmt weiterhin regelmäßig an Prüfungen und Fortbildungen teil. Dieser Dan steht für das Materielle, Unverwüstliche und Konkrete und gilt als besonders konstant und vollkommen in substantieller und geistiger Hinsicht. Erst jetzt sind die Lernenden wahre Meister- und LehrerInnen: Mit Herz, Geist und Seele. Sie sind die Menschen mit Bewusstsein.Die Abschnitte des Wissens und der Reife liegen jetzt vor ihnen. Die Kunst ist verinnerlicht und ein untrennbarer Teil des Lebens. Der Mensch und der Weg sind eins. Mit den philosophischen Grundlagen ihrer Kunst sind sie vertraut.Umfangreiches Wissen, Gespür, Abgeklärtheit und eine unerschütterliche innere Haltung zeichnen den Weg aus. Gerade auch im Alltag leben sie den DO.
  • 5. Dieser Dan wird nicht vor dem Alter von 30 verliehen (Rainer Grytt schreibt: 50!).Er verkörpert das gesamte Leben des Kampfkünstlers - Bewegung. Freiheit, Schnelligkeit, Kraft, Beharrlichkeit, Geschicklichkeit und symbolisiert das Erreichen einer höheren Ebene. Ein Mensch mit reifem Bewusstsein. Zwanzig Jahre Praxis in den Kampfkünsten prägen den Adepten. Training, Schweiß, Schmerzen, Durchhalten und Kampf, vor allem mit sich selbst, haben ihn geformt und zum Meister werden lassen. Hohes Wissen, Lebenserfahrung und ein starker Geist machen ihn aus. Der Weg des Kämpfers hat ihn durchdrungen, gleichwie er ihn. Er ist ein untrennbarer Teil seiner Persönlichkeit geworden. Mit seinem ganzen Sein ist er ein Meister der Kampfkunst. Exzesse auf persönlicher oder sportlicher Ebene bringen unüberschaubare Risiken mit sich und können dem Meister gefährlich werden. Er ist ein Feind aller Mittelmäßigkeit. Unklare Zustände kann er nur schlecht ertragen.
  • 6. Der 6. Dan zeigt an, das die TrägerInnen ihre eigene Entwicklung, vor allem in Charakter und Technik, vervollkommnet haben.Ihr Weg hat eine bisher unbekannte Harmonie und Schönheit erreicht. Sie stehen auf einem soliden Fundament von Konzentration und Fokus, Intuition und täglicher Meditation. Die Gefahren kommen eher von Außen denn von Innen, in Form von Zeit- und Energieräubern, welche nur zu gern etwas von dem Glanz abhaben möchten, ohne selbst etwas dafür zu tun. Dem muss mit großer Sorgfalt und Wachsamkeit Einhalt geboten werden.
  • 7. Der 7.Dan steht für das außergewöhnliche Geschenk großer Freiheit. Disziplin und Achtsamkeit sind weiterhin die täglichen Begleiter des Großmeisters. Der Meister bejaht das Leben i...

Der 1928 in Tokio geborene Hidetaka Nishiyama absolvierte seine Prüfung zum 10. Dan im Jahr 2003, also im Alter von 75 Jahren. Mit 15 Jahren hat er begonnen, Karate zu lernen. Er brauchte also 60 Jahre, um vermeintlich das Ziel im Karate Do (Der Weg der leeren Hand) zu erreichen.

Vermeintlich heißt hier, dass man nie vergessen darf, dass besonders im Karate immer der Weg das Ziel ist und ein 10. Dan wird nicht bedeuten, dass dessen Träger perfekt ist und nichts mehr hinzulernen kann.

Grad Gürtelfarbe Bedeutung
9. Kyū Weiß Beginn des Lernens, Reinheit
8. Kyū Gelb Flüssigere Bewegungsabläufe
7. Kyū Orange Feuer, Wärme der Sonne
6. Kyū Grün Differenzierteres Agieren
5.-4. Kyū Blau Wachstum zum Himmel
3.-1. Kyū Braun Starke Rinde des Baumes
1.-10. Dan Schwarz Meistergrad