Karate ist nicht gleich Karate. Unter dem Dach des DKV haben sich zahlreiche Stilrichtungen versammelt, wobei die Unterschiede von Stilrichtung zu Stilrichtung mitunter nur Nuancen betragen.
Die Stile (ryū) und Unterstile (ha) des Karate sind in ihrer Vielfalt unüberschaubar. Hinzu kommt, dass bestimmte Stilrichtungen mehr oder weniger stark ausgeprägt und in Deutschland vertreten sind.
Die Stilrichtungen Shotokan, Wado-Ryu, Goju-Ryu und Shito-Ryu sind von der WKF und der EKF anerkannt. Aufgrund ihrer historischen Gründungsrechte haben die Stilrichtungen Shotokan, Wado-Ryu und Goju-Ryu ein Veto-Recht in der Bundesversammlung.
Alle im DKV anerkannten Stilrichtungen haben gleiche, in der DKV-Satzung verankerte Rechte. Der DKV selbst ist an keine Stilrichtung gebunden.
Die großen Karate-Stilrichtungen
Im Folgenden werden die bedeutendsten Karate-Stilrichtungen näher beleuchtet:
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Shotokan
Der Shōtōkan-Stil ist die am weitesten verbreitete Stilrichtung im Karate-dō. Shoto = Kiefernrauschen; Kan = Halle, Haus. Gegründet wurde diese Karate-Stilrichtung von Gichin Funakoshi (1868 - 1957), sein Lehrer war Itosu. Funakoshi wird auch als Vater des modernen Karate Do bezeichnet.
„Shoto“ war sein Künstlername und bedeutet „das Rauschen der Kiefernwipfel“. Funakoshis Dojo (Trainingshalle) wurde 1939 nach seinem Künstlernamen „Shotokan“ genannt.
Als Meister des Shuri-Te-Systems war er mit dem Konzept des Dō im Karate vertraut, und er sicherte dadurch die Akzeptanz im Rahmen des modernen japanischen Lebens.
Shoto war das Pseudonym von Funakoshi und in seinem späteren Leben nannten ältere Schüler ihr Dojo Shotokan (wörtlich das Haus des Shoto oder Funakoshi).
Charakteristisch für diese Stilrichtung ist ein tiefer Stand, der dynamische und kraftvolle Bewegungen ermöglicht.
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Training der Grundschule Kihon und der Kata sowie in den Basisformen des Kumite (Kihon-Kumite) praktiziert. die Bänder stets gedehnt werden, um im Kampf eine hohe Reichweite zu erzielen. Im Kumite-Shiai und im Jiyu-Kumite steht der Karateka locker und um einiges höher.
Distanz zum Gegner (Sport-Kumite), wobei auch im Shōtōkan die Rolle des Nahkampfes in keiner Weise vernachlässigt wird. Jede Shōtōkan-Technik kann entweder als eine Angriffstechnik oder als eine Verteidigungstechnik eingesetzt werden.
Schulung von Geist, Charakter und innerer Einstellung. Wichtig war ihm außerdem auch der Selbstverteidigungsaspekt des Karate. Wettkampf-Karate kaum mehr beachtete Maxime: „Im Karate gibt es keine erste Hand.“ (D. h. längere Stellungen und ab 1943 Gohon-Kumite, Sanbon-Kumite und Ippon-Kumite. Insgesamt ein dynamischerer und kämpferischerer Stil.
Im Shōtōkan-Karate ist die Japan Karate Kyōkai die Japan Karate Association (JKA). Shōtōkan-Karate darstellte. Selbsteinschätzung führte. Die korrekte Ausführung der Techniken wurde durch die Schiedsrichter kontrolliert.
Takushoku-Universität. So kam es erstmals zu einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Karate. „Karate-Perfekt“ entstanden.
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Nach dem Tode Funakoshis spalteten sich dessen Anhänger in zwei Gruppen. ist die Japan Karate Kyōkai, die andere die Shōtōkai von Egami Shigeru (1912-1981). Egami, ein Schüler Funakoshis und mehr Mystiker, lehnte Nakayamas Weg als zu sportlich ab und gründete 1958 das Shōtōkai-Karate.
Shōtōkai-Karate veranstaltet keine Wettkämpfe. Shōtōkan-Katas weitgehend identisch. Nach der Abspaltung der JKA veränderte Egami sein Karatekonzept, das sich bisher an Funakoshi Yoshitakas Auffassung anlehnte, wobei er vom Aikidō, Taijiquan und Qigong beeinflusst wurde.
Das Shōtōkan-Karate ist in zahlreichen unterschiedlichen Verbänden organisiert. Fachverband für Karate unter dem Dach des damaligen Deutschen Sportbundes (DSB) etablieren konnte. Zusätzlich gründete Hideo Ochi 1993 den deutschen JKA-Ableger, der Deutsche JKA-Karate Bund (kurz DJKB).
Deutschen Karate-Verband (DKV) waren Unstimmigkeiten der Mitglieder bezüglich der Auslegung der traditionellen Werte des Shōtōkan-Karate. Frühjahr 1989 unter dem Dach des Judo-Bundes zugelassen.
Goju-Ryu
Goju ist eine der 4 großen japanischen Karate-Stilrichtungen. Goju-Ryu wird wörtlich übersetzt mit „hart-weich“. Gründer dieser Stilrichtung ist Chojun Miyagi (1888 - 1953). Er studierte anfangs chinesisches Boxen (Shao Lin Chuan und Pa Kua Chuan).
Unterrichtet wurde Miyagi von Meister Higaonna. Aus dem Erlernten und seinene Erfahrungen entwickelte er seine eigene Stilrichtung. Von den verschiedenen japanischen Karate-Stilrichtungen lässt das Goju-Ryu Karate den chinesischen Ursprung noch am deutlichsten erkennen.
Goju wurde aus dem Naha-Te von Kanryo Higaonna entwickelt und spiegelt einen großen Einfluss der südchinesischen inneren Künste wieder. Als junger Mann verbrachte Higaonna viel Zeit in den südlichen Provinzen Chinas. Dort lernte und modifizierte er die grundlegende Kata des Goju-Systems, Sanchin.
Yamaguchi, die „Katze“, verbreitete den Stil außerhalb Japans.
Wado-Ryu
Wado ist eine der 4 großen japanischen Karate-Stilrichtungen. Wado bedeutet "der Weg des Friedens". Wurde 1939 von Otsuka, einem Schüler Funakoshis, gegründet.
1922 begann Hironori Ohtsuka (1892 - 1982) mit dem Karate-Training. Gichin Funakoshi (Shotokan-Karate) war sein Meister. Er lernte aber auch bei Kenwa Mabuni (Shito-Ryu-Karate). Ohtsuka studierte vorher bereits das Shindo Yoshinryu Jujutsu.
Er kombinierte das Shotokan-Karate mit den Ausweichbewegungen des Jujutsu und entwickelte so den Karate-Stil Wado-Ryu. Hier ist die Stellung kürzer und die Bewegungen kleiner.
Zeichnet sich durch kurze Schritte, geringerer Endspannung und schnelle Bewegungsfolgen aus. Viele Kata gleichen denen des Shotokan, jedoch wurden ihre ursprünglichen, z.T. begründet, einem Schüler Funakoshi (Shotokan).
Shito-Ryu
Shito ist eine der 4 großen japanischen Karate-Stilrichtungen. Kenwa Mabuni (1893 - 1957) wurde von den Meistern Itosu und Higonama in Karate gelert. Er „vermischte“ beide Karate-Richtungen Shorin-Ryu und Shorei-Ryu und gab seiner Karate-Stilrichtung den Namen Shito-Ryu.
Aus den Initialen seiner beiden Meister wurde der Name abgeleitet. Mabuni unterrichtete dieses System auf Okinawa und bei seinen häufigen Besuchen in Japan.
Gegründet von Kenwa Mabuni als eine Synthese aus Naha-Te und Shuri-Te ist Shito-Ryu nach den chinesischen Schriftzeichen der beiden Lehrer Mabunis, Itosu und Higaonna, benannt. Das Shito-Ryu System enthält Katas von allen drei ursprünglichen Okinawa-Systemen, Shuri-Te, Naha-Te und Tomari-Te.
Es gibt eine Reihe von wichtigen Zweigen des Shito-Ryu, die wichtigsten sind Shukokai - Tani, Seikikai - Watanabe, Itosukai - Sakagami, Shitokai - Iwata, Renbukan - Sotokawa, Shito-Ryu - Kenei Mabuni und Hyashi-ha - S.
Tani-ha Shito-Ryu wurde von einem der fortgeschrittensten Schüler Mabunis, Chojiro Tani, gegründet. Tani war der Erbe der Kata Schriftrollen seines Lehrers und sein ernannter Nachfolger.
Shorin-Ryu
„Flexible Kiefernschule“. Die sanfte, leichte Schule des Okinawa-Te, die aus dem Shuri-Te und Tomari-Te entwickelt wurde.
Im späten 19. Jhd. wurden die Stile Shuri-Te und Tomari-Te vereinigt und bekannt als Shorin-Ryu. Dies geschah als Folge einer natürlichen Vermischung und nicht aus politischen oder sozialen Gründen.
Im Gegensatz zu Shorei-Ryu beinhaltet das Shorin-Ryu-Karate leichte, schnelle Bewegungen und eignet sich daher für kleine, leichte Kämpfer. Gichin Funakoshi teilte dem Shorin-Ryu folgende Kata zu: Taikyoku, Heian, Bassai, Kanku, Enpi und Gangaku Seine Bezeichnung erhielt der Stil erstmals 1928 vom okinawnischen Meister Chibana.
Weitere Stile und Organisationen
Es gibt noch viele weitere Karate-Stile und Organisationen, die im DKV und weltweit vertreten sind. Einige Beispiele:
- SOK (Stilrichtungs-offenes Karate)
- Koshinkan
- Kyokushin-Kai
- AKS-Karate
Im Bereich SOK sind im BKV auch eine Vielzahl kleinerer Stilrichtungen (mit weniger als 90 Mitgliedern in der jeweiligen Stilrichtung) vertreten. Diese fallen in die Zuständigkeit des Stilrichtungsreferenten für SOK.
Koshinkan wurde 1999 im DKV (Deutscher Karate Verband) von Shihan Hans Wecks (9. Dan) gegründet. Ko = alte (traditionelle) shin = neue (zeitgemäße) kan = SchuleKoshinkan-Karate ist eine konsequente Fortführung der traditionellen Karate-Stilrichtungen. Sie ist zeitgemäß, praxis - & zukunftsorientiert.
Man trainiert, unterrichtet und prüft das gesamte Spektrum (die vier Säulen) des Karate: Grundschule (Kihon), Kampf (Kumite), Selbstverteidigung und Kata (mit Bunkai). Dabei wird von Beginn an Wert auf ein flexibles, praxisorientiertes Partnertraining gelegt. Die Basis des Koshinkan kann jede traditionelle Stilrichtung sein und wird in unserer Karate Zanshin Academy unterrichtet.
Einfluss und Verbreitung
Das Shorin-Ryu-Systems wurde im Jahre 1922 auf Einladung des Kronprinz Hirohito von Gichin Funakoshi, einem Schüler von Itosu, nach Japan gebracht. Kenwa Mabuni, der Gründer des Shito-Ryu, folgte ihm im Jahr 1930. Obwohl Funakoshi und Mabuni Zeitgenossen und beide Schüler von Itosu waren, gingen sie ihre eigenen Wege: Funakoshi lernte weiter unter Azato und Mabuni trainierte mit Higaonna.
Mabunis Entscheidung, in Osaka zu lehren, sollte weitreichende Folgen für die Zukunft haben. Funakoshis Shotokan, welches vor allem in der Hauptstadt Tokio praktiziert wurde, war nach dem Krieg für die ausländischen Soldaten wesentlich besser zugänglich und konnte damit leichter in andere Teile der Welt exportiert werden.
Noch heute hat Mabunis Shito-Ryu die größte Stärke im Bezirk Kansei in Japan, also rund um Osaka, Kobe und Kyoto. Auf Okinawa war das Fehlen von Mabuni und Funakoshi der Grund, dass das Okinawa Karate durch Chojun Miyagi weitergeführt wurde, der die Goju Schule leitete.
