Ein 100 Karat Diamant ist nicht nur ein Schmuckstück, sondern auch ein begehrtes Anlageobjekt. Der Wert eines solchen Diamanten hängt von verschiedenen Faktoren ab, die im Folgenden näher beleuchtet werden.
Versteigerungen und Rekordpreise
Im Laufe der Jahre wurden immer wieder Diamanten mit mehr als 100 Karat versteigert, die beachtliche Summen erzielten. Interessant ist, dass der aktuell versteigerte Diamant 2018 als ein 271-Karat-Rohstein in einer kanadischen Grube entdeckt worden war.
- Ein mehr als 102 Karat schwerer weißer Diamant wurde in Hongkong für umgerechnet 13,3 Millionen Euro versteigert. Der private Sammler nannte den weißen ovalen Diamanten nach seiner zweiten Tochter „Maiko Star“, teilte das Auktionshaus Sotheby's mit. Der Stein sei „völlig makellos“.
- Der bisher größte versteigerte Diamant mit mehr als 163,41 Karat wurde im November 2017 in Genf für umgerechnet 28,6 Millionen Euro verkauft.
- Der bislang teuerste Diamant ist der rosa Diamant „Pink Star“, der im April 2017 bei Sotheby's in Hongkong für umgerechnet 60,4 Millionen Euro verkauft wurde. Er ist makellos, lupenrein und vollendet.
Ein seltener und "vollendeter" Diamant mit 100 Karat wurde in New York versteigert und sollte bis zu 25 Millionen Dollar kosten. Den Angaben zufolge bringt der seltene Diamant, der am Dienstag (21.04.2015) in New York vom Auktionshaus Sotheby's versteigert wurde, 100,20 Karat auf die Waage. Der Diamant ist nur einer von sechs existierenden Diamanten weltweit mit 100 oder mehr Karat.
Laut Sotheby's wurden bislang nur fünf Diamanten von ähnlicher Qualität und einem Gewicht über hundert Karat versteigert. Ein großer und besonders schön geformter Diamant ist in New York für 22,1 Millionen Dollar (20,6 Millionen Euro) versteigert worden. Binnen drei Minuten habe der 100,2 Karat schwere Stein seinen Besitzer gewechselt, teilte das Auktionshaus Sotheby's mit. Den Zuschlag erhielt ein anonymer Bieter am Telefon.
Sotheby's hatte den Stein als "perfekt" beschrieben, weil er "weißer als weiß" sei und "keinerlei Unvollkommenheit" aufweise. "Er ist so durchsichtig, dass man ihn nur mit einem Becken Eiswasser vergleichen könnte", schwärmte der Leiter der Schmuckabteilung von Sotheby's, Gary Schuler. Der Stein stammt aus einer südafrikanischen Diamantenmine des Juweliers De Beers. An seiner Form wurde über ein Jahr lang gefeilt.
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In der Hoffnung, reiche Kaufinteressenten anzusprechen, hatte Sotheby's den Diamanten in Doha, Dubai, Hongkong, Londons, Los Angeles und New York ausgestellt. Das Auktionshaus hatte mit einem Preis zwischen 19 und 25 Millionen Dollar gerechnet.
Die 4C: Qualitätsmerkmale von Diamanten
Die Qualität eines Diamanten wird anhand der sogenannten 4C bewertet:
- Carat (Gewicht): Ein Karat entspricht 0,2 Gramm.
- Color (Farbe): Je farbloser ein Diamant, desto wertvoller ist er.
- Clarity (Reinheit): Je weniger Einschlüsse ein Diamant hat, desto wertvoller ist er.
- Cut (Schliff): Der Schliff bestimmt die Brillanz und das Feuer eines Diamanten.
Preisbildend sind die 4C (Carat/Karat, Color/Farbe, Clarity/Reinheit, Cut/Schliff) im Zusammenspiel. Dazu kommen Provenienz und Story: Ein königlicher Vorbesitz, ein legendärer Fundort oder ein ikonischer Auftritt in der Popkultur können Werte massiv erhöhen. Raritäten bei Farben, zum Beispiel Fancy Vivid Blue oder Pink, treiben die Nachfrage zusätzlich in die Höhe.
Die Schliffqualität (nicht die Schliff-Form wie z.B. der Brillantschliff) ist ausschlaggebend für die Brillanz und das Feuer eines Diamanten und machen aus ihm erst einen funkelnden und wertvollen, schönen Edelstein.
Einfluss von Farbe und Reinheit auf den Preis
Die folgende Aufstellung zeigt den Einfluss von Farbe und Reinheit auf den Preis von Diamanten und soll Ihnen als grober Leitfaden dienen.
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Maßstab bzw. Ausgangspunkt ist hier der Diamant mit den bestmöglichen Werten in Farbe (D) und Reinheit (IF) oben links mit 100%. Gemessen an seinem Wert/Preis werden für die anderen Diamant-Qualitäten entsprechende Abschläge vorgenommen.
Ein Diamant in Farbe G und Reinheit VS2 sollte somit einen Preis von nur noch 30% haben (minus 70%). Bei einem angenommenen Preis für einen Einkaräter Brillant in Farbe D und Reinheit IF von 22.000,00 Euro ergibt sich somit ein rein rechnerischer Preis von 6.600,00 Euro für unseren Beispieldiamanten in Farbe G und Reinheit VS2 (22.000 ./. 30%).
Synthetische Diamanten als Alternative?
Interessant ist auch die Mode von im Labor gezüchteten, synthetischen Diamanten als Diamant-Ersatz. Hier spielen gleich mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen sind sie beliebt bei Juwelieren: Wenig finanzielles Risiko im Vergleich zu natürlichen Diamanten bei atemberaubenden Margen. Hinzu kommt oft Unwissenheit über das neue Produkt als Schmuckstein: Viele kaufen die Synthesen mit dem Eindruck, nicht nur etwas Schönes, sondern auch etwas Werthaltiges zu kaufen.
De facto gibt es aber keinen Zweitmarkt für Labordiamanten, deren Preise derzeit bei ca. 1-10% von natürlichen Diamanten liegen - Tendenz weiter rasant fallend. Es wird geschätzt, dass die Preise von Synthesen sogar unter deren Produktionskosten fallen werden. So könnte der scheinbare Vorteil des günstigen Preises die Wahrnehmung von Synthesen ähnlich wie Zirkonia als Modeschmuck zementieren.
Diamantenpreise im Vergleich
Die Rapaport Diamant Preisliste ist eine von Martin Rapaport 1978 ins Leben gerufene wöchtentlich erscheinende Preisliste für Diamanten. Sie ist reserviert für Händler und Juweliere und hilft ihnen weltweit bei der Preisgestaltung von Diamanten für den Verbraucher. Die darin gelisteten Preise (in USD) dienen nur als Orientierungshilfe für Preisveränderungen. Sie sind keine festgelegten Preise.
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| Karat | Durchschnittlicher Preis pro Karat (EUR) |
|---|---|
| 0,50 ct | Variiert stark je nach Qualität |
| 1 ct | 4.000 - 30.000 (je nach Qualität) |
| 2 ct | Steigt exponentiell mit der Qualität |
An der Diamantenbörse werden die jeweiligen zertifizierten Diamanten nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage gehandelt. Dabei werden die Preise in der Regel angegeben als Discount - prozentual von den jeweiligen wöchentlich aktuellen Diamantpreisen.
Diamanten unterschiedlicher Form lassen sich am besten über den Karatpreis vergleichen. Dabei fällt auf, dass Brillanten am begehrtesten und teuersten sind. Die meisten Diamanten werden rund - im Brillantschliff - geschliffen (ca. 7 von 10 Diamanten). Entsprechend wird jeder Rohdiamant, wenn möglich rund geschliffen.
Wertsteigerung und Marktentwicklungen
Die durchschnittliche Wertsteigerung von Rohdiamanten beträgt ca. 2% jährlich. Dabei sind die beiden größten Preistreiber gesamtwirtschaftliche Entwicklungen sowie interne Veränderungen der Diamantbranche. Erfahrungsgemäß erholen sich die Diamantpreise von Rohdiamanten nach einer Krise recht schnell.
Seit dem Monopolverlust von De Beers haben einzelne Firmen kleinere Bestände in Relation zum Gesamtmarkt und beeinflussen das Marktgeschehen entsprechend weniger. Die Struktur des Marktes ist für Diamantpreise von Bedeutung, da kleinere Marktteilnehmer ihre Inventare eher gering halten. Braucht ein einzelner Händler Liquidität, wird er bereit sein, einen Diamanten aus seinem Bestand günstig zu verkaufen.
Nach über 18 Monaten sinkender Diamantpreise wurde ein Importstop von Rohdiamanten in Indien angeregt, um dem Trend entgegenzuwirken. Durch die Niedrigzinspolitik hat es sich für Diamanthändler gelohnt, ihr Warenlager ohne große Kapitalkosten zu erweitern um dadurch mehr Chancen auf Verkäufe zu haben. Mit steigenden Zinsen und steigenden Kapitalkosten mussten daraufhin viele finanzierten Lager reduziert werden, was zu einem Überangebot am Markt und weiteren Preissenkungen geführt hat.
