Die Frage "Wie teuer ist ein Rubin?" oder "Was kostet ein Rubin?" ist oft gehört und gelesen worden. Manchmal war die Frage auch schon ein wenig präziser: Was kostet ein 1 Karat Rubin? Doch auf keine der Fragen gibt es eine direkte Antwort.
Eine passende Gegenfrage wäre vielleicht: Was kostet ein Auto? Und schon wird klar, ein Rubin wird nach vielen Kriterien bewertet. Wie teuer ein Rubin letztendlich ist, hängt von so vielen Faktoren ab, dass eine pauschale Antwort schlicht nicht möglich ist.
Bewertungskriterien für Rubine
Wie beim Diamanten und allen anderen Edelsteinen sind auch beim Rubin die "vier C’s“ maßgebend für die Wertbestimmung:
- Carat (Karat): Auf Deutsch Karat, ist das Gewicht eines Edelsteins. Karat ist in diesem Fall die Einheit für die Masse des Rubins und nicht zu verwechseln mit dem vom Goldhandel bekannten Karat, welches den Feingehalt des Goldes angibt.
- Color (Farbe): Je nach Farbintensität variiert der Preis. Am begehrtesten und als besonders kostbar gelten Rubine mit der Farbbezeichnung Pigeon Blood Ruby - Taubenblutrubin: Ein Rot, das sich mit einem Hauch von Blau präsentiert.
- Clarity (Reinheit): Lupenreine Rubine, bei denen selbst unter 20-facher Vergrößerung mit der Lupe Einschlüsse und anderweitige Makel nur schwer zu erkennen sind, sind eine Rarität.
- Cut (Schliff): Beachtliche Unterschiede gibt es zudem beim Schliff - sowohl was die Formenvielfalt als auch die Bewertung der Schleifqualität betrifft, die sich wiederum im Preis wiederfinden.
Zusätzlich spielen bei der Bewertung Gewicht, Reinheit, Schliff, Fundort, Farbe, Glanz, Nachbehandlung und die Zertifizierung eine Rolle. Dazu kommen noch subjektive Empfindungen, zum Beispiel die Schönheit eines Rubins oder vorherige Besitzer.
Außerdem steigt der Preis eines Rubins durch Zulieferer und Händler, die mit dem Edelstein einen Gewinn erzielen möchten. Je mehr Parteien der Rubin passiert, desto höher wird meist sein Preis.
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Ein Rubin mit ca. 1 Karat kann also ein paar hundert Euro kosten. Er kann aber auch genauso gut mehrere tausend Euro teuer sein.
Preisbeispiele für Rubine (ca. 1 Karat)
Die folgende Tabelle zeigt Beispiel-Preise von Rubinen mit ähnlichem Gewicht, um die Preisunterschiede zu verdeutlichen:
| Gewicht (Karat) | Herkunft | Schliff | Einschlüsse | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| 1,18 | Burma | Oval | Mittel | 480€ |
| 1,02 | Burma | Oval | Klein | 2.410€ |
| 1,14 | Mosambik | Oval | Klein | 5.000€ |
Sie sehen also, die Preise variieren stark und die Frage „Wie teuer ist ein Rubin?“ lässt sich niemals pauschal beantworten.
Weitere Faktoren, die den Preis beeinflussen
Behandlung von Rubinen
Um aber auch Rubine, deren Farbqualität nicht dem Ideal entspricht, verkaufen zu können, wird die rote Korund-Varietät mitunter einer Schönheitsbehandlung unterzogen, um das Rot in dem gewünschten Farbton erstrahlen zu lassen. Nur die wenigsten Rubine sind unbehandelt. Schätzungsweise 80 Prozent aller Rubine, die zu Schmuck verarbeitet werden, sind farbbehandelt.
Ein Verfahren, das seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird, ist das Brennen, mit dem nicht nur die Farbe von zahlreichen Mineralien korrigiert, sondern auch gänzlich geändert werden kann. Die Brenntemperatur ist individuell; im Fall von Rubin werden die roten Edelsteine auf eine Temperatur von 1.800 °C erhitzt. Infolge der Hitzezufuhr oxidiert das farbgebende Chrom und intensiviert den Rotton.
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Zeitgleich wird die Reinheit der Steine optimiert. Die Brenntemperatur kommt dem Schmelzpunkt des Minerals sehr nahe, sodass kleinere Hohlräume und Kanäle, die sich als Trübungen bemerkbar machen, durch die Hitze förmlich zusammengeschmolzen werden.
Schliffarten und ihre Auswirkungen
So ist der glatt gearbeitete, simple Cabochonschliff ein recht günstiger Schliff. Der Schliff verzichtet auf Facetten und wird vorzugsweise bei undurchsichtigen, trüben Rubinen angewendet.
Dem gegenüber stehen Facettenschliffe (z.B. Ovalschliff, Rundschliff, Tropfenschliff, Marquiseschliff/Navette oder Herzschliff), deren Zeit- und Arbeitsaufwand bedeutend höher ist und für die hauptsächlich kristallklare Rubine zum Einsatz kommen.
Herkunft und geopolitische Einflüsse
Die weltpolitische Lage, Sanktionen und die naturgegebene Verfügbarkeit wirken sich zusätzlich auf den Preis von Rubinen aus. So dürfen derzeit auf Beschluss der EU (zuletzt in der Fassung vom 25. April 2025) keine Rubine und andere Edelsteine aus Myanmar (Burma) in die EU, das Vereinigte Königreich sowie in die USA importiert werden, da 2021 ein Handelsverbot gegen verschiedene Güter aus Myanmar als Folge des Militärputsches im Jahr 2021 verhängt wurde.
Nach wie vor gelten Rubine aus Myanmar, insbesondere aus der Region Mogok, als der Goldstandard unter den Rubinen: ein Taubenblutrot mit subtiler Rotfärbung, exzellenter Brillanz und hoher Farbsättigung. Mosambik und hier vor allem die Region Montepuez wurde seit den späten 2000er Jahren zum neuen Hot Spot des internationalen Rubinhandels.
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Tansania mit den Standorten Winza, Longido und Morogoro hat sich als Quelle für besonders klare Rubine herauskristallisiert, deren rosarote bis idealtypische rote Farbe auch ohne Schönheitsbehandlungen sehr intensiv ausfällt. Daneben sind die Rubin-Vorkommen in Sri Lanka mit den charakteristisch hellen, leicht pinkstichigen Rubinen sowie Vietnam, vor allem die Standorte Luc Yen und Quy Chau, dank der breiten Farbpalette an Rottönen interessant.
Rubin als Wertanlage
Unter allen Edelsteinen gibt es eine Handvoll Steine, die zu astronomischen Preisen verkauft werden und sich deshalb in den vergangenen Jahren auch einen Namen als Wertanlage gemacht haben: Diamant, Tansanit, Saphir, Smaragd und Rubin.
In der Vergangenheit, bis vor etwa 150 Jahren, waren hochfeine Rubine im Preis höher angesiedelt als Diamanten. Nicht zuletzt, weil große Rubinkristalle eine Ausnahme darstellten, während "tadellose Diamanten von der ersten Qualität (...) häufiger als entsprechende Rubine" zu finden waren.
So kostete laut Bauer ein 1-karätiger Rubin zum Ende des 19. Jahrhunderts das doppelte wie ein 1-karätiger Diamant. Ein 3 Karat schwerer Rubin wurde zum 10-fachen Preis eines Diamanten verkauft.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Der Kauf von Edelsteinen ist auch immer eine Vertrauenssache. Oftmals wechseln mehrere Tausend Euro den Besitzer - für einen kleinen Stein. Deshalb ist es wichtig, sich an vertrauenswürdige Händlerinnen und Händler zu wenden und nicht nur den Kaufpreis als Argument gelten zu lassen.
Achten Sie auch, dass Sie beim Kauf eines Rubins immer ein Echtheitszertifikat erhalten. Dieses bestätigt nicht nur die Echtheit des Rubins.
