Wer bekommt einen Kranz beim Schwingen?

Das Schwingen ist eine der fairsten Kampfsportarten, die es gibt. Es ist eine Sportart, die mit dem Ringen verwandt ist. Es ist ein Kampf Mann gegen Mann, und wer zuerst auf dem Rücken liegt, hat verloren. Soweit die elementarsten Erklärungen!

Das Schwingen ist der urschweizerischste Sport überhaupt, und das "Eidgenössische Schwing- und Älplerfest", das nur alle drei Jahre stattfindet, ist der grösste Anlass in unserem Land. Dieses Jahr wurde im französischen Teil der Schweiz, in Estavayer-le-Lac, die Arena für 52'000 Zuschauer aufgebaut. Alles war tip-top organisiert, und die über 280'000 Zuschauer konnten problemlos an- und abreisen, verpflegt werden etc.etc. Das Schweizer Fernsehen SRF hat zwei ganze Tage lang non stop darüber berichtet, und wie immer sind die Einschaltquoten sicher super.

Die Schwinger, die am Eidgenössischen teilnehmen möchten, müssen sich an regionalen Schwingfesten bewährt haben und Siege und Kränze eingeholt haben. Die "Bösen" (so nennt man auch die Schwinger) sind alles kräftige Mannsbilder mit bis zu 150 kg Lebendgewicht - aber durchtrainiert und sehr gelenkig. In 7 Sägemehl-Kreisen wird gleichzeitig geschwungen.

Beim Schwingen gibt es noch einige Eigenheiten: Man nennt alle Schwinger zuerst beim Nachnamen und dann beim Vornamen. Also beim diesjährigen Schwingerkönig: Glarner Matthias. Alle Schwinger sind trotz des intensiven Trainings noch berufstätig, und ich bin immer wieder erstaunt, wie redegewandt, höflich und intelligent diese doch so imposanten Männer sind.

Der Schwingerkranz - Ein Zeichen des Erfolgs

Die besten Schwinger eines Schwingfestes erhalten einen „Kranz“ (Kranzschwinger). Der Sieger im Schwingen, einer Kampfsportart, die in der Schweiz ausgeübt wird, erhält einen Kranz aus Eichenlaub-Imitat. Die Gewinner eines Kranzes am Eidg. Schwingfest werden als „Eidgenossen“ bezeichnet. Die Gewinner des Eidg. Schwingfests tragen den Titel des „Schwingerkönigs“, sie behalten diesen Titel auch, nachdem ein neuer Schwingerkönig gekürt wurde.

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Der Sieger des Turniers wird als „König“ bezeichnet und bekommt zunächst einen Kranz und eine große, verzierte Kuhglocke. Der Hauptgewinn: Ein stattlicher Stier. Geld gibt es nicht zu gewinnen, es sei denn, man verkauft den Stier. Die übrigen Gewinner dürfen sich aus einem „Gabentempel“ einen Preis aussuchen, der von Sponsoren gestiftet wurde. Motorroller, Rasentraktoren, kunstvoll geschreinerte Betten, Schränke, Küchenmöbel und was sonst so gestiftet wird.

Ursprung und Entwicklung des Schwingens

Die Wurzeln des Schwingsports in der Schweiz sind nicht eindeutig zu bestimmen. Eine erste Darstellung aus dem 13. Jahrhundert (in der Kathedrale von Lausanne) zeigt bereits die typische Art, Griff zu fassen. In der Zentralschweiz und im Mittelland, vorab im (Vor-)Alpenraum, gehörte der Hosenlupf zum festen Bestandteil der Festkultur. Eine Neubelebung des Schwingens brachte das erste Alphirtenfest zu Unspunnen 1805, zu einer Zeit, als die Schweiz unter französischer Fremdherrschaft litt. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts haben denkwürdige Schwingfeste und eine rege Aktivität geschulter Turnpädagogen das Schwingen auch in die grossen Städte gebracht. So wurde aus dem ursprünglichen Kampf der Hirten und Bauern ein Nationalsport, der alle Schichten umfasst.

Ursprünglich als Sport der Bauern und Hirten entstanden, wird das Schwingen auch heute noch ausschließlich von Amateuren betrieben, die neben ihren eigentlichen Berufen ihre Körper mit äußerster Disziplin für Wettkämpfe trainieren. Die Verletzungsgefahr beim Schwingen ist, trotz Sägemehl, extrem hoch. Nicht selten werden Schwingerkarrieren durch Verletzungspech urplötzlich beendet.

Die Regeln und der Ablauf eines Schwingfestes

Der Kampf wird auf einer kreisförmigen, 7 bis 14 Meter durchmessenden, mit 23 Kubikmetern Sägemehl gepolsterten Fläche ausgetragen. Die zwei Gegner tragen über ihren Kleidern eine kurze, aus Jute gearbeitete Hose. Die beiden Kontrahenten geben sich zuerst die Hand und greifen sich dann an die sogenannte Schwingerhose und versuchen den Gegner durch das Anbringen von "Schwüngen" auf den Rücken zu zwingen. Das Schwingen kennt verschiedene Hauptschwünge, die Namen wie „Kurz“, „Übersprung“, „Brienzer“, „Hüfter“, „Buur“ oder „Wyberhaagge“ tragen.

Der Sieg ist gültig, falls der überlegene Schwinger den Unterlegenen mit mindestens einer Hand an der Schwinghose festhält und der Unterlegene den Boden mit beiden Schulterblättern oder mindestens zwei Dritteln des Rückens berührt. Nach dem Ende des Kampfes wischt traditionsgemäss der Sieger dem Verlierer die Sägemehlspäne vom Rücken. Der Kampf wird von drei Kampfrichtern beurteilt, von denen jeweils einer zusammen mit den Schwingern im Sägemehlring steht. Die Kampfrichter bewerten den Gang und erteilen für einen „Plattwurf“ das Maximum von 10 Punkten.

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An einem Schwingfest bestreiten die Schwinger sechs (am Eidgenössischen sogar acht) Gänge. Die zwei punkthöchsten Schwinger nach fünf Gängen (oder nach sieben am Eidgenössischen) erreichen den Schlussgang.

Bei Schwingfesten gibt es sechs Gänge, das heisst ein Kampf pro Gang. Der letzte und entscheidende Gang ist der Schlussgang (Finale). Das erste ESAF war 1895, Alfred Niklaus gewann. Es findet alle drei Jahre statt und es sind 270 Teilnehmer zugelassen, darum dauert es zwei Tage. Alle sechs Jahre findet die Kilchberg schwinget statt. Es wird als Schwingfest mit Eidgenössischem Charakter bezeichnet. Es sind aber nur 60 Teilnehmer zugelassen.

Besonderheiten des Schwingens

Das Schwingen ist traditionell ein Männersport. Die Schwingerkönige sind weiten Bevölkerungskreisen namentlich bekannt und haben den Status von Sportprominenten. Schwinger sind Amateure und die Schwinger der vorderen Ränge sind überdurchschnittlich häufig in Berufen tätig, die eine gewisse Körperkraft verlangen, solches sind Käser, Metzger oder Schreiner. Offene Werbung und Sponsoring ist am Sportanlass selbst nicht üblich. Erfolgreiche Schwinger erhalten keine Preisgelder, sondern Naturalpreise vom „Gabentisch“, traditionellerweise Kuhglocken (Treicheln) und Bauernmöbel, der Hauptpreis ist oft ein Muni. Bei grossen Anlässen übersteigt die Zahl der Preise im Gabentempel oft die Zahl der Teilnehmer.

Die Schwinganlässe - regionale und kantonale Schwingfeste - werden vom Frühsommer bis in den Herbst im Freien abgehalten. Das wichtigste Schwingfest ist das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das nur alle drei Jahre stattfindet - vom 24. bis zum 26. August 2007 in Aarau und vom 20. bis zum 22. August 2010 in Frauenfeld. Der Sieger dieses Turniers wird zum Schwingerkönig ausgerufen.

Einen speziellen Status unter den Schwingfesten haben überdies das Unspunnen-Schwinget (bei der Ruine Unspunnen, nahe Interlaken), das Schwingen an der Schweizerischen Landesausstellung und das Kilchberg-Schwinget (in Kilchberg bei Zürich). Die beiden ersten Anlässe werden in unregelmässiger Folge und das dritte alle sechs Jahre ausgetragen. Die besten Schwinger werden als Spitzenschwinger (als „die Bösen“) bezeichnet.

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Bekannte Schwingerkönige

Der Gewinner des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests führt den Titel eines Schwingerkönigs. Der Rekord liegt bei drei Titelgewinnen und wird von drei Schwingern simultan gehalten, die Berner Hans Stucki (1900, 1902, 1905) und Rudolf Hunsperger (1966, 1969, 1974) sowie der Nordostschweizer Jörg Abderhalden (1998, 2004, 2007). Abderhalden stand ausserdem vier Mal in Folge im Schlussgang des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests. Willy Lardon gewann das Eidgenössische ebenfalls dreimal (1937, 1943, 1945), erhielt dabei den Titel des Schwingerkönigs nur zweimal zugesprochen (1937, 1943). Im Jahre 1945 wurde er nach gestelltem Schlussgang gegen Peter Vogt „Erstgekrönter“.

Jörg Abderhalden war der stärkste Schwinger des letzten Jahrzehnts. Er ist im Oktober 2010 vom aktiven Schwingsport zurückgetreten. Martin Grab gilt als einer der härtesten Widersacher von Abderhalden. Er konnte Abderhalden 2006 am prestigeträchtigen Unspunnenfest im Schlussgang (Finale) besiegen. Ein weiterer starker Rivale ist Abderhaldens Nordostschweizer Verbandskollege „Nöldi“ Forrer welcher am Eidgenössischen in Nyon 2001 im Schlussgang gegen ihn stellte (unentschieden) und dank Punktevorsprung Schwingerkönig wurde. Am Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2010 in Frauenfeld stellte der Stucki gegen Aberhalden in Anschwingen im Duell des amtierenden Schwingerkönigs gegen den Kilchbergsieger. Der erst 20-jährige Kilian Wenger gewann das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2010 in Frauenfeld mit acht Siegen.

Die Entwicklung des Schwingens im 20. und 21. Jahrhundert

Bis in die 1970er Jahre war das Schwingen eine reine Männerdomäne und Frauen grundsätzlich davon ausgeschlossen. Nationalistische Strömungen durchzogen sämtliche Verbände von den Kämpfern und deren Betreuen bis zu den obersten Funktionären. Während damals noch vor allem die national-konservativen das Schwingen für sich als Werbeplattform pachteten, ist das Schwingfest, wie man es heute kennt, ein Volksfest im allerbesten Sinne. Ein Fest für das ganze Volk. Selbst linke Politiker besuchen heute Schwingfeste und halten dort Ansprachen. Alle Schichten und alle Altersklassen der Gesellschaft gehen heute ans Schwingfest, oder verfolgen es im Schweizer Fernsehen. Kantönligeist, Reibereien und Rivalitäten lässt man hier ruhen und besinnt sich auf die Gemeinsamkeiten.

Der Frauenschwingverband wurde 1992 gegründet.

Ein Blick über den Tellerrand

Auch auf der Streif? Ski-Ass mit besonderer Geste nach Weltcup-Punkten. Der Schweizer Livio Hiltbrand sammelte kürzlich seine ersten Weltcuppunkte und machte dann eine für das Land bekannte Geste. Dazu könnte es auch auf der Streif kommen. Als Hiltbrand im Dezember in Val Gardena seine ersten Weltcuppunkte sammelte, zeigte der Speed-Spezialist im Anschluss das Schwingerkranz-Zeichen. Hiltbrand formte seine Arme und machte damit einen Kranz, nachdem er im Ziel war. Er absolviere sein Krafttraining unter der Anleitung von Roland Fuchs und Schwingerkönig Matthias Glarner. Hiltbrand dazu: "Zuerst hat mir Matthias Glarner versprochen, dass er mir 100 Franken (rund 105 Euro, Anm. d. Red.) bezahlt, wenn ich nach dem Gewinn meiner ersten Weltcuppunkte vor laufender TV-Kamera das Schwingerkranz-Zeichen machen würde. Fäbu Staudenmann und Ädu Walther haben mir kurz darauf dieselbe Summe angeboten."

Bei Fabian Staudenmann und Adrian Walther handelt es sich ebenfalls um Schwinger.

Hier gibt es einen Verhaltenskodex für Schwingfestbesucher:

  • Was ich an einem Schwingfest tun darf:
    • Alkohol trinken (Bier und Kafi Schnaps)
    • Znüni (Zwischenverpflegung) selber mitbringen - diese aber mit den Sitznachbarn teilen
    • Schwingerhemd (Edelweiss) tragen
    • Pünktlich zum ersten Gang Platz nehmen
    • Mich sportlich, fair und respektvoll verhalten
    • Nicht vor dem Schlussgang abreisen
  • Was ich an einem Schwingfest nicht tun sollte:
    • Champagner trinken
    • Im Anzug oder eleganter Kleidung erscheinen
    • Englische Ausdrücke verwenden
    • Kampfrichter oder Schwinger auspfeifen
    • Reklamieren bei strittigen Entscheidungen
    • Regen- oder Sonnenschirm mitbringen

Die Kameradschaft wird gross geschrieben, so putzt der Sieger dem Verlierer das Sägemehl vom Rücken und reicht ihm die Hand zum Aufstehen. Es werden auch Dopingtests durchgeführt.

Es gibt etwa 300 Varianten von Schwüngen den Gegner auf den Rücken zu legen. Hundert davon sind Grundschwünge, aber bei manchen Grundschwüngen gibt es mehrere Unterarten. Beim “Päckli“ oder beim “Grittelen“ gibt es Unterarten. Die bekanntesten Schwünge sind der “Kurz“, der “Brienzer“ und der “Wyberhaken“. Beim Schwingen muss man eine Schwinghose aus Zwilch (besteht aus Baumwolle, Leinen, Halbleinen oder Chemiefaser) tragen, damit der Gegner besser Griff fassen kann.

Zeit verzögern beim Grifffassen, Einschaltungen von Kunstpausen, dauernd Kopfeinstellen, Anwendung roher und gefährlicher Griffe, offensichtlicher Passivität oder Verharren über längere Zeit in einer aussichtslosen Position, wiederholtes nicht fest anziehen der Schwinghose (seit 2013; zuerst wird eine Ermahnung gesprochen).