Was ist Krav Maga?
Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Krav Maga ist Selbstverteidigung für den Ernstfall - für Situationen, in denen du dich oder andere verteidigen musst. Krav Maga ist das taktische israelische Selbstverteidigungs- und Nahkampfsystem mit dem Ziel der Vermeidung, Verteidigung und Beseitigung aller Arten von Gewalt und Angriffen. Ziel des Krav Maga ist es, Privatpersonen einfache, auf intuitiven Reaktionen aufbauende Techniken zu vermitteln, die unter Stress schnell angewandt werden können, um Übergriffe - egal ob bewaffnete oder unbewaffnete - auf die eigene oder dritte Personen abzuwehren.
Merkmale von Krav Maga
- Realitätsnähe: Krav Maga zeichnet sich durch Realitätsnähe aus.
- Anpassungsfähigkeit: Krav Maga ist ein flexibles System, das ständig den Erfordernissen im zivilen und professionellen Bereich angepasst und für die Belange von Selbstverteidigung, Selbstschutz und Selbstbehauptung weiter entwickelt wird.
- Effektivität: Es vereint die effizientesten Schlag-, Tritt- und Grifftechniken sowie Hebelfertigkeiten und Bodenkampf, aber auch grundlegende Philosophien verschiedener Kampfsportarten in einem praktischen und intuitiven Selbstverteidigungssystem.
Unterschied zu Kampfsport und Kampfkunst
Und darin liegt auch schon der wesentliche Unterschied zu Kampfkünsten und Kampfsportarten. KRAV MAGA folgt keinen traditionellen Bewegungsabläufen oder sportlichen Wettkampfregeln, sondern trainiert den reinen Selbstschutz. KRAV MAGA ist kein Kampfsport. Reale Bedrohungslagen sind keine sportlichen Wettkämpfe. Konsequenterweise verzichtet KRAV MAGA auf die Ausbildung sportlicher Fähigkeiten. KRAV MAGA ist keine Kampfkunst. Als modernes pragmatisches System verzichtet KRAV MAGA auf schmuckvolles Beiwerk.
Geschichte des Krav Maga
Der Begriff Krav Maga tauchte erstmals 1948 in einem Dokument auf. Imi Lichtenfeld gilt als Begründer von Krav Maga. Der gebürtige Ungar wuchs in der Slowakei auf, war leidenschaftlicher Boxer und Ringer und entwickelte Krav Maga bereits in den 1930er Jahren. Ursprünglich diente Krav Maga dazu, die in der Slowakei lebenden Juden vor antisemitischen Übergriffen zu schützen. 1942 reiste Imi Lichtenfeld nach Palästina, wo er Nahkampfausbilder der israelischen Armee wurde. Erst seit den späten 1970er Jahren wird Krav Maga auch für Zivilisten unterrichtet.
Die Ursprünge vor 1948
Da es immer wieder zu Überfällen durch syrische, arabische und ägyptische Muslime gegen jüdische Siedler kam, wurde schon lange Zeit vor der Gründung des Staates Israels einfache Kampfmethoden zur Verteidigung gegen die Übergriffe trainiert. Ohne genauen Beleg welche Methoden, Taktiken und Techniken trainiert wurden, weiß man das 1919 die Haganah als Schutztruppe der jüdischen Siedler gegründet (durch Ze’ev Vladimir Jabotinsky) wurde.
Kapap
Das Training der Haganah wurde 1941 in separate Einheiten aufgeteilt: Stockkampf, Bajonettkampf, Messerkampf, Boxen, Jiu-Jitsu und Judo / Ringen. Jede Einheit wurde von eigenen spezialisierten Trainern unterrichtet, folgte aber einer einheitlichen methodischen Struktur. Als Überbegriff für diese Ausbildung wurde Kapap verwendet (Anmerkung - das damalige Kapap hat nichts mit dem heutigen Kapap zu tun). Krav Maga basiert auf der Grundstruktur des historischen Kapap (wie schon erwähnt - das historische Kapap hat nichts mit dem heutigen Kapap zutun).
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Entwicklung ab 1948
Als im Mai 1948 der Staat Israel gegründet wird, ist es nötig die verschiedenen Kampfverbände neu zu organisieren. Die IDF wird ins Leben gerufen und alle Kampfverbände werden unter ihrem Dach zusammengefasst. Dazu wird der Dienst für Körperertüchtigung (Sherut Leifum Gufany) gegründet. Chef wird Moshe Pinkel Zohar. Zum gleichen Zeitpunkt wird die Schule für Training errichtet, mit Mairom Avramson als Leiter. Insgesamt unterrichten 11 Instruktoren an der Schule (Bahad 8), auch Imi Lichtenfeld gehört zum Trainerteam. In den Dokumenten der Schule taucht erstmalig der Begriff Krav Maga auf (1948). Die Begriffe Krav Maga und Kapap bedeuten zu dieser Zeit das gleiche.
Prinzipien und Techniken
Sämtliche Krav Maga Techniken beruhen auf natürlichen Reflexen. Im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten ist für Krav Maga kein jahrelanges Grundlagentraining notwendig. Krav Maga ist einfach zu erlernen, die Techniken bauen auf den natürlichen Instinkten des Menschen auf und sind intuitiv unter Stress abrufbar. Krav Maga nutzt die natürliche Schutzbewegung auf einen Angriff und entwickelt ihn zur ausgereiften Verteidigung weiter. Da es sich bei Krav Maga um eine Selbstverteidigung handelt, gibt es bei den vermittelten Techniken keine Reglementierungen oder andere Einschränkungen wie bei einer Kampfsportart.
Anwendungsbereiche
Krav Maga ist ein reines Selbstverteidigungssystem und beinhaltet Lösungen für Bedrohungen und Angriffe mit oder ohne Waffen gegen eine oder mehrere Angreifende. Geübt wird in realitätsnahen Szenarien, in denen Ihr die erlernten Techniken auch direkt am geschützten Trainer ausprobieren könnt. Wir trainieren Krav Maga im zivilen Bereich und nutzen es zur Selbstverteidigung, zur Deeskalation, zur Verbesserung der eigenen Stressresistenz und zum Schutz von Dritten.
Internationale Verbreitung
Übrigens: 1993 gründete Imi Lichtenfeld die IKMF (International Krav Maga Federation) mit der Idee dahinter, dass es die Organisation möglich macht, Krav Maga weltweit für jeden zugänglich zu machen. Und so kam es auch - mittlerweile ist IKMF Krav Maga in über 90 Ländern mit mehr als 15.000 Schülern vertreten. Um die Qualität in den Trainings abzusichern, werden die zertifizierten Instructoren jährlich weitergebildet. Seit dem in Deutschland Instructoren nach dem internationalen Standard der IKMF ausgebildet werden, wächst die Anzahl der Standorte auch in Deutschland.
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