Die Welt des Mixed Martial Arts (MMA) und des Boxens ist hart und gefährlich. Tragische Ereignisse, bei denen Kämpfer ihr Leben verlieren, werfen immer wieder Fragen nach der Sicherheit und den Risiken dieser Sportarten auf. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser Todesfälle, die Ursachen und die Diskussionen, die sie ausgelöst haben.
Der Tod von Tim Hague
Am Freitag verlor Tim Hague einen Schwergewichts-Boxkampf durch K.o. Zwei Tage später war er tot. Der kanadische Schwergewichtler Tim Hague ist im Alter von 34 Jahren an den Folgen einer Hirnblutung gestorben. Am Freitag hatte der ehemalige UFC-Kämpfer in seiner Heimatstadt Edmonton einen Boxkampf gegen seinen Landsmann Adam Braidwood verloren.
Schon in der ersten Runde ging Hague viermal zu Boden, bei einem weiteren Niederschlag in Runde zwei prallte er mit dem Hinterkopf hart auf die Ringmatte. Der Kampf wurde sofort abgebrochen und Hague ins Krankenhaus gebracht, wo eine Hirnblutung diagnostiziert wurde. Der Tod wurde am Sonntag von seiner Schwester Jackie Neil bestätigt. «Mit unglaublicher Traurigkeit und gebrochenen Herzen verkünden wir, dass Tim heute verstorben ist», so Neil. «Er war umgeben von seiner Familie und hörte seine Lieblingslieder. Wir werden ihn unendlich vermissen.»
In einem Interview mit dem kanadischen Fernsehesender CTV-News beschrieb der Kontrahent Hagues Adam Braidwood die Momente nach dem Kampf. Braidwood hatte nach seinem Sieg im Ring gefeiert, während Hague bewusstlos am Boden gelegen habe. "Nach meiner dummen kleinen Feier wartete ich auf meinen Knien darauf, dass Tim sich bewegen würde." Als Hughes dies tat, habe Braidwood ihn in seine Ecke getragen, weil sein Team Schwierigkeiten hatte, den Verletzten aufzuheben. "Das ist wirklich hart", erklärte Braidwood in dem Post. Er habe der Familie von Tim bereits kondoliert und wolle dies nun auch öffentlich tun. Desweiteren bat er darum, der Familie von Hague "auf jede erdenklich Art" zu helfen. Tim und er seien Freunde gewesen. Beide hätten nur versucht "den Leuten einfach ein tolles Match zu bieten".
Hague kämpfte früher als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer in der UFC, dem poulärsten Label dieser Sportart. Insgesamt errang er in 34 MMA-Kämpfen 21 Siege. Er bestritt auch vier Kämpfe als Profiboxer; in diesen gelang ihm nur ein Erfolg. Seit August 2015 musste der Schwergewichtler sechs K.-o.-Niederlagen hinnehmen - vier davon im MMA, die letzten beiden im Profiboxen.
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Ryan Ford, der seit 2008 mit dem Verstorbenen trainiert hatte, kritisierte den Kampf im Gespräch mit dem Nachrichtenportal "cbc". Er sprach von einer fehlerhaften Zuordnung der beiden Kontrahenten, einem "mismatch". Hague hatte von Beginn an nie wirklich eine Chance. Denn während Braidwood als professioneller Boxer aktiv war, hatte Hague hauptberuflich als Lehrer gearbeitet und den Kampfsport nur nebenbei betrieben. Die zuständige Sportkommission hat mittlerweile Ermittlungen zu dem Kampf aufgenommen, wie ein Sprecher der Stadt Edmonton erklärte. Die Untersuchungen sollen klären, wie es zu dem Tod Hagues kommen konnte.
Warnung für McGregor?
Sein tragischer Tod ereilte die Kampfsportwelt kurz nach der Nachricht, dass es zu einem «Superfight» zwischen UFC-Star Conor McGregor und Ex-Box-Weltmeister Floyd Mayweather kommen wird. Das führte in der Szene zu Kritik, da er gegen den Amerikaner Mayweather als chancenlos gilt. Ex-Schwergewichts-Weltmeister Lennox Lewis nannte die Ansetzung im US-Sportsender ESPN «lächerlich». «Floyd wird ihn stoppen. McGregor ist einfach zu unerfahren», stellte Lewis klar.
Der tragische Todesfall könnte die Kritik am geplanten «Milliarden-Kampf» zwischen Floyd Mayweather Jr. und Conor McGregor verstärken. Am 26. August steigt einer der besten Boxer der Welt gegen den irischen UFC-Star in den Ring. Für McGregor ist es der erste Profiboxkampf, Mayweather hat alle seine bisher bestrittenen 49 Kämpfe gewonnen, 26 davon durch K.o.
Weitere tragische Todesfälle im Kampfsport
Schon wieder ist ein Boxer gestorben: Patrick Day ist der vierte Todesfall in den letzten vier Monaten. Mit ein Grund ist, dass die Kämpfer vor dem Fight die Kilos auf gefährliche Art purzeln lassen, um in einer tieferen Gewichtsklasse antreten zu können. Lou DiBella musste in der Mitteilung vom Hinschied seines 27-jährigen Schützlings berichten: Wenige Tage nach einer K.o.-Niederlage gegen Charles Conwell in Chicago, ist Day den Folgen seiner Hirnverletzungen erlegen.
Day hatte mehrere harte Treffer einstecken müssen und war in der zehnten Runde bewusstlos zusammengebrochen. Im Spital war sein Gehirn einer Not-Operation unterzogen worden. Patrick Day verlor diesen letzten Kampf. So wie Mitte Juli der Russe Maxim Dadaschew. So wie Ende Juli der Argentinier Hugo Alfredo Santillan. So wie Mitte September der Bulgare Boris Stanchow. Vier Monate, vier Boxer, vier Todesfälle.
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Während im Fussball, Eishockey oder American Football seit einiger Zeit die Gefahr von Gehirnerschütterungen erkannt ist und Sportler zunehmend geschützt werden, geht es beim Boxen genau darum: Den Gegner derart zu vermöbeln, dass er nur noch Sterne sieht und nicht mehr weiss, wo unten und wo oben ist. Es liegt in der Natur der Sache, dass es gesündere Sportarten gibt als das Boxen.
MMA-Star Francis Ngannou von Schicksalsschlägen getroffen
Der ehemalige UFC-Schwergewichts-Champion Francis Ngannou wurde in einen tödlichen Motorradunfall verwickelt. Das Unglück geschah in Yaoundé, der Hauptstadt seiner Heimat Kamerun. Der 38-Jährige soll laut lokalen Medienberichten die Kontrolle über sein Motorrad verloren und ein 17-jähriges Mädchen erfasst haben. Trotz sofortiger Not-OP im Krankenhaus erlag die Jugendliche ihren schweren Verletzungen. Ngannou brachte sie selbst in die Klinik und soll sämtliche Behandlungskosten übernommen haben.
Es ist nicht der erste Schicksalsschlag für den Kameruner. Erst letztes Jahr hatte Ngannou seinen erst 15 Monaten alten Sohn, Kobe, überraschend verloren. Zuerst war die Todesursache unklar, später stellte sich heraus, dass das Kleinkind eine nicht diagnostizierte Hirnfehlbildung hatte.
UFC-Legende Stephan Bonnar (†45) plötzlich gestorben
Trauer in der UFC-Szene: Der ehemalige MMA-Kämpfer Stephan Bonnar (†45) verstirbt am Donnerstag völlig überraschend. Dies teilt die UFC an Heiligabend in einem Statement mit. Darin heisst es, der US-Amerikaner sei während der Arbeit an den Folgen vor Herzproblemen verstorben. Weitere Informationen zur Todesursache liegen noch nicht vor.
Bonnar kämpfte sieben Jahre für die UFC, galt als einer der Grössten seines Fachs. 2012 verkündete er im Alter von 35 Jahren seinen Rücktritt. In seiner Karriere kommt er auf 17 Siege und neun Niederlagen, 2013 wird er in die Hall of Fame der UFC aufgenommen.
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UFC-Präsident Dana White (53): «Stephan Bonnar war einer der wichtigsten Kämpfer, der jemals im Oktagon angetreten ist. Sein Kampf gegen Forrest Griffin hat den Sport für immer verändert und er wird nie vergessen werden. Die Fans haben ihn geliebt, waren vertraut mit ihm und er hat ihnen immer sein Bestes gegeben. Er wird vermisst werden».
Das Problem des "Gewichtmachens"
Wobei Leistungssport auf Topniveau ohnehin nicht unbedingt gesund sein muss. Das belegen Beispiele anderer Sportarten, etwa solcher, die wie das Boxen Gewichtsklassen kennen. So starben schon Ringer, Ruderer oder MMA-Kämpfer, die vor einem Wettkampf Kilos verlieren mussten und deren Organe danach den Dienst verweigerten. «Gewichtmachen» oder «abkochen» nennt man den Vorgang, der gang und gäbe ist.
Ein fiktives Beispiel: Ein Athlet wiegt eine Woche, bevor sein Kampf ansteht, 75 Kilogramm. Er tritt aber in einer Klasse an, in der das Höchstgewicht bei 68 Kilogramm liegt. Also muss er in wenigen Tagen sieben Kilogramm verlieren. Die Tage werden zu einer Tortur, mit viel Bewegung und viel Schwitzen, aber mit wenig zu Essen und wenig zu Trinken.
Für den Körper ist dieser rasche Gewichtsverlust gefährlich. Wer ihm viel Wasser entzieht, schädigt ihn. Das kann beim Boxen gravierendere Auswirkungen haben als beim Ringen, wo ein Sportler zwar vielleicht entkräftet ist, aber wenigstens nicht pausenlos Schläge an den Kopf einstecken muss. Der Argentinier Santillan starb im Juli, nachdem sein Gehirn angeschwollen war. Erst wurde die Niere nicht mehr mit Blut versorgt und als die Schwellung zunahm, versagten weitere Organe.
Die MMA-Fighterin Paige VanZant entschied sich aus gesundheitlichen Gründen, eine Gewichtsklasse höher anzutreten. Zuvor sei sie vor zwei oder drei Kämpfen im Badezimmer bewusstlos geworden, gab sie an. «Ich habe mich fast umgebracht», stellte die 25-jährige Amerikanerin fest. Das Gewichtmachen habe bei ihr zu einer Essstörung geführt. «Das hat keinen Spass mehr gemacht. Ich hasse abnehmen. Deshalb wechsle ich nach oben.»
Regeländerungen und Sicherheitsmassnahmen
Nach dem Tod des chinesischen Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Yan Jian Bing führte 2016 auch die UFC neue Richtlinien ein. Bei der Anreise zum Kampf, wenige Tage vorher, darf das Gewicht eines Athleten maximal acht Prozent über dem Zielgewicht liegen. Das soll allzu extremes Abkochen verhindern. Zudem hat der Kampfsport-Verband in die Aufklärung der Sportler investiert, damit deren Gesundheit besser geschützt ist.
Auch beim Boxen mit seinen vielen Verbänden tut sich etwas. Beim WBC, einem der grössten Verbände, etwa sind drei Wägezeremonien vorgesehen. 30 Tage vor dem Fight darf ein Kämpfer maximal zehn Prozent über dem Kampfgewicht liegen, sieben Tage vorher noch maximal fünf Prozent. Dies sei zur Sicherheit der Sportler, heisst es.
Beim Verband USBA, um dessen Superweltergewicht-Titel Patrick Day am Samstag boxte, gibt es eine andere Regel. Dort müssen die Kämpfer am Tag vor dem Kampf und am Morgen des Kampfs auf die Waage. Dabei dürfen sie maximal 4,5 Kilogramm über dem ersten gemessenen Wert schwer sein. Ist er dann drüber, erhält er zwei Stunden, um erneut Gewicht zu verlieren.
Weshalb Patrick Day gestorben ist, wird nun untersucht werden. «Jetzt ist nicht die Zeit für Mutmassungen und nicht die Zeit, um bereits Antworten zu haben», so sein Promoter. «Aber es ist Zeit, um zum Handeln aufzurufen. Wir kennen die Antworten noch nicht, aber wir kennen viele Fragen.
Die Ereignisse zeigen, dass der Kampfsport trotz aller Faszination mit grossen Risiken verbunden ist. Es ist entscheidend, dass Verbände, Trainer und Kämpfer gemeinsam daran arbeiten, die Sicherheit zu erhöhen und die Gesundheit der Athleten zu schützen.
Die Politisierung des MMA
Die MMA-Kampfsportserie UFC hängt in den USA eng zusammen mit dem Aufstieg von Donald Trump zum Präsidenten. Die UFC hat unter ihrem Chef Dana White nahezu ein Monopol in ihrem Markt - unter dem neuen Präsidenten Trump muss sie keine Konsequenzen fürchten.
Mit Yasubey Enomoto kämpft ein anderer Schweizer vermehrt in Russland, wo MMA ebenso politisch instrumentalisiert wird - von Präsident Wladimir Putin. Während sich Trump die UFC zunutze macht, lässt sich der russische Präsident Wladimir Putin gerne mit den besten MMA-Kämpfern des Landes blicken - und nutzt die Sportart zur Inszenierung Russlands als Staat des starken Mannes, der Vaterland und Familie beschützt.
