Es ist soweit: Der frühere Nationaltorhüter Tim Wiese wird zum Wrestling-Star.
Bei der WWE-Show in München am Abend bestreitet der 34-Jährige seinen ersten Kampf - fast genau zwei Jahre, nachdem er das erste Mal die Showbühne betreten hat.
Ein langer Weg zum Wrestling-Star
Ein langer und so nicht dagewesener Weg liegt hinter ihm.
- 26. Januar 2013: Wiese bestreitet sein letztes Bundesliga-Spiel für 1899 Hoffenheim gegen Eintracht Frankfurt und wird danach von Trainer Marco Kurz aufs Abstellgleis gestellt.
- 21. Januar 2014: Hoffenheim verkündet, dass der zuletzt in die legendär gewordene "Trainingsgruppe 2" abgeschobene Wiese "mit sofortiger Wirkung" den Verein verlässt.
- 16. September 2014: Wiese verrät, dass die Showkampfliga ihm ein Angebot unterbreitet hat. "Mir liegt eine offizielle Anfrage der WWE vor. Es geht um ein Engagement als Wrestler. Und ich werde mir alles in Ruhe anhören", sagt er der Bild-Zeitung.
- November 2014: Im SPORT1-Interview schließt Wiese trotz seines noch laufenden Vertrages bei 1899 Hoffenheim mit seiner Laufbahn als Fußballer ab.
- 16. November 2014: Die WWE ist auf Deutschland-Tour in Frankfurt - und tatsächlich: Wiese ist dabei.
- 16. Mai 2015: Wiese wird im WWE-Leistungszentrum in Orlando gesichtet, in dem die Wrestling-Liga ihre Nachwuchstalente ausbildet.
- 25. November 2015: Alles klar mit WWE? Im SPORT1-Interview bremst Wiese: "Ob ich das mache, weiß ich noch nicht. Es hängt auch von der Kohle ab. Wenn es gutes Geld ist, kämpfe ich. Umsonst stelle ich mich nicht in den Ring."
- 26. Januar 2016: Der Schweizer WWE-Star Cesaro ist zu Gast in der SPORT1-Redaktion - und lässt in Sachen Wiese Skepsis durchblicken.
- Februar 2016: WWE ist wieder auf Deutschland-Tour, diesmal keine Spur von Tim Wiese, trotz eines Stopps in seiner Wahlheimat Bremen.
- 3. April 2016: Die größte WWE-Show des Jahres, WrestleMania 32, steigt in Dallas.
- 8. Juni 2016: "It's finally happening": Wiese und WWE verkünden, dass der Ex-Nationalkeeper bei der Tour im November dabei sein wird.
- 30. Juni 2016: Wieses Vertrag bei der TSG Hoffenheim läuft aus, seine Karriere als Fußballer ist offiziell vorbei.
- 13. September 2016: Wiese ist wieder im WWE-Leistungszentrum und läutet die heiße Phase seines WWE-Trainings ein.
- 8. Oktober 2016: WWE macht Wieses Debütmatch offiziell: Am 3. November tut er sich zusammen mit Sheamus und dem inzwischen milde gestimmten Cesaro, es geht gegen Bo Dallas und die Shining Stars (Primo und Epico).
Wieses Weg in die WWE im Detail
Der kurzfristig verpflichtete Heurelho Gomes löst ihn als Nummer 1 ab, Wiese wird "zum eigenen Schutz" aus dem Kader genommen.
Wie sich später herausstellt, läuft Wieses Vertrag allerdings weiter.
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Er kassiert noch immer ein Millionengehalt, kann sich aber neuen Beschäftigungen widmen.
Er legt sich einen Bodybuilder-Körper zu, wird an die 130 Kilo schwer.
"Mir liegt eine offizielle Anfrage der WWE vor. Es geht um ein Engagement als Wrestler. Und ich werde mir alles in Ruhe anhören", sagt er der Bild-Zeitung.
Er gehe "davon aus, dass ich nicht mehr ins Tor zurückkomme" und habe "mit Fußball nichts mehr am Hut".
Das Thema Wrestling wird dafür heißer: "Es ist spannend und man verdient viel Geld. Und es ist Show. Schauen wir mal, was wird."
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Als Gastzeitnehmer für ein Match zwischen Jimmy und Jey Uso sowie Goldust und Stardust sitzt er am Ring.
Letztere fordern ihn zum Kampf auf, Wiese tritt durch die Seile - das Verprügeln der Bösewichte übernehmen dann aber doch die Usos.
Wiese feiert mit den Publikumslieblingen.
"War nicht geplant", versichert er hinterher treuherzig.
Sein Auftritt macht große Schlagzeilen, ist das meistgeklickte SPORT1-Video des Jahres.
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"Da war so ein dicker Schwarzer, der einen Kreislaufkollaps hatte. Ein anderer hat sich die Schulter ausgekugelt. Aber ich habe gebissen wie ein Wahnsinniger."
"Ob ich das mache, weiß ich noch nicht. Es hängt auch von der Kohle ab. Wenn es gutes Geld ist, kämpfe ich. Umsonst stelle ich mich nicht in den Ring."
Muckis und ein großes Mundwerk würden für eine WWE-Karriere nicht reichen: "Man muss sich nur seinen schnellen, tiefen Fall als Torhüter anschauen. Die Karriere hat er ja voll durchgezogen. Klar, kann man laut bellen, um schnell in die Medien zu kommen. Aber irgendwann muss man dann auch wieder Taten folgen lassen."
Auf Wieses Ankündigung, er würde Cesaro umhauen, entgegnet der "Swiss Superman": "Wo meine Faust hinschlägt, wächst kein Gras mehr - und erst recht kein Wiese."
Wiese reagiert demütig.
Cesaro habe mit dem sachlichen Teil seiner Kritik Recht, nur Muskeln würden nicht reichen.
Es gibt Berichte, Wieses WWE-Debüt sei "geplatzt".
"Ist das dieser riesige Typ?" fragt Kevin Owens, inzwischen Träger des wichtigsten WWE-Gürtels.
Nach seinen Informationen ist Wieses Probetraining "nicht gut gelaufen".
Es schürt die Spekulationen, dass Wieses Zweitkarriere im Sande verlaufen wird.
Sie erweisen sich als verfrüht.
Ob er auch kämpfen wird, bleibt zunächst offen.
Er werde "eine intensive Ausbildung im WWE Performance Center in Orlando absolvieren", verkündet WWE-Vorstand Paul Levesque (Triple H).
Sollte er überzeugen, werde er auch ein Match bestreiten.
Fünf bis sechs Stunden pro Tag schuftet er, schwitzt nach eigenen Angaben "drei bis vier T-Shirts" pro Einheit durch.
WWE-Cheftrainer Matt Bloom zeigt sich im Gespräch mit SPORT1 zufrieden: "Tim hat einen guten Job gemacht."
Wiese setzt sein Training später in Deutschland fort.
"Ich habe hart für diesen Augenblick gearbeitet und kann es kaum erwarten", freut sich Wiese.
Triple H verspricht den Fans "ein einmaliges Erlebnis".
Das Debüt: "The Machine" im Ring
Debüt geglückt und wie! Tim Wiese (34) alias "The Machine" gewinnt seinen ersten Wrestling-Kampf in der WWE in der Münchner Olympiahalle.
Bei seinem ersten Kampf tritt der ehemalige Nationaltorwart mit dem Namen „The Machine“ auf, ist der absolute Publikumsliebling.
Vor dem Kampf gab Wiese eine klare Marschroute vor: „Ich bin bereit.
Der ehemalige Werder-Spieler schüttelt sich kurz und wird zum Matchwinner!
Er kommt wieder zurück in den Ring, drückt Primo mit beiden Schultern auf den Ringboden und pinnt ihn.
Unterstützt wurde Wiese durch seine ehemaligen Bremer Mannschaftskameraden Per Mertesacker (32) und Torsten Frings (39).
Für beide kam der Sieg nicht überraschend.
Frings: „Tim war schon immer sehr ehrgeizig, da konnte ich mir gut vorstellen, dass er es auch durchzieht“.
Wann „The Machine“ wieder in den Ring steigt ist noch nicht bekannt.
Tim Wiese, Kampfname „The Machine“, hat ein umjubeltes Debüt als Wrestler gefeiert.
Vor rund 7000 Zuschauern in der Münchner Olympiahalle gewann der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter seinen ersten Kampf als Teil eines dreiköpfigen Tag Teams - unter dem Jubel des Publikums stellte Wiese in dem elfminütigen Spektakel selbstverständlich den Sieg sicher.
Zusammen mit dem Schweizer Cesaro und dem Iren Sheamus, die sich regelmäßig selbst in die Wolle bekamen, kämpfte Wiese gegen ein Trio mit den Namen Primo, Epico und Bo Dallas.
Nachdem er zunächst ein paar Treffer eingesteckt hatte, bot der 34-Jährige eine prima Show.
Immer wieder angefeuert von den Zuschauern, landete er Wirkungstreffer und warf mehrfach seine Gegner durch die Luft - ein spektakulärer Einstand.
Vor dem Kampf hatte sich Wiese, ganz der Showman, in Pose geworfen und sich als knallharter und eiskalter Kämpfer gegeben.
„Ich kenne keine Aufregung. Das ist ein Fremdwort“, versicherte er und betonte: „Ich bin bereit.
Ich versuche, den Kampf schnellstmöglich zu beenden, von mir kann man erwarten: absolute Härte, Brutalität.“
