Thomas Kurzhals und sein Einfluss auf die deutsche Rockgeschichte

Die Berliner Kultband KARAT feiert 2025 ihr 50-jähriges Jubiläum. 50 Jahre - das sind zwei Generationen und fast ein Leben. Es gibt nur wenige Bands von Rang, die auf eine solche lange Geschichte zurückblicken.

KARAT sind einen anderen, ihren eigenen Weg gegangen: Dem der permanenten Suche, der ständigen Bewegung und Selbstbefragung. Es hat in diesem fünf Jahrzehnte währenden Prozess einige Brüche gegeben. Musiker, die jahrelang Kurs und Klang der Band maßgeblich prägten, machten Platz für neue Charaktere und neue Ideen. Eine permanente Frischzellenkur, ein ständiger Verjüngungsprozess.

Die heute den 50. Bandgeburtstag feiern, kommen zum Teil aus anderen Generationen, bieten von ihrer Lebenserfahrung her ein breit gefächertes Spektrum.

Musiker wie Henning Protzmann, Thomas Kurzhals oder Michael Schwandt prägten die Band. Zeitweilig wird KARAT verstärkt durch Thomas Natschinski, ab Mitte der achtziger Jahre ersetzt Christian Liebig Hennig Protzmann am Bass, der Posten an den Tasteninstrumenten wechselt von Ed Swillms zu Thomas Kurzhals und seit 1992 zu Martin Becker. Nach dem Ausstieg von Michael Schwandt und Christian Liebig 2023 verjüngt und modernisiert sich die Band mit Heiko Jung am Schlagzeug und Daniel Bätge am Bass.

Es scheint müßig, weil hinreichend bekannt, auf die großen Klassiker wie „Über sieben Brücken“, „König der Welt“, „Der blaue Planet“, „Schwanenkönig“, „Albatros“, „Jede Stunde“ oder „Mich zwingt keiner auf die Knie“ zu verweisen.

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Mit einer umfangreichen Tournee, die mindestens so viel Konzerte wie die Band an Jahren hat, mit einem neuen Album, einer TV-Doku, einem neuen Buch und einer großen Jubiläums-Kreuzfahrt mit der AIDAdiva nach Norwegen im nächsten Mai werden KARAT fünf Jahrzehnte Revue passieren lassen und damit auch an die verstorbenen Musiker Herbert Dreilich, Thomas Kurzhals sowie Ed Swillms erinnern.

Mit vielen Konzertterminen machen KARAT deutlich, dass mit ihnen weiterhin zu rechnen ist, dass sie sich nie als Altherrenriege verstanden, die sich auf den großen Erfolgen vergangener Zeiten ausruht. Fünf Dekaden, in denen KARAT zu einem veritablen Stück deutscher Rockkultur avancierten, den Lebenssoundtrack gleich mehrerer Generationen lieferten.

Das Leben und Wirken von Thomas Kurzhals

Thomas Kurzhals (* 13. Dezember 1953; † 2. Januar 2014) war ein deutscher Keyboarder, Komponist und Rockmusiker.

Thomy, der Kurze, der Bäcker - er war ein genialer Keyboarder, ein kreativer Kopf und ein lustiger Kerl. Als er am 7. Februar in Erkner beigesetzt wurde, kamen mehr als 150 Kollegen, um Abschied zu nehmen. Manuel Schmid sang während der Trauerfeier für seinen verstorbenen Freund, Karat-Gitarrist Bernd Römer spielte "Musik für einen nicht existierenden Film". Die "Sterne" hatten ein Video über Thomas Kurzhals bauen lassen. Und die Sängerin und Autorin Kirsten Kühnert hielt die Rede.

Thomas Kurzhals war ein Sonntagskind, geboren im Thüringischen Ronneburg, am 13. Dezember 1953. Mutter Marianne arbeitete als Chefsekretärin, Vater Hans war Bäcker und Kraftfahrer und spielte nebenbei in einer Schalmaienkapelle.

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Allen gutgemeinten Warnungen zum Trotz verschrieb sich Thomy der Musik, seiner Musik, noch bevor er ahnte, dass sie eines Tages auch andere Menschen glücklich machen würde. Mit knapp 17 begann er ein Studium an der Dresdener Hochschule für Musik und begegnete dort seiner ersten großen Liebe.

Nebenher machte sein Ruf als genialer Organist die Runde und drang bis an die aufmerksamen Ohren von Stern-Combo-Meißen-Chef Martin Schreier. Eine der wohl kreativsten Zeiten in Thomys Leben begann. Er komponierte, arrangierte, ließ in den Konzerten seine Finger in atemberaubendem Tempo über die Tasten gleiten. Musikalische Schätze wie das Album "Weißes Gold" entstanden und Songs wie "Was bleibt", "Das Paar" "Stundenschlag" oder "Wir sind die Sonne". Die "Sterne" strahlten. Da hatten sie einen gefunden, der zu ihnen passte. Neue Kollegen, neue Songs, Westmuggen dazu. Kurzhals war wendig, fand sich gut zurecht.

Thomas Kurzhals bei Karat

Thomy war beteiligt an der Entstehung der Alben "Fünfte Jahreszeit", "Im nächsten Frieden" und "Karat 91". 1992, nach acht Jahren Karat-Zugehörigkeit, entschloss er sich, Bandarbeit und Tourleben aufzugeben, baute sein Studio in Erkner aus, setzte sich hinters Mischpult und produzierte Werbespots und Auftragswerke für den Rundfunk.

So fand Thomy 1996 zurück zu "seiner Combo", wie er immer sagte, die einem Fixstern gleich da war - unübersehbar, leuchtend und zuverlässig. Das Album "Lebensuhr" entstand und Kurzhals stieg 2002 erneut aus. Und weil es nun mal so ist bei alten Paaren - sie können nicht mit aber schon gar nicht ohne einander - kehrte er nach musikalischen Ausflügen mit Tom Walter und Gaby Rückert nach sechs Jahren wieder zurück.

Als Manuel Schmid, vor zwei Jahren als neuer Sänger zur Stern-Combo stieß, war Thomas sofort begeistert. Obwohl sie fast 30 Lebensjahre trennten, wurden Thomas und Manuel enge Freunde.

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In Russland zum Beispiel, wo er einem Russen einen Schluck aus seiner teuer erworbenen Flasche mit Wodka anbot: "Drushba, Freundschaft, Solidarität", jubelte Thomy. Der neue Freund langte zu, nahm einen kräftigen Zug und reichte Bäcker die Flasche zurück.

Mitte letzten Jahres wurde Thomy krank. Seit Jahren schon litt er unter Diabetes, musste starke Medikamente nehmen, nun wollte die Leber nicht mehr. Schuld war der Schnaps schreibt die Zeitung. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß das schon?!

Am 13. Dezember wurde Thomas Kurzhals 60 Jahre alt. Sein Freund und Kollege Manuel Schmid schreibt: "Die Band, einschließlich Reinhard Fißler, die Technikcrew und enge Freunde hatten sich angemeldet, um mit Dir, Thomy, gemeinsam ein bisschen in deinem Haus zu feiern. Du warst sichtlich erfreut, als wir alle in kleiner Runde zusammensaßen. Und Rita hatte leckeres Essen zubereitet. Unser Geburtstagsgeschenk für Dich war unser neues DVD-Boxset, das gerade vom Presswerk geliefert worden war.

Keyboarder Thomas Kurzhals († 60) starb am Mittwoch in der Klinik. Mehr als 17 Jahre spielte er bei der Stern-Combo-Meißen. Zwischendurch drückte er sieben Jahre lang die Tasten bei Karat.

Thomas schloss am Neujahrstag um 3 Uhr in der Klinik von Glauchau die Augen. Wir sind sehr traurig, haben einen der genialsten Keyboarder des Ostrocks verloren", sagt Detlef Seidel (61), Manager von Stern Meißen.

Kurzhals fuhr zu Weihnachten noch einmal von Berlin in seine Heimatstadt Ronneburg. „Doch schon am 26. Dezember musste er auf die Intensivstation nach Glauchau eingeliefert werden", so Seidel.

Der Alkohol war letztlich Schuld an Kurzhals' tragischem Schicksal. Er litt an Leberzirrhose, war in den vergangenen Monaten immer wieder in der Klinik. Der Musiker war geschieden, hinterlässt einen erwachsenen Sohn.

Auch die Band trauert um Kurzhals. Auf der offiziellen Webseite heißt es : „Wir verlieren mit Thomas nicht nur einen genialen Musikanten, sondern auch einen treuen Wegbegleiter, dem die STERN-COMBO MEISSEN und ihre Fans stets am Herzen lagen und nicht zuletzt einen guten Freund.

Stationen von Thomas Kurzhals

  • Stern-Combo Meißen
  • Karat

Die Zeichen der Zeit hatte Thomas Kurzhals erkannt und verließ die Band nach der Album-Veröffentlichung von "Karat 91". Jener Thomas Kurzhals, mit dem Herbert seit Mitte/Ende der 80er die ganze organisatorische und auch kreative Arbeit für seine Band erledigt hatte. Die beiden steckten immer wieder die Köpfe zusammen, schrieben Lieder und reisten rum, um Kontakte aufzutun. Sogar ein Zimmer teilten sie sich, wenn man auf Tour war.

Der interne Machtkampf brachte aber noch weitere Opfer mit sich, denn auch der gesundheitlich vorher schon angeschlagene Ed Swillms zog sich nun komplett zurück, so dass Herbert und sein Kollege Thomas Kurzhals ab sofort für die kreativen Dinge allein verantwortlich waren. Die beiden teilten sich auf Konzertreisen nicht nur ein Hotel-Zimmer, sondern steckten in Bezug auf das Schreiben neuer Lieder und bei den Produktionen im Studio die Köpfe zusammen. Nach Kurzhals' Ausstieg im Jahre 1991 übernahm Herbert die Aufgabe, neue Lieder und Platten zu machen, fast allein.