Taekwondo Olympia Nürnberg Geschichte

Taekwondo ist ein traditioneller koreanischer Kampfsport und zugleich eine moderne olympische Disziplin, seit Anfang 2015 auch paralympische Disziplin. Dementsprechend groß ist die Bandbreite des Taekwondo: Sie reicht von der Kampfkunst mit tiefen Wurzeln in der koreanischen Philosophie bis zum attraktiven, dynamischen Wettkampfsport.

Der koreanische Nationalsport wird heute in weit über 200 Nationen organisiert betrieben, die Deutsche Taekwondo Union vertritt rund 60.000 Sportler.

Die Bedeutung des Namens Taekwondo

Die koreanischen Begriffe „Tae - Kwon - Do“ bedeuten wörtlich übersetzt „Fuß - Faust - Weg“. Damit sind zugleich die wichtigsten Grundbegriffe des Taekwondo genannt: „Fuß“ und „Faust“ stehen für die Techniken: Kicks in allen Variationen, in Bauch oder Kopfhöhe, gedreht, gesprungen, doppelt oder dreifach und Fausttechniken, vor allem Fauststöße zum Angriff und Blocks zur Verteidigung.

„Weg“ hingegen beschreibt die persönliche Entwicklung, die jeder durchläuft, der Taekwondo ernsthaft betreibt: Vom Weissgurt zum Schwarzgurt, vom Schüler zum Meister. Dabei geht es um viel mehr, als um sportliche Fortschritte. Wird Taekwondo richtig gelehrt und erlernt, wird es zur Charakterschule.

Servet Tazegül: Ein Star in der Taekwondo-Welt

In der Türkei ist der amtierende Taekwondo-Olympiasieger, Welt- und Europameister Servet Tazegül nicht erst seit 2012 ein Star. Nach dem gebürtigen Nürnberger haben sie in der Stadt Mersin sogar eine Sporthalle benannt, auch sonst kennt ihn fast jedes Kind. Die Bilder gingen um die Taekwondo-Welt.

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Ende vergangenen Jahres lag Servet Tazegül in einem türkischen Krankenhaus. Seine fast schon chronischen Schmerzen im linken Sprunggelenk ließen ihm keine andere Wahl, als sich operieren zu lassen. Danach schrieb die türkische Zeitung Hürriyet: „Servet Tazegül tarih yazdı! Servet Tazegül schrieb Geschichte!“

Am 20. Mai hatte er im Finale seiner Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm zehn Sekunden vor Schluss und damit praktisch im letzten Moment gegen den erst 18 Jahre alten Hamza Adnan-Karim noch 6:5 gewinnen können. Nach 0:3- und 3:5-Rückstand. Servet Tazegül und Hamza Adnan-Karim kämpfen beide für den KSC Leopard in Nürnberg.

Fünfmaliger Europameister darf sich Servet Tazegül seitdem nennen, als einer von nur zwei Athleten neben dem Italiener Geremia Di Constanzo, 2011 und 2015 ist er zudem Weltmeister geworden. Seine Ausdauer und Zielstrebigkeit haben sich für ihn mehr als gelohnt.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan empfing ihn im Sommer 2012 persönlich, einen von nur zwei türkischen Goldmedaillengewinnern. Eigentlich hätte Servet Tazegül mittlerweile 27 Jahre alt, längst ausgesorgt, für sich und seine kleine Familie. Verheiratet ist er seit fast zwei Jahren mit seiner Melda und seit Ende September stolzer Vater einer kleinen Tochter; seine Liebsten gaben ihm auch die nötige Kraft für sein wirklich beeindruckendes Comeback.

Servet Tazegül ist aber noch lange nicht fertig mit dieser Saison, der Höhepunkt soll am 18. August in Rio de Janeiro folgen. Nach seinem Triumph von Montreux salutierte Servet Tazegül, die türkische Fahne über den Schultern, zu Ehren von Polizisten und Soldaten, die im Dienst gestorben sind, wie türkische Medien danach berichteten; Recep Tayyip Erdogan schickte ihm umgehend eine Glückwunschadresse nach Montreux und wird auch am 18.

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Tahir Gülec: Ein Nürnberger Kämpfer mit Herz

Tahir Gülec ist einer der besten Taekwondo-Kämpfer der Welt, das hat er bereits mehrfach bewiesen. Entsprechend groß war die Hoffnung beim Nürnberger, auch bei den Olymischen Spielen in Tokio sein Können zeigen zu dürfen. Daraus wird nun aber nichts.

Als Tahir Gülec die fünfte und dann auch gleich noch die sechste Spritze an diesem Tag verabreicht bekam, da fragte er sich wieder einmal: "Was mache ich da eigentlich? Für wen? Und wieso?" Gülec hat sich diese Fragen schon oft gestellt in den vergangenen Jahren.

Der Nürnberger Taekwondo-Kämpfer Tahir Gülec erzählt diese Geschichte keine 24 Stunden, nachdem er sein "großes Ziel" verpasst hat. Er betont das extra noch einmal: "Nicht Traum, sondern Ziel. 2016 in Rio de Janeiro war das; ein unvergessliches Erlebnis, auch wenn er den Wettkampf selbst schnell verdrängt hat.

Am vergangenen Freitag fand er sich in einer Umgebung wieder, die man ebenfalls bemerkenswert nennen durfte. Der Sport, der in weiten Teilen der Welt in der Nische ausgeübt wird, trifft nicht immer auf glamouröse Rahmenbedingungen, in Zeiten einer Pandemie hat sich daran nichts geändert. Im Gegenteil.

Außer den Kampfrichtern und einem Helfer, der hinter der Bande die Füße hochlegte und konsequent auf sein Smartphone starrte, gab es vor Ort keine Zuschauer. In der Taekwondo-Hochburg Nürnberg dürfte die Einschaltquote besonders hoch gewesen sein. Die Mitglieder der Familie Gülec haben ja zunächst selbst dafür gesorgt, dass immer wieder Kämpferinnen und Kämpfer aus der Stadt zu den Olympischen Spielen gereist sind.

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Seit geraumer Zeit hat er kleine Entzündungen in beiden Füßen. Beim koreanischen Kampfsport sind sie sein wichtigstes Arbeitsgerät. Eine Pause wollte er sich bislang aber nicht gönnen, es hätte zu viele Turnierteilnahmen und Weltranglistenpunkte gekostet. Der kleine Piks ist deshalb inzwischen zur Routine geworden.

"Die meisten Leute wissen gar nicht, was ich für meinen Sport in Kauf nehme", sagt Gülec. Und: "Ohne die Spritzen könnte ich nicht kämpfen. Eine links, eine rechts. Eine links, eine rechts.

Auch gegen den Tschechen David Simek setzte sich der 28-Jährige durch, wobei es diesmal nicht seine Füße waren, von denen aus die heftigsten Signale ins Schmerzzentrum in seinem Kopf gesendet wurden. Nach einem fiesen Tritt zwischen die Beine krümmte sich Gülec einige Sekunden lang und war dann sehr erstaunt, dass sein Gegenüber keinen Punkt abgezogen, sondern sogar gutgeschrieben bekam.

4:4 stand es, Tokio schien plötzlich weiter als 9000 Kilometer Luftlinie entfernt zu sein, aber offenbar weckte das erst das Kämpferherz des Jungen aus der Nürnberger Südstadt. Eine links, eine rechts.

"Noch einmal sechs Minuten Vollgas geben", sprach sich Gülec vor dem Halbfinale Mut zu. Der Einzug ins Finale wäre gleichbedeutend mit der Qualifikation für Tokio gewesen, und dass er in diesem Moment die letzte Nürnberger Olympia-Hoffnung darstellte, war ihm sehr bewusst.

"Ich wusste, es liegt alles in meiner Hand." Warum es nicht geklappt hat? Warum er gegen den Italiener Simone Alessio, den Weltmeister von 2019, chancenlos war? Warum er schon nach wenigen Sekunden 0:6 zurücklag und nie richtig hinein fand in den Kampf, der am Ende mit 2:18 deutlich verloren ging? Tahir Gülec weiß es nicht, noch nicht. Er braucht erst etwas Abstand.

"Ich habe mein Bestes gegeben", sagt er. Bis zu den Spielen in Tokio unterstützt er nun seinen Schwager Alexander Bachmann, der sich als einziger deutscher Taekwondo-Kämpfer qualifiziert hat. Gülec’ nächstes Ziel ist die WM im Oktober.

Ob er 2024 um eine olympische Medaille kämpfen darf, hängt davon ab, ob ihm der Verband weiter entsprechende Leistungen zutraut. Auf den Kampf um Platz drei verzichtete er in Sofia. Punkte hätte das ohnehin nicht mehr gebracht. Tahir Gülec war ausgepumpt.

Der KSC Leopard Nürnberg e.V.

Der KSC Leopard Nürnberg e.V., gegründet im Jahr 1996 vom Cheftrainer Nurettin Yilmaz, hat eine lange Tradition, die bis in das Jahr 1980 zurückreicht, als Yilmaz, einer der damals erfolgreichsten Taekwondo-Sportler Europas, seine Karriere beim Vorgängerverein KSC Leopard Nürnberg begann. Dieser Verein wurde 1994 aufgelöst, jedoch zwei Jahre später durch Yilmaz neu ins Leben gerufen.

Über fast drei Jahrzehnte hinweg hat sich der KSC Leopard e.V. als eine bedeutende Kaderschmiede im Taekwondo-Sport etabliert, aus der regelmäßig Athleten hervorgehen, die sich sowohl national als auch international einen Namen machen. Diese Erfolge basieren auf dem kontinuierlichen Einsatz des Trainer- und Kämpferteams sowie der langjährigen Erfahrung im Taekwondo-Sport, die eine solide Basis für gegenwärtige und zukünftige Erfolge des KSC Leopard e.V.

Nürnbergs Olympia-Hoffnungen

Elf Nürnberger Athlet*innen, ein gemeinsamer Traum: Die deutschen Farben bei Olympischen und Paralympischen Spielen vertreten. Die Athlet*innen des GOLDENEN RING sind Welt- und Europameister. Im Taekwondo, Schwimmen, Paracycling oder Goalball gehören sie zur Weltspitze. Trotzdem verlaufen ihre Ausnahmekarrieren im Schatten der kommerziellen Sportarten wie Fussball, Handball oder Eishockey.

Im Gespräch mit Hit Radio N1 Morgenmoderator Flo Kerschner erzählen unsere Stipendiat*innen ihre persönliche Geschichte und geben spannende Einblicke in ihre Karrieren. In Kooperation mit dem Funkhaus Nürnberg erscheint immer dienstags eine neue Folge von Medaillentraum - der Sportpodcast mit Nürnbergs Olympia-Hoffnungen.

Los geht’s am 23.März, wenn Flo Kerschner unseren 1. Vorsitzenden und zweifachen Hockey-Olympiasieger Max Müller zum Gespräch bittet. Die einzelnen Podcast-Folgen könnt ihr euch auf PodYou anhören.

Der Podcast ist Teil unserer Kampagne „Nürnbergs GOLDENE Zukunft“, mit der wir mehr Aufmerksamkeit für Nürnbergs Toptalente in olympischen und paralympischen Sportarten erzeugen wollen.

Sie gehören zu einer auserwählten Gruppe: Anya Kisskalt und Ela Aydin sind Olympia-Hoffnungen aus Nürnberg.