Die World Wrestling Entertainment (WWE), einst als World Wrestling Federation (WWF) bekannt, hat eine außergewöhnliche Geschichte. Von einer regionalen Wrestling-Organisation wuchs sie zu einem globalen Mediengiganten heran, der Milliarden von Menschen begeistert.
Die Anfänge: Capitol Wrestling Corporation (1953-1963)
Die Geschichte der WWE beginnt 1953 mit der Gründung der Capitol Wrestling Corporation (CWC) durch Jess McMahon und Toots Mondt. In den frühen 1950er-Jahren war das Wrestling-Geschäft stark regional geprägt. Promotions arbeiteten innerhalb bestimmter Territorien, um Konkurrenz zu vermeiden. Jess McMahon und später sein Sohn Vincent J. McMahon etablierten die CWC an der Ostküste der Vereinigten Staaten.
World Wide Wrestling Federation (WWWF) (1963-1979)
1963 trennte sich die CWC von der NWA und gründete die World Wide Wrestling Federation (WWWF). Der Bruch erfolgte, nachdem der damalige Champion der NWA, Lou Thesz, von den Verantwortlichen als nicht charismatisch genug angesehen wurde. In den folgenden Jahren wurde die WWWF unter Vincent J. McMahon zu einer festen Größe im Nordosten der USA. Wrestler wie Bruno Sammartino, der den World Heavyweight Title über sieben Jahre hielt, wurden zu Ikonen dieser Ära.
World Wrestling Federation (WWF) unter Vincent K. McMahon (1979-2002)
1979 übernahm Vincent K. McMahon, der Sohn von Vincent J. McMahon, das Unternehmen und benannte es in World Wrestling Federation (WWF) um. Vincent K. McMahon setzte auf eine aggressive Expansionsstrategie. Er kaufte Sendezeiten in nationalen Fernsehsendern und begann, die besten Talente anderer Promotions abzuwerben.
Hulk Hogan und die erste WrestleMania
Ein zentraler Moment in der Geschichte der WWF war die Verpflichtung von Hulk Hogan im Jahr 1983. Hogan, der zuvor in der American Wrestling Association (AWA) bekannt geworden war, wurde schnell zum Aushängeschild der WWF. 1985 brachte die WWF die erste WrestleMania auf die Bildschirme. Dieses Event kombinierte Wrestling mit Popkultur und lockte prominente Gäste wie Mr. T, Cyndi Lauper und Muhammad Ali an. Die 1980er-Jahre waren eine goldene Ära für die WWF.
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Die Attitude Era und der Monday Night War
In den 1990er-Jahren geriet die WWF unter Druck durch die Konkurrenz der World Championship Wrestling (WCW). Die WWF antwortete mit der Einführung der Attitude Era, einer Periode, die von kontroversen Storylines, raueren Charakteren und einer stärkeren Fokussierung auf erwachsenes Publikum geprägt war. Die Rivalität zwischen WWF und WCW, bekannt als der Monday Night War, erreichte ihren Höhepunkt in den späten 1990er-Jahren. Letztendlich gewann die WWF den Krieg, als die WCW im Jahr 2001 von Vince McMahon aufgekauft wurde.
World Wrestling Entertainment (WWE) (2002-heute)
2002 änderte die World Wrestling Federation ihren Namen in World Wrestling Entertainment (WWE), nachdem ein Rechtsstreit mit dem World Wildlife Fund beigelegt worden war. Diese Namensänderung markierte eine strategische Neuausrichtung.
Anpassung an das digitale Zeitalter
Mit dem Aufkommen des Internets und der sozialen Medien adaptierte sich die WWE an die neuen Gegebenheiten. 2014 startete das WWE Network, ein Streaming-Dienst, der Fans Zugang zu Live-Events, klassischem Wrestling-Material und exklusiven Shows bot.
Die WWE heute
Heute ist die WWE ein globales Imperium. Die Einführung neuer Marken wie NXT und die verstärkte Förderung von Frauenwrestling haben das Produkt diversifiziert. Die WWE hat es geschafft, sich über Jahrzehnte hinweg neu zu erfinden und ihre Relevanz zu bewahren.
Kontroversen und Skandale
Eine neue Netflix-Doku beleuchtet den Aufstieg und Fall des über verstörende Vorwürfe gestolperten WWE-Gründers Vince McMahon. In dieser Woche hat der Streaming-Riese Netflix eine große Doku über seine Lebensgeschichte veröffentlicht - und es ist nicht das herausgekommen, was der Gründer und langjährige Patriarch von WWE sich erhofft hat. McMahon trat zu Beginn des Jahres bei WWE zurück, nachdem die junge Ex-Angestellte und -Geliebte Janel Grant ihm vorwarf, sie vergewaltigt und innerhalb seiner Firma als sexuelle Ware angeboten zu haben. McMahon, gegen den auch andere ungeklärte Vergewaltigungs- und Belästigungsvorwürfe im Raum stehen, weist alle Anschuldigungen strafbaren Verhaltens zurück. Der Fall ist aktuell Gegenstand staatlicher Ermittlungen.
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McMahon räsoniert auf Nachfrage der Filmemacher über genau die Frage, die die Doku seiner späteren Behauptung zufolge falsch dargestellt hat: wie er wirklich sei und wie viel davon der Kunstfigur „Mr. McMahon“ stecke. Die Antwort McMahons aus dem Jahr 2021: Die Frage sei schwierig, gewiss sei er „egomanisch“, wichtig seien ihm aber auch „Körperkultur“, „sexuelle Aktivität“ und sein Bedürfnis „jeden Tag herausgefordert“ zu werden: „Manchmal beginnen Performer zu glauben, dass sie die Rolle sind, die sie darstellen und verlieren jeden Sinn dafür, wer sie wirklich sind. Ich frage mich auch oft, was von mir die Rolle ist und was ich selbst. Vielleicht ist es eine Mischung. Ein Teil ist in jedem Fall etwas übertrieben. Ich bin nur nicht sicher welcher.“
Die Schlusspointe der Doku verdeutlicht, dass McMahon und seine verbliebenen Anhänger es sich zu einfach machen, wenn sie dem Filmprojekt vorwerfen, die Grenze zwischen Realität und Fiktion zu verwischen. Es ist McMahon selbst, der dies immer wieder tat und tut, sich hinter seiner Rolle versteckt, sein Alter Ego als machtversessener Boss als Schutzschild für echte Machtspiele mit seinen Untergebenen benutzt hat und die kreative Kontrolle über die Story-Scheinwelt, um sich selbst und auch seine Skandale in ein günstigeres Licht zu tauchen - oder es zumindest zu versuchen.
Bedeutende WWE Stars
Nichts in der Wrestling-Welt ist so wichtig wie Stars. Sie sorgen dafür, dass die Hallen bis auf den letzten Platz ausverkauft werden, dass die Zuschauer vor den Fernsehbildschirmen einschalten und T-Shirts, Poster und sonstiges Merchandise an den Mann gebracht werden. Insbesondere die WWE, als unangefochtener Primus, lebte schon immer von diesen „larger-than-life“-Charakteren.
- Hulk Hogan: Der Hulkster hat mit Start der Wrestlemania-Ära die Massen begeistert. Seine Popularität machte WWE vom nationalen zum globalen Player. Jeder kennt Hulk Hogan.
- "Stone Cold" Steve Austin: Mit Steve Austin als Speerspitze der kein Blatt vor den Mund nahm, sich in Bier duschte und jeden aber auch jeden seinen legendären Stunner verpasste. Die Fans liebten diese Neuausrichtung und dankten Vince McMahon mit einem rasanten Anstieg der Einschaltquoten.
- John Cena: Bei jedem Auftritt von Cena war und ist die Halle am Toben. Manchmal positiv, manchmal extrem negativ, meistens aber gemischt. Die Zuschauer stachelten sich mit Zuneigung oder Ablehnung gegenseitig an und sorgten so für eine elektrisierende Atmosphäre.
- The Rock: Mit seinen unzähligen Catchphrases und seiner unheimlichen charismatischen Spontanität, versteht er es bis heute besser als jeder andere das Publikum anzuheizen.
- The Undertaker: Egal ob als Bestatter, Sektenanführer oder American Badass. Taker war immer eines der Highlights der Show und brachte meist auch ganz ohne Involvierung eines Titels Brisanz in seine Fehden.
- Triple H: Mit 14 World Championships und als Anführer der D-Generation X, Evolution und der Authority war der King of Kings immer in den oberen Card-Regionen wieder zu finden.
- Shawn Michaels: The Heart Break Kid gilt generell als der kompletteste Wrestler jeher. Alles was er anrührte wurde große TV-Unterhaltung.
- Brock Lesnar: Seine Auftritte, egal ob gut oder schlecht, sind immer das Hauptgesprächsthema. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit die Glaubwürdigkeit, die ein Lesnar mitbringt.
- Bret „the Hitman“ Hart: Auf ihn war immer verlass. Egal wann und wo, Bret Hart hat seine Leistung immer konstant abgerufen und ließ seine Gegner bei Sieg und Niederlage immer gut aussehen.
- Randy Savage: Mit seinem natürlichen Charisma und seiner einzigartigen Art und Weise Promos zu halten, war der Weg für den „Macho Man“ an die Spitze der WWF der 1980er geebnet.
Yokozuna: Eine Legende
Yokozuna war Rivale von Hulk Hogan, Bret Hart, The Undertaker. WWE-Fans der Neunziger ist Yokozuna in bester Erinnerung als Erzbösewicht, der mit seiner gigantischen Körpermasse alle Publikumslieblinge der damaligen Zeit zur Verzweiflung trieb.
Tatsächlich war Rodney Agatupu Anoaʻi, wie Yokozuna eigentlich hieß, weder Japaner noch Sumoringer. Er war am 2. Oktober 1966 in San Francisco geboren worden und entstammte dem berühmten samoanischen Wrestling-Clan, der heute von Roman Reigns, Solo Sikoa und Jimmy und Jey Uso vertreten wird - und der über eine Blutsbrüderschaft auch mit Superstar Dwayne „The Rock“ Johnson verbunden ist.
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1992 erkannte WWF-Boss Vince McMahon in dem damals 25 Jahre alten Anoa'i das Potenzial zum Top-Bösewicht: Er vereinte eine imponierende Erscheinung mit solidem Ringhandwerk, zu seinen besten Zeiten auch gepaart mit erstaunlicher Beweglichkeit.
Bei WrestleMania IX am 4. April 1993 im Caesar‘s Palace von Las Vegas rückte er dann erstmals in den Mittelpunkt: Yokozuna entthronte Hauptkampf Bret „The Hitman“ Hart unfair mit einem Salzwurf Fujis, der dann in seinem Übermut auch noch den frisch aus einer Kunstpause zurückgekehrten Hulk Hogan zu einem spontanen Match herausforderte. Der Megastar überrollte Yokozuna dann innerhalb weniger Sekunden.
Es war der Beginn einer 280-tägigen Titelregentschaft, die effektiv als Schreckensregime inszeniert wurde - noch mehr, als Yokozuna neben Fuji noch das rhetorisch gewandtere Sprachrohr Jim Cornette an die Seite bekam. Im Zentrum standen Fehden gegen den Taker und Lex Luger, den WWE mit einem neuen Image als Überpatriot "Made in the USA" zum neuen Hogan aufzubauen versuchte.
1996 entließ WWE Yokozuna, nachdem das Gewicht des Riesen real außer Kontrolle geraten war. Wie viel er am Ende wirklich wog, ist unklar, aber am Schluss seines Engagements war er so fettleibig, dass er auf über 300 Kilogramm geschätzt wurde.
Als er am 23. Oktober 2000 für einen britischen Promoter auf Tour war, wurde Yokozuna leblos in einem Hotelzimmer in Liverpool gefunden, mit nur 34 Jahren. Als Todesursache wurde zunächst ein Herzinfarkt angegeben, später stellte sich stattdessen heraus, dass er ein Lungenödem erlitten hatte, eine tödliche Ansammlung von Flüssigkeit in den Atmungsorganen.
Ludwig Kaiser im Main Event
Ludwig Kaiser (34) ist der erste deutsche Wrestler, der jemals einem Einzelkampf in einem Main Event bei der WWE-Show „RAW“ bestritten hat. Kaiser wollte bei „RAW“ aber nicht nur zusehen, sondern mischte sich sofort in das Rededuell der beiden zukünftigen Kontrahenten ein. Eine wilde Prügelei folgte - mit der Konsequenz, dass Randy Orton und Ludwig Kaiser im Main Event ein Match bestreiten mussten.
Leider zog unser deutscher WWE-Star gegen die lebende Legende Randy Orton den kürzeren. Doch Kaiser gehört die Zukunft, vor allem WWE-Boss Triple H hält große Stücke auf den Norddeutschen.
Härteste Matches der WWE-Historie
Welches ist für euch das härteste/brutalste Match der WWE-Historie? Hier gehts es nicht mal zwingend um reine Spot - und Blutorgien, sondern auch um Intensität, Storytelling und Psychologie. Auf jeden Fall was mit Foley. Alleine für den Sturz durch den Käfig, bei dem sich Foley die Visage zerfetzt, hat es die Stimme verdient.
Mir fallen da erst mal die krassen Blutbäder von Cena gegen JBL bei Judgment Day 2005 und nochmal JBL gegen Eddie bei Judgment Day das Jahr zuvor ein. Foley gegen Undertaker hatte zwei asoziale Stürze und den Chokeslam in die Reiszwecken. Insgesamt, wenn man wirklich die krassen Aktionen und Momente zusammenzählt, komme ich auf Edge & Foley gegen Funk & Dreamer beim ersten ECW/WWE One Night Stand.
WWE Comics
In diesem ersten Band aus dem Februar 2020 werden Kurzgeschichten über einzelne WWE Superstars erzählt. Es geht um echte Biografien, historische Aufeinandertreffen im Ring und fiktionale Geschichten mit den Superstars als Hauptfiguren. Eine Geschichte behandelt das Ladder Match bei Wrestlemania X im Jahr 1994 zwischen Shawn Michaels und Razor Ramon um die WWF Undisputed Intercontinental Championship.
| Titel | Inhalt |
|---|---|
| WWE: Then, Now, Forever Vol. 1 | Kurzgeschichten über WWE Superstars, Biografien, historische Aufeinandertreffen |
| WWE: Then, Now, Forever Vol. 2 | Die spektakuläre Karriere und Reise des Undertakers |
| Weitere WWE Vol. | Dean Ambrose vs. Seth Rollins, Bayley vs. Sasha Banks |
Diese Art von Comic fand ich noch besser als den Sammelband „WWE: Then, Now, Forever“. Jedoch bezweifel ich, dass die WWE all zu viele Charaktere mit so einer Geschichte im Repertoire hat, um uns mit vielen Graphic Novels auf diesem Niveau zu begeistern.
