Capoeira ist eine originäre brasilianische Erscheinung mit afrikanischen Wurzeln.
Was ist Capoeira?
Capoeira, ein Jahrhunderte alter Freiheitstanz der afrikanischen Sklaven aus Brasilien, ist unsere Leidenschaft. Bei uns wird die Capoeira in allen ihren Facetten sichtbar: Spiel, Tanz, Akrobatik, Sport und Kampf. Hauptbestandteil der Capoeira ist das Spiel in der Roda (portugiesisch für Kreis): Zwei Jogadores (portugiesisch für Spieler) begeben sich in einen Kreis aus weiteren Capoeiristas (jemand, der Capoeira ausübt) und spielen in diesem Kreis zu der Musik, welche die Roda spielt. In diesem Spiel der beiden Jogadores werden die verschiedenen Facetten der Capoeira sichtbar: Spiel, Tanz, Kampf, Akrobatik, Kunst, Schauspiel und Täuschung. Die Musik bestimmt dabei die Geschwindigkeit und Dynamik des Spiels.
Die Geschichte der Capoeira
Wie, wo, wann und warum die Capoeira entstand, ist bis heute nicht 100 prozentig bekannt, weil sich diese Kultur unter Sklaven in Brasilien entwickelte, deren Religionen und Traditionen massiv von der damals herrschenden Elite unterdrückt wurden, so dass heute keine schriftlichen Aufzeichnungen aus dieser Zeit existieren. Die Lehren der Capoeira konnten nur von Meistern an Schülern und von Vätern an Söhne weiter gegeben werden. Bekannt ist allerdings, dass Capoeira durch die Mischung von Sklaven aus verschiedenen Teilen Afrikas in Brasilien entstand.
Im Jahr 1500 landete Pedro Álvarez Cabral in Brasilien. Wie üblich war eine der ersten Maßnahme die einheimische Bevölkerung, die brasilianischen Indianer, gefangen zu nehmen, um sich mit Arbeitssklaven zu versorgen. Nachdem die Indianer wegstarben, begannen die Portugiesen ihre Sklaven aus Afrika einzuführen. Die afrikanischen Sklaven brachten ihre verschiedenen Kulturen, welche sich später mischten, mit nach Brasilien. Durch diese Mischung verschiedener afrikanischer Kulturen entstand Capoeira. Die Sklaven wussten damals auch Capoeira gegen die Unterdrückung zu nutzen.
So wurde dann auch durch rivalisierende Straßengangs in Rio und Bahia 1890 mit der Gründung der ersten brasilianischen Republik Capoeira strafrechtlich in Brasilien verboten. Trotz dem Verbot eröffnete im Jahr 1934 „Mestre Bimba“ (1900 - 1974), ein bekannter Meister der Capoeira Regional, seine erste Akademie um Capoeira zu lehren. Kurze Zeit später wurde Capoeira durch Getúlio Vargas genehmigt. Ab diesem Zeitpunkt war es offiziell legal in Brasilien Capoeira aus zuführen. In den 1940er Jahren eröffnete auch „Mestre Pastinha“ (1889 - 1981), ein weiterer bekannter Meister der Capoeira Angola, seine erste Akademie.
Lesen Sie auch: Capoeira-Grundlagen für Anfänger
Von da an verbreitete sich Capoeira rasend schnell in Brasilien. In den 1970er Jahren ging die Capoeira ins Ausland, zuerst in die USA, dann nach Europa, schließlich um die ganze Welt.
UNESCO Weltkulturerbe
Die UNESCO hat den afro-brasilianischen Kampftanz in die Liste der immateriellen Weltkulturgüter aufgenommen. In ganz Brasilien feierten Capoeiristas die Entscheidung mit Musik und Tanz. Die Anerkennung durch die UNESCO sei ein großer Erfolg für die brasilianische Kultur.
Die Musik der Capoeira
Die Musik ist ein unverzichtbarer Teil von Capoeira. Jeder Capoeirista ist auch gleichzeitig Musiker. Das Spiel wird von der Art und dem Charakter der Musik bestimmt. Es gehören zwei Komponenten zur Musik: der Gesang und die Instrumente. Dabei gibt es einen Vorsänger und einen Chor, welcher antwortet. Der Vorsänger kommentiert das Spiel, reguliert es aber auch oder erzählt von der Geschichte oder dem Leben der Capoeiristas.
Instrumente der Capoeira
Die wichtigsten Instrumente der Capoeira sind:
- Berimbau: Es ist eines der ältesten Saiteninstrumente der Welt, ein Musikbogen, dessen Ursprünge ebenfalls in Afrika liegen und der heute noch in verschiedenen Varianten dort zu finden ist. Der Bogen besteht aus dem Holz des Beriba-Baumes über den eine Stahlsaite „arame“ gespannt wird. Darüber wird eine Kalebasse „cabaça“ (ähnlich wie eine Kürbisfrucht) als Resonanzkörper mit Hilfe eines Strickes befestigt. Die Saite wird mit einem Holzschlegel „baqueta“ angeschlagen. Um den Ton zu modifizieren wird ein Stein „pedro“ oder eine Metallmünze „dobrão“ gegen die Saite gedrückt.
- Atabaque: Das Atabaque ist eine Trommel afrikanischen Ursprungs.
- Agogô: Das Agogô ist eine afrikanische Doppelglocke, die meistens aus Metall und/oder Holz besteht.
- Reco-Reco: Das Reco-Reco ist ein Hohlkörper aus Holz, Bambus, Flaschenkürbis o. ä., der Außen viele eingeritzte Kerben hat, über die ein Stab oder eine Münze gezogen wird.
Capoeira Berimbau Erfurt
Capoeira Berimbau Erfurt ist ein Verein für Capoeira und afrobrasilianische Kultur. Wir sind eine Abteilung des USV-Erfurt. Unser Verein existiert seit 2003. Es können Kinder, Erwachsene, sowie Anfänger und Fortgeschrittene bei uns trainieren.
Lesen Sie auch: Entwicklung der Capoeira
Unter dem Motto „Freude am Bewegen“ war die Abteilung „Capoeira“ des Universitätssportvereins (USV) Erfurt in dieser Woche bei der Projektwoche der Edith-Stein-Schule dabei. Neben der Entstehungsgeschichte der Capoeira - sie ist eine brasilianische Kampfkunst und wurde vor mehr als 300 Jahren von afrikanischen Sklaven entwickelt - standen von Montag bis Mittwoch vor allem die für die Capoeira typische Musik und der Tanz auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler lernten, neben dem Berimbau, dem zentralen Instrument der Capoeira, auch alle anderen typisch brasilianischen Instrumente zu spielen.
Trainer
Mestra Jana
Mein Name ist Janaína Crivelli Ehrlein, und ich habe 1999, im Alter von 17 Jahren, in São Paulo an der Akademie von Mestre Suassuna (Cordão de Ouro) mit Capoeira angefangen.14 Jahre später, 2013, habe ich meinen Abschluss (Formatura) als Lehrerin (Professora) gemacht, und zwar in einer besonderen Veranstaltung in Bahia, welche die erste weibliche Abschlussfeier war.2017 habe ich in São Paulo den Titel Contramestra erhalten und zuletzt wurde mir 2022 der Titel Mestra verliehen.
Seit meinem Umzug nach Deutschland in 2014, unterrichte ich in München Capoeira-Kurse. Außerdem unterrichte ich seit Sommer 2021 ebenfalls in Nürnberg. Neben dem Unterricht reise ich an den Wochenenden an verschiedene Orte der Welt und gebe Capoeira-Workshops. Es ist ein unglaublicher Austausch von Erfahrungen.
Contramestre Queijo
Mein Name ist Andreas, in der Capoeira als Queijo bekannt. Mit Capoeira habe ich im Januar 2008 mit Mestre Kino angefangen, welcher auch heute noch mein Mestre ist. Bereits 2009 begann ich Mestre Kino bei Capoeira-Klassen für Kinder zu begleiten.
Vorteile für Kinder
Mit Spaß und Freude werden gemeinsam Bewegungen erlernt und Musik gemacht. Ein ausgeprägtes Körperbewusstsein sowie ein verbessertes musisch-rhythmisches Vermögen sind nur zwei Vorteile die das praktizieren von Capoeira für die Kinder bedeuten kann.
Lesen Sie auch: Kordel-Systeme im Capoeira
