Der Begriff Karat hat zwei Hauptbedeutungen, die sowohl in der Welt der Edelsteine als auch bei Goldlegierungen eine wichtige Rolle spielen. Einerseits ist das metrische Karat eine Gewichtseinheit zur Bestimmung von Edelsteinen, andererseits definiert die Karat-Angabe bei Goldlegierungen den Feingehalt von Schmuckstücken.
Karat als Gewichtseinheit für Edelsteine
In der Schmuckindustrie wird das metrische Karat hauptsächlich verwendet, um den Wert und die Qualität von Diamanten und anderen Edelsteinen zu bestimmen. Ein Karat entspricht 0,2 Gramm oder 200 mg. Die Abkürzung der Einheit Karat lautet K oder ct. (vom Englischen Carat). Ein Diamant mit einem höheren Karatgewicht ist in der Regel wertvoller, da größere Diamanten seltener sind.
In Deutschland trägt die Maßeinheit des metrischen Karats die Abkürzung Kt (in Österreich und der Schweiz ist ct üblich). So wirken zwei Steine äußerlich manchmal fast identisch, unterscheiden sich aber durch ihre Karat-Zahl. Den wahren Wert misst der Fachmann anhand der 4Cs (carat, color, clarity und cut). Von diesen vieren ist der Karat-Gehalt der einzige unsichtbare, da er durch das Gewicht des Edelsteins bestimmt wird.
Das Karat als Einheit ist bereits seit Jahrhunderten in der Welt der Edelsteine von Bedeutung. Von einer Einheitlichkeit des Wertes war bis ins 19. Jahrhundert nur zu träumen. Von Land zu Land, teilweise auch von Stadt zu Stadt bzw. mit den Worten des Mineralogen Johann Blum (1802 bis 1883), hat das "Karat nicht an allen Handelsplätzen denselben Wert", gab es Unterschiede hinsichtlich der genauen Grammzahl eines Karats.
Die Geschichte des Karats
Die Gewichtseinheit Karat wurde erst 1875 auf das standardisierte Maß von 0,2 g festgelegt. Schon viele Jahrhunderte vorher kannten Menschen aber eine Methode zur Bestimmung des Gewichts von Edelsteinen, die wahrscheinlich den Grundstein für diese Messmethode legte: Sie nutzten die Samen des Johannisbrotbaums als Gegengewicht.
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Die hörnchenförmigen Früchte des Johannisbrotbaums (Ceratornia siliqua) gaben so der römischen Gewichtseinheit Siliquia ihren Namen. Eine Siliquia entsprach in etwa 189 bis 192 Milligramm - also annähernd dem Gewicht unserer heutigen Maßeinheit von einem Karat. Die Überlieferung besagt, dass der Grund für die Nutzung der Johannisbrotbaum-Kerne darin liegt, dass diese immer annähernd dasselbe Gewicht haben. Wissenschaftler wiesen jedoch nach, dass die Gewichtsschwankungen des Siquilias denen jeder anderen Samenart in nichts nachstehen.
Eine überraschende Entdeckung machten die Forscher jedoch: Zwar schwankt das Gewicht, Probanden konnten diese Schwankungen aber in über 70% der Fälle am Aussehen der Samen erkennen. Dies deutet darauf hin, dass unsere Vorfahren im alten Rom und in Griechenland die Kerne des Johannisbrotbaumes auswählten, da so eine geringe Fehlerquote bei Gewichtabweichungen garantiert werden konnte. Das menschliche Auge sorgte dafür, dass nur in etwa gleichschwere Samen zur Messung ausgewählt wurden. Im Mittelalter bestimmten Menschen anhand von anderen Getreidekörnern, was als "ein Karat" galt.
Messung von Edelsteinen heute
Um einen Diamant oder andere Edelsteine heute zu messen, nutzt man eine spezielle Karat-Waage. Diese wird vor der Messung auf ihre Genauigkeit getestet, so dass keine größeren Abweichungen vorkommen können (normal ist eine Genauigkeit von ca. 0,01 bis 0,001 Karat). Neben der Vermeidung von Erschütterungen muss beim Wiegen auch darauf geachtet werden, dass Wärmequellen oder Luftzüge das Messergebnis nicht verfälschen. Schließlich wird die erzielte Karatzahl nicht gerundet, außer es handelt sich um die dritte 9 hinter dem Komma.
Statt in Karat erfolgt die Angabe auch häufig in Punkten: 100 Punkte entsprechen dabei einem Karat. Ein Halbkaräter hat also eine Punktzahl von 50. Dann spricht man auch von einem 50 Punkter oder bei einem Viertelkaräter z.B. von einem 25 Punkter. Diese Punkte-Angabe wird vor allem genutzt, wenn es sich um einen Edelstein-Masse unter 0,2 g handelt.
Der Wert eines Diamanten
Ein weit verbreiteter Irrglaube herrscht darüber, dass der Preis eines Diamanten direkt mit dessen Größe in Zusammenhang stünde. Wie anfangs bereits erwähnt, hängt der Wert eines Steins von den 4cs ab: carat, color, clarity und cut. Die Reinheit (clarity) beschreibt die Sichtbarkeit vorkommender Einschlüsse im Edelstein. Dessen Farbe kann von weiß bis gelblich eingestuft werden und erhöht den Wert eines Diamanten je heller sie ist. Eine Ausnahme sind Steine, welche in allen Regenbogenfarben schimmern. Diese sogenannten "fancy colored diamonds" erhalten ihre Farbgebung aber auch durch den besonderen Schliff (cut). Die Eigenschaft des Schliffgrads bestimmt die Brillanz eines Steins. Je höher also hier die Qualität, umso strahlender funkelt z.B.
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Zwar herrscht nicht direkt eine Beziehung zwischen Größe und Wert eines Steins, aber durchaus zwischen dessen Gewicht und seinem Wert. Die Preissteigerung erfolgt allerdings nicht gleichmäßig mit steigender Karat-Zahl, sondern es ergeben sich exponentielle Sprünge. Beispielsweise zwischen einem 0,95 Karäter und einem Einkaräter. Diese Preisentwicklung begründet sich durch die Seltenheit großer Diamanten. Je größer die Karatzahl, umso sprunghafter steigt der Preis, zwischen einem Stein mit drei und vier Karat liegt ein weitaus höherer Preisunterschied als zwischen zwei Steinen mit ein und zwei Karat.
Die Wirkung von Diamanten
Die Wirkung eines wertvollen Diamanten ergibt sich aus mehreren Faktoren: dem Karat-Gewicht und seiner augenscheinlichen Größe. Das menschliche Auge tendiert jedoch dazu, diesen zweiten Faktor zu verzerren.
- Edelsteine können unterschiedlich tief sein. Je tiefer ein Stein ist, umso kleiner wirkt er oft. Dagegen sehen flachere Steine größer aus.
- Wie bereits oben beschrieben, bestimmt der Schliff die Brillanz. Diese kann auch über die wirkliche Größe des Steines hinwegtäuschen, da mehr Licht auf das Auge zurückfällt.
- Als Tafel bezeichnet man den sichtbaren Bereich des Edelsteins bei Draufsicht.
Karat als Feingehalt von Gold
Um den Gewichtsanteil reinen Goldes an der Gesamtmasse einer Legierung anzugeben, verwendet man ebenfalls den Begriff "Karat". Goldlegierungen werden hauptsächlich mit Kupfer und Silber hergestellt. Der Feingehalt in Karat wird in x/24-Teilen angegeben. Einkarätiges Gold entspricht also einem 1/24 Gewichtsanteil Gold (= 4,167%). Eine hundertprozentige Reinheit (24/24) ist quasi ausgeschlossen, da mögliche Verunreinigungen nie ganz zu eliminieren sind.
Statt der Bezeichnung "Karat" kann man die Reinheit von Goldlegierungen auch in 1/1000 Teilen angeben. Auch die Geschichte des Karat-Begriffs für Goldlegierungen geht auf die griechischen und römischen Vorbilder der Johannisbrotbaum-Samen zurück.
In Deutschland gab es früher das Karat als kleines Gegengewicht, mit dem man die Feinheitsbestimmung des Goldes vornahm. Dieses Gewicht entsprach dem 24.Teil einer Mark, 1 Karat wiederum teilte sich in 12 Grän als Untereinheiten auf. Auch heute noch wiegt man Schmuckstücke aus Gold, um ihren Karat-Wert zu ermitteln und damit eine Aussage über deren Feingehalt zu treffen.
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Internationale Unterschiede beim Mindest-Reinheitsgrad
Nicht überall ist Gold gleich Gold. Unterschiedliche Länder definieren den Mindest-Reinheitsgrad, den ein Schmuckstück haben muss, um als Gold verkauft zu werden, verschieden. In Deutschland gilt für Goldlegierungen eine Mindestgrenze der Reinheit von 8 Karat. Das entspricht einer 333er Feinheit. Diese Werte sind nicht nur auf staatliche Festlegungen zurückzuführen, sondern auch auf kulturelle Vorlieben.
So schätzt man auf dem amerikanischen Kontinent besonders Legierungen mit einem 585% Goldanteil, im Nahen Osten erfreuen sich Schmuckstücke ab Feingehalten von 20 bis 22kt großer Beliebtheit. Im Südasiatischen Kulturkreis legt man auf sehr hochprozentige Goldanteile wert und so begegnet man z.B. häufig thailändischem oder chinesischem Schmuck aus Feingold. In Deutschland gibt es für jeden Geschmack die passende Legierung.
Repunze zur Bestimmung der Karatzahl
Schon in historischer Zeit wurde der Reinhaltsgehalt von Gold in Karat angegeben. So galt schon im historischen Deutschland die Einheit Karat als ein kleines Goldgewicht. Gold gehört zu den wichtigsten Materialien in der Schmuckindustrie und findet beispielsweise seine Verwendung bei der Herstellung von Goldschmuck wie Ketten, Ringen, Broschen und Armbändern.
Damit auch Laien direkt einschätzen können, über welche Karatanzahl ein entsprechendes Schmuckstück verfügt, werden die Gegenstände mit einer so genannten Repunze gestempelt. Die Repunze hat sich im Laufe der Jahre zu einem weltweiten Instrument, für die Bestimmung der Karatzahl von Gold entwickelt. Mit ein wenig Geschick und einem guten Auge, lässt sich auf den meisten Schmuckstücken eine entsprechende Prägung finden.
Die Abkürzung kt ist vielfach auch als Abkürzung für den Begriff Karat gebräuchlich. Bei den Gehäusen von Uhren, wird oft auch die Abkürzung C verwendet. Karat gibt das Verhältnis des Goldes zu den anderen Metallen an. Die höchste Karatzahl bei Gold wird mit 24 Karat angegeben, was einer Legierung von 999-er Gold entspricht. Der Goldgehalt bei 24 Karat beträgt demnach 99,9%. Bei Gold in dieser Karatzahl wird auch von reinem Gold (Feingold) gesprochen.
Verschiedene Feingehalte von Gold
Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Feingehalten, von denen jedoch nur einige geläufig sind. Diese Legierung entspricht 750-er Gold mit einem Goldgehalt von 75,0%. Bei 14 Karat handelt es sich um 585-er Gold, bei einem Goldgehalt von 58,3%. Gold mit einem Feingehalt von 9 Karat entspricht 9 Karat mit 37,2% Goldanteil. Bei Goldschmuck mit einer 333-er Repunze ist der Feingehalt an Gold 8 Karat bei einem Goldanteil von 33,4%.
| Legierung | Karat | Goldanteil |
|---|---|---|
| 333 | 8 | 333/1000 = 33,3% |
| 375 | 9 | 375/1000 = 37,5% |
| 585 | 14 | 585/1000 = 58,5% |
| 750 | 18 | 750/1000 = 75,0% |
| 875 | 21 | 875/1000 = 87,5% |
| 900 | 21,6 | 900/1000 = 90,0% |
| 916 | 22 | 916/1000 = 91,6% |
| 965 | 23,2 | 965/1000 = 96,5% |
| 999,0, Feingold | 24 | 999,9/1000 = 99,99% |
