„Siegen durch Nachgeben“ lautet das Prinzip, das hinter der Kampfsportart Judo steht.
Der spätere Qaida-Chef, der unter anderem für den Tod von über 3000 Menschen bei den Anschlägen des 11. September 2001 verantwortlich ist, soll in jungen Jahren begeisterter Judo-Sportler gewesen sein.
Das legen jetzt zumindest eine Reihe von Privatfotos nahe, die ein taiwanischer Judo-Lehrer öffentlich gemacht hat.
Jimmy Wu trainierte von 1981 bis 1991 das Judo-National-Team von Saudi-Arabien - in dem nach seiner Aussage bis 1984 auch Bin Laden mitgemacht haben soll.
Wegen dessen Größe hat Wu dem Judo-Novizen damals erst abgeraten, sich auf den japanischen Kampfsport zu konzentrieren.
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Doch der habe sich nicht beirren lassen.
Auf den Bildern, die Wu der Nachrichtenagentur Reuters zukommen ließ, deren Echtheit aber bislang nicht überprüft werden konnte, sieht man einen ernsten Jüngling, der die markante Nase des Terroristen hat, ansonsten aber mit seinem gestutzten Bart und seinem athletischen Körper an den ganz jungen Sylvester Stallone erinnert.
Verglichen mit den martialischen Videoaufnahmen, die Bin Laden später als Terroristenanführer von sich in Umlauf brachte, geht von den Impressionen des Sportlers im weißen Dress samt Schwarzem Gürtel eine enorme Friedfertigkeit aus.
Man sieht einen jungen Mann, ein Judoka mit schwarzen Locken und dichtem Vollbart.
Er schaut ernst in die Kamera.
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Aufgenommen wurden diese undatierten Bilder in Riad, Saudi Arabien.
In sich gekehrt sei er gewesen, durch seine ernsten Gespräche aufgefallen, sagt sein früherer Judo-Trainer Wu.
Dadurch habe er sich von anderen abgesetzt.
Vieles über das Leben des Osama bin Laden, dem einst meistgesuchten Mann der Welt, liegt im Dunkeln.
Auch über seine letzten Jahre.
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Fest steht: Der Top-Terrorist hat die vergangenen sieben Jahre in Pakistan verbracht.
Unerkannt.
Demnach hatte bin Laden bei der US-Invasion Afghanistans im Oktober 2001 das Höhlensystem in den Tora-Bora-Bergen verlassen und sich bis 2003 im Gebirge im Grenzgebiet zu Pakistan versteckt.
Danach sei er in das pakistanische Dorf Chak Shah Mohammad im Bezirk Haripur umgesiedelt, ehe er mit seiner Familie im Jahr 2005 in das etwa 40 Kilometer entfernte Haus in Abbottabad umzog, in dem er vor wenigen Tagen von einem US-Kommandotrupp getötet wurde.
Mindestens fünf Jahre lang hat sie mit dem saudischen Terrorchef in Abbottabad gelebt.
Auch sie hat das Anwesen in dieser Zeit wahrscheinlich nie verlassen.
Ihre Kinder unterrichtete sie selbst.
In einem Zimmer fanden die Ermittler laut „Guardian“ eine Schultafel und Kreide, Bücher und Hefte.
In der Küche Oliven-Öl, Walnüsse, Trockenfleisch und Eier.
Auf einem Regal entdeckten die Polizisten zahlreiche Medikamente.
Die junge Frau muss ihren Mann lange in Abbottabad gepflegt haben.
Die Nachrichtenagentur Reuters zog am Montag Fotos von Osama bin Laden vom Wochenende zurück, die ihn angeblich als jungen Mann im Judo-Anzug gezeigt hatten.
Jetzt kam raus: Sie zeigen nicht den Terror-Chef, der am 2. Mai von einem US-Kommando getötet wurde.
Reuters schickte eine Collage (s.o) an die Redaktionen, bat um Entschuldigung für den Fehler und darum, die Bilder zu entfernen.
Die Fotos, so Reuters, stammten von dem taiwanesischen Judo-Trainer Jimmy Wu.
Der hatte angegeben, sie würden den jungen Osama bin Laden Anfang der 1980er-Jahre in Riad (Saudi-Arabien) zeigen.
Zwei oder drei Mal in der Woche hätte er dort am Judo-Training teilgenommen.
Doch nach 1984, so Wu, sei der Kontakt abgebrochen.
Alles falsch: Der bärtige Hüne ist ein anderer Mann, der seinerzeit die Sportler unterrichtet habe.
Wer er ist, bleibt allerdings unklar.
