Die Frage, ob Kickboxen im Islam erlaubt ist, ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Interpretation islamischer Lehren und der spezifischen Umstände der Aktivität. Es gibt unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema, die von der vollständigen Ablehnung bis zur bedingten Erlaubnis reichen.
Islamische Perspektiven auf Sport und Körperliche Aktivität
Sport und körperliches Wohlbefinden sind wichtige Bestandteile des Islams. Propheten im Koran vermitteln, dass es wichtig sei, Sport zu treiben und seinen Körper damit gesund zu halten. Es ist Sunna für jeden Muslim, sich in die Lage zu versetzen, seine Familie, seinen Glauben und wehrlose Personen zu verteidigen.
Verteidigungsfähigkeit als Sunna
Wegschauen, falls ein Unschuldiger geschlagen wird, wie beispielsweise bei einer Naziattacke, ist keine Option für einen Gläubigen. Das ist ein Hauptvorteil von BJJ: man kann jemanden nur halten, dass er nicht mehr gefährlich ist, oder blitzschnell ohnmächtig würgen, trotzdem wird er so Gott will unbeschadet herauskommen.
Kontroverse und Einschränkungen
Es ist in der Tat nicht erlaubt, in einen Verein zu gehen mit Frauen und Männern zusammen, schon gar nicht mit engem Körperkontakt. Für Schwestern, welche Kampfsport trainieren möchten, empfehle ich Wing Tsun oder Kali Eskrima, auch sehr gut in einer Frauengruppe. Übrigens, für alle Verdreher: Wir Muslime trennen Geschlechter nicht aus Unreinheit, sondern aus Respekt voreinander.
Einige islamische Gelehrte argumentieren, dass Kampfsportarten wie Kickboxen problematisch sein können, wenn sie zu Wut, Aggression oder unnötiger Gewalt führen. Ein türkischer Imam hat gesagt, es sei haram, wenn sich zwei Rechtgläubige ins Gesicht schlagen, im Zorn. Wenn sie es nicht im Zorn machen, sondern um des Geldes wegen, um die Zuschauer zu unterhalten, so ist es dann nicht haram, wenn der eine von beiden ein Rechtgläubiger und der andere ein Kafir, ein Ungläubiger sei.
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Die Rolle der Absicht und des Kontexts
Die Zulässigkeit von Kickboxen kann auch von der Absicht und dem Kontext abhängen. Wenn das Training oder der Wettkampf dazu dient, die körperliche Fitness zu verbessern, die Selbstverteidigung zu erlernen oder Disziplin und Respekt zu fördern, kann dies eher akzeptabel sein. Wenn es jedoch zu Stolz, Prahlerei oder der Verletzung anderer führt, kann dies als haram angesehen werden.
Muslimische Frauen im Kampfsport
Auch beim Sport gehört das Tragen eines Kopftuchs zum Alltag. Häufig treffen sie dabei auf Unverständnis und das Vorurteil, muslimische Frauen dürften keinen Sport machen. Was viele nicht wissen, Sport und körperliches Wohlbefinden sind wichtige Bestandteile des Islams. Propheten im Koran vermitteln, dass es wichtig sei, Sport zu treiben und seinen Körper damit gesund zu halten. Dennoch gibt es gerade für muslimische Frauen nicht sehr viele sportliche Angebote, die Rücksicht auf ihren Glauben nehmen.
Vor zehn Jahren wäre das allerdings für Frauen, die ein Kopftuch tragen, undenkbar gewesen. Das Regelwerk des Deutschen Boxsport-Verbands erlaubte weder ein Kopftuch noch lange Sportbekleidung im Boxring. Der Auslöser für die Regeländerung war die Berliner-Profiboxerin Zeina Nassar. Sie hat libanesische Wurzeln und trägt ebenfalls ein Kopftuch. Mit 13 Jahren fing sie an zu boxen, durfte aber nach den damaligen Regeln an keinem Wettkampf teilnehmen.
Mit einem Sport-Kopftuch zu boxen, ist deutlich einfacher als mit einem normalen Kopftuch. Das muss nicht extra mit Nadeln festgesteckt werden und hat einen besseren Halt beim Training. Die zusätzliche Wettkampfausrüstung - dazu gehören Mundschutz, Kopfschutz, Boxhandschuhe und Boxschuhe - kann über die lange Kleidung gezogen werden.
Beispiele für Veränderungen in religiösen Auslegungen
Im Laufe der Zeit können sich religiöse Auslegungen ändern. Einiges, was einst nach islamischem Recht als verboten galt (harām), ist nun erlaubt (halāl). Kaviar, der im Iran wie anderswo als Delikatesse gilt, wurde 1979 verboten, ist heute aber nicht mehr verboten. Auch das uralte Schachspiel wurde im Iran nach der Revolution verboten, aber 1988 befragte man Großajatollah Khomeini nach den islamischen Gesetzen zum "Schachspielen ohne Ziel des Glücksspiels als reinem Sport“. Er antwortete darauf: "Wenn das Spiel gespielt wird, ohne gewinnen oder verlieren zu wollen, gibt es kein Problem“.
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Auch Ajatollah Hossein Ali Montazeri fragte aufgebracht, als er zum ersten Mal einen Boxkampf sah: "Was für ein Sport ist das? Das ist Barbarei." Montazeri hat zwar keine Fatwa gegen das Boxen erlassen, aber seine Bemerkung führte dennoch dazu, dass dieser Sport zehn Jahre lang verboten wurde. Erst nach zehn Jahren konnten die iranischen Boxer die Behörden davon überzeugen, dass ihr Sport nicht gegen das islamische Gesetz verstößt.
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