Sebastian Seidl: Eine Karriere im Zeichen des Judo

Sebastian Seidl, ein Name, der im deutschen Judo einen besonderen Klang hat. Seine beeindruckende Karriere als aktiver Judoka ist geprägt von zahlreichen Erfolgen, darunter der Gewinn der Team-Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio. Doch auch nach seinem Karriereende bleibt Seidl dem Judo treu und widmet sich nun der Aufgabe, sein Wissen und seine Erfahrung an junge Athleten weiterzugeben.

Frühe Erfolge und der Weg zur Spitze

Sein Talent und seine Leidenschaft für den Judo-Sport führten ihn zu zahlreichen Erfolgen. Nach 6 Welt- und 5 Europameisterschaften war der Abensberger bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro am Start, als bisheriger Höhepunkt seiner Karriere.

Der Judoka Sebastian Seidl ist Angehöriger des Spitzensportprogramms der Bayerischen Bereitschaftspolizei und hat dort die beste Unterstützung Beruf und Sport zu vereinen. Im September 2012 startete das Programm „Spitzensport Polizei Bayern“ unter der Schirmherrschaft von Joachim Herrmann, Staatsminister des Innern.

Nach der 5-jährigen Ausbildung, die geprägt ist durch den Wechsel zwischen einer 4-monatigen „Präsenzphase“ von Oktober bis Januar (Ausbildungsbetrieb) und der „Freistellungsphase“ (Wettkampfbetrieb), hat Sebastian nun die Möglichkeit als Mitglied der Sporttrainingsgruppe sich voll und ganz auf den Sport zu konzentrieren.

Die Mitglieder der Sporttrainingsgruppe sind allesamt Sportler, welche ihre Ausbildung bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei erfolgreich abgelegt haben. Sebastian Seidl wurde im Juli 2017 zum Polizeiobermeister befördert.

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Aufgrund seiner sportlichen Erfolge, aber auch durch seine Leistungen und sein Auftreten im Polizeidienst wird Sebastian Seidl am 01.12.2020 vom Polizeiobermeister zum Polizeihauptmeister befördert. Dies ist eine geschichtsträchtige Beförderung, da Sebastian der erste Sportler in der Sporttrainingsgruppe ist, der diesen Dienstrang erreicht hat.

Das Karriereende als aktiver Sportler

Anfang des Jahres hatte Seidl seine aktive Karriere für beendet erklärt. Zum 1. Januar 2024 erlischt nach 17 Jahren mein Kaderstatus. Mein offizielles Karriereende werde ich Anfang Januar bekanntgeben.

„Einmal TSV Abensberg, immer TSV Abensberg“ haben Sie mal gesagt. Dabei bleibt es. In welcher Funktion weiß ich noch nicht, da sind wir in Gesprächen. Ich habe dort meinen ersten Schritt auf die Judo-Matte gemacht, ich werde dort meinen letzten Schritt machen. Ich werde dem TSV Abensberg treu bleiben.

Der Weg zum Trainer

Die Frage, die ihn zuletzt also umtrieb, lautet: Wie geht es jetzt weiter? Dass er nun in Dachau als Ausbilder bei der Spitzensportfördergruppe der bayerischen Bereitschaftspolizei Top-Athleten betreut, war abzusehen.

Immerhin hatte der heute 33-Jährige einst selbst als einer der ersten Sportler überhaupt dieses Programm durchlaufen. Doch das reicht dem ehrgeizigen Ex-Leistungssportler nicht, weshalb er sich über eineinhalb Jahre hinweg zudem um ein Engagement beim Deutschen Judo-Bund bemüht hat - mit Erfolg.

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„Seit 1. März gilt offiziell mein Vertrag als Assistenz-Bundestrainer Herren.“ Konkret bedeutet das: „28 Stunden pro Woche Polizeiarbeit, die restlichen 30 Prozent Judo-Trainer.“

Seidl zufolge alles andere als eine Selbstverständlichkeit: „Ich war einer der ersten Athleten im Spitzensportförderprogramm und bin jetzt der erste, der auch eine Bundestrainer-Stelle hat. So schließt sich ein toller Kreis.“

Im Februar habe ich mit einem Studium zum Trainerschein bei der IJF, der Internationalen Judo Federation, begonnen. Den brauche ich, damit ich bei internationalen Turnieren coachen darf. Das waren 14 theoretische Prüfungen und eine praktische Woche.

Die neue Rolle als Assistenz-Bundestrainer

Für seinen Einstieg ins Trainer-Geschäft hat sich der Pförringer, der in München wohnt, gleich ein „Wahnsinns-Jahr“ ausgesucht. Vergangene Woche weilte er mit der Nationalmannschaft bei der EM in Zagreb (Kroatien), wo sich seine Schützlinge Mixed-Bronze erkämpfen konnten.

„Wir haben uns riesig gefreut, das war nicht zu erwarten“, sagt Seidl. Und die Olympischen Spiele in Paris (26. Juli bis 11. August) werfen sowieso längst ihre Schatten voraus, sind omnipräsent.

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Sowohl bei seinen deutschen Judokas als auch den bayerischen Spitzensportlern bei der Polizei, denen Seidl Unterricht erteilt. Kanu-Slalom-Weltmeister Sideris Tasiadis etwa hat sich erst vor wenigen Tagen seine dritte Olympia-Teilnahme gesichert.

Ob Seidl die Spiele in Frankreich aber in seiner Funktion als Assistenz-Bundestrainer erleben wird, ist derzeit noch unklar und hängt stark davon ab, wie viele deutsche Judo-Männer sich ein Ticket sichern. Die letzte Chance dazu bietet sich seinen Schützlingen vom 17. bis 25 Mai bei der WM in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate).

Seit seinem Karriere-Ende 2024 assistiert der 35-Jährige neben seiner Tätigkeit bei der Polizei dem Bundestrainer der Männer.

Seidls Aufgaben bei den FISU Games 2025

Als hauptverantwortlicher Männertrainer vor Ort bin ich mir der „Größe“ der Verantwortung bewusst und fühle mich geehrt, diese Aufgabe wahrnehmen zu dürfen.

Ich erwarte von den Wettkämpfen der FISU Games erfahrungsgemäß ein hohes Niveau, spannende Kämpfe und Freude beim Betrachten anderer Sportarten. Von der Organisationsgestaltung einer sportlichen Großveranstaltung in Deutschland bin ich überzeugt.

Besonders wichtig für die Vorbereitung der Athleten ist mir Individualität. Jeder Athlet kennt seine Rituale und bestmögliche Wettkampfvorbereitung. Ich bin dafür da, die Gegebenheiten hierfür zu schaffen.

In der Wettkampfvorbereitung ist mir eine individuelle und strukturierte Herangehensweise wichtig. Dazu gehören eine gezielte technische und taktische Vorbereitung, wettkampfnahes Training sowie die mentale Einstimmung.

Ich achte darauf, dass die Athlet:innen körperlich ausgeruht, aber fokussiert anreisen und in der letzten Phase Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten aufbauen.

Am Wettkampftag selbst ist es mir besonders wichtig, Ruhe auszustrahlen und einen klaren Rahmen zu bieten - sei es beim Aufwärmen, bei der Betreuung zwischen den Kämpfen oder beim Umgang mit Siegen und Niederlagen.

Jeder Athlet und jede Athletin hat individuelle Bedürfnisse, und diese versuche ich bestmöglich zu berücksichtigen.

Mein Ziel ist es, unsere Judoka optimal auf diesen wichtigen Wettkampf vorzubereiten - sowohl körperlich als auch mental - und ihnen die bestmögliche Betreuung während des Events zu bieten.

Ich möchte, dass sie ihr volles Potenzial abrufen können und sich sportlich sowie persönlich weiterentwickeln. Natürlich wünschen wir uns sportlichen Erfolg, aber genauso wichtig ist mir, dass unsere Athlet:innen mit positiven Erfahrungen, neuen Impulsen und gestärktem Selbstbewusstsein aus dem Turnier gehen.

Langfristig sollen die FISU Games ein Sprungbrett für höhere internationale Aufgaben sein.

Blick zurück auf das Jahr 2023

Es war das anspruchvollste Jahr meines Lebens. Ich habe schon im März gesagt: Ich bin froh, wenn dieses Jahr vorbei ist. Jetzt habe ich es dann geschafft.

Das Jahr hatte viele Höhen und Tiefen. Mir wurden viele Herausforderungen gestellt. Angefangen mit der Hochzeit im Oktober in Pförring und der Feier danach in Lanquaid bei Abensberg. Nicht falsch verstehen: Es war der schönste Tag meines Lebens. Wir hatten eine legendäre Party, eine wunderschöne Hochzeit, vom Wetter her hat es genau richtig gepasst. Einfach perfekt. Aber die Planung davor war enorm.

Im April 2022 haben wir angefangen, in Pförring ein Fünf-Parteien-Mietshaus zu bauen. Die Fertigstellung war bis Mai 2023 geplant. In der heißen Phase ging es rund, mit allen Problemen, die es momentan gibt, wie Lieferschwierigkeiten beim Material. Das war eine bodenlose Belastung. Mit der Unterstützung meiner Familie habe ich es geschafft, dass das Haus pünktlich stand.

Ich habe am 1. Januar ein Praktikum beim Deutschen Judo-Bund angefangen. Ich selbst konnte verschiedene Maßnahmen wie Trainingslager und Turniere der Männer-Nationalmannschaft betreuen. Insgesamt bekam ich eine Einführung in das Trainerleben und Infos über die Umschulung von der aktiven Karriere zur Trainerlaufbahn.

Im September habe ich bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei als Ausbilder für Spitzensportler angefangen. Ich selbst habe die Ausbildung bei der Sportförderung ja im Jahr 2012 begonnen und durchgemacht. Als aktiver Sportler war ich dann oft freigestellt. Jetzt sieht es anders aus: Eine 40-Stunden-Woche, in der ich als Polizeihauptmeister jungen Spitzensportlern aus verschiedenen Bereichen theoretischen und wie im Fall Selbstverteidigung praktischen Unterricht erteile.

Ja, absolut. Zwar mit sehr viel Stress und Aufwand, aber letztendlich hat alles gut funktioniert. Ich habe in jeglicher Hinsicht den größten Fortschritt meines Lebens gemacht.

Ausblick auf die Zukunft

Für mich gibt es 2024 ein großes Ziel: Olympia in Paris. Ich will meine Athleten optimal darauf vorbereiten und auch in Frankreich dabei sein, um sie dann optimal zu betreuen.