Das Nordostschweizer Schwingfest ist ein bedeutendes Ereignis im Kalender des Schweizer Nationalsports, dem Schwingen. Diese traditionelle Sportart, auch bekannt als "Hosenschwingen", hat tiefe Wurzeln in der Schweizer Kultur und zieht sowohl Teilnehmer als auch Zuschauer in ihren Bann.
Ursprung und Entwicklung des Schwingens
Obwohl es schwierig ist, den genauen Ursprung des Schwingens zu bestimmen, gibt es Hinweise auf diese Sportart, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Ein Wandgemälde aus dieser Zeit an der Kathedrale von Lausanne zeigt zwei Schwinger, die einen für das Schwingen typischen Griff mit der Unterhose ausführen.
Die ersten Berichte, die den Sport als alpinen Brauch schildern, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Franz Joseph Stadler beschrieb den Sport erstmals in einem Handbuch aus dem Jahr 1797, in dem er die Bewegungen und die verschiedenen Regeln des Schwingens zusammenfasste. Im Jahr 1805 wurde der Schwingsport durch das erste Unspunnen-Alpfest in der Stadt bekannt.
Das Schwingen nach eidgenössischer Tradition hat seinen Ursprung nicht nur entlang den Schweizer Alpen. Später trafen sich die Sennen, die sich bis dahin als Freizeitvergnügen unter Älplern im Zweikampf gemessen hatten, mit so genannten Turnern, die meist im Rahmen von Gymnastikvereinen im Unterland ihre Kräfte trainierten.
Noch heute unterscheiden sich Sennen und Turner in ihrer Bekleidung: Die Sennen tragen ein hellblaues Leibchen und dunkelgraue oder schwarze Schwingerhosen, wogegen die Turner ganz in Weiss daherkommen.
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Was ist Schwingen?
Auch als Hosenschwingen bezeichnet, ist es eine typisch schweizerische Sportart. Sie wird in der Regel von Personen mit körperlich anstrengenden Berufen wie Landwirten, Käsern, Metzgern oder auch Zimmerleuten ausgeübt. Diese sind mit einem Sennenhemd bekleidet. Dennoch ist der Sport im Laufe der Jahre so beliebt geworden, dass er auch in städtischen Gebieten demokratisiert wurde, wo er in Turnvereinen ausgeübt wird.
Schwingen ist verwandt mit den Sportarten Judo, Sum, Grappling, Wrestling/Catchen und dem Ranggeln, eine Art Schwingen nach Südtiroler Art. Um den Gegner zu bezwingen, gibt es beim Schwingen über 300 Variationen von Griffen und Schwüngen.
Sie heißen: Kurz, Übersprung, Brienzer, Hüfter, Buur, Gammen, Wyberhaagge. Der Sport wird auf einem Sägemehlkreis mit einem Durchmesser von 7 bis 14 m im Eins-gegen-Eins ausgetragen. Jeder Gegner trägt über seiner Kleidung eine weite Leinenhose, die mit einem Gürtel versehen ist.
Zu Beginn jeder Runde verbeugen sich die Schwinger und nehmen dann die Startposition ein, bei der sie den Gegner mit der rechten Hand am Gürtel und mit der linken Hand am Hosenbein packen. Während des gesamten Kampfes müssen beide Kämpfer immer den Griff um die Hose des Gegners beibehalten.
Wie bei anderen Kampfsportarten werden verschiedene Techniken, die in einem Handbuch beschrieben sind, angewendet. Zu den wichtigsten gehören der Kurtz, der Brienzer, der Burm, die Hüftdrehung oder auch der Kreuzsprung. Am Ende des Durchgangs ist es üblich, dass der Gewinner das Sägemehl vom Rücken des Verlierers entfernt.
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Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest
Alle drei Jahre findet das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt. Drei nationale Sportarten stehen bei diesem Ereignis im Mittelpunkt: Schwingen, bei dem der Schwingerkönig gekürt wird, Hornussen und das Unspunnensteinstossen. Der Titel des Schwingerkönigs bleibt auch dann erhalten, wenn ein neuer König gekrönt wird.
Dieser gewinnt kein Geld, sondern erhält verschiedene Sachpreise wie einen Stier, ein Schaf, Glocken oder auch rustikale Möbel.
Das Schwingfest in Ramsen
In Ramsen haben die Sägemehlringe oder Kampflätze, wie bei Kranzschwingfesten üblich, einen Durchmesser von zwölf Metern. Die Höhe des Sägemehls beträgt mindestens 15 Zentimeter. Das Sägemehl wird gewalzt und bewässert.
Die Musiker-Gruppe wird dieses Jahr 40 Jahre alt. Das Jubiläum wird insofern ungewöhnlich gefeiert, als die Guggenmusiker das Kantonalschwingfest in Ramsen organisierten. Das startete am Samstag mit dem Nachwuchsschwingertag. Am Sonntag sind dann 129 Aktivschwinger ins Sägemehl gestiegen.
Die ganz großen Schwingfeste finden in den Bergen statt. Sennen sollen dort das Schwingen erfunden haben. Im Appenzell, zu Füssen des Säntis und der sieben Churfirsten hat ein Ramsen-Besucher aus Singen am Hohentwiel das Schwingen entdeckt und fand es faszinierend. Deshalb ergriff er jetzt die Gelegenheit, in Ramsen wieder einmal bei einem Schwingfest live dabei zu sein.
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Nicht zu Füssen des Säntis, sondern nahe beim Rosenegg schauten er und sein Kollege den Schwingern zu. Und sie waren nicht die Einzigen, die aus dem Deutschen einen Ausflug ans Kantonalschwingfest nach Ramsen unternommen haben: Etliche waren dazu mit dem Fahrrad angereist.
Und in der Tat, der Giger Samuel aus Ottoberg im Kanton Thurgau hat schließlich als Sieger den Platz verlassen. Seit jeher nennen die Schwinger den Familiennamen zuerst. Giger legte seine Gegner in sechs Gängen und im Schlussgang auch den Lokalmatador Vollenweider Jeremy aufs Kreuz.
Die "Bösen" und das Nordostschweizer Schwingfest
Es sind bei einem Schwingfest nur die besten Schwinger, die Eidgenoss‘ genannt werden. Sie heißen auch die Bösen, obwohl die meisten Schwinger ganz nette Kerle sind. Zu den ganz Bösen zählen regelmäßige Festsieger oder Kranzgewinner an einem der großen Bergfeste, Verbandsfeste oder am eidgenössischen Schwingfest, das allerdings nur alle sechs Jahre stattfindet.
In Ramsen sind einige Eidgenossen unter den 129 Schwingern am Start. Darunter auch der Brünig-Sieger Samuel Giger. Und der komme immer gerne ins Schaffhausische: Er hat jetzt zum vierten Mal das Schaffhauser Kantonalschwingfest gewonnen.
Giger wurde von Vereinskameraden auf die Schultern gehoben. Darauf wurde der Preis für den Sieger ins Sägemehl gebracht: Ein imposanter Muni, ein junger Zuchtstier.
Die Bedeutung des Nordostschweizer Schwingverbands
Das Schaffhauser Kantonalschwingfest ist in dieser Saison das letzte Kantonalschwingfest im Gebiet des Nordostschweizer Verbandsgebiets (NOSV). Anschließend folgen noch der NOSV-Bergklassiker auf der Schwägalp (20. August), ehe es am 27.
Orlik gehört dem Nordostschweizer Schwingverband an und hat 35 Kränze und fünf Kranzfestsiege errungen.
