Kampfsportarten erfreuen sich sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern wachsender Beliebtheit. Neben der Schulung von Körperbeherrschung und Kraft liegt der Fokus auch auf der Verbesserung der mentalen Stärke und der Vermittlung von Werten wie Disziplin und Respekt.
Boxen für Frauen: Zwischen Kampf und Fitness
Boxen ist mehr als nur "drauf losprügeln" und hat klare Grenzen und Regeln. Dies gilt für alle Boxarten, die sich in ihrem Stil unterscheiden, welche Körperteile man zum Kämpfen benutzen darf und welche Körperstellen des Gegners angegriffen werden dürfen.
Man unterscheidet nach Boxstilen, wobei die Regeln für Männer und Frauen teilweise unterschiedlich sind. Beim Frauen-Boxen unterscheidet man in der Regel folgende zwei Ausprägungen:
- Kampfboxen ("richtiges" Boxen mit Boxkämpfen)
- Fitnessboxen (Trainingsprogramme mit Boxelementen)
Beim Kampfboxen geht es um Sportboxen im Club oder Verein mit Kämpfen gegen andere Boxerinnen. Man lernt, wie man schlägt, angreift, abwehrt und sich im Boxring verhält. Beim Fitnessboxen steht die Fitness im Vordergrund, um den Körper in Form zu bringen und Muskeltraining zu machen.
Folgende Ausrüstung ist nötig:
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- Boxhandschuhe
- Boxmantel für den Kampf im Ring
- Boxsack und/oder Boxbirne (Punching-Ball)
- Schutzausrüstung (Mundschutz, Kopfschutz, Handbandagen usw.)
- Boxschuhe
Einfach mal auf die Boxbirne einzudreschen, kann wahnsinnig stressabbauend sein. Wenn Du mit System trainieren und Dich weiterentwickeln willst, empfehlen wir Dir nicht nur, Dich zwischen Fitness- und Kampfboxen zu entscheiden, sondern auch für eine bestimmte Art von Boxen. So kannst Du Dich genau auf die Anforderungen dieser Disziplin konzentrieren und Schritt für Schritt vorankommen.
Hier einige Boxstile, die sowohl von Männern als auch von Frauen praktiziert werden:
- Savate (Französisches Boxen): vor allem in Frankreich bei Frauen extrem beliebt
- Englisches Boxen (das klassische Boxen, wie man es aus dem Fernsehen kennt)
- Thaiboxen
- Kickboxen (Amerikanisches Boxen)
- Burmesisches Boxen (Lethwei)
Welche Boxart man als Frau bevorzugt, hängt ganz davon ab, wie hart man es mag bzw. was der Fokus ist. Savate ist eher sanfter und beinhaltet auch Sprünge. Beim Kickboxen sind die Beine extrem wichtig, und Lethwei ist eine der härtesten Boxarten überhaupt. Manche Boxarten eignen sich besser für Anfänger (z.B. Englisches Boxen, Savate und Kickboxen ohne Low-Kick). Andere sind schwieriger und vielleicht eher etwas, wenn man schon etwas Erfahrung im Kampfsport hat (z.B. Thaiboxen und Lethwei).
Dann gibt es noch Box-Unterarten, die speziell für Frauen entwickelt wurden und eher Fitnessprogramme mit Boxelementen sind:
- Fitnessboxen
- Aeroboxen
- Karidoboxen
- Body Combat Workout
- Selbstverteidigungskurse für Frauen usw.
Auch wenn es von aussen teilweise so einfach aussieht, kann man natürlich nicht einfach in den Ring steigen und drauf losprügeln. Man muss die richtige mentale Eistellung haben und die verschiedenen Techniken beherrschen. Wie ist meine Ausgangsposition? Wie greife ich an? Wie wehre ich Schläge ab? Wie erkenne ich die Schwächen meiner Gegnerin und nutze diese aus? Auch die Beinarbeit und ständige Konzentration sind extrem wichtig. Der Boxsport ist ausserordentlich strategisch (viel stärker, als Laien meinen) und die kleinste Unaufmerksamkeit kann fatal sein. Ein starker Wille, kühler Kopf und höchste Konzentration sind also unerlässlich.
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Capoeira: Kampftanz und Lebensphilosophie
Capoeira ist eine Kampfkunst, die zu Musik ausgeführt wird. Dabei sieht es oft so aus, als ob die Gegner miteinander tanzen. Während zwei Kampftänzer in der sogenannten Roda miteinander spielen, stehen die anderen im Kreis um sie herum, singen, tanzen und klatschen zum Rhythmus. Den Takt des Spiels geben die Instrumente vor, die sich am Rand des Kreises befinden.
Die Capoeira-Kämpfer reden dabei bewusst von einem Spiel und nicht von einem Kampf. Das Ziel ist es nämlich nicht, den anderen zu treffen oder zu verletzen, sondern seine Treffer nur anzuzeigen. Dabei werden die Kicks und Schläge vor dem Gesicht oder dem Körper des Gegners abgebremst. Während des Spiels findet aber fast kein Körperkontakt statt. Der Grundschritt führt immer nach hinten, vom Gegner weg.
Auch beim Angriff führt der Abschluss des Schrittes wieder nach hinten, um einem eventuellen Gegenschlag des Gegners auszuweichen. Da sich der Sport über die Jahre sehr vielfältig weiterentwickelt hat, unterscheiden sich fast alle Capoeira-Gruppen ein bisschen in ihrem Stil voneinander. Es gibt auch keine einheitlichen Regeln oder offiziellen Wettkämpfe.
Bei Capoeira gehe es nicht darum, anderen etwas zu beweisen und einen Pokal zu gewinnen. «Es geht viel mehr um einen selbst. Wir wollen uns selber weiterentwickeln und über unsere eigenen Grenzen hinauswachsen.» Der Kampftanz ist dementsprechend sehr frei und kreativ. Die Schüler werden sogar dazu ermuntert, die von ihren Meistern erlernte Capoeira-Kunst zu verbessern und ihren eigenen Stil zu entwickeln.
Capoeira ist eine sehr komplette Kampfkunst. Sie enthält viele Elemente, die man auch aus anderen Kampfsportarten wie dem Boxen, Karate oder Kung Fu kennt. Von diesen unterscheidet sich der Kampftanz vor allem dadurch, dass die Capoeira-Kämpfer ihre Kicks immer in Bewegung ausführen. «Wir stehen nie still, sondern bewegen uns ständig zur Musik. Wir führen sozusagen eine Art Tanz auf.»
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Auch die Musik ist in anderen Kampfsportarten nicht so präsent. «In den Liedern verarbeiten wir das Alltagsleben und stehen in ständiger Auseinandersetzung mit unserer Kultur», erklärt der Brasilianer. Man lerne durch Capoeira vieles. Einerseits ist die Kampfkunst eine gute Basis für jede andere Sportart. Man trainiert Kondition, Koordination und das Rhythmusgefühl und lernt gleichzeitig, sich selber zu verteidigen und mentale Stärke zu beweisen. «Capoeira zeigt uns aber auch vieles im Umgang mit anderen Menschen und wie man sie mit Respekt behandelt.
Wie so manche Kampfsportarten wird Capoeira heute immer populärer. In seiner Schule unterrichtet Das Neves Vieira jeden Freitagabend sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene. «In Brasilien gibt es auch Leute, die mit 60 oder 70 Jahren noch mit Capoeira anfangen», sagt er. Durch die grosse Vielfalt dieses Sportes habe es für jeden etwas dabei. Bei Kindern kann man beispielsweise den Schwerpunkt auf die Akrobatik und die Koordination setzen. Andere haben ihr Talent und Interesse eher beim Kampfsport und wiederum anderen liegt die Musik mehr als das Kämpfen und sie singen, tanzen und spielen Instrumente. «Es gibt immer etwas, das man weniger gut kann. Aber ich liebe Capoeira genau deshalb, weil die Kampfkunst all diese Komponenten vereint», sagt der Sportler.
Capoeira ist aber auch ein sehr taktischer Sport. Viel hängt davon ab, wie gut man seinen Gegner analysieren und seine nächsten Schritte voraussagen kann. «Das fiel mir am Anfang schwer, aber Cosme ist besonders gut darin. Seine Gegner beobachtet er sehr genau und studiert so deren Muster und Schwächen«, verrät seine Frau. Dies sei nicht nur im Kampftanz so, sondern auch bei gewöhnlichen Gesellschaftsspielen wie Domino. «Er weiss immer genau, wer noch welche Steine auf der Hand hat.»
Kampfsport für Kinder: Vorteile und geeignete Sportarten
Nicht nur Körperbeherrschung und Kraft werden beim Kampfsport trainiert. Vielmehr steht auch die Verbesserung der mentalen Stärke sowie die Vermittlung von Werten wie Disziplin und Respekt im Vordergrund.
Vorteile von Kampfsport für Kinder:
- Steigerung der körperlichen Fitness: Kraft, Ausdauer, Flexibilität
- Verbesserung der motorischen Fähigkeiten: Beweglichkeit und Koordination
- Förderung der kognitiven Entwicklung: Aufmerksamkeit und Konzentration
- Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung: Selbstbewusstsein, Selbstbeherrschung, Selbstdisziplin
Um die nötigen Kampfsporttechniken fehlerfrei ausüben zu können, ist Konzentration und eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit notwendig. Dein Kind lernt, sich auf die Bewegungsabläufe zu konzentrieren und störende Ablenkungen auszublenden. So ist es ihm auch möglich, schnell auf die Bewegungen seines Gegenübers zu reagieren.
Seriöses Kampfsporttraining legt zudem grossen Wert auf einen strengen Verhaltenskodex: Erfahrene Trainer vermitteln Kindern die Bedeutung von Respekt, Bescheidenheit, Höflichkeit und Disziplin. Die Kinder lernen, Regeln zu befolgen, den Anweisungen des Trainers aufmerksam zuzuhören und sich selbst zu beherrschen.
Kampfsporttraining kann dabei helfen, dass Kinder sicherer und besonnener auf ungewisse Situationen reagieren. Unsichere, schüchterne Kinder können ihr Selbstvertrauen und ihr Selbstwertgefühl steigern. Sie lernen selbstbewusster aufzutreten und können sich so auch gewaltlos gegen Ungerechtigkeiten verteidigen.
Geeignete Kampfsportarten für Kinder:
- Judo
- Aikido
- Jiu-Jitsu
- Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ)
- Ju-Jutsu
- Karate
- Taekwondo
- Kickboxen
Zusätzlich zur Steigerung der Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit, legt das Kampfsporttraining übergreifend auch grossen Wert auf Disziplin, Respekt und Fairness.
Für etwas zurückhaltende Kinder werden hingegen oft Judo und Akido empfohlen, um Körperbeherrschung und Selbstbehauptung zu erlernen. Kampfsportarten wie Judo und Akido, die darauf basieren, die Energie des gegnerischen Angriffs zu nutzen und umzuleiten, eignen sich auch für weniger kräftige Kinder.
Das Einstiegsalter für die meisten Kampfsportarten liegt bei etwa 6 bis 8 Jahren im Rahmen von regulärem Gruppentraining. Unabhängig von der gewählten Kampfsportdisziplin ist es stets wichtig, dass das Training altersgerecht gestaltet wird und den Entwicklungsstand der Kinder berücksichtigt.
Ausrüstung für Kampfsporttraining:
Für viele Kampfsportarten benötigt dein Kind spezielle Bekleidung und Schutzausrüstung. Die genaue Bezeichnung dieser Trainingsuniform setzt sich meist aus dem Namen der Kampfsportart und der Silbe -gi zusammen (z. B. Judogi, Karategi). Der Trainingsanzug für koreanische Kampfkünste wie Taekwondo heisst Dobok, ähnelt einem Gi jedoch im Aufbau stark.
Eventuell benötigt dein Kind je nach gewählter Kampfsportart und Trainingsfortschritt spezielle Schutzausrüstung wie z. B. einen Zahnschutz, Ellenbogen- und Knieschoner, Tiefschutz, Schienbein- und Knöchelschutz.
Krafttraining für Tänzer: Verletzungen vorbeugen und Leistung steigern
Tanzen vereint künstlerische Leidenschaft mit physischer Anstrengung. Tänzer:innen sind daher auf eine Kombination aus Flexibilität, Koordination, Ausdauer und Kraft angewiesen, um diese vielfältigen Anforderungen zu bewältigen. Von explosiven Sprüngen bis zu Hebefiguren - immer mehr Tanzende setzen auf gezieltes Krafttraining.
Verletzungsprävention und muskuläre Balance
Junge Tänzerinnen und Tänzer sind aufgrund repetitiver Belastungen und einseitiger Techniken (z. B. im Ballett) besonders anfällig für Überlastungsverletzungen wie Stressfrakturen, Sehnenentzündungen oder Hüftimpingements. Krafttraining wirkt hier präventiv, indem es muskuläre Dysbalancen ausgleicht, die durch tanzspezifische Bewegungsmuster entstehen.
Eine Studie an Elite-Tänzerinnen und Tänzern zeigte, dass ein 12-wöchiges Kraftprogramm das Verletzungsrisiko um 40 % senkte, da es die strukturelle Belastbarkeit von Sehnen und Bändern erhöhte (Allen et al., 2020).
Steigerung der Sprungleistung und Explosivkraft
Sprünge sind zentral für viele Tanzstile, von Ballettsprüngen wie Grand Jetés bis zu akrobatischen Moves u.a. im Breakdance, Hip Hop, Contemporary Dance, Rock’n’Roll, Latein- und Standard-Turniertänzen. Explosivkrafttraining, etwa plyometrische Übungen (z. B. Boxjumps oder Tiefensprünge), verbessert die neuromuskuläre Aktivierung und erhöht die vertikale Sprunghöhe.
In einer randomisierten Studie steigerte eine 8-wöchige Plyometrie-Intervention die Sprunghöhe von Tänzerinnen und Tänzern um 12 %, während gleichzeitig die Landestabilität verbessert wurde (Angioi et al., 2009).
Verbesserte neuromuskuläre Kontrolle und Technik
Krafttraining fördert die Feinabstimmung zwischen Nervensystem und Muskulatur, was präzisere Bewegungsausführungen ermöglicht. Beispielsweise verbessern Übungen wie einbeinige Kniebeugen oder Rotationsübungen mit Widerstandsbändern die Kontrolle bei Pirouetten und schnellen Richtungswechseln (Batista et al., 2021).
Künstlerische Freiheit durch physische Stärke
Physische Einschränkungen können die künstlerische Ausdruckskraft hemmen. Tanzende, die unter Kraftdefiziten leiden, sind oft gezwungen, Bewegungen zu vereinfachen oder Energie zu sparen. Krafttraining kann diese Barrieren abbauen: So ermöglicht eine gestärkte C...
