Aikido, eine Kampfkunst, die oft missverstanden wird, bietet sowohl physische als auch ethische Aspekte. Es ist wichtig zu verstehen, dass jede Technik das Potenzial birgt, Menschen schwer zu schädigen.
Im Aikido sind Angriffe gegen die Augen und Genitalien Bestandteile. Eingangsbewegungen werden fast immer von Atemi begleitet. Ikkyo wird normalerweise von einem Atemi zum Gesicht eingeleitet.
Einige Lehrer zeigen solche Angriffe, aber es wird nicht auf der Matte geübt, da es schwierig ist, das Treffen der Augen zu üben. Wenn Atemi ein Signal für Uke sein soll, muss es im Falle des Treffens einen Effekt haben, damit Uke sich bewegt.
Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, wie mit Atemi umgegangen wird. Einige Schüler von Nishio Sensei gehen anders mit Atemi um als beispielsweise Ki-Aikido-Praktizierende.
Die Umsetzung im heutigen Trainingsalltag ist eine andere Frage. Es gibt im Aikido nicht den Umgang mit Atemi.
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Die Kuschelvariante wird selbst mit Einsteigern in der Probestunde geübt, aber in einer realen Auseinandersetzung würde der Sokumen-Iriminage ein Atemi sein.
Generell sollte man üben, was ein Lehrer zeigt. Man darf nicht vergessen, dass jeder noch so harmlos erscheinende Aikidowurf auf Asphalt mit ungeübtem und unvorbereitetem Gegner tödlich sein kann.
Einige Aikido-Praktizierende möchten dem anderen nicht wehtun und bilden sich ein, eine physische Auseinandersetzung bestreiten zu können, ohne den Gegner zu verletzen. Vielleicht wird in einigen Dojos jede Form von physischem Unwohlsein als negativ empfunden.
Es ist jedoch legitim, nicht mit dem Anspruch zu trainieren, dass das Üben irgendeine Nützlichkeit haben muss, außer körperlicher Fitness.
Es stellt sich die Frage, was Menschen in einem Dôjô suchen, wenn sie sich schon bei einer Berührung im Gesicht angegriffen fühlen. Gerade im Aikido ist es keine Seltenheit, dass man dem anderen bloß nicht weh tun möchte und sich auch einbildet eine physische Auseinandersetzung bestreiten zu können ohne den Gegner zu verletzen.
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Um Aiki in der Weise, wie es geübt wird, in einen Partner/Angreifer übertragen zu können, ist es hilfreich, dessen "System" nicht zu stören. Dabei hilft das Bild einer "liebevollen oder liebenden Berührung".
Es ist wichtig, die martialischen Aspekte und die ethischen bzw. persönlichkeitsbildenden Aspekte in Eins zu legen. Beides gehört zueinander. Das aber gelingt nicht, in dem man einen Aspekt fallen läßt.
Aikido kann auch zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit beitragen. Wenn man in der Lage ist, Aiki zu entwickeln, übt man etwas, das natürlich und heilsam ist.
In dem Verband, dem angehört wird, wurde vor längerer Zeit mal ein Lehrer ausgeschlossen, weil er seine Schüler darauf gedrillt hatte, mit ihren Partnern recht "sorglos" umzugehen.
Die Belastungen, die der Körper durch das Üben erfährt, stehen dem gezielten Einsatz als Physiotherapie entgegen. Stattdessen wird darauf geachtet, dass die Übenden trotz ihrer körperlichen Probleme trainieren können.
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