Das Rangsystem im Judo

Bei unterschiedlichen Kampfsportarten werden durch unterschiedliche Gürtelfarben die Kenntnisstände in der Kampfsport signalisiert. Auch beim Judo gibt der Gürtel Auskunft über den Fortschritt. Die technischen Fähigkeiten eines Judoka erkennt man an seiner Gürtelfarbe und -breite.

Der Gürtel hält die Judohose und die Jacke in Form und gibt dem Judoanzug Halt. Darüber hinaus gibt er Auskunft über die Kenntnisse bzw. den individuellen Rang des Judoka, der am Judo Gürtel zu erkennen ist. Diesen Rang kann er durch das Absolvieren der Judo Prüfung zum entsprechend nächsten Rang erhöhen.

Die Farbe des Gurts entspricht der Ausbildungsgraduierung (Kyu-Grad). Eine Graduierung setzt beim Prüfling praktische Fähigkeiten und theoretisches Judo-Wissen voraus. Judo kennt drei verschiedene Systeme:

  • Kinder-Grade mit verminderten Anforderungen
  • Kyu- bzw. Schüler-Grade
  • Dan- bzw. Meister-Grade

Die Gürtelfarben und ihre Bedeutung

Wie oben schon erwähnt, repräsentiert der Gürtel Euren persönlichen Grad anhand seiner Farbe. Jeder Neuling startet mit dem Schülergrad des 9. Kyū und trägt den weißen Judo Gürtel, mit steigendem Schülergrad werden die Gürtelfarben dunkler und führen über gelb, orange, grün und blau nach braun. Die Gürtel der Schüler-Grade sind farbig, werden mit steigendem Rang dunkler und abwärts gezählt (9-1), die Meister tragen schwarze Gürtel, die Grade werden aufwärts gezählt (1-10).

Die Prüfungen führen schrittweise abwärts bis zum 1. Kyū, dem braunen Gürtel, woraufhin der nächste Schritt die Prüfung zum 1. Dan ist, dem Grad des niedrigsten Judo Meister und somit dem „Schwarzgurt“. Judo Prüfungen existieren bis zum 5. Dan, alle weiteren Grade werden bei großen Leistungen durch entsprechende Verbände verliehen.

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Im Folgenden werden die einzelnen Gürtelfarben und die dazugehörigen Anforderungen erläutert:

  • Weißer Gürtel (9. Kyū, Kukyū): Ihr beginnt als 9. Kyū, als Kukyū, mit dem weißen Gurt, welchen Euch niemand absprechen kann.
  • Weiß-Gelber Gürtel (8. Kyū, Hachikyū): Der 8. Kyū, der Hachikyū, trägt den weiß-gelben Gürtel und muss in seiner Prüfung rückwärts und seitlich fallen können. Außerdem werden 2 Wurf- und 2 Bodentechniken verlangt und 2 bis 3 Einheiten Randori von je einer Minute durchgeführt.
  • Gelber Gürtel (7. Kyū, Nanakyū): In der Prüfung zum 7. Kyū mit gelbem Gürtel, dem Nanakyū, müsst Ihr eine Judorolle vorwärts beherrschen, je 2 zusätzliche Wurf- und Bodentechniken und 3 bis 4 Einheiten Randori zu je einer Minute demonstrieren.
  • Gelb-Oranger Gürtel (6. Kyū, Rokkyū): Für den 6. Kyū, den Rokkyū, erhaltet Ihr gelb-orange und müsst die Judorolle beidseitig beherrschen. Außerdem erlernt Ihr 5 neue Wurftechniken, bekommt unfangreichere Anwendungsaufgaben und müsst 3 bis 5 Randori-Einheiten zu je 2 Minuten durchhalten.
  • Oranger Gürtel (5. Kyū, Gokyū): Der orangefarbene Gürtelträger nennt sich Gokyū und ist der 5. Kyū. Hier müsst Ihr die Judorolle über ein Hindernis vorführen und erlernt neue Wurftechniken, welche auf einem Bein ausgeführt werden, sowie Hebeltechniken am Boden. Randori bleibt wie beim 6. Kyū.
  • Orange-Grüner Gürtel (4. Kyū, Yonkyū): Der Sprung zum orange-grünen 4. Kyū, dem Yonkyū, ist groß und Vorkenntnisse werden von hier an nur noch stichprobenartig geprüft. Hier müsst Ihr erstmals die fortgeschrittene Falltechnik „freier Fall“ demonstrieren. Zu den neuen Wurftechniken zählt der aus Filmen bekannte Tomoe-Nage.
  • Grüner Gürtel (3. Kyū, Sankyū): Für den 3. Kyū, auch Sankyū genannt und den damit verbundenen grünen Gürtel müsst Ihr die erste Kata erlernen. Beim Randori existieren weniger Vorgaben, damit ein ungezwungener Übungskampf stattfinden kann. Weitere Wurf- und Bodentechniken runden die Prüfung ab und Vorkenntnisse werden von hier an seltener abgefragt, da diese aus dem Prüfungsprogramm heraus ersichtlich sind.
  • Blauer Gürtel (2. Kyū, Nikyū): Wenn Ihr die Prüfung zum Nikyū, dem 2. Kyū mit blauem Gürtel, antretet, müsst Ihr erste Würgetechniken beherrschen und Euch in 3 Einheiten Randori zu je 3 Minuten gegen einen Gegner behaupten, welcher extreme Körperhaltungen einnimmt. Außerdem wird eine neue Kata gelehrt.
  • Brauner Gürtel (1. Kyū, Ikkyū): Der letzte Schülergrad und Braungürtel, der 1. Kyū namens Ikkyū, verlangt Eure höchste Präzision und Flexibilität, denn hier werden keine Fehler mehr geduldet. Die Würfe und Hebel müssen aus verschiedenen Situationen heraus sicher angewandt werden, beim Randori werden 3 verschiedene Übungspartner ausgewählt und die dritte Kata muss zu beiden Seiten ausgeführt werden.
  • Schwarzer Gürtel (1.-10. Dan): Die Prüfungsprogramme zu den Meistergraden 1. bis 10. Dan, allesamt Schwarzgurte (oder ab dem 6. Dan rot-weiß oder komplett rot), sind noch deutlich umfangreicher und umfassen neben neuen Techniken auch eine ständige Wiederholung des Gelernten. Ab der 3. Dan-Prüfung kann der Prüfling den Großteil der Techniken frei wählen.

Weiterhin gehört zu jeder Dan-Prüfung ein Teil theoretischen Wissens, den der Prüfer abfragen kann.

Mindestalter für die Kyu-Grade

Es gibt ein Mindestalter für die verschiedenen Kyu-Grade:

  • 5. Kyū: im 9. Lebensjahr
  • 3. Kyū: im 11. Lebensjahr
  • 1. Kyū: vollendetes 12. Lebensjahr

Mindestalter für den Dan-Grad

  • 1. Dan: vollendetes 15. Lebensjahr

Die Judo Prüfung

Kyu (8-1) und Dan-Grade (1-6) werden durch Prüfungen erworben. Eine Graduierung setzt beim Prüfling praktische Fähigkeiten und theoretisches Judo-Wissen voraus. Für den nächsthöheren Gürtel muss eine Prüfung erfolgreich absolviert werden.

Der Judoka muss eine Reihe von Techniken sicher vorführen können, welche mit steigendem Rang schwieriger werden.

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Die entsprechenden Techniken für die Prüfung stehen im Prüfungsprogramm und der Judoka muss alle beherrschen, wenn er die Prüfung bestehen will. Prinzipiell sollte der Schüler alle Techniken vergangener Prüfungen verinnerlicht haben. Der Prüfer ist bei höheren Graden auch berechtigt, diese abzufragen. Besonders in Dan Prüfungen machen Prüfer von dieser Option sehr gern Gebrauch und lassen Techniken vorführen, die zum Grundwissen jedes Judoka gehören, im aktuellen Prüfungsprogramm aber nicht speziell genannt sind.

Ein erster Prüfungsbestandteil sind Falltechniken, bei denen der Schüler seinen Schwung abfangen muss, um Verletzungen zu verhindern. Das Fallen funktioniert in vier Richtungen. Das Gegenstück dazu sind die Wurftechniken, mit denen der Gegner auf die Matte befördert wird.

Bei der Demonstration der Bodentechniken geht es darum, den Gegner in kniender oder fast liegender Haltung in Rückenlage und unter Kontrolle zu bringen.

Beim Randori (Übungskampf) sollen die erlernten Techniken an einem Partner angewandt werden, welcher sich zur Wehr setzt.

Ab dem 3. Kyū muss der Schüler zusammen mit einem Partner noch eine Kata vorführen, die auf den ersten Blick dem Randori ähnelt. Bei der Kata allerdings sind die anzuwenden Techniken genau vorgeschrieben und der Übungspartner wehrt sich nicht.

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Besonderheiten bei höheren Dan-Graden

Gürtel oberhalb des 5. Dan können nicht durch Ablegen einer Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen. Eine höhere Graduierung als zum 10. Dan ist weltweit nicht möglich!

Der 12. Dan ist für Menschen nicht erreichbar. Der Geist, die Idee des Judo soll den 12. Dan tragen.

Lediglich Professor Jigoro Kano, dem Begründer des Judo, hat man nach seinem Tode den 11. Dan verliehen.

Dr. Jigoro Kano setzte 1883 als erster ein 2-Rangsystem in seiner Schule, dem Kodokan, ein. Er verwendete weiße und schwarze Gürtel und teilte zwei Trainingsgruppen ein, Nichtgraduierte (Mudansha) und Graduierte (Yudansha).

Nach 1887 konnte der Schwarzgurt nur noch durch Prüfung erreicht werden. Dr. Kano nahm damals alle Prüfungen selber ab.

Heute können auch der 2.- 5. DAN verliehen werden. Zum 1. DAN führt nur eine Prüfung.

Farben der Meistergrade

Rot und weiß sind seit Frühzeiten symbolträchtige Farben in der Geschichte Japans. Weiß bedeutet Tod, Trauer, Stille und Frieden - Rot steht für Leben, Energie, Kraft und Liebe. Die Clanfarben der bekanntesten Adelsgeschlechter waren weiß für die Miniamoto und rot für die Taira. In den Genpei-Kriegen im 12. Jahrhundert rieben sich diese Clans fast völlig auf und gaben wohl den Anstoß für den ewigen Zwist zwischen Rot und Weiß in der japanischen Kultur.

Der Träger des rot-weißen Gürtels sollte aber über solche simplen Streitigkeiten erhaben sein und beide Pole in sich vereinen.

Die Dan-Grade im Überblick

Hier ist eine Übersicht über die Dan-Grade und ihre zugehörigen Gürtelfarben:

Dan-Grad Bezeichnung Gürtelfarbe
1. Dan Sho-Dan Schwarz
2. Dan Ni-Dan Schwarz
3. Dan San-Dan Schwarz
4. Dan Yo-Dan Schwarz
5. Dan Go-Dan Schwarz
6. Dan Roku-Dan Rot-Weiß
7. Dan Nana-Dan Rot-Weiß
8. Dan Hachi-Dan Rot-Weiß
9. Dan Ku-Dan Rot
10. Dan Ju-Dan Rot