Karate für Frauen bei Olympia: Regeln, Herausforderungen und Erfolge

Bei den kommenden Olympischen Spielen dürfen erstmals Karateka antreten. Viele verbinden Karate mit Actionfilmen und zergeschlagenen Ziegelsteinen, aber der Kampfsport hat nichts mit Schlägereien zu tun, sondern viel mit Gleichgewichtssinn und innerer Ruhe. Inzwischen wird er sogar im Reha-Sport eingesetzt.

Karate hat einen langen Weg hinter sich, bevor es nun erstmals in der Heimat dieses Sports olympische Disziplin sein wird. Seit vielen Jahren hat der Sport dafür gekämpft. 2020 sollte es endlich soweit sein, und dann kam Corona. Bereits im März vergangenen Jahres war jedoch klar, dass es zunächst nur diese eine Teilnahme sein wird, denn Karate wird 2024 in Paris nicht mehr dabei sein.

Die Entwicklung des Frauenkarate

Dass Frauen einen schwarzen Gürtel tragen, ist heutzutage in der Budo-Welt zwar seltener anzutreffen, aber völlig normal. Das war nicht immer so. Gerade in Asien, wo die Frauen- und Männerwelten stärker getrennt sind als etwa in Europa oder Nordamerika, mussten sie sich diese Gleichrangigkeit erst erkämpfen. Und wer genau hinschaut, wird bemerken, das Judo-Dan-Trägerinnen in Japan schwarze Gürtel mit weißen Streifen tragen.

In den verschiedenen Jiu-Jutsu-Schulen durften bis zum Ende der Edo-Zeit nur Männer trainieren. Jigoro Kano entwickelt 1882 sein Kano Jiu-Jitsu, aus dem später das Judo wurde. Um 1885 führte er das Tragen von Schwarzgurten ein. Schülerinnen gab es in dieser Anfangszeit nicht. Erst ab 1893 wurden Frauen ausgebildet, allerdings nicht im Kampf, sondern in gutem Benehmen. Seit 1923 gibt es eine Lehre für Frauen-Judo. Die erste Shodan-Trägerin heißt Kaneko Kozaki. Sie erhielt diesen Grad 1933.

Das Judo verbreitete sich relativ schnell außerhalb Japans. Zumal das Frauen-Judo als Wettkampfsport von Europa aus entwickelt wurde. Erst 1968 hat man in Japan über Regeln für Frauen diskutiert. 1984 hat die Japanerin Kaori Yamaguchi die Weltmeisterschaft gewonnen. Ein wichtiger Sieg. Ihr folgte das National-Idol Ryoko Tamura, die derzeit bei Weltmeisterschaften und Olympiaden als unschlagbar gilt. Seit der Olympiade in Sydney können auch japanische Dan-Trägerinnen schwarze Gürtel binden.

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Die Olympischen Regeln im Karate

Die Voraussetzungen für die Teilnahme an den Olympischen Spielen sind schwierig: Pro Wettkampf können nur zehn Athleten und Athletinnen antreten, und eine Startposition ist jeweils für Japan reserviert. In diesem kleinen Startfeld kann jede Nation nur einen Sportler oder eine Sportlerin pro Disziplin entsenden. Obendrein gibt es nur drei statt wie sonst im Karate üblich fünf Gewichtsklassen.

"Das ist also dann entsprechend schon eine ziemlich große Range, die da zusammengefasst wird, und bei den Damen ist es minus 55, minus 61 und plus 61." Eva Mona Altmann ist Pressereferentin des Karate-Dachverbands-Nordrhein-Westfalen und international lizensierte Kampfrichterin. Von ihr erfahre ich, dass Jana Messerschmidt und Shara Hubrich normalerweise in unterschiedlichen Gewichtsklassen kämpfen.

"Und im Kumite, also das heißt im sportlichen Zweikampf, da wurde Senshu eingeführt. Das kann man übersetzen mit ‚Vorteil der ersten alleinigen Wertung‘. Damit soll der Kampf spannender für die Zuschauer werden. In dem Zusammenhang sind die Wettkampf-Regeln schon häufiger verändert worden. Im Formenwettkampf, der Kata, gab es zwischenzeitlich die Regelung, dass zwei Karateka gegeneinander antreten, und nur eine/r eine Runde weiterkommt.

Nicht nur die Regeln ändern sich: Durch die Anpassung der alten Kampfkunst an sportliche Maßstäbe hat sich der Sport selbst verändert. Was sich nicht ändert, ist der grundlegende Respekt, mit dem Karateka einander begegnen. "Also, wenn wir jetzt ein Training machen, bevor eine Übung beginnt, verbeugen sich beide zueinander, um sich den gegenseitigen Respekt zu bekunden. Im 21.

Deutsche Athletinnen auf dem Weg nach Tokio

Gut schlafen, richtig ernähren und viel trainieren: Jasmin Jüttner will unbedingt zu den Olympischen Spielen 2021 nach Tokio. Und es ist ihre einzige Chance. Jasmin Jüttner lacht. Sie lacht viel während des Zoom-Interviews und versprüht positive Energie, die selbst durch den Bildschirm spürbar ist. Die 27-Jährige hat auch guten Grund dazu: Sie ist in Top-Form und kann daher berechtigt darauf hoffen, die einmalige Chance auf Olympia wahrzunehmen. Einmalig deswegen, weil Karate nur in Tokio im olympischen Programm dabei sein wird. Schon bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris ist die Sportart nicht mehr olympisch - und war es auch davor noch nie.

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Doch: Pro Kategorie werden nur zehn Plätze vergeben. Der Konkurrenzkampf sowohl national als auch international ist daher enorm. „Jeder will dabei sein.“ Schon vor rund einem Jahr hat Jasmin Jüttner gegenüber Sportfrauen von ihrer einmaligen Chance erzählt. Da dachte sie noch, die Olympischen Spiele würden 2020 stattfinden. Als die Spiele verschoben wurden, war das für die Sportsoldatin ein ziemlicher Rückschlag. „Viel schlimmer war noch, dass die Qualifikation verschoben wurde.

Aktuell stehen bis Tokio 2021 neben verschiedenen Turnieren noch die Deutsche Meisterschaft (1. Mai), die Europameisterschaften (19. Mai) und ein Qualifikationswettkampf (5. Juni) auf dem Programm. Jasmin Jüttner kann sich für Olympia entweder über die gesammelten Punkte der vergangenen zwei Jahre qualifizieren, oder sie belegt bei den „Finals“, dem Qualifikationsturnier, einen Podestplatz. Wie auch immer: „Ich gehe fest davon aus, dass ich das schaffe.

Jasmin Jüttner trainiert für den Olympia-Traum. Und sie arbeitet hart. Mit ihrem Trainer Efthimios Karamitsos steht sie meist zu zweit in der Halle und arbeitet an Kraft, Technik und Koordination. Durch die extrem kleine Trainingsgruppe musste Jasmin Jüttner ihr Programm aufgrund verschärfter Corona-Regelungen auch nicht umstellen.

Neben dem sportlichen Training befasst sich Jasmin Jüttner derzeit aktiv mit dem Thema Schlaf. „Es gibt ja Leute, die können immer und überall schlafen. Da gehöre ich nicht dazu. Auch nachts schlafe ich nicht gut“, erzählt sie. Sie hofft, durch bessere Regenerations- und Ruhephasen ihre Leistung noch weiter steigern zu können. Auch die richtige Ernährung steht weit oben auf Jasmin Jüttners Tagesprogramm.

Vor allem durch die Corona-Pandemie hat sie begonnen, mehr zu kochen. „Am allerliebsten esse ich Poke Bowls, zum Beispiel mit Reis, Lachs und Gemüse. Das könnte ich jeden Tag in mich hineinstopfen“ gibt sie zu und lacht. „Aber ich muss das Essen schon ein bisschen abwechslungsreicher gestalten, schließlich bin ich ja verheiratet.“ Ihr Mann, Philip Jüttner, war selbst Profi-Karateka. Zwar hat er die eigene Karriere mittlerweile aufgegeben, aber mit seiner Frau macht er noch regelmäßig gemeinsam Krafttraining.

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Die größte Konkurrenz im eigenen Team sieht sie in ihrer Freundin Lena Staiger (geb. Mayer). Die Deutsche Vizemeisterin hat wie Jasmin Jüttner schon jede Menge Wettkampferfahrung und weiß genau, worauf es im Karate ankommt. Die Freundin als Konkurrentin? „Als ich jünger war, konnte ich nicht gut mit so etwas umgehen. Aber mittlerweile habe ich verstanden, dass man vor allem dann weiterkommt, wenn man sich gegenseitig hilft. Auch wenn man im Wettkampf in Konkurrenz steht.“

Hilfe bekommt Jasmin Jüttner auch von der Bundeswehr. Als Sportsoldatin der Sportfördergruppe Mainz ist sie finanziell abgesichert und kann immer ihren Sport ausüben. „Es ist die optimale Grundlage für Leistungssport. So kann sich Jasmin Jüttner nicht nur perfekt auf Olympia vorbereiten, sondern auf alles, was danach kommt.

ExklusivLena Staiger (*Mayer) will bei den Deutschen Meisterschaften endlich den Titel holen. Sucht man online nach Lena Staiger (*Mayer), landet man schnell auf der Plattform sportathleten. Dort hat die 24-Jährige, die seit beinahe 20 Jahren Karate betreibt, ein Profil, bietet Autogrammkarten an und verbreiet ihre News. Doch nicht nur das. Lena Staiger hat die Plattform mit aufgebaut. Neben ihrer Leistungssport-Karriere kümmert sie sich bei Sportathleten um Akquise, Texte, Betreuung der Athlet:innen und vieles mehr.

„Ich habe Ralf, den Geschäftsführer von winwinSportmarketing, kennengelernt, als ich ihm ein Interview gegeben habe. Wir hatten immer wieder Kontakt und als er Mitarbeiter:innen suchte, habe mich bei ihm beworben. „Auf sportathleten können sich Sportler:innen, Trainer:innen und Vereine eine Mini-Homepage anlegen und ganz einfach Nachrichten über sich verbreiten. So haben sie etwa auch die Möglichkeit, ihre Sponsor:innen gut zu präsentieren. Schließlich haben nicht alle Athlet:innen die Zeit und das Können, sich selbst auf einer eigenen Homepage professionell zu vermarkten. Bei uns geht das mit wenigen Klicks und zusätzlich können sich unsere Kund:innen Unterstützung bei uns holen. Viele Sportler:innen stellen sich mittlerweile nur noch über Instagram und andere Soziale Netzwerke dar. Das ist auch eine gute Möglichkeit, reicht aber allein nicht aus.

„Rund 20 Sportler:innen haben sich seit unserem Start im Januar schon registriert und mit einigen anderen sind wir bereits in Kontakt. „Ja, schon (lacht). In den vergangenen zwei Jahren wurde ich Deutsche Vizemeisterin und bin seit 2011 dort immer unter die Top 3 gekommen. „Die Deutschen Meisterschaften sollen im Mai stattfinden und im Juli die European University Games. Wenn sie stattfinden. Bei den Deutschen Meisterschaften ist meine größte Konkurrentin Jasmin Jüttner. Als Wettkampfathletin hat man natürlich immer den Anspruch zu gewinnen. An ihr vorbeizukommen und den Titel zu holen, ist mein Ziel. Ich stand insgesamt viermal im Finale einer deutschen Meisterschaft und viermal hat es nicht gereicht.

„Leider ist das Thema bei mir durch. Viele der Turniere, bei denen man Punkte für die Weltrangliste sammeln konnte, haben an Orten wie Shanghai stattgefunden und ständig dorthin zu reisen, war finanziell unmöglich. Dann gäbe es noch ein Qualifikationsturnier im Sommer, aber da darf der Verband nur eine Sportlerin pro Nation melden. Und da hat Jasmin Jüttner einfach die besseren Chancen. „Inzwischen schon wieder. Obwohl wir als Kaderathlet:innen zwar weiterhin trainieren durften, hatte unsere Sporthalle zwischenzeitlich geschlossen. Da blieb dann nur Home-Workout. Aktuell trainiere ich in einer kleinen Gruppe mit anderen Kaderathlet:innen.

„Mein damaliger Trainer hier im Verein hat aufgehört und es gibt in der Gegend niemanden, der ihn ersetzen kann. Meine Stilrichtung im Kata ist nicht so verbreitet. Ab und zu fahre ich nach Mannheim zum Landeskadertraining oder trainiere im Bundeskader. Das funktioniert eigentlich ganz gut. Du machst die Disziplin Kata. „Wir haben in meinem ersten Verein beides trainiert und ich war in beidem auf Wettkämpfen. In Kumite, dem Zweikampf, war ich bis zur deutschen Meisterschaftauch ganz erfolgreich. Aber Kata macht mir einfach mehr Spaß. Bei dem sogenannten Kampf gegen einen imaginären Gegner bin ich für mich allein verantwortlich. Das gefällt mir. Du machst Karate, seit du sechs Jahre alt bist.

„Karate ist eine Sportart, bei der man nie am Ende angekommen ist. Bei jeder einzelnen Einheit kann ich mich verbessern und etwas Neues lernen. Außerdem ist Karate eine Lebenseinstellung. Von Anfang an bekommen wir Werte wie Respekt und Disziplin vermittelt. „In dem Anfängerkurs, den ich gebe, fällt mir immer wieder auf, wie koordinativ anspruchsvoll der Sport ist. Die speziellen Stände und Schlagtechniken, die Fußpositionen und die ständigen Wechsel zwischen Halten und explosiven Bewegungen sind schwierig. Bei mir ist es aber mittlerweile das Mentale, das mich besonders herausfordert. Gerade wenn ich in einem Finale stehe.

Karate als Breitensport und Gesundheitssport

"Also wir sind eigentlich einer der größten Weltverbände. Wir haben 200 Nationen und 50 Millionen Mitglieder" sagt Wolfgang Weigert. Er ist Präsident des Deutschen Karate Verbandes und Vize-Präsident der World Karate Federation. Er weiß: Nicht alle dieser 50 Millionen Mitglieder messen sich auf Turnieren. Breitensport - das klingt banal, und wird der Vielfalt des Karategeschehens ganz und gar nicht gerecht, denn das hat Einiges zu bieten. Zum Beispiel als Gesundheitssport. Schon seit 2003 wird Karate als solcher von der Weltgesundheitsorganisation WHO anerkannt.

"Wir arbeiten ja sozusagen nicht mit der Idee ‚Jetzt stärke ich mein Gleichgewicht‘, sondern wir sagen: Ich mache einen Fußtritt nach vorne. Ich habe festgestellt, wenn ich einem Patienten sage ‚Jetzt steht doch mal auf einem Bein‘, dann kommt zuerst ‚Nee, kann ich nicht‘. Wenn ich sage: Jetzt mach mal einen Fußtritt nach vorne, dann funktioniert das. Das Bewusstsein ist ein anderes. Sie arbeitet am Institut für Psychologie der Universität Regensburg und ist selbst Karateka. Sie leitet eine Trainingsgruppe von Parkinson Patienten, die mit Karate gegen die Folgen der Krankheit ankämpfen. Und das mit Erfolg: Ihre Studie im Jahr 2017 zeigte, dass sich Kondition, Koordination und kognitive Fähigkeiten der Teilnehmer in der Gruppe verbessert hatten.

"Die Erfahrung lehrt uns: Es gibt Dinge die können noch so gut und sinnvoll sein. Wenn es mir überhaupt keinen Spaß macht oder mich sogar noch belastet, dann lasse ich es irgendwann mal. Als ich im Januar 2020 bei einem Training dabei bin, sehe ich einen Teilnehmer, der sich nach ein paar Techniken hinsetzen und pausieren muss. Jedes Mal steht er kurz danach auf und stellt sich wieder in die Reihe - und macht weiter.

"Wir haben im Training zum Beispiel Techniken, die ein Vorgehen mit dem rechten Bein und einen gleichzeitigen Fauststoß mit dem linken Arm beinhalten", sagt Dahmen Zimmer. "Dabei sind beide Gehirnhälften gefordert. Das Kopftraining ist wichtig: Eine bessere Koordination und Konzentration helfen natürlich auch im Alltag. Das ist auch sehr wichtig im Jukuren, dem Training für ältere Einsteiger.

"Also Gleichgewicht ist ja ganz wichtig und wer hinfällt, der fällt ja oft deswegen hin, weil er stolpert und sich dann eventuell eben schnell abfangen müsste. "Karate ist Meditation in Bewegung. Es macht den Kopf leer und das Herz frei. Und in wirklich guten Momenten finden Körper, Geist und Seele zu sich", sagt mir Christian Christen, Karate-Trainer in Berlin. Andreas Sparmann hat deshalb mehrere Versuche unternommen, Karate für Ältere einzuführen. "Das Besondere daran ist ja, dass das Menschen waren, die vorher noch nie etwas mit Karate zu tun hatten und eben erst im Alter so ab 60, 70 eingestiegen sind. Und das ist schon ein großer Schritt. Wer von Kindesbeinen an Karate macht und damit 70 geworden ist, für den ist das gar nichts. Klaus Jänicke ist vor 15 Jahren als 60-Jähriger in den "Karate 50+" Kurs eingestiegen. Der aktive Rentner fährt Motorrad, pflegt seinen Garten und verreist gern mit dem Wohnmobil.

"Es ist wie bei allen Dingen. Also wenn ich andere Sportarten betreibe, muss ich mich auch erst einmal überwinden. Also erstmal ist man begeistert, dann kommt eine Phase, dass man es anstrengend findet und dann muss man einfach dranbleiben. Verbesserung der körperlichen Situation heißt mehr Gleichgewicht: Da geht es auch um Sturzprophylaxe. Und dieses Sicherheitsgefühl wird noch von einem anderen Aspekt im Karate verstärkt: der Selbstverteidigung.

"Dass man ja in der Tat ein bisschen was an Selbstverteidigung lernt und Abwehr-Techniken. Das ist elementar für alle Karateka. Es kommt aber noch ein anderer bedeutender Aspekt dazu: die sozialen Kontakte. Die Gemeinschaft hält bei Laune und bei der Stange. Die Teilnehmer unterstützen sich gegenseitig, und das gibt nicht nur ein gutes Gefühl. Therapeutisches Karate kann dabei helfen, Depressionen zu vermeiden.

"Die Teilnehmer lernen wirklich schwierige Techniken. Das ist so. Sie müssen sich anstrengen und sie sehen, dass ihre Anstrengung Erfolg bringt, und dieser Erfolg ist ihnen selber zuzuschreiben und nicht einem Arzt und nicht einem Medikament, sondern ihren eigenen Anstrengungen. Gemeinschaft ist die große Stärke des Karate. Im Training habe ich keinen Gegner, sondern einen Partner.

Die Ursprünge des Karate

Dessen Ursprünge liegen auf Okinawa, einer japanischen Präfektur im Ostchinesischen Meer, 500 Kilometer südlich von den Japanischen Hauptinseln. Im 15. Jahrhundert durfte die einfache Bevölkerung dort keine Waffen tragen - das war den Shogunen und ihren Kriegern vorbehalten. Um sich dennoch verteidigen zu können, entwickelten die Bewohner eine waffenlose Kampfkunst, das Okinawa-Te. Daraus entwickelte sich im Lauf der Zeit Karate, und das fand Anfang des 20.

Patrick Rault ist Franzose, Träger des achten Dan, des achten Meistergrads im Karate, und Kulturbotschafter Okinawas. Er will das kulturelle Erbe erhalten und verbreiten. 2004 hat dann das örtliche Touristikzentrum einen Extraberater eingestellt: Der hilft Gästen aus aller Welt, das passende Training vor Ort zu finden. Das ist heute auch online möglich - auf der Homepage des Okinawa Karate Information Center kann ich vor der Reise meine Karate-Kurse buchen!

In Okinawa ist Karate entstanden und auch für den dortigen Tourismus wichtig. Damit ist Karate auf Okinawa heute auch ein Wirtschaftsfaktor. "Es gibt viele Verbindungen zwischen Karate und der Kultur. Man kann Karate auch rein physisch trainieren. Aber irgendwann, um zu verstehen, den Geist der Kampfkunst, der Höflichkeit, der Freundlichkeit, der Großzügigkeit, des Mitgefühls, dann müssen Sie dazu lernen. Dazu gehört auch gemeinsames Essen und Trinken.

Ein wichtiges Beispiel dafür ist die japanische Teezeremonie, die für viele Karateka dazu gehört, sich über das körperliche Training hinaus mit der Kampfkunst zu beschäftigen. Das gilt auch in Berlin, wo Knut Paul herkommt. "Jeder Kampf, ob gewinnen oder verlieren, hat mich eigentlich immer weitergebracht und ich habe mich immer mit dem Sport weiter beschäftigt. Warum, wieso, weshalb? Und umso älter ich wurde, umso weniger ist das Kämpfen im Vordergrund, sondern die Entwicklung. Da gehört auch dazu, dass man über den Tellerrand guckte, andere Sportarten sich beschaute, also asiatische Sportarten vor allen Dingen. Oder auch die Teezeremonie, die für mich eine Zeit lang ganz wichtig war, um ruhiger zu werden. Die persönliche Entwicklung des Karateka ist das Ziel. Es geht nicht nur um das sportliche Weiterkommen, sondern um die Entwicklung des Charakters.

Frauen im Karate: Eine lange Reise

Als Knut Paul 1965 mit Karate angefangen hat, war Fußball in Deutschland für Frauen verpönt. 1964 begann Gudrun Hisatake in Bayern mit dem Karatetraining. Schon drei Jahre später machte sie ihren ersten schwarzen Gürtel, den ersten Meistergrad. "Also, Karate hatte jetzt nie die Frauen ausgeschlossen. Es war nur zu der Zeit überhaupt nicht üblich. Ja, und deswegen hat das eine Weile gedauert, bis wir beim prozentualen Anteil, der liegt so jetzt bei 34 Prozent, angekommen sind.

Susanne Nitschmann ist die Bundesfrauenreferentin des Deutschen Karate Verbandes. Sie erzählt mir, dass Frauen in den 1970er Jahren noch ein spezielles Gesundheitszeugnis vorweisen mussten, bevor sie zum Zweikampf, zum Kumite, antreten durften: Sie mussten sogar einen negativen Schwangerschaftstest vorlegen! Auch die Ausrüstung war noch nicht auf Frauen eingestellt, so "dass die zum Beispiel als Brustschutz-Ersatz Tupperdosen genommen haben. Aus dem Nähkästchen geplauder. Das ist heute nur noch schwer vorstellbar. Ein professionell hergestellter Brustschutz ist heute Standard für Frauen im Zweikampf.

Moderner Karate: Technik und Inklusion

Im 21. Jahrhundert ist auch im Karate die moderne Technik angekommen. Im Karate gibt es jetzt den Videobeweis. Und schon seit vielen Jahren hilft das Internet den Karateka, sich international zu vernetzen. So konnten sich Onlinepioniere wie Iain Abernethy oder Jesse Enkamp eine weltweite Schülerschaft aufbauen, und leben jetzt von ihrer Tätigkeit als Karatetrainer. Sie verkaufen Lehrinhalte auf CDs, per Videoabonnement oder per App, und werden weltweit für Lehrgänge gebucht.

"Ich bin wirklich beeindruckt von der Menge der Trainer, die sehr schnell Onlineinhalte für ihre Schüler produziert haben. Also, hier ist die Kata, an der ihr arbeiten könnt, hier sind Übungen für zuhause. "Ein Vorteil ist natürlich, dass ich ortsunabhängig trainieren kann. Das wusste ich nicht, weil ich bisher nur "vor Ort" Training kannte. Sie kann in Japan mittlerweile auch wieder einmal in der Woche ganz normal an ihrem Olympiastützpunkt trainieren.

Deutschlands mehrfache Para-Karate-EM und WM-Gewinnerin, Helga Balkie, startet ebenfalls in der Disziplin Kata. "Ich trainiere mit meinen Sportfreunden zusammen, wobei dann rechts und links jemand in den meisten Fällen steht. Die haben dann auch gleichzeitig die Aufgabe, darauf zu achten, dass ich nicht allzu weit wegkomme vom Kurs. Helga Balkie ist an Multipler Sklerose erkrankt, und dadurch auch erblindet. Sie hat von Kindheit an viel Sport getrieben, und damit gezielt ihre Muskulatur trainiert. Sie braucht das Training vor Ort.

"Das Training ist für mich wichtig für die Erhaltung meiner Muskulatur. Zumal ich ja dann auch Krafttraining mitmache und dergleichen mehr, sowie auch Ausdauertraining. Helga Balkie trainiert bei Heiko Kuppi, Referent für Menschen mit Einschränkungen im Berliner Karate Verband. "Nicht jeder lernt auf die gleiche Weise. Als Trainer bist du immer schon gefordert zu schauen: Wie tickt dein Athlet und wie vermitteltest du ihm das am besten? Oder mit welchen Übungen kannst du ihn am besten motivieren? Und das ist bei Leuten mit Rollstuhl oder mit geistiger Behinderung nicht anders.

Heiko Kuppi hat keine Extra-Ausbildung absolviert, um Sportler- und Sportlerinnen mit Einschränkungen zu trainieren. "Man denkt nicht so sehr in seinen Bahnen oder seinem Weg, den man vor sich hat, sondern - so, man ist wie so eine Schale Wasser. Also so klar und unbewegt. Es gilt, die Herausforderung anzunehmen. Kiyou Shimizu war erst geschockt, als die Olympischen Spiele um ein Jahr. verschoben wurden. Jetzt wertet sie die Verschiebung positiv - als längere Vorbereitungszeit. "Das ist natürlich schade.