Kampfkunst wird im Dojo geübt und im Alltag gelebt. Karate soll, auch unter grossem Leistungsdruck, Freude bereiten und die Athletinnen und Athleten stärken.
Trainingsrichtlinien und Dojo-Regeln
Im Folgenden werden einige wichtige Aspekte des Trainings und der Verhaltensregeln im Dojo erläutert:
- Bekleidung: Es wird ein sauberer und ordnungsgemäss angelegter Gi (Trainingsanzug) getragen.
- Dojo-Eintritt: Das Dojo wird mit Verbeugung betreten und verlassen.
- Äusseres Erscheinungsbild: Trainierende sind gepflegt und schlicht. Armbänder und Schmuck sind nicht erlaubt. Fingernägel sind kurz zu schneiden.
- Konzentration: Beim Training ist konzentriertes Üben wichtig.
- Respekt: Anderen und lenkt von der Eigenen ab, weshalb es zu unterlassen ist.
- Verlassen des Dojos: Das Dojo soll während der Trainingszeit nicht verlassen werden.
- Motivation: Gegenseitig motivieren.
- Vorbildfunktion: Höher gradierte Schüler sind Vorbilder, menschlich und im Training.
- Dankbarkeit: Dafür zu bedanken; Rechtfertigungen sind fehl am Platz.
- Sauberkeit: Reinlichkeit ist eine Zier.
Werte im Karate
Loyalität, Aufrichtigkeit, Höflichkeit, Mut und Weisheit sind zentrale Werte im Karate.
BITTE PÜNKTLICH ERSCHEINEN !
Karate für Alle: Die Insieme-Gruppe
Alessandro Aquino führt die Wadokai Karateschule Rorschach, wo er als Sensei traditionelles Japanisches Karate vermittelt. Er unterrichtet Kinder, Jugendliche und Erwachsene - darunter eine vierzehnköpfige Gruppe, die ihm besonders am Herzen liegt: Die Insieme-Gruppe. In der Gruppe trainieren Menschen mit einer körperlichen und geistigen Beeinträchtigung.
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Vor etwas mehr als 10 Jahren kontaktierte die damalige Präsidentin des VGB Rorschach (Verein zugunsten Menschen mit Geistiger Beeinträchtigung) Alessandro Aquino, der damals bereits die Karateschule Rorschach leitete, mit dem Wunsch, gemeinsam einen Kurs für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ins Leben zu rufen. Die beiden entwickelten diese Idee weiter und im April 2011 fand das erste Karatetraining für die Insieme-Gruppe statt.
Im Jahr 2014 fuhr Alessandro Aquino mit seiner Insieme-Gruppe an ein Einladungsturnier nach Rom. Das Team reiste mit acht Sportlerinnen und Sportlern und sechs Betreuern an. Aquino erinnert sich mit leuchtenden Augen: «Dieses Erlebnis war unglaublich schön. Für alle war es der erste ernste Wettkampf, und viele hatten mit grosser Nervosität zu kämpfen. Doch noch selten habe ich an einem Turnier so einen Zusammenhalt, eine solche Harmonie und einen so freundschaftlichen Kontakt erlebt.
Nach der Rückkehr war Aquino überzeugter denn je: Die Sportart Karate musste für alle Menschen zugänglich gemacht werden - egal ob für Menschen mit oder ohne Einschränkungen. Er ging auf Marc Keller zu, den Vizepräsidenten der Swiss Karate Federation und erkundigte sich, wie viele der rund 300 Dojos in der Schweiz Menschen mit Einschränkungen unter ihren Mitgliedern hatten. Die Antwort war ernüchternd. Aquino stand allein da. Nach langem Überlegen und Pläneschmieden fasste er einen Entschluss: Er gründete den Verein «Karate für alle».
Die Insieme-Gruppe ist mittlerweile offizielles, lizenziertes Mitglied des Schweizerischen Karateverbands und Alessandro Aquino unterrichtet sowohl die Insieme-Erwachsenengruppe als auch die Insieme-Kidsgruppe.
«Es ist die Aufgabe eines jeden Karatelehrers, sein Training an die individuellen Fähigkeiten und das physische Level der Sportlerinnen und Sportler anzupassen. Genau so ist es auch, wenn man als Karatelehrer Menschen mit Beeinträchtigungen trainiert.
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«Die Behinderung ist nur eine einzelne Fähigkeit der Menschen», so Alessandro Aquino. «Nach wenigen Minuten zusammen rückt die Behinderung in den Hintergrund. Man denkt nicht mehr an Beeinträchtigungen, redet nicht mehr von Behinderungsbildern - alles, was man sieht, ist der Mensch.»
Die Teilnehmer mit Handicap machen es einem jedoch auch einfach, so Aquino: «Sie öffnen die Türen und kennen keine Berührungsängste. Sie sind unglaublich ehrlich und direkt, nehmen kein Blatt vor den Mund. Das Training ist - genau wie in allen anderen Gruppen auch - stets gleich strukturiert. Nach dem Begrüssungsritual und der Gymnastik folgen Grundschulübungen mit Schlag, Abwehr und Kicktechniken. Diese werden mit dem Partner bzw. mit der Partnerin oder am Schlagkissen geübt.
Nach einer kurzen Pause folgen 20 Minuten Selbstverteidigung. Die Trainings finden immer mit zwei Coaches statt, damit eine optimale Betreuung gewährleistet ist. Um den Sportlerinnen und Sportlern das Training zu vereinfachen, arbeiten Aquino und seine Partnerin Angelika mit Farben, Sprachbildern und taktilen Hilfen. «Wir arbeiten nicht mit Links und Rechts, sondern mit Rot und Blau», erklärt er, und zeigt seine Handgelenke mit rotem und blauem Pulswärmer. Zudem tragen wir meistens Handschützer und zielen nie auf den Kopf.
Je nach Behinderungsbild brauchen gewisse Erklärungen mehr Zeit. «Die Erklärungen erfolgen in viel langsamerem Tempo, da bei geistigen Beeinträchtigungen die Wahrnehmung teilweise stark verlangsamt ist.» Auch auf physische Voraussetzungen muss Rücksicht genommen werden.
Und Aquinos Geheimrezept für ein gelungenes Training für Menschen mit Handicap? «Man muss unbedingt sich selbst sein, den eigenen Lehrstil beibehalten und sich nicht verstellen aufgrund der Beeinträchtigungen der Trainingsteilnehmer.» Man braucht zudem eine grosse Portion Geduld und - am allerwichtigsten: Freude.
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Und Freude ist, was von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zurückkommt. Leuchtende Augen und lachende Gesichter sind für Aquino die grösste Motivation und der Grund, weshalb er so viel in die Förderung des Karates für Menschen mit Beeinträchtigung investiert. «Für mich ist es das Allerschönste, wenn ich sehe, wie viel das Training den Menschen bedeutet. Man darf nicht vergessen: Menschen mit Beeinträchtigung haben genau die gleichen Probleme wie wir. Man muss sie ernst nehmen und ein offenes Ohr für sie haben. Nicht selten passiert es, dass eine Teilnehmerin ins Training kommt, schlecht gelaunt und mit der Ankündigung «heute geht’s mir nicht gut».
Heute bieten sechs Dojos in der Schweiz Karatetraining für Menschen mit Einschränkungen an. «Es sind zwar kleine Schritte, aber es geht vorwärts», so Aquino. Sein Ziel ist es zunächst, Barrieren abzubauen und die Zugänglichkeit zum Sport für alle zu ermöglichen. «Zieht eine nicht-behinderte Frau nach Zürich um, steht ihr ein unglaublich breites Angebot von Kampfsportarten und Trainingsmöglichkeiten zur Auswahl.
Aquino, der 70% als Informatiker bei der Raiffeisen arbeitet, steckt nahezu seine gesamte Freizeit und unglaublich viel Herzblut in die Mission, seine Leidenschaft weiterzugeben. Kindern, Erwachsen, Menschen mit und Menschen ohne Beeinträchtigung. Mit viel Ausdauer ist Aquino im Dienst des Karate unterwegs.
Anforderungen im Leistungssport
Trainings und Wettkämpfe erfordern von Athlet*innen einiges ab. Erfolgreiches trainieren setzt voraus, dass die entsprechende Person das Anforderungsprofil der Kampfsportart Karate im Leistungssport erfüllt. Mit anderen Worten, wer keine physisch-psychisch Extrembelastungen verträgt, sich nicht an klare Regeln und Rituale halten kann oder will ist im «freien» Sport besser aufgehoben. Die Anforderungen im Spitzen- und Leistungssport sind fordernd und selektiv. Das Anforderungsprofil setzt überdurchschnittliche physische und psychische Fähigkeiten voraus.
Für den Erfolg ist immer entscheidend wie lernbereit, wie trainings- und leistungswillig die entsprechenden Karatekas sind. Welche Erwartungen/Ziele da sind. Wieviel Zeit sie bereit sind für die Trainings und Wettkämpfe zu investieren um den Anschluss oder den Verbleib an der Spitze (FTEM Phasen T3, E1, E2) zu schaffen. Im Zentrum stehen die Bereiche Energie und Steuerung.
Das Kernlehrmittel Karate J+S erläutert das pädagogische Konzept mit der Kernbotschaft des partnerschaftlichen Dialogs. In dieser Kooperation steht der Austausch von bedeutungsvollen sowie lernrelevanten Informationen im Zentrum. Diese Interaktionen sollen von einer auf Vertrauen und Verantwortung gekennzeichneten Wechselbeziehung geprägt sein.
Jedoch: Trainer sind keine ausgebildeten Psychologen. Sie werden immer wieder im Training (gerade in den mittleren und späten Adoleszenz Phasen; körperlich, kognitiv, sozial-emotional) mit Jugendlichen konfrontiert, die - oder die Eltern - mit den Anforderungen des Leistungssports nicht klar kommen.
Dazu kommen auch noch einige Karatekas in den Jahren des «Emerging Audulthood», d.h. Hier setzt die Kampagne #areyouok an. Alle beteiligten Personen befähigen mit Empfindungen, Gefühlen und Gedanken in heiklen Lern- und Leistungssituationen nachhaltig umgehen zu können, ohne die Ziele aus den Augen zu verlieren. Das Aneignen von Kompetenzen so a) die eigenen Emotionen - auch unter Stressbedingungen - kontrollieren zu können, b) sich in Leistungssituationen auf das Wesentliche zu konzentrieren, c) auch in schwierigen Zeiten bestehen, d) sich auch in misslichen Lagen zu motivieren. Immer wieder aufzustehen.
In einem Umfeld das von einem Klima mit positiven Werten geprägt ist und jede Art von physischem, verbalen und relationalen Mobbings klar ablehnt. Sport ist Persönlichkeits- und Lebensschulung.
Zum Leben einer Athletin, eines Athleten gehören Niederlagen, das schmerzhafte Ausscheiden in Runde 1, Runde 2 oder der bitter verlorene Kampf um die Bronzemedaille. Das war auch in der Karriere der «allergrössten» Karatekas der SKF, bei Weltmeister Javier Gomez, den Europameister*innen Juan Marquez, Ceno Marxer, Andi Hug, Fehmi Mahalla, Diana Schwab, Jessica Cargill und Fanny Clavien so.
Die Frage, wer sich, wenn es darauf ankommt, tatsächlich auch durchsetzen kann, ist im Wesentlichen eine Frage der Persönlichkeit! (Prof. Dr. Arturo Hotz, ehemaliger Trainerbildner Swiss Olympic, BASPO und SKF, 1987-1994).
Der Weg zum Schwarzen Gurt
Der schwarze Gurt ist der Lohn nach einem langen Ausbildungsweg. Den schwarzen Gurt muss man sich verdienen und muss zuvor, jahrelang, gegen seinen schlimmsten Gegner (gegen sich selber) gekämpft und gewonnen haben. Erst danach ist nicht nur der Körper sondern auch der Geist reif um die Karate-Grundausbildung zu beenden. Die Belohnung hierfür ist der 1. Dan (1. scharzer Gurt). Es benötigt viel Geduld und Willen und ist abhängig von der Anzahl der Trainings pro Woche. Um jedoch eine Zahl zu nennen: Es kann schnell zwischen 5-7 Jahre dauern vom Beginn bis zum 1. Dan.
Häufig gestellte Fragen
Was bringt Karate mir oder meinen Kindern?
Wir denken dass es nicht sinnvoll ist mit dem Karatetraining vor dem 1. Es besteht grundsätzlich das gleiche Risiko wie ausserhalb des Trainings. Im Training ist bei den Kindern kein Kontakt erlaubt. Im Vergleich mit anderen Sportarten, wie z.B.
Ist Karate auch etwas für Mädchen/Frauen?
Ja. Der Anteil der weiblichen Mitglieder ist etwa 40%. Viele unserer Mädchen/Frauen sind sogar sehr erfolgreich an Wettkämpfen.
Kann ich auch mit 50 Jahren noch mit Karate beginnen?
Ohne ihr Alter zu kennen können wir schon hier Nein sagen. Das Karatestudium kann unabhängig von der Lebensphase in der sie sich befinden beginnen. Da die Leistungsfähigkeit des Körpers in der Reifephase abnimmt sind ihre Chancen, sollten sie Wettkampfambitionen haben, eher gering. Mit dem normalen Karatetraining können sie aber in jedem Alter beginnen.
Muss man an Wettkämpfen teilnehmen?
Nein, es ist ihnen überlassen ob sie teilnehmen wollen oder nicht. Auch an Prüfungen wird heute bei Fudokan unterschieden zwischen Jugentlichen Wettkämpfern und Erwachsenen, welche Karate für die Gesundheit praktizieren. Das Prüfungsfach "Freikampf" ist fakultativ.
Ist Karate gefährlich?
Grundsätzlich sollte es aber zu keinem Unfall kommen. Die Karateschüler werden über Jahre darauf vorbereitet ihre Schläge präzise zu führen und einen Treffer nur anzudeuten.
Erfolge und Veranstaltungen
Die Wettkämpfer zeigten beim Shotokan Cup am Morgen, wie auch an der Schweizermeisterschaft im Ippon Shobu vom Nachmittag, ein sagenhaft beherztes Turnier.
Fundiertes, traditionelles Shitoryu-Karatedo nach Meister Y. Ishimi 10. Dan, Walter Stürzinger 7. Dan.
Voranzeige - Kurs mit Y. Ishimi
Für den 4./5. Oktober 2025 haben wir Grossmeister Y. Ishimi 10. Dan eingeladen.
SSKF Danprüfungen
- Vom 13. bis 20. Mai 2024
- Am 11./12. Mai 2024
- Am 16.+17. März 2024: SSKF Danprüfung zum 1.-3. Dan
- Swiss Shitoryu Karatedo Federation SSKF. Danprüfung 1.-3. Dan Shitoryu am 30. November 2024
- Am Sonntag, 9. Juni 2024
- Am 6./7. April kam Grossmeister Zsolt Szénasi wieder zu uns. Egon Diem 5. Dan
- Am Wochenende 9./10. November 2024: SSKF Danprüfung zum 3.-5. Danprüfungen 3.-5. Dan im SSKF
- Die Swiss Shitoryu Karatedo Federation konnte am 29. Okt. 2023 ihr 25-jähriges Jubiläum feiern.
- Am Sonntag, 10. März 2024: SSKF Danprüfung zum 1.-3. Dan
- Swiss Shitoryu Karatedo Federation SSKF. Danprüfung 1.-3. Dan Shitoryu am 2. Dezember 2023
- Am Sonntag, 11. Juni 2023
Karate Club Aadorf
Der Karate Club Aadorf ist Mitglied der Swiss Karate Federation (SKF) und trainiert unter Leitung von: Roland Ammermüller, 5. Dan SKF/SKR/JKA den Stil „Shotokan“ nach den Richtlinien der Japan Karate Association (JKA).
Unsere Globale Zielsetzung ist Karatedo. Karatedo heisst „Weg des Karate“. Dieser „Weg“-Begriff meint, dass es wichtig ist, einen Weg zielstrebig zu beschreiten und dabei auf den ganzen Reifeprozess zu achten. Damit wird auch ausgesagt, dass Karate, welches ursprünglich zur Selbstverteidigung entwickelt wurde, ebenso viel Gewicht auf Geisteshaltung wie auf Gesundheitsaspekte oder sportliche Leistungen legt.
