Im Karate spielen Partnerübungen eine wichtige Rolle, um die erlernten Techniken anzuwenden und zu verfeinern. Diese Übungen helfen, ein Gefühl für Distanz, Timing und die Anwendbarkeit der Techniken zu entwickeln.
Die drei Säulen des Karate
Das Training im Karate basiert traditionell auf drei Säulen:
- Kihon (Grundschule): Hier werden grundlegende Techniken wie Schläge, Tritte und Blöcke geübt, wobei besonderes Augenmerk auf Körperhaltung und korrekte Ausführung gelegt wird.
- Kata (Form): Kata sind stilisierte Kämpfe gegen imaginäre Gegner, bei denen der Karateka die Balance und Standfestigkeit des Körpers trainiert.
- Kumite (Partnerübung): Im Kumite werden die im Kihon und Kata erlernten Techniken mit einem Partner geübt.
Kumite: Die verschiedenen Formen der Partnerübung
Kumite ist eine Bezeichnung für Partnerübungen im Karate, die erst mit der Gründung des Wettkampf-Karate entstand. Es gibt verschiedene Formen des Kumite, die jeweils unterschiedliche Aspekte des Kampfes trainieren:
- Gohon-Kumite (5 Angriffe): Hier führt ein Partner fünfmal hintereinander dieselbe Technik aus, während der andere blockt.
- Sanbon-Kumite (3 Angriffe): Ähnlich wie Gohon-Kumite, aber mit drei verschiedenen Techniken.
- Kihon-Ippon-Kumite (Ein-Angriff-Kumite): Ein Partner greift mit einer Technik an, auf die der andere sofort mit einer Abwehr- und Konterbewegung reagiert.
- Jiyu-Ippon-Kumite (Freies Ein-Angriff-Kumite): Eine fortgeschrittene Form des Kumite, bei der der Angreifer die Technik frei wählen kann.
- Jiyu-Kumite (Freikampf): Die höchste Form des Kumite, bei der beide Partner frei kämpfen können.
Yakusoku Kumite: Abgesprochene Partnerübungen
Yakusoku Kumite ist eine Form der Atemi-Partnerübung im Karate, bei der verschiedene Absprachen mit dem Partner getroffen werden. Yakusoku bezeichnet „das Versprechen“, d.h. der Angreifer teilt dem Verteidiger vor dem Angriff mit, mit welcher Technik, zu welcher Stufe usw. er angreifen möchte. Das System ist unter der Betrachtung verschiedener Gesetzmäßigkeiten der Übung in der Kriegskunst, in der Kampfkunst und im Kampfsport gleichermaßen von Bedeutung. Das „abgesprochenes Kämpfen mit Grundtechniken“, ist das qìgōng des Karate.
Yakusoku jiyū kumite heißt „abgesprochenes Kämpfen mit freien Techniken“. Das yakusoku jiyū kumite ist eine Erweiterung des vorausgegangenen Technik-Konzepts, enthält das Prinzip henka und baut im BSK auf die Techniken der taikyoku sandan auf. Das Konzept lehrt realistische Kampfanwendungen mit freien Atemi-Techniken (jiyū waza) und Bewegungen (sabaki) und lehnt an die Anwendungen (ōyō) der kata an.
Lesen Sie auch: Judo: Kurze Begriffe
Bedeutung von Rei im Karate
Rei stellt letztlich eine wichtige Verhaltensweise innerhalb und außerhalb des Dojos dar.
Rei wird meist mit "Gruß" übersetzt und bedeutet weit mehr als Respekt - es beinhaltet auch die Achtung der anderen und die Achtung vor sich selbst. Es drückt außerdem gegenseitiges Vertrauen, guten Willen, Verständnis, sowie Lernbereitschaft aus.
Kata-Übungen für das Solo-Training
Auch im Kata-Training gibt es Möglichkeiten, das Training abwechslungsreicher und effektiver zu gestalten. Hier sind einige Übungen, die unabhängig von der Stilrichtung angewendet werden können:
- Kata spiegelverkehrt: Die Ausführung auf der „normalen“ Seite wird verbessert, da die Nervenbahnen im Gehirn, die mit dem Bewegungsmuster der Kata verbunden sind, sozusagen „geschmiert“ werden.
- Kata rückwärts: Mit der letzten Bewegung anfangen und mit der ersten Bewegung aufhören.
- Kata rückwärts und spiegelverkehrt: Der ultimative Garant für Gehirnsalat.
- Kata mit geschlossenen Augen: Einen der Sinne ausschalten (hier das Sehen), um den Fokus und die Aufnahmefähigkeit der anderen Sinne zu verbessern.
- Alle schnellen Bewegungen langsam: Automatisches „Schummeln“ bei den schwierigen Sequenzen der Kata vermeiden, wo der Schwung aus den schnellen Bewegungen ausgenutzt wird.
- Alle langsamen Bewegungen schnell: Gleichgewicht und der Gegensatz zwischen hart und weich („go“ und „ju“ auf Japanisch) trainieren.
- Kata nur mit dem Oberkörper oder Unterkörper: Kime, Geschwindigkeit und Kraft trainieren.
- Kata im Kopf (Visualisierung): Die Kata im Bus, beim Einkaufen, unter der Dusche, auf der Arbeit, im Bett etc. mental trainieren.
- Kata in Alltagskleidung: Fühlen sich die Bewegungen plötzlich unpraktisch an? Warum?
- Kata draußen: Im Wald, am Strand, in den Bergen oder in der Wüste trainieren.
- Kata so schnell oder so langsam wie möglich: Fokus und Disziplin trainieren.
Beispiel für eine Technikfolge
Hier ist ein Beispiel für eine Technikfolge, die im Training geübt werden kann:
Aus Gedan-Kamae links, vorwärts in Zk mit Oi -Zuki, Wendung mit Gedan -Barai in Zenkutsu-Dachi (ZK),Vorwärts in Zk mit Age -Uke, Wendung mit Gedan -Barai in Zk,Vorwärts in Zk mit Soto -Uke, Wendung mit Gedan -Barai in Zk,Vorwärts in Zk mit Uchi -Uke, Wendung mit Shuto -Uke in Kk,Aus Shuto-Uke-Kamae, vorwärts in Kk mit Shuto -Uke, Wendung mit beidarmigem Gedan-Barai in Zk,Aus Chudan-Kamae, vorwärts in Zk mit Mae -Geri, Wendung mit Gedan-Barai in Kb,Aus Chudan-Kamae, vorwärts in Kb mit Yoko-Geri-Keage, Wendung mit Gedan -Barai in Kb,Aus Chudan-Kamae, vorwärts in KB mit Yoko-Geri-Kekomi.
Lesen Sie auch: Schweizer Nationalsport Schwingen
Bei der Ausführung der Techniken sollte darauf geachtet werden, dass jede einzelne Bewegung bewusst langsam geübt wird.
Die Bedeutung der Kata im Karate
Die Kata (die Form) ist, als dritte Säule des Trainings, ein wesentlicher Schwerpunkt und stellt einen imaginären Kampf gegen einen oder mehrere Gegener dar. In ihr trainiert der Karateka zudem die Balance und Standfestigkeit des Körpers.
Die Karate Kata sind Botschaften aus der Vergangenheit. Sie vermitteln versteckte Lehren und Weißheiten der alten Krieger, die wir heute in der Übung entdecken können. Es gibt weltweit kein vergleichbares, aber auch kein anspruchsvolleres Bewegungssystem.
Die sportliche Karate Kata ist in den modernen Karate-Auffassungen nichts weiter als eine gymnastische Vorführform. Sie wird als Wettkampfkür (hyōen kata) aufbereitet und enthält weder Inhalte noch Prinizien der klassischen Kata. Sie eignet sich weder als Studienobjekt (kata bunkai), noch als Erforschung des Kampfstils (ōyō) noch als Medium zur Entwicklung des Selbst (shingitai).
Zusammenhang zwischen Kata, Kihon und Kumite
Die oft zitierten drei Säulen des Karate (Kihon, Kumite und Kata) sind im modernen Karatedō nur bedingt miteinander verbunden.
Lesen Sie auch: Judo Partnerübungen
In den klassischen Schulen der Moderne ist die klassische Kata nach wie vor das Zentrum jeder Übung. Sie ist nicht Teil der oft zitierten drei Übungssäulen (Kihon, Kumite und Kata), sondern Ursprung, Konzept und Quelle der beiden.
Das Konzept Kata, Kihon und Ōyō baut sein System über die Kata auf und leitet seine Trainingsinhalte direkt aus dem Studium der Kata (kata bunkai) ab.
Das Konzept Kihon, Kata und Kumite führt ohne Umschweifen direkt in die sportliche Interpretation des Karate. Es ist die Grundlage zum Wettkampf mit den Atemi-Techniken (atemi waza) des Karate.
