Freies Üben mit Partner im Judo

Das freie Üben mit einem Partner ist ein wesentlicher Bestandteil des Judo-Trainings. Es fördert nicht nur die Entwicklung technischer Fähigkeiten, sondern auch die Bewegungskontrolle, das Gleichgewicht und das Verständnis für die Prinzipien von Angriff und Verteidigung.

Bewegung und Gleichgewicht

Verschiedene Übungen helfen dabei, die Bewegungskontrolle und das Gleichgewicht zu verbessern:

  • Bewegungsgrundformen: Häufiges und vielseitiges Üben der Bewegungsgrundformen führt im Gehirn zu starken Verknüpfungen und fördert eine gute allgemeine Bewegungssteuerung.
  • Gleiten auf dem Boden: Verschiedene Arten ausprobieren, über den Boden zu gleiten. Die Judoka robben wie Krokodile auf dem Bauch über die ganze Matte.
  • Gleichgewicht und Haltung: Halten des statischen und des dynamischen Gleichgewichts sowie Haltungswahrnehmung und -kontrolle üben.
  • Bewegung über Hindernisse: Judogürtel sind über den ganzen Boden verteilt und stellen Schlangen dar. Sobald du «Hajime» sagst, bewegen sich die Judoka im Gleichgewicht über die Schlangen hinweg.
  • Rotation und Rollen: Mit verschiedenen Rotations- oder Rollenformen experimentieren und in Kombination mit der Orientierung im Raum lernen, die Bewegung zu kontrollieren.
  • Roboter-Spiel: Die Judoka sind zu zweit; eine Person spielt den Menschen, die andere den Roboter. Der Mensch dirigiert den Roboter mit Aktionsknöpfen, der Roboter gehorcht ausschliesslich den empfangenen Befehlen.
  • Rutschen auf der Matte: Empfinden der verschiedenen Arten, auf der Matte zu rutschen. Auf der ganzen Bodenfl äche werden als «Bananenschalen» Judogürtelstücke verteilt.
  • Rhythmus-Bewegung: Sich angemessen und passend zu den vorgegebenen Rhythmen fortbewegen. Bewegungskontrolle trainieren und erweitern durch Kreativität und Aufnehmen des vorgegebenen Rhythmus. Du lässt Musik laufen, die zum Alter der Kinder passt (verschiedene Stücke mit unterschiedlichen Rhythmen), und forderst die Judoka auf, sich im Takt frei zu bewegen.
  • Dinosaurier-Spiel: Zu zweit bewegen sich die Kinder wie Dinosaurier am Boden. Einer der beiden Dinosaurier beschützt sein Ei (z. B. Ball oder anderer Gegenstand), während der andere es ihm wegzunehmen versucht. Lernen, eine Zone oder ein Objekt fair zu verteidigen und seine Emotionen im Griff haben.
  • Bizeps-Fassen: Zwei Kinder treten gegeneinander an mit den Händen auf den Bizepsen oder den Unterarmen. Auf dein Signal hin versuchen die Kinder, ihre Partner zu fassen, indem sie sie mit beiden Händen korrekt am Judogi packen. Bewegungskontrolle trainieren. Präzision verbessern.
  • Schiff-Spiel: Zwei Kinder im Kniestand versuchen, sich aus einer markierten Fläche, dem Schiff, zu stossen.
  • Drängen aus dem Feld: Zwei Judoka stehen sich gegenüber und versuchen, das Gegenüber aus der vorgegebenen Spielfl äche zu drängen.
  • Spinnen-Berührung: Die Kinder bewegen sich vorlings auf allen Vieren durch den Raum. Auf ein Signal hin müssen sie versuchen, die Hände der anderen zu berühren. Kinder, die berührt wurden, müssen sich wie eine Spinne wenden.

Anwendung von Wurf- und Haltetechniken (Tachi-waza und Ne-waza)

Das freie Üben beinhaltet auch die Anwendung von Wurf- und Haltetechniken, wobei der Fokus auf der Kontrolle des Partners und der Vermeidung von Verletzungen liegt:

  • Kontrolle nach Wurftechniken: Nach Ausführung einer Wurftechnik muss Tori unmittelbar zur Kontrollphase übergehen. Tori muss seine Position anpassen, um Uke am Boden zu halten.
  • Sicheres Kontrollieren: Sicheres und effi zientes Kontrollieren ist wesentlich, um Uke jegliches Verletzungsrisiko zu ersparen und Tori zu erlauben, mit Übergängen zu anderen Techniken weiterzufahren. Effi zientes Kontrollieren nach einer Tachiwaza- oder Ne-waza-Situation zeichnet sich durch ein Gleichgewicht zwischen technischer Überlegenheit und Respekt vor der körperlichen Integrität von Uke aus.

Im Schlüsselbereich F des FTEM-Konzepts stehenden Trainingsgruppen ist Osae-waza besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Für die Erscheinungsformen kannst du die Situation mehr oder weniger komplex gestalten.

Verschiedene Übungsformen können hierbei eingesetzt werden:

Lesen Sie auch: Verbessere dein Judo durch Randori

  • Dirigieren des Partners: Stell dir vor, du dirigierst ein Orchester. Uke dazu veranlassen, Tori mit einer Richtungsänderung, Gegendruck (Krafteinsatz) oder einer anderen Aktion (z. B. Tori dazu veranlassen, Uke mit einer Richtungsänderung, Gegendruck (Krafteinsatz) oder einer anderen Aktion (z. B.
  • Tachi-waza mit anschliessender Kontrolle: Nach einer Tachi-waza-Aktion wirft Tori Uke und kontrolliert ihn mit Osae-waza.
  • Initiative im Ne-waza: Tori übernimmt bei Ne-waza die Initiative.
  • Freies Werfen und Reagieren: Tori bewegt Uke frei und wirft ihn. Uke lässt sich fallen und reagiert. Tori muss die Situation rasch wieder unter Kontrolle bekommen und fährt passend weiter, um Uke mit Osae-waza zu kontrollieren.
  • Tachi-waza-Randori mit Ne-waza-Abschluss: Tori und Uke machen ein Tachi-waza-Randori und schliessen, wenn immer möglich, mit Ne-waza an.

Lesen Sie auch: Judo: Kurze Begriffe

Lesen Sie auch: Schweizer Nationalsport Schwingen