Deutsche Wrestling Stars: Ein Überblick

Es gibt Grund zur Freude - so deutsch war die WWE noch nie. Seit einiger Zeit gibt es immer mehr deutsche Talente, die in der Welt des Wrestlings Fuß fassen. Ihr wichtigster Schlüssel ist das WWE Network.

Der Aufstieg deutscher Talente in der WWE

Der Grundstein für die langfristige Entwicklung wurde Ende 2013 Jahren gelegt: die Eröffnung des ersten deutschen WWE-Büros unter der Leitung des WWE-Europa-Chefs Stefan Kastenmüller.

Ziel: Mainstream!

Schritt 1: Free TV

Als Erstes musste die WWE zurück ins Free TV, nachdem Wrestling jahrelang nur beim Pay-TV-Kanal Sky zu sehen war.

Seit April laufen die beiden wichtigsten TV-Shows „RAW“ und „SmackDown“ bei ProSiebenMaxx (Mittwoch und Donnerstag).

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Mit dem erfolgreichen Comeback im Free-TV setzte die WWE ab 2016 vermehrt auf Live-Shows in Deutschland. Aus maximal sechs Shows pro Jahr wurden acht. Im Februar 2016 und Februar 2017 bekamen die deutschen Fans sogar weltweit exklusive Tourneen geboten.

Die nächste Tour findet im November statt.

Schritt 2: Mainstream-Aufmerksamkeit

Die Fans waren glücklich. Mehr Live-Shows und WWE im Free-TV. Jetzt sollten die Nicht-Fans aktiviert werden - über Ex-Fußballprofi Tim Wiese.

Zwei Jahre lang arbeitete die WWE an einem möglichen Kampf des ehemaligen Nationaltorhüters. Im November 2016 stieg Wiese bei einem WWE-Event in den Ring und sorgte dafür, dass sogar die „Tagesschau“ plötzlich über einen Wrestling-Kampf berichtete.

Das Projekt war für die WWE gut, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Langfristig müssen es aber echte Wrestler sein, die die WWE und den deutschen Markt erobern können.

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Aktuelle deutsche Wrestling Stars

Am heutigen Montag wurde nun offiziell von WWE verkündet, worüber wir bereits vor einigen Wochen berichteten: Mit Axel Tischer hat endlich wieder ein Wrestler aus Deutschland den Sprung zum Marktführer geschafft.

Alexander Wolfe

Seit letzter Woche haben wir sogar den ersten deutschen Champion in der WWE: Alexander Wolfe (30). Das Wunder von Brooklyn! Alexander Wolfe (r.) ist der erste Deutsche, der jemals in der WWE einen Titel gewinnen konnte.

Wolfe: „Ich bin ein einfacher Junge aus Dresden, der an sich geglaubt hat. Ich habe meine Heimat verlassen und bin in die USA gegangen, um mein Leben zu leben. Schweiß, Blut und Tränen. Oft ist man fertig und glaubt, am Ende zu sein. Aber ich habe die Zähne zusammengebissen. Von Dresden aus ging es nach Berlin und in den Rest von Deutschland, dann irgendwann zum Probetraining der WWE nach London. Immer gekämpft, immer alles gegeben. Es hat geklappt. Jetzt auch in den USA. Ich bin bei NXT in der besten Trainingsschule der Welt. Mein Trainer derzeit ist Shawn Michaels. Sein Weg scheint nach mehr als zwei Jahren harter Arbeit im Performance Center (Orlando, USA) steil nach oben zu gehen. Jetzt wollen andere nachziehen.

Axel Dieter Jr. (Marcel Barthel/Ludwig Kaiser)

Vor wenigen Wochen feierte der Deutsche Axel Dieter Jr. (27) sein Debüt bei NXT. Wann er im TV zu sehen sein wird, ist noch offen. Dies ist das erste offizielle Foto von Axel Dieter Jr. als Teil der WWE. Derzeit tourt er bereits mit dem NXT-Kader durch Florida und lernt den WWE-Wrestling-Stil im Performance Center in Orlando.

Axel Tischer, der unter anderem von Crazy Sexy Mike & Joe E. Legend trainiert wurde, begann seine Karriere als Pro-Wrestler im Jahr 2004 und war seit 2009 ein Regular bei westside Xtreme wrestling. Abgesehen von Brakkus - der von 1996-1998 bei WWE unter Vertrag stand und eher überschaubaren Erfolg vorzuweisen hatte - ist der "Axeman" der erste Deutsche unter WWE-Vertrag.

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Wie seine Kollegen wird er natürlich vorerst im Performance Center trainieren, um sich dort für die NXT-Shows zu empfehlen.

Mit dem Charisma eines jungen Randy Orton erarbeitet sich Marcel Barthel momentan seinen Platz in den Entwicklungsligen der WWE. Als Mitglied des Stables IMPERIUM verbreitet er bei NXT Angst und Schrecken. Marcel hat das Alter auf seiner Seite. Ausstrahlung und In-Ring-Talent sind bereits auf selten hohem Niveau.

Der deutsche Wrestler Ludwig Kaiser ist bei WWE auf dem Weg nach oben.

Vor einigen Wochen feierte der 33-Jährige aus Pinneberg seinen bislang größten Sieg gegen Ex-Champion Sheamus, bei der nahenden erstes Deutschland-Großveranstaltung Bash in Berlin am 31. August dürfte der technisch versierte Modellathlet weiter in den Blickpunkt rücken.

Ludwig Kaiser: Schon lange - ich weiß ja, wo ich hinwill und was ich kann. Und ich glaube, dass das auch die Firma das weiß. Ich bin ja mittlerweile schon eine Weile hier, aber alles, was passiert, ist eine Frage des richtigen Timings. In meinem Leben ist für mich bis jetzt immer irgendwie alles genau so gefallen, wie es hätte sein sollen. Es ist bei WWE wie im Fußball: Du musst die Gelegenheiten nutzen, die du bekommst. Wenn du als Joker in der 80. Minute kommst, dann tue alles, um in den 10 Minuten einen reinzuhauen. Ich für meinen Teil habe das bei WWE immer gemacht und langsam kommen die Lorbeeren, die ich mir hart erarbeitet habe. Ich kann garantieren: Was gerade kommt, ist nur der Anfang.

Für Ihr Heimspiel in Berlin ist noch kein Match offiziell angekündigt.

Jazzy Gabert

Dort will die Berlinerin Jazzy Gabert („Alpha Female“) noch hin. Sie scheint auf einem guten Weg zu sein. Sie überzeugte beim Frauenturnier der WWE („Mae Young Classic“) und feierte völlig überraschend vergangene Woche bei NXT ihren Einstand.

Am Montag strahlte das WWE Network die ersten Folgen des Frauen-Turniers „Mae Young Classic“ aus. Zwar verlor sie ihren Kampf gegen Abbey Laith, dennoch waren die Offiziellen der WWE von ihr beeindruckt - eine Karriere in den USA ist möglich!

Jazzy Gabert kam mit deutscher Flagge bei den „Mae Young Classics“ zum Ring.

Offiziell wurde ein Vertragsabschluss noch nicht verkündet. Wie BILD erfuhr, darf Gabert sich noch nicht zu einer möglichen Zukunft äußern.

Weitere Talente

Immer mehr deutsche Talente setzen dazu an, in den USA eine Karriere zu beginnen.

Neben den bereits genannten Wrestlern gibt es noch weitere deutschsprachige Talente, die in der WWE und anderen Ligen aktiv sind:

  • Gunther (Österreich)
  • Ilja Dragunov (Deutschland/Russland)
  • Fabian Aichner (Südtirol)

Diese Wrestler haben ebenfalls beeindruckende Karrieren vorzuweisen und tragen zur wachsenden Popularität des deutschen Wrestlings bei.

Herausforderungen für deutsche Wrestler im Ausland

John „Bad Bones“ Klinger (33) ist international einer der gefragtesten deutschen Wrestler. Er weiß, worauf die großen Ligen achten, und hatte bereits Test-Matches für die WWE.

Klinger: „Das Schwierigste an der Sache ist, ein Visum zu bekommen. Klingt unspektakulär, aber ist enorm wichtig. Das ist meistens mit hohen Kosten verbunden und wenn du nicht gerade für WWE arbeitest, eine etwas schwierigere Prozedur. Wenn du ein Visum hast, darfst du offiziell drüben arbeiten und wirst für die kleineren Ligen interessant. Natürlich hast du es einfacher, sobald du einmal Fuß gefasst hast. Vor Kurzem war ich ja auch noch für ‚Impact Wrestling‘ am Start, allerdings war das Visum da nur auf drei Monate befristet. Es kommt wie immer im Leben auf die richtige Zeit und den Ort an.“

Doch der richtige Ort und die richtige Zeit sind heute weit häufiger möglich als früher. Scouts nehmen den Nachwuchs überall unter die Lupe.

Klingers Tipp für alle deutschen Talente: „Du musst auf dich aufmerksam machen. Immer alles geben. Es gibt im Wrestling leider keine Geheimformel. Wäre ja wohl sonst auch zu einfach.“

Alex Wright: Ein Pionier des deutschen Wrestlings in den USA

Denkt man an deutsche Wrestler in den USA, fällt den Fans meistens nur ein großer Name ein: Alex Wright! In den 90er-Jahren schaffte er es als Einziger nach Amerika, kämpfte in der Top-Liga WCW (wurde 2001 von der WWE gekauft).

Für BILD erinnert er sich an seine Anfänge: „Bei einer WCW Deutschland-Tour bekam ich ein Tryout-Match. Das hat den WCW-Offiziellen anscheinend gefallen und ich durfte die restliche Tour mit ihnen beenden. Danach haben sie mir einen WCW-Vertrag angeboten, den ich natürlich sofort angenommen habe.“

Aber warum schaffte kein anderer Deutsche den Sprung in die USA?

Wright: „Da müsste man die ehemaligen Chefs der WCW fragen. Ich weiß, dass auch andere die Möglichkeit bekamen, sich drüben zu beweisen. Die Leistungserwartungen und Annahmekriterien waren sehr hart.“

Auch heute sind die Auswahlkriterien nicht einfacher zu erfüllen. Aber der Markt ist für die WWE größer geworden. Wo früher nur die USA auf der Agenda stand, steht nun die ganze Welt.

Wright: „Das ist definitiv ein Vorteil. Außerdem gibt es heutzutage auch hierzulande Wrestling-Schulen. So wie bei mir, bei „The Wright Stuff“. Dort lernen die Talente alles, was sie brauchen, um sich international etablieren zu können. Bei mir lernt man den amerikanischen, mexikanischen, japanischen und europäischen Wrestlingstil - und den heutzutage sehr wichtigen TV-Stil.“

Denn vor allem die WWE produziert ihre Shows zu 99 Prozent nur fürs Fernsehen, weniger für die Fans in der Halle.

Dies bekam Wright selber vor Augen geführt, als er vor wenigen Jahren für wenige Wochen als Gasttrainer in der WWE-Kaderschmiede in Orlando mit Jung-Stars arbeitete.

Sein Fazit: „Im Performance Center achtet man natürlich auf die sportlichen und die Entertainment-Fähigkeiten des Sportlers. Genauso lehre ich es meine Schüler in meiner Liga New European Championship Wrestling.“

Mit Erfolg, denn einer seiner Schüler hat den Sprung auch bereits geschafft. Der Südtiroler Fabian Aichner (27) unterschrieb vor drei Monaten einen Vertrag mit der WWE.

Das macht Alex Wright besonders stolz: „Fabian Aichner ist ein Top-Athlet mit einem eisernen Willen, ultra talentiert, motiviert und diszipliniert, der sein Ziel nie aus den Augen verliert und seinem Trainer immer vertraut hat.“

Die Zukunft des deutschen Wrestlings

Die Chancen stehen also so gut wie noch nie. Die WWE gewinnt Fans in der ganzen Welt und hat auch Deutschland im Blick.

Die WWE erkannte die Klasse von Da Mack und lud ihn 2016 zum Cruiserweight-Classic-Turnier als deutschen Vertreter ein. Hier zeigte er seine athletische Klasse und beeindruckte die Zuschauer mit seinem positiven Charisma.

Ein weiteres Highlight für deutsche Wrestling-Fans ist das "TV total Promi Wrestling", bei dem Prominente in den Ring steigen und ihr Können zeigen. Hier die Teilnehmer:

  • Sebastian Pufpaff
  • Jared Hasselhoff
  • Fabian Hambüchen
  • René Casselly
  • Mathias Mester
  • Simon Gosejohann

Diese Show bietet eine unterhaltsame Mischung aus Sport und Entertainment und trägt zur Popularität des Wrestlings in Deutschland bei.

Insgesamt zeigt sich, dass das deutsche Wrestling auf einem guten Weg ist. Mit talentierten Wrestlern, einer wachsenden Fangemeinde und einer zunehmenden Präsenz in den Medien stehen die Zeichen gut für eine erfolgreiche Zukunft.