Kickboxer: Die Vergeltung – Eine DVD-Kritik

Nachdem Jean-Claude van Damme sich mit Bloodsport - Eine wahre Geschichte einen Namen im Kampfsportsektor des Action-Kinos gemacht hatte, sollte mit Kickboxer 1989 der endgültige Durchbruch im Genre folgen. Kickboxer bleibt in der Filmwelt aber ein Markenname und dementsprechend logisch erscheint der Umstand, diesen Titel erneut aufleben zu lassen: Natürlich unter den klassischen Parametern des Originals.

„Kickboxer“ gehört zu jenen Filmen, mit denen Jean-Claude Van Damme der Durchbruch als Darsteller gelang. In dem Prügel-Actioner von 1989 werden die üblichen Genre-Versatzstücke auf bisweilen ziemlich trashige (man denke an die legendäre Tanzszene), aber auch höchst vergnügliche Art (eben die Tanzszene…) kombiniert.

Das Remake: Kickboxer: Die Vergeltung

Beim Remake „Kickboxer: Die Vergeltung“ versucht man nun gar nicht erst, aus der simplen Kampf-Orgie mehr zu machen, als sie ist. Produzent und Co-Autor Dimitri Logothetis als treibende Kraft hinter dem Projekt sowie der kurzfristig eingesprungene Regisseur John Stockwell („Blue Crush“) zitieren sich einmal quer durch das Original.

Kickboxer: Die Vergeltung ist sich in seiner Funktion als Remake auch nie zu schade, reinrassige Reproduktion zu betreiben und hat es sich gleichwohl das Mitwirken von Van Damme gesichert, der nicht mehr als aufstrebender Kämpfer (der vom Profi-Kickboxer und Stuntman Alain Moussi gemimt wird) in Erscheinung tritt, sondern in der Rolle des erfahrenen Lehrmeisters.

Mit Kickboxer - Die Vergeltung kehrt er nun zu seinen Wurzeln zurück, denn dieser ist ein Remake von Karate Tiger 3 - Der Kickboxer. Kickboxer - Die Vergeltung ist zwar keine 1:1 Kopie des Originalfilms, glänzt aber durch unzählige Hommagen und Anspielungen, wodurch sich Fans des Films aus dem Jahr 1989 sofort heimisch fühlen dürften.

Lesen Sie auch: Die Musik von Kickboxer Die Vergeltung

Dass ihrem Hauptdarsteller Alain Moussi dabei der Charme des nun in einer Nebenrolle mitwirkenden Van Damme fehlt, machen sie in diesem ersten Teil einer bereits in Produktion befindlichen neuen „Kickboxer“-Trilogie mit liebevollen Hommagen und viel handfester Action wett…

Die Handlung

Von viel Geld und seiner verschlagenen Ex-Freundin Marcia (Gina Carano) hat sich Karate-Champion Eric Sloane (Darren Shahlavi) verleiten lassen, in Thailand gegen den Muay-Thai-Champion Tong Po (Dave Bautista) in den Käfig zu steigen, was er mit dem Leben bezahlte. Sein Bruder Kurt Sloane (Alain Moussi) kennt seitdem nur noch ein Ziel: Rache!

Eric Sloane ist frisch gebackener Kickbox-Champion und gerade dabei mit seinem Bruder Kurt (Alain Moussi) zu feiern, als er von der zwielichtigen Marcia eingeladen wird, für viel Geld gegen den Muay-Thai-Champion Tong Po (Dave Bautista) in dessen Heimat Thailand anzutreten. Entgegen den Warnungen seines Bruders entscheidet sich Eric anzutreten, und so kommt es wie es kommen muss: Tong Po bringt Eric während des Kampfes um.

Die Geschichte beginnt damit, dass der Kampfsportler Eric gerade zusammen mit seinem Bruder Kurt seinen neusten Titel feiert. Kurz darauf folgt er der undurchsichtigen Marcia nach Thailand, um dort viel Geld beim Kampf seines Lebens zu gewinnen. Sein Gegner ist Tong Po, der Eric am Ende nicht nur besiegt, sondern auch tötet.

Von da an gibt es für Kurt nur noch ein Ziel, doch um sich für einen eigenen Kampf gegen Tong Po würdig zu erweisen und damit seine Rache zu bekommen muss er zunächst einmal die kämpferische Klasse des Hünen erlangen. Er wendet sich an Erics alten Mentor Durand (Jean-Claude van Damme), der sich bereit erklärt, Kurt bei seinem Vorhaben zu unterstützen und ihn in die Kunst des Muay-Thai einzuweisen.

Lesen Sie auch: Remake des Martial-Arts-Klassikers: Lohnt es sich?

Schauspielerische Leistungen und Charaktere

Auch Hauptdarsteller Alain Moussi ist ein Profisportler und hat noch dazu Erfahrung als Stuntman. Dass er mimisch dagegen eher mäßig talentiert ist und ihm dazu das ganz eigene Charisma eines Jean-Claude Van Damme fehlt, wird mit ein paar Witzen (Stichwort: sinnloser Spagat) gut überspielt.

Für die passende Portion Starappeal sorgt ansonsten einfach Van Damme persönlich: Man sieht ihm trotz großer Sonnenbrille an, dass er sichtlich Spaß an seinem Aufritt hat, vor allem wenn der alte Film liebevoll auf die Schippe genommen wird (wie bei einem Überraschungs-Cameo). Dazu zeigt der Belgier in kurzen Momenten auch, dass er immer noch in absoluter Top-Form ist, was John Stockwell entsprechend auskostet, der hier einmal mehr zeigt, dass er ein Experte ist, wenn es darum geht, gutgebaute Körper ins rechte Bild zu rücken.

Neben Van Damme sind in der Besetzung noch weitere prominente Namen wie Dave Bautista („Guardians Of The Galaxy“) und Gina Carano („Haywire“) vertreten, die aber hauptsächlich aus Marketing-Gründen mit an Bord sein dürften. Vor allem der Auftritt der Ex-MMA-Kämpferin fällt enttäuschend aus: Ihre Figur der verschlagenen Promoterin ist austauschbar und es gibt hier keine einzige Szene, in der sie ihre Action-Fähigkeiten zeigen kann (vielleicht kommt da in einer der Fortsetzungen noch etwas, aber dazu ist bisher nichts bekannt).

Frauen sind in „Kickboxer: Die Vergeltung“ ohnehin nur als dekorative Nebenfiguren gefragt. So ist das thailändische Supermodel Sara Malakul Lane als Polizistin und Kurt Sloans Liebschaft offensichtlich nur deshalb dabei, damit man die übliche Trainingsmontage mit Sex-Einschüben anreichern und nackte Haut zeigen kann.

Action und Inszenierung

Und dass hier fast ausschließlich Kampfsportprofis am Werk sind, zeigt sich in der Wucht und Unmittelbarkeit der handgemachten und erstklassig choreografierten Action. Statt sich auf diese Qualitäten zu verlassen, versucht Regisseur John Stockwell durch einige störende inszenatorische Mätzchen noch eins obendrauf zu setzen (etwa wenn er den finalen Punch in einzelnen Kämpfen aus anderer Perspektive noch einmal wiederholt), aber das tut der Wirkung letztlich kaum Abbruch.

Lesen Sie auch: Hintergründe und Analyse zu Kickboxer: Die Vergeltung

Immer wieder findet sich Gelegenheit, die Hauptfigur in den Clinch mit einem oder mehreren Gegnern zu schicken und mit abwechslungsreichen Szenarien wird dafür gesorgt, dass niemals Langeweile aufkommt: Es wird sogar ein auf Elefantenrücken (!) ausgetragener Kampf gegen Ninjas (!) sinnvoll in die Handlung eingebaut.

Dass der Finalkampf trotz der Wiederholung der berühmten Glasscherben-Szene aus dem Original mit einem schlecht inszenierten Schwertkampf-Intermezzo etwas enttäuschend ausfällt, schmälert den Genuss von „Kickboxer: Die Vergeltung“ nur ein wenig, denn die zahlreichen vorherigen Actionszenen sind dafür umso besser gelungen.

Bild und Ton der DVD

An der Bildqualität gibt es fast nichts auszusetzen. Die Farben werden kräftig und bunt wieder gegeben, der Kontrast ist auf einem guten Niveau, selten verschwinden Einheiten in der Dunkelheit. Teilweise wurden Farbfilter eingesetzt, so dass das Bild beispielsweise mal kühl oder mit einem weichen Gelbton daher kommt. Die Schärfe gefällt besonders in den hellen Szenen, in den Nachtaufnahmen ist die Schärfe manchmal ein wenig weich.

Ebenso wie das Bild, weiß auch der Ton zu gefallen. Die Zuschauer bekommen hier eine gute Dialogwiedergabe geboten, so dass man dem Geschehen problemlos folgen kann. Immer mal wieder kommen auch die hinteren Boxen zum Einsatz, so dass ein schöner Raumklang gegeben ist.

Bonusmaterial

Das Bonusmaterial besteht aus dem Originaltrailer zum Film, einer kleinen Trailershow und einen schönen Blick hinter die Kulissen.

Kickboxer - Die Abrechnung

Man kann sich sicher sein: Wäre die Qualität von Kickboxer: Die Vergeltung noch schwächer ausgefallen, wir hätten uns trotzdem über die Existenz von Kickboxer - Die Abrechnung erfreuen dürfen. Und erfreuen darf man an dieser Stelle tatsächlich ernst nehmen, denn die Fortsetzung von Dimitri Logothetis, der auch das Drehbuch zum brettharten Kampfsport-Heuler beigetragen hat, ist nicht nur um eine Klasse besser als sein Vorgänger.

Erneut mit Alain Moussi in der Haupt- und Jean-Claude Van Damme in der Nebenrolle besitzt, wird Kurt Sloane von seiner Vergangenheit eingeholt und muss in Thailand beweisen, wie beständig er die Faust ballen und das Knie schwingen kann. Waren die Kämpfe im ersten Mal vor allem dröge in Länge gezogene Schlagabtäusche, überzeugt die Fortsetzung durch gekonnt durchorganisierte Bewegungsabläufe, die vor allem in einem dreiminütigen One-Shot, in dem sich unser Protagonist durch die Korridore eines Gefängnisses prügelt, voll zur Geltung kommen. Freilich ist auch Kickboxer - Die Abrechnung weit davon entfernt, eine guter Film zu sein, sprich, eine gewisse Rolle innerhalb des modernen Action-Films zu spielen.

Auffällig ist dabei, dass Kickboxer - Die Abrechnung ein weitaus ausgefeilteres Gespür für Dynamik und Physis besitzt.

Fazit

Insgesamt ist Kickboxer - Die Vergeltung ein unterhaltsamer Film für Action- und Kampfsportfans, der sich durch gelungene Hommagen an das Original und gut choreografierte Kämpfe auszeichnet. Trotz einiger Schwächen in der schauspielerischen Leistung und der Inszenierung bietet der Film kurzweilige Unterhaltung und ist ein Muss für Fans des Genres.