Die Debatte um Fairness bei Frauen-Wettbewerben begleitet den internationalen Sport nun schon einige Jahre, manche Weltverbände haben deshalb in den vergangenen Jahren Zulassungskriterien festgelegt. Das gilt beispielsweise im Schwimmen oder in der Leichtathletik. Dort wurden in den internationalen Regelwerken Grenzwerte für Testosteron festgeschrieben, die auch bei den Olympischen Spielen gelten.
Nun erhitzt ein Thema die Gemüter und spaltet die Gesellschaft: Bei den Olympischen Spielen in Paris nehmen im Boxturnier zwei Boxerinnen teil, die transsexuell bzw. intersexuell sind und bei den Frauen kämpfen! Konkret geht es um die beiden Boxerinnen Imane Khelif (intersexuell, Algerien) und Lin Yu-ting (transsexuell, Taiwan).
Der Fall Imane Khelif und Lin Yu-ting
Imane Khelif und Lin Yu‑ting waren bei der Box-WM 2023 ausgeschlossen worden, weil ihre DNA-Tests ergeben hatten, dass sie keine Frauen seien und XY-Chromosomen haben. Verschiedene Medien berichten, Khelif sei intersexuell. Weder von Khelif selbst, noch vom algerischen Olympischen Komitee gibt es dazu eine Aussage.
Es liegt die Vermutung nahe, dass sie ohne sichtbare männliche Sexualorgane zur Welt kam, aber aufgrund ihres männlichen Chromosomensatzes eine männliche Pubertät durchlaufen und sich dementsprechend körperlich männlich entwickelt hat. Der Internationale Boxverband (IBA) bestätigte damals: Zu gefährlich für die Gegnerin.
Die Teilnahme von Imane Khelif und Lin Yu-ting bei den Olympischen Spielen 2024 ist ein enormes Politikum.
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Die Entscheidung des IOC und die Kritik
IOC-Sprecher Mark Adams begründet die Entscheidung wie folgt: „Wir geben keine Kommentare zu Einzelfällen ab. Jede Starterin in den Frauenkategorien erfüllt die Teilnahmebedingungen. Sie sind laut ihres Passes Frauen. Sie haben seit vielen Jahren an Wettbewerben teilgenommen und sind nicht plötzlich aufgetaucht. Sie sind nach den Regeln des Verbands teilnahmeberechtigt.“
Was das IOC offenbar nicht verstanden hat, ist die unbestreitbare Tatsache, dass biologisch als Männer geborene Boxerinnen oder auch intersexuelle Boxerinnen physische Vorteilen gegenüber den biologischen Frauen haben, trotz vermeintlicher Transgeschlechtlichkeit oder Intersexualität, der Einnahme von Hormonen, durchgeführten OPs usw. Bei Vollkontaktsportarten, wie etwa dem (olympischen) Boxen, ist dies nicht nur ein erheblicher Vorteil, sondern kann eine lebensgefährliche Situation darstellen.
Deutliche Worte zu der zweifelhaften Premiere im Boxen fand Ex-Tennisprofi Martina Navratilova. „Die Frau verliert so oder so - wenn man kämpft, kann man sich schwer verletzen. Oder man kämpft aus Protest nicht, und viele Jahre des Trainings sind umsonst."
Reaktion des Internationalen Boxverbandes (IBA)
Der Boxverband ist „besorgt über die inkonsistente Anwendung der Teilnahmekriterien durch andere Sportorganisationen, darunter auch jene, die die Olympischen Spiele beaufsichtigen.
Die IBA disqualifizierte die Sportlerinnen Lin Yu-ting und Imane Khelif von den IBA Women's World Boxing Championships New Delhi 2023. Diese Disqualifikation war eine Folge ihrer Nichterfüllung der in den IBA-Regeln festgelegten und festgelegten Teilnahmekriterien für den Frauenwettbewerb. Diese Entscheidung, die nach sorgfältiger Prüfung getroffen wurde, war äußerst wichtig und notwendig, um das Maß an Fairness und größtmöglicher Integrität des Wettbewerbs aufrechtzuerhalten. Zu beachten ist, dass die Sportlerinnen keiner Testosteronuntersuchung unterzogen wurden, sondern einem gesonderten und anerkannten Test, dessen Einzelheiten vertraulich bleiben. Dieser Test ergab schlüssig, dass beide Sportlerinnen die erforderlichen Teilnahmekriterien nicht erfüllten und im Vergleich zu anderen weiblichen Teilnehmerinnen Wettbewerbsvorteile hatten.“
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Die ethische Problematik
Seit Jahren versuchen Sportlerinnen, sich gegen die Teilnahme von Transfrauen zu wehren. Sie werden dafür postwendend als „transphob“ gebrandmarkt und laufen Gefahr, wichtige Sponsoren zu verlieren. Sie verlieren Chancen auf Titel, jahrelanges hartes Training ist für die Katz. Auch Angela Carini trainierte jahrelang für ihre zweite Olympia-Teilnahme.
Auch der Fall der südafrikanerischen Läuferin Caster Semenya sorgte für heftige Diskussionen. Semenya wurde, wie Boxerin Imane Khelif, bei der Geburt als Mädchen eingetragen. Sie ist jedoch intersexuell, hat also ebenfalls XY-Chromosomen und schlug aufgrund ihrer hohen Testosteronwerte ihre Gegnerinnen um Längen. "World Athletics" beschloss daraufhin, dass Semenya ihren Trestosteronspiegel medizinisch an den durchschnittlichen Wert von Frauen anpassen müsse. Caster Semenya klagte dagegen und verlor mehrmals.
Warum das IOC nun gerade beim Boxen, dem martialischsten Sport aller Olympia-Disziplinen, die Regeln aufweicht, ist schlicht nicht zu begreifen.
Die Athletinnen im Fokus
Während Khelif am kommenden Donnerstag in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm gegen die Italienerin Angela Carini antritt, kämpft Yu-ting am Freitag in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm. Khelif und Lin sehen sich derweil massiven Anfeindungen ausgesetzt.
In einem Interview erinnerte Khelif daran, dass das Schüren solcher Debatten bei den Betroffenen Spuren hinterlässt: "Es kann Menschen zerstören. Es kann die Gedanken, den Geist, den Verstand der Menschen töten. Sie entzweien.
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