Katas im Shotokan Karate: Eine detaillierte Übersicht

Kata ist neben Kihon und Kumite eine der drei Säulen des Karate und bedeutet soviel wie Form, Modell, Standard. Dies ist rein äußerlich gesehen eine festgelegte Abfolge von Techniken. Sie enthält die Erfahrungen der alten Meister unserer Kampfkunst. Die Anzahl der Shotokan-Kata wird unterschiedlich benannt. Die Namen der Kata wurden von G. Funakoshi vom Okinawa-Dialekt in die japanische Aussprache übersetzt.

Bedeutende Katas im Shotokan-Karate

Bassai Dai

Bassai Dai gilt im Karate als eine der ältesten Kata. Bassai heißt übersetzt "die Mauer zerstören" oder "Erstürme die Festung". Dementsprechend kraftvoll soll auch die Kata vorgeführt werden. Sie lässt sich auf die okinawanischen Tōde-Katas zurückführen. Man geht davon aus, dass sie in ihrer Urform bereits im späten 13. Jahrhundert durch chinesische Meister gelehrt wurde und in Folge der Handelsbeziehungen nach Okinawa kam. Bassai Dai gehört zur Gruppe der Shorin-Kata, deren Trainingszweck es ist, die Schnelligkeit des Karateka zu verbessern. Hauptmerkmal der Kata ist, dass die einzelnen Techniken sehr schnell und kraftvoll ausgeübt werden. Sie enthält viele defensive Block- und Hebeltechniken und vergleichsweise wenige Beintechniken. Mit rund 40 Einzeltechniken ist Bassai Dai eine der längeren Katas. Im Shotokan-Stil werden zwei Varianten der Bassai geübt: die Bassai-dai und die Bassai-sho. Das Suffix "dai" bedeutet "groß" und kennzeichnet somit die große Variante der Bassai, während das Suffix "sho" "klein" bedeutet und eine kleinere Variante der Bassai bezeichnet.

Bassai Sho

Bemerkenswert zur Bassai-sho ist eine Entwaffnungstechnik gegen einen vertikalen Stockangriff, denn Entwaffnungstechniken kommen nicht in jeder Kata vor.

Kanku-Dai

"Himmelsschau - groß", die längste und eine der wichtigsten Kata des Shotokan-Karate.

Wanshu

Sappushi Wanshu kam 1683 als einer der ersten Chinesen nach Okinawa (Tomari). Er lehrte eine Karate-Kata, die nach seinem Namen benannt wurde (Wanshu). Es wird davon ausgegangen, dass der Tode-Meister Sanaeda für dessen Verbreitung auf Okinawa sorgte. Der ursprüngliche chinesische Name war Kuan Yin Yang Pao Lit. Die alte Wanshu existierte nur in der Tomari-Gegend. Diese Tatsache wird auch durch Gichin Funakoshi in seinem ersten Buch Ryu Kyu Kempo Karate bestätigt.

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Empi

Empi bedeutet "Flug der Schwalbe" und war eine Namensgebung von Funakoshi Sensei in den 1930er Jahren, als er alle chinesischen Kanji aus politischen Gründen änderte. Der Name bezieht sich auf das Embusen (Schrittdiagramm), da hier sehr viele abrupte Richtungswechsel mit einer ständigen Hüftverlagerung gefordert sind. Hier drängt sich der Vergleich mit einer Schwalbe auf, die ihre Flughöhe und Richtung im Flug schlagartig und permanent ändert. Empi ist eine der wichtigsten und ältesten Shotokan Kata. Der Schöpfer der Kata war Meister Wansyu. Sie gehört zum Shorin. Der Name bedeutet "Flug der Schwalbe" und so bewegt sich der Körper auf und ab und dreht sich weg in der Kata. eintauchende Tsuki, Ausweichen sind.

Jion

"Liebe und Güte". Die Kata hat ihren Ursprung in China und wurde von der Tomari-Region auf Okinawa ausgehend verbreitet. Man verbindet sie mit den Künsten des Shaolin, weil die zweite Bereitschaftsstellung der Jion identisch mit dem Gruß der Shaolin ist. Die Bezeichnung der Jion ist gleich der Shaolin, daher vermutet man, dass diese Kata ihren Ursprung dort haben könnte. Die Kata stammt aus dem Jion-Tempel in China und der Shorei-Schule und wurde von der Toman Region aus verbreitet. Der Name meint "Tempelklang" oder "Liebe und Güte".

Hangetsu

"Halbmond", bestehend aus 41 Einzeltechniken. Sie wurde aus dem okinawanischen Naha-Te übernommen, wo sie - aus China stammend - unter dem sino-japanischen Namen Seisan aus China stammend praktiziert wurde. Den Namen Hangetsu erhielt sie von dem Stilrichtungsbegründer Funakoshi Gichin, der mit dem Namen auf die gleichnamige Stellung der Füße hinweist, der in der Kata eine zentrale Rolle zukommt. Dabei werden die Füße circa 45 Grad nach innen gedreht und die Knie bei gleichzeitiger Außenspannung der Beinmuskulatur leicht nach innen gekippt. In dieser Schrittstellung Hangetsu-dachi (Halbmondstand) bewegt man sich vorwärts, indem ein Fuß eine halbmondförmige Bewegung beschreibt. Sie beinhaltet zeitgleiche Bewegungen von Hand und Fuß, die Halbkreisbewegungen beschreiben. Mit ihren 41 Bewegungen ist sie schwierig. Der Name bedeutet "13 Hände" oder "Halbmond". Die Kata stammt aus Naha-te und dem Shorei; als Schöpfer wird Meister Matzumura (Meister Azatos) genannt.

Jitte

Jitte oder auch Jutte bedeutet "Zehn Hände" wird geübt in den Stilen Shōtōkan und Shōtōkai, welche beide auf Funakoshi Gichin zurückzuführen sind. Der Begriff Jitte bezeichnet außerdem eine japanische Variante des Sai, einer gabelförmigen aus China stammenden Waffe, die zum Bereich des aus Okinawa stammenden Kobudō zählt. Der Name bedeutet "Tempelhand" und in Japan "10 Hände". Die Kata stammt aus der Toman Region und der Shorei-Schule. Schöpfer war Meister Gusukuma (Meister Azatos). Abwehrtechniken gegen Bo (=Stock) und ist für Fortgeschrittene.

Gangaku

"Kranich auf dem Felsen" oder älter Chintō. "Kranich, der auf dem Felsen steht" oder "Kämpfer gegen Osten" bedeutet der Name. Der Schöpfer war Meister Itosu oder Meister Matsumora, der Gründer des Toman-te. wichtige Kata, die das Gleichgewicht auf einem Bein zu halten lehrt. Sie besteht aus 42 Bewegungen und ist schwierig.

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Ji'in

"Liebe und Schatten, Mitgefühl und Unterstützung", auch transskribiert als Jiin. "Tempelboden" oder "Liebe und Schatten" bedeutet der Name. Sie stammt sehr wahrscheinlich aus dem Toman-te vom Schöpfer Meister Gusukuma (Meister Azatos). für Fortgeschrittene und von durchschnittliche Schwierigkeit.

Sochin

"Stärke und Ruhe" oder (seltener) "Krieg und Frieden". Der Name impliziert bereits die ruhigen und kraftvoll dynamischen Techniken. Die Kata entstammt ursprünglich der Aragaki-Schule (Naha-Te), wurde jedoch im Laufe der Zeit oft geändert, so dass es heute verschiedene Versionen gibt. Die Shotokan-Version der Sochin wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts von Yoshitaka Funakoshi entwickelt und hat mit der Aragaki-Sochin nicht mehr viel gemeinsam. Der Stand ist hier meistens Sochin-Dachi (gelegentlich auch als Fudo-Dachi bezeichnet), eine Kraftstellung zwischen Zenkusu-Dachi und Kiba Dachi. Besonders der Mittelteil der Kata (Mikazuki-Geri Jodan aus der Drehbewegung) erfordert ein sehr gutes Gleichgewichtsgefühl. Der Legende nach soll die Kata Sochin auch "Die Kata des Alten Mannes" sein: Ein alter Mann lud einst Funakoshi Gichin ein, doch Meister Funakoshi war zu der Zeit beschäftigt, also schickte er seinen Sohn Yoshitaka nach Okinawa. Der alte Mann war hocherfreut über seinen Besuch, verschloss Türen und Fensterläden, sodass niemand von außen in sein Haus hineinsehen konnte. "Der große Sieger", später "Ruhige Kraft" oder "Stärke und Ruhe" bedeutet die Kata. Der Schöpfer war eventuell Meister Aragaki oder Meister Motobu.

Nijūshiho

"24 Schritte", auch Niseshi, wird im Shōtōkan und Shitō-Ryū praktiziert. Nijūshiho ist eine Kata der Niigaki-Schule, deren Ursprünge im chinesischen Baihequan (Weißer-Kranich-Stil) liegen. Sie wurde vom Kampfkunstmeister Aragaki Seisho, der in seiner Funktion als Übersetzer für Chinesische Sprache des Ryukyu-Hofes oft nach China reiste, nach Okinawa gebracht. "24 Schritte" bedeutet der Name. Sie entstammt der Niigaki-Schule, und der Schöpfer war wahrscheinlich Meister Aragaki-Mabuni.

Wankan

die ""Königskrone" wurde von Yoshitaka Funakoshi ins Shotokan-Karate eingeführt und ist mit 16 Bewegungen die kürzeste Kata dieser Stilrichtung. Ihr Ursprung liegt im Tomari-Te (Shō rei-Schule), einem Vorläufer des modernen Karate aus dem 19. Jahrhundert. Gichin Funakoshi nannte sie Matsukaze ("Pinienwind") sowie Hito ("fliegende Wolke"). In dieser Kata wird nur ein Kiai gesetzt. Als besondere oder königliche Technik gilt Koku Uke ("Tigermaulabwehr"), die in einem Kniehebelwurf endet. "Krone des Königs" oder "König und Krone" bedeutet der Name. Die Kata stammt aus Toman und der Shorei-Schule. Der Schöpfer war Meister Matzumura oder Itosu. Kiai und nur 16 Bewegungen ist relativ schnell zu lernen.

Gojūshiho Dai

"Große Kata der 54 Schritte" ist, wie ihr "kleiner" Verwandter, die Gojūshiho Shō, eine fortgeschrittene Meisterkata des Karate. Sie ist noch etwas anspruchsvoller als die kleine Variante, denn sie enthält neben den schon komplizierten Techniken der Shō weitere Techniken, wie zum Beispiel Keito-Uke und Washite Otoshi Uchi, die mit der offenen Hand ausgeführt werden und deswegen eine sehr große Spannung benötigen, um ihre gesamte Wirkung zu entfalten.

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Unsu

Die "Wolkenhand" wird sie sowohl in der Stilrichtung Shōtōkan, als auch im Shitō- und Shōrei-ryū, wobei im Shitō-ryū die meist die Bezeichnung Unshu verwendet wird. In der auf Funakoshi Gichin zurückgehenden Stilrichtung Shōtōkan ist Unsu die höchstentwickelte Kata. Ihren Weg in diese Stile fand die Kata über Mabuni Kenwa, einen Freund Funakoshis, der ihn die Variante seines Shitō-ryū lehrte. Die Kata wurde dann von Funakoshi an seinen Stil angepasst und gilt seitdem, obwohl sie mit 90 Sekunden Dauer nicht die längste Kata dieser Stile ist, als die schwierigste. Der Name bedeutet "Hand in den Wolken" oder "Wolkenkampf". Die Herkunft ist unklar, vermutlich keine alte Kata, aber es wird auch Meister Aragaki-Mabuni als Schöpfer genannt. Kata; sie ist sehr schwierig und gehört zur Niigaki-Schule.

Die Heian-Kata

Die Heian-Kata’s sind eine Gruppe von fünf Kata’s, die die wichtigsten Bewegungsprinzipien und Grundtechniken des Shotokan-Karate enthalten.

Taikyoku Shodan

Diese Kata ist keine eigentliche Heian Kata. Sie wurde als Vereinfachung aus der Kata Heian Shodan entwickelt und wird als erste Kata vermittelt. Sie dient dazu die Schüler in das Wesen einer Kata einzuführen.

Heian Shodan

Sie enthält die zwei Grundstellungen Zenkutsu-Dachi und Kokutsu-Dachi. Sie schult hauptsächlich die Abwehrtechniken (Uke) Gedan-Barai, Age-Uke und Shuto-Uke und beginnt mit Zenkutsu-Dachi. Die erste Heian Kata. Sie ist Bestandteil der Prüfung zum 5.Kyu (1. Kyu = niedrigster Schülergrad).

Heian Nidan

Die Schrittfolgen der Kata ähnelt der Heian-Shodan. Das wichtigste Merkmal der Heian-Nidan sind die Gyaku-Techniken. Auch kommen hier erstmals Fußtechniken wie Yoko-geri-keage und Mae-geri zum Einsatz. Ihre Eröffnung ähnelt der Heian Nidan. Sie wird durch verschiedene doppelte Abwehrformen gekennzeichnet.

Heian Sandan

In dieser Kata wird die Grundstellung Kiba-dachi erstmalig gezeigt und eine erste doppelte Abwehrtechnik. Hier werden auch die ersten Fußabwehrtechniken demonstriert, einmal den Hiza Geri oder den Mikazuki Geri uke. Sie dient auch als Basis für die späteren Tekki-Kata’s.

Heian Yondan

Heian Yondan ist die Vierte der Heian-Kata’s.

Heian Godan

Sie ist die letzte und umfangreichste der Heian-Kata’s und enthält eine Vielzahl der erlernten Grundtechniken. Als außergewöhnliches Element enthält Sie eine Sprungtechnik. Die Kata ist Bestandteil der Prüfung zum 4.Kyu (2. Kyu).

Die Tekki-Kata

Die Tekki-Kata’s sind eine Gruppe von drei Kata’s - Tekki-Shodan, Tekki-Nidan und Tekki-Sandan. Ihr wichtigstes Merkmal ist die Stellung Kiba-dachi. Die Schrittreinfolgen der drei Kata’s verläuft seitwärts. Die Kata’s wurden von Itosu Anko aus der Naihanchi Kata entwickelt und in 3 Teile zerlegt um diese leichter zu vermitteln. Funakoshi hat den Namen der Katas später von Naihanchi in Tekki geändert.

Tekki Shodan

Tekki bedeutet "Seitwärtskämpfen", "Eisenreiter" oder "Eisenpferd" und ist dem Shorei zuzuordnen. Der Schöpfer von Tekki Shodan war Meister Matsumura.

Tekki Nidan

Der Schöpfer von Tekki Nidan war Meister ltosu.

Tekki Sandan

Der Schöpfer von Tekki Sandan war Meister ltosu.

Kategorisierung der Shotokan-Kata nach Grad

Die Shotokan-Kata werden üblicherweise in drei Gruppen unterteilt, basierend auf dem Grad des Karateka:

  1. 1. Gruppe: Bis 1. Dan
    • Taikyoku Shodan
    • Heian Shodan (Nr. 1)
    • Heian Nidan (Nr. 2)
    • Heian Sandan (Nr. 3)
    • Heian Yondan (Nr. 4)
    • Heian Godan (Nr. 5)
    • Tekki Shodan (Nr. 1)
    • Bassai-Dai
    • Jion
    • Empi
    • Kanku-Dai
    • Hangetsu
  2. 2. Gruppe: Schwarzgurte
    • Tekki Nidan (Nr. 2)
    • Jitte
    • Gangaku
    • Sochin
    • Nijushiho
    • Chinte
  3. 3. Gruppe: Zusätzliche Kata für Schwarzgurte
    • Tekki Sandan (Nr. 3)
    • Bassai Sho
    • Kanku-Sho
    • Ji’in
    • Meikyo
    • Wankan
    • Unsu
    • Gojushio-Sho
    • Gojushio-Dai

Zusätzliche Informationen

Zum Verständnis der Abläufe aller Shotokan-Katas einschließlich Erklärungen empfehlen wir die Illustrationen von Alfred Heubeck.