In den Kampfkünsten bedeutet der Begriff Kata so viel wie „Form“ und steht für eine genau festgelegte Serie von Techniken, in denen die Methoden und Kampfstrategien gegen einen Angreifer verschlüsselt sind. Im Bereich Kata werden die erlernten Techniken, Schritte und Stände nach einem definierten Bewegungsablauf zusammengeführt.
Die Kata im Shotokan-Karate, wie auch in anderen Stilen, sind alte überlieferte Formen, die diesem festen Bewegungsablauf streng folgen. Dabei spielen viele Faktoren wie z.B. die richtige Atmung, das Timing, die saubere Ausführung der Techniken und die Blickrichtung eine wichtige Rolle. Die Katas unterscheiden sich nicht nur in ihren Schwierigkeitsgraden, sondern erzählen dabei auch eine oft versteckte Geschichte unserer Kampfkunst. Sie ist somit eigentlich der „Kampf“ gegen imaginäre Gegner und somit weitaus mehr als nur ein zusammenführen einzelner Techniken.
Im Kihon, der „Grundschule“ des Karate, wird die Basis für die korrekte technische Ausführung und für das Gesamtverständnis gelegt. Hier dreht sich alles um das Erlernen und stetige Verbessern von Tritt-, Stoß- und Schlagtechniken, sowie von Ständen, Schritten und Stellungen. Durch das Kihon-Training lernt der Karateka die Kontrolle über sich und seinen Körper, damit er letztlich die Technik präzise und sauber mit der nötigen Intensität, Genauigkeit, Spannung und Atmung durchzuführen im Stande ist. Hier wird insbesondere sehr viel Wert auf Krafteffizienz, auf Anspannung und Entspannung in und während der Technik gelegt.
Im Kumite findet der tatsächliche Kampf gegen einen „Gegner/Trainingspartner“ mit entsprechenden Regeln statt. Die höchste Form des Kumite ist der freie Kampf im Wettkampf. Hier wird eine Entscheidung durch ein Punktesystem herbeigeführt.
Die 27 Shotokan Kata
Hier findest du eine Übersicht der 27 Shotokan-Kata und Hintergrund-Informationen dazu.
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Man unterscheidet zwischen:
- Shitei kata: Pflicht-Kata, welche für das jeweilige Level erlernt werden muss.
- Tokui kata: eine individuelle Kata („Lieblingskata oder Freikata).
Die Heian-Katas sind Basis-Katas in welchen die Grundlegenden Formen und Techniken gelernt werden. Je nach Kata findest du ein Embusen (Schrittdiagramm), Katavideo und Bunkaivideo (Anwendung) zu der jeweiligen Kata.
Übersicht der 27 Shotokan Kata
- 1. Gruppe: bis 1. Dan
- Taikyoku Shodan (Erster Ursprung)
- Heian Shodan (Friedlicher Geist 1)
- Heian Nidan (Friedlicher Geist 2)
- Heian Sandan (Friedlicher Geist 3)
- Heian Yondan (Friedlicher Geist 4)
- Heian Godan (Friedlicher Geist 5)
- Tekki Shodan (Eisenreiter 1)
- Bassai-Dai (Große Festung stürmen)
- Jion (Liebe und Güte)
- Empi (Fliegende Schwalbe)
- Kanku-Dai (Großer Blick in den Himmel)
- Hangetsu (Halbmond)
- 2. Gruppe: Schwarzgurte
- Tekki Nidan (Eisenreiter 2)
- Jitte (Zehn Hände)
- Gangaku (Kranich auf dem Felsen)
- Sochin (Kraft und Ruhe)
- Nijushiho (24 Schritte)
- Chinte (Seltsame Hände)
- 3. Gruppe: zusätzliche Kata für Schwarzgurte
- Tekki Sandan (Eisenreiter 3)
- Bassai Sho (Kleine Festung stürmen)
- Kanku-Sho (Kleiner Blick in den Himmel)
- Ji’in (Tempelboden oder Mitgefühl)
- Meikyo (Klarer Spiegel)
- Wankan (Königliche Krone)
- Unsu (Wolkenhand)
- Gojushio-Sho (54 Schritte, klein)
- Gojushio-Dai (54 Schritte, groß)
Ausgewählte Shotokan Kata im Detail
Taikyoku Shodan (Erster Ursprung)
Taikyoku Shodan ist die universelle Grundkata in welcher die Grundlegenden Bewegungen des Karatedo geübt werden. Die Kata besteht nur aus den Techniken Gedan Barai und Oi Tsuki. Dauer ca. 22 Sek.
Heian Shodan (Friedlicher Geist 1)
Die erste Kata der Heian-Gruppe (Heian = Friedvoller Geist) ist die Heian Shodan. Sie schult die Abwehrtechniken Gedan-Barai, Jodan Age-Uke und Shuto-Uke. Chudan Oi-Zuki und Tettsui-Uchi werden als Angriffstechniken verwendet. Alle Techniken werden in den Stellungen Zenkutsu-Dachi und Kokutsu-Dachi ausgeführt. Dauer ca. 25 Sek.
Heian Nidan (Friedlicher Geist 2)
Das Wesen der Kata ist das Gyaku-Prinzip. Im Gegensatz zur Heian Shodan, die den geradlinigen Einsatz der Hüfte lehrt, schult die Heian Nidan den Einsatz der gegenseitigen Hüfte. In der Anwendung übt sie Distanz. Dauer ca. 30 Sek.
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Heian Sandan (Friedlicher Geist 3)
Die Heian Sandan ist die dritte Kata der Heian-Gruppe. Ihr Bewegungen sind die Basis für die späteren Kata Tekki, Jion, Jitte und Ji’in. Die Kata enthält viele Techniken für den Nahkampf und schult vor allem die Stellung Kiba-Dachi. Ziel der Kata ist vor allem das Erlernen des Gebrauchs des vorderen Armes gegen Angriffe zum Körper, besonders die richtige Haltung des Ellenbogens immer etwa eine Faustbreite vom Oberkörper. Außerdem das Beherrschen des richtigen Standes im Kiba-Dachi und der Einsatz des Körpers (Tai Sabaki) beim gleichzeitigen Gleiten der Füße (Yori-Ashi). Dauer ca. 30 Sek.
Heian Yondan (Friedlicher Geist 4)
Die Heian Yondan ist die vierte Kata der Heian-Gruppe. Ihr Ablauf ist durch eine grosse Dynamik gekennzeichnet, durch das Studium der doppelten Abwehrformen und den Gebrauch von Fusstechniken. Dauer ca. 30 Sek.
Heian Godan (Friedlicher Geist 5)
Die Heian Godan ist die fünfte und letzte Kata der Heian-Gruppe. In ihr vereinigen sich mehrere Grundprinzipien des Karate: Mizu nagare no kamae stellt ein bedeutendes Prinzip der Abwehrtechniken dar, wechselnde Abwehrformen zwischen Gedan, Chudan und Jodan, Ergreifen des gegnerischen Arms und Kontern, Kontertechnik mit Blickwechsel, Vermeiden eines Angriffs durch einen Sprung, Abwehren und Kontern (Tai sabaki) mit Nagashi-Techniken, die klassische Kamaekata Manji gamae usw. Durch die Vielfalt der Techniken lehrt diese Kata bereits einen umfangreichen Kampfstil. Gleichzeitig stellt ihre Ausführung jedoch hohe Ansprüche an Rhythmus und Timing. Die Kata kombiniert abwechselnd schnell aufeinanderfolgende Bewegungen mit schnell ausgeführten Techniken. Dauer ca. 35 Sek.
Tekki Shodan
Heute ist Tekki (Eisenreiter, seitwärts kämpfen) eine aus drei Kata bestehende Gruppe (Tekki Shodan, Tekki Nidan und Tekki Sandan), deren besonderes Merkmal die Stellung Kiba dachi und die Seitwärtsbewegung (Yoko ichimonji) ist. Alle drei sind Weiterentwicklungen der alten Naihanchi. Auf Okinawa übt man sie heute in Tomari und in Shuri. Durch die Stellung Kiba dachi und den seitlichen Überkreuzschritt (Yoko sasha ashi) entwickelt sie einen besonders festen Stand und ein gutes Gefühl für die aufrechte Haltung des oberen Körpers.
Bassai Dai
Die Bassai (Bassai - Sturm auf die Festung, Die Mauern zerstören) war eine der ersten chinesischen Kata-Formen auf Okinawa. Sie fand zweimal voneinander unabhängige Wege nach Okinawa. Einmal durch Meister OYADOMARI PEICHIN (Oyadomari no passai), der der innere Schüler von SHIONJA, einem Experten der südlichen chinesischen Stile, war. Zum Anderen durch Meister MATSUMURA NABE (Matsumura no passai), der die noch heute als höchstentwickelt geltende Passai-Variante Okinawas entwickelte. Meister ITOSU YASUTSUNE veränderte sie nach seinen Vorstellungen und gründete noch eine zweite Variante. Um sie voneinander zu unterscheiden, nannte er die erste Bassai Dai und die andere Bassai Sho. Die Itosu-Variante (Itosu no passai) war der Ursprung für die japanische Kata Bassai Dai (Sturm auf die Festung - Gross) und Bassai Sho (Sturm auf die Festung - Klein). Sie verbreitete sich vor allem über Meister FUNAKOSHI GICHIN und MABUNE KENWA. Beide Kata zeichnen sich durch einen entschlossenen Kampfgeist und durch kraftvolle Vitalität aus. Man soll sie in Würde vortragen. In ihnen ist die Beherrschung der Ruhe in der Bewegung und im Wechsel zum plötzlichen entschlossenen Handeln von großer Bedeutung. Dauer ca. 60 Sek.
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Jion
Die Jion (Liebe und Gnade, Tempelklang) ist eine typische Shotokan-Kata und ist in den meisten anderen Ryu unbekannt. Man glaubt, dass Jion, Jitte und Ji’in in der Itosu-Schule aus Shuri keine bedeutende Rolle spielten. Später jedoch übertrugen diese Kata sich über Meister GICHIN FUNAKOSHI ins Shotokan ryu, wo Jion und Jitte in die engere Wahl des Meisters fielen. Die Bezeichnung Jion ist identisch mit „Shaolin“. Die zweite Bereitschaftsstellung Jiai no gamae ist identisch mit dem Gruß, den die Shaolin-Mönche untereinander gebrauchten. Da die Kata denselben Namen trägt, vermutet man, dass sie den Kampfstil der Mönche repräsentiert und somit bis an den Ursprung der Kampfkünste zurückführt. Jion bedeutet in einer anderen Übersetzung „Liebe und Gnade“. Man spricht der Kata einen tiefen psychologischen Sinn zu und sagt, dass ihre richtige Ausführung der vollendeten Reife eines Buddha gleicht. Ihre Übung vermittelt die vollkommene Harmonie in der Bewegung, das Gleichgewicht des Geistes und führt zu einem direkten, wirkungsvollen Kampfstil. Durch die Silbe „Ji“ weist die Jion eine Verwandtschaft mit den Kata Jitte und Ji’in auf, wodurch sie heute mit den beiden in einer Kata-Gruppe klassifiziert wird. Dauer ca. 60 Sek.
Empi
Ihr okinawanischer Name lautet Wanshu und ist eine der ältesten Kata im Shotokan ryu. Die Bezeichnung Empi (Flug der Schwalbe), wurde ihr von Meister FUNAKOSHI GICHIN in den dreißiger Jahren in Japan gegeben. Der Name bezieht sich auf die Ähnlichkeit ihrer Form mit den fröhlichen und unbeschwerten Flug der Schwalbe. Dies kommt hauptsächlich von den dauernden Verlagerungen der Hüfte von oben nach unten, den in vielen schnellen Richtungsänderungen und der virtuosen Technik. Ein wichtiges Merkmal der japanischen Enpi ist die Technik Age zuki. Diese wurde aus dem Kakushi zuki der ursprünglichen Wanshu entwickelt. Kakushi zuki heißt „versteckter Fauststoss“ und wird mit der Faust hinter dem Rücken beginnend ausgeführt. Da dadurch der Ellbogen in der Auführung nach vorne kommt, entsteht auch im Kakushi zuki ein leichtes Schnappen aus dem Ellbogengelenk.
Hangetsu
Hangetsu - Halbmond, Dreizehn Hände Hangetsu ist eine japanische Kata, die ursprünglich aus dem okinawischen Shorei ryu stammt. Das Original (auf Okinawa Sesan) wurde von MATSUMURA SOKONs Frau aus den Shorei-Stilen übernommen und für das Shorei ryu verändert. Sesan wurde schließlich vom Meister FUNAKOSHI GICHIN in die 15 grundlegenden Kata des Shotokan ryu aufgenommen und in Japan in Hangetsu umbenannt. Die Bezeichnung stammt von den halbmondförmigen Bewegungen der Füße (Hangetsu hoko), durch die man sich in der Kata bewegt. Obwohl im Shotokan ryu die Goju-Atmung (Ibuki) selten gebraucht wird, übt sie dennoch die Kraft und Ausdauer des Körpers. Die Kata vermittelt ein ausgezeichnetes Gefühl für die Festigkeit des Standes und die korrekte Haltung des oberen Körpers.
Kanku Dai
Kanku - Blick in den Himmel, In den Himmel schauen Kanku ist die japanische Kata-Variante der okinawischen Kushanku. KUSHANKU war der Name eines chinesischen Kampfkunstexperten, der im Jahre 1756 als Gesandter des chinesischen Ming-Kaisers nach Okinawa kam. Kushanku hatte zwei Schüler: CHATAN YARA und den Tôde-Meister SAKUGAWA, der jedoch die ursprüngliche Kushanku veränderte. Schließlich gelangte die Sakugawa no kushanku über MATSUMURA SOKON in die Itosu-Schule. Meister ITOSU YASUTSUNE änderte wiederum die Kata nach eigenen Vorstellungen (Itosu no kushanku) und benannte sie Kushanku Dai. Er gründete jedoch noch eine zweite und eine dritte Kushanku-Variante. Die zweite nannte er Kushanku sho, die sich besonders stark über seinen Schüler CHOSHIN CHIBANA im Kobayashi ryu verbreitete. Die dritte Kushanku-Variante ist die Shiho Kushanku, in der er Elemente beider Varianten vereinigte. Sie hat sich jedoch in keinem Stil wirklich durchgesetzt. Im Shotokan ryu kennt man Kanku dai (Blick in den Himmel - gross) und Kanku sho (Blick in den Himmel - klein). Der Name Kanku wurde von Meister FUNAKOSHI GICHIN eingeführt. Kanku schult eine umfangreiche Technik und einen umfassenden Kampfstil. Sie enthält viele Arten der Bewegung, die abwechselnd schnell und langsam ausgeführt werden. In ihrem Ablauf wechselt die Technik häufig zwischen dynamischem und leichtem Krafteinsatz. Dauer ca. 90 Sek.
Tekki Nidan
Tekki - Eisenreiter, Seitwärts kämpfen Heute ist Tekki eine aus drei Kata bestehende Gruppe (Tekki Shodan, Tekki Nidan und Tekki Sandan), deren besonderes Merkmal die Stellung Kiba dachi und die Seitwärtsbewegung (Yoko ichimonji) ist. Alle drei sind Weiterentwicklungen der alten Naihanchi. Auf Okinawa übt man sie heute in Tomari und in Shuri. Durch die Stellung Kiba dachi und den seitlichen Überkreuzschritt (Yoko sasha ashi) entwickelt sie einen besonders festen Stand und ein gutes Gefühl für die aufrechte Haltung des oberen Körpers. Dauer ca. 30 Sek.
Jitte
Jitte - Zehn Hände, Tempelhand Die heutige Übersetzung der Kata mit „10 Hände“ ist erst in Japan entstanden. „Ji“ bedeutet „Liebe“ oder „Gnade“, weshalb die eigentliche Übersetzung „Technik der Gnade“ lautet. Im Shotokan ryu wird diese Kata gegen den Stock angewendet. Sie besteht nur aus Abwehrtechniken und legt in der Übung besonderen Wert auf die Koordination zwischen Hüft- und Extremitätenbewegung, auf die Position der Ellbogen in den Endstellungen und auf die richtige Spannung der seitlichen Rumpfmuskeln, über die die Verbindung zwischen Technik und Hara hergestellt wird. Dauer: ca 60 sek.
Gankaku
Gankaku - Kranich auf dem Felsen, Seite des Sonnenaufgangs Gankaku ist eine japanische Kata mit dem Ursprung in der okinawanischen Chinto. Der Kampfstil der Gankaku ist anspruchsvoll mit abwechselnd flüssigen, schnellen Bewegungsfolgen und einer in Ruhe verharrenden Haltung. Er vermittelt eine konzentriert entspannte Geisteshaltung, durch die der Gegner richtiggehend hypnotisiert wird. Ihre Techiken richten sich zu den Vitalpunkten (Jintai kyusho) des Körpers. Man stelle sich den Kranich vor, wie er bewegungslos auf einem Bein steht, seinen Gegner beobachtet und dessen Angriff nur dadurch verhindert, dass er sich mit einer undurchdringlichen Aura von Überlegenheit umgibt. Geist und Körper verharren vollkommen bewegungslos und warten darauf, dass der Gegner sich eine Blöße gibt. Dann greift er plötzlich und überraschend selbst an. Diese hohe Kunst des Kämpfens wird in der Gankaku gelehrt. Dauer: ca 60 sek.
Sochin
Sochin - Stärke und Ruhe, Ruhige Kraft Meister FUNAKOSHI GICHIN nahm die Sochin nicht in die engere Auswahl seiner stilspezifischen Kata auf. Sie wurde erst von seinem Sohn FUNAKOSHI YOSHITAKA in den Stil gebracht und anschliessend verbreitet. Im Shotokan ryu nannte man sie eine Zeit lang Hakko, eine Bezeichnung, die heute nicht mehr gebraucht wird. Im Yoshitakas Shotokan ryu gewann sie besonders durch die Entwicklung des freien Kampfes an Bedeutung, da man dort von den klassischen Kata-Stel... Im Bereich Kata werden die erlernten Techniken, Schritte und Stände nach einem definierten Bewegungsablauf zusammengeführt. Die Kata im Shotokan-Karate, wie auch in anderen Stilen, sind alte überlieferte Formen, die diesem festen Bewegungsablauf streng folgen. Dabei spielen viele Faktoren wie z.B. die richtige Atmung, das Timing, die saubere Ausführung der Techniken und die Blickrichtung eine wichtige Rolle. Die Katas unterscheiden sich nicht nur in ihren Schwierigkeitsgraden, sondern erzählen dabei auch eine oft versteckte Geschichte unserer Kampfkunst. Sie ist somit eigentlich der „Kampf“ gegen imaginäre Gegner und somit weitaus mehr als nur ein zusammenführen einzelner Techniken.
Ji'in
Ji'in (Liebe und Schatten, Mitgefühl und Unterstützung), auch transskribiert als Jiin, ist eine Kata im Karate.
Wettkampfdisziplinen im Karate
Es gibt zwei Wettkampfdisziplinen:
- Kata: Kampf gegen imaginäre Gegner
- Kumite: Freikampf
In diesen gibt es wiederum Einzel- und Team-Wettbewerbe, getrennt nach Geschlecht.
Modus
Die Wettkämpfe werden in beiden Disziplinen im K.O.-System mit Trostrunde ausgetragen. Das heißt, es treten immer zwei Wettkämpfer bzw. Trostrunde Diejenigen, die gegen die im Folgenden ermittelten Finalisten ausgeschieden sind, kämpfen in der Trostrunde um den dritten Platz bzw. Aka und Ao Ein Wettkämpfer bzw. Team trägt den roten Gürtel (jap. Aka), der/das andere den blauen Gürtel (jap. Ao). Der Graduierung entsprechende Gürtel werden im Wettkampf nicht getragen. Die Kampfrichter haben entsprechend je eine rote und eine blaue Flagge, um den Sieger (Kata) bzw. Kleiderordnung Die offizielle Kleidung für Wettkämpfer, Coaches und Kampfrichter ist im Regelwerk ganz genau festgehalten und kann bei Bedarf dort nachgelesen werden.
Ablauf
Die zwei aufgerufenen Wettkämpfer stellen sich mit Blick zum Hauptkampfrichter am Rand der Kampffläche auf. Vom Hauptkampfrichter aus gesehen, steht Aka rechts und Ao links. Beide verbeugen sich vor dem Kampfgericht und dann voreinander. Aka geht auf die Kampffläche, sagt die Kata an, führt sie aus und kehrt dann auf die Ausgangsposition am Mattenrand zurück. In gleicher Weise folgt der Vortrag von Ao. Anschließend pfeift der Hauptkampfrichter zweimal und alle fünf Kampfrichter geben ihre Stimme entweder für Aka oder für Ao ab (kein Unentschieden möglich). Nach einem weiteren Pfiff senken sie die Flaggen und die beiden Kontrahenten verbeugen sich zueinander und dann zum Kampfgericht.
Kata im Wettkampf
Es darf jede traditionelle Kata gezeigt werden (keine Waffen-Kata/Kobudo). Variationen der Schule des Wettkämpfers sind dabei gestattet.
Team-Wettkämpfe
Ein Team besteht aus drei Personen. Sie müssen sowohl Kompetenz in allen Aspekten der Kata-Darbietung zeigen als auch Synchronisation. Sie müssen den Vortrag mit Blick zum Hauptkampfrichter beginnen und beenden. Im Finale sowie im Kampf um den dritten Platz zeigen die Teams nach dem Kata-Vortrag noch die dazugehörige Bunkai. Für beides zusammen haben sie sechs Minuten Zeit. Der Countdown startet bei der Verbeugung beim Betreten der Matte und wird gestoppt bei der Verbeugung nach der Bunkai.
Bewertungskriterien
Kata ist weder ein Tanz noch eine Theatervorführung. Die traditionellen Werte und Prinzipien müssen beachtet werden. Sie muss realistisch Kampf darstellen und Konzentration, Kraft sowie mögliche Wirksamkeit der Techniken zeigen. Sie muss Stärke, Kraft und Geschwindigkeit zeigen - ebenso wie Anmut, Rhythmus und Balance. Bei der Beurteilung gibt es vier Hauptkriterien, denen gleich viel Bedeutung beizumessen ist:
- Konformität (mit der Form selbst und den Standards der jeweiligen Schule, in der Team-Bunkai: Anwendung der tatsächlich in der Kata ausgeführten Bewegungen)
- Technische Ausführung (Stände, Techniken, Bewegungsübergänge, Timing/Synchronisation, Kime, korrekte Atmung/in der Team-Bunkai: Kontrolle)
- Athletische Ausführung (Kraft, Schnelligkeit, Balance, Rhythmus/in der Team-Bunkai: Timing)
Disqualifikation
Zur Disqualifikation kreuzt der Hauptkampfrichter die Flaggen und führt sie wieder auseinander. In der Disziplin Kata gibt es sechs mögliche Gründe für eine Disqualifikation:
- Darbietung der falschen Kata oder Ansage der falschen Kata
- Eine deutliche Pause oder Unterbrechung in der Kata-Darbietung für einige Sekunden
- Beeinträchtigung der Kampfrichtertätigkeit (z.B. wenn der Kampfrichter aus Sicherheitsgründen ausweichen muss oder Körperkontakt mit einem Kampfrichter)
- Herunterfallen des Gürtels während der Kata-Darbietung.
- Überschreitung der Gesamtzeit von sechs Minuten für Kata und Bunkai
- Fouls
Darüber hinaus gibt es sechs Fouls, die die Kampfrichter bei der Bewertung der Kata zu berücksichtigen haben:
- Geringfügiger Gleichgewichtsverlust
- Falsche oder unvollständige Ausführung einer Bewegung (die Verbeugung zählt hier zu den Bewegungen der Kata), z.B. unvollständige Ausführungen eines Blocks oder am Ziel vorbeischlagen
- Asynchrone Bewegung, z.B. Abschluss einer Technik, bevor die Körperbewegung abgeschlossen ist oder im Team das Fehlen von Synchronisation bei einer Bewegung
- Verwendung akustischer Signale (durch eine andere Person, andere Teammitglieder eingeschlossen) oder theatralischer Elemente, wie z.B. Aufstampfen, Schlagen gegen die Brust, die Arme oder den Karate-Gi sowie unangemessene Atmung
- Zeitverschwenden, einschließlich ausgedehntes Einmarschieren, übertriebene Verbeugungen oder ausgedehnte Pausen vor Beginn der Darbietung
Die vier Stufen des Kata-Trainings
Die erste Stufe ist das Üben der Solo-Form - und für die meisten Leute ist es das, was sie allgemein unter Kata-Training verstehen. Diese Stufe des Kata-Trainings ist sehr wichtig. Die meisten heutigen Dojos gehen über die Anfangsstufe des Kata-Trainings nicht hinaus und bleiben beim Solo-Training stehen. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass die Qualität einer Kata häufig nur nach ihrer äußeren Form beurteilt wird: Die Kata ist gut, wenn sie gut aussieht!
In der zweiten Stufe des Kata-Trainings befassen wir uns mit den praktischen Anwendungen der Kata-Bewegungen (Bunkai). An dieser Stelle lohnt sich wahrscheinlich der Hinweis, dass realistisches Bunkai etwas anderes ist als die weithin üblichen choreographierten Kämpfe, bei denen Karateka gegen Karateka aus der Langdistanz gegeneinander antreten.
Hat man die praxistauglichen Anwendungen der Kata-Techniken einmal verstanden, sollte man anfangen, auch Variationen dieser Techniken zu trainieren. Es sei daran erinnert, dass eine Kata dafür da ist, ein komplettes, eigenständiges Kampfsystem abzubilden. Allerdings wäre es schlecht möglich, jeden einzelnen Aspekt des Systems aufzuzeichnen, oder die Kata würde unfassbar lang.
Die vierte und am meisten vernachlässigte Stufe ist es, die Techniken, Variationen und Prinzipien der Kata im freien Fluss einzusetzen. Der einzige Weg, um sicherzustellen, dass man die Techniken im Ernstfall frei anwenden kann, ist es, die Techniken in freier Anwendung zu üben. Wir müssen Übungskämpfen ohne Vorgaben von Technik oder Distanz in unser Training aufnehmen, wenn sich unser Kata-Training wirklich lohnen soll.
Frei fließendes Partnertraining ("Live Sparring") und die Solo-Übung einer Kata mögen völlig unterschiedlich aussehen, aber letztlich sind sie ein und dasselbe. Man kann sich die Kata wie einen Eisblock vorstellen. Die Form des Eisblocks bleibt immer gleich. Gibt man jedoch Hitze dazu, wird das Eis zu Wasser und seine Form passt sich den Gegebenheiten an. Der Eisblock und das frei fließende Wasser mögen ganz unterschiedlich aussehen, aber sie sind letztlich ein und dasselbe (die selben Moleküle aus Wasserstoff und Sauerstoff).
Obwohl die vier Stufen des Kata-Trainings unterschiedlich aussehen, ist es entscheidend zu verstehen, dass sie alle im Kern identisch sind.
