In einer bewegenden Demonstration von Willensstärke und Hingabe hat Johannes Jacobsen, ein Mitglied des Ronin Dojo e.V. Harrislee, im Alter von 62 Jahren den 2. Dan im Goju Ryu Karate erfolgreich abgelegt - trotz seiner Parkinson-Erkrankung. Diese herausragende Leistung fand gemäß den Statuten des Deutschen Karateverbands in St. Peter-Ording statt.
Johannes Jacobsen vom Ronin Dojo e.V. Harrislee meistert 2. Dan trotz Parkinson-Erkrankung. Jacobsen, der seit Jahren mit Parkinson lebt, ließ sich nicht von der Herausforderung abhalten, seinen Grad im Karate zu erhöhen. Gemeinsam mit seinem langjährigen Schüler Björn Biel, der die Prüfung zum 3. Dan absolvierte, stellte er sich dieser anspruchsvollen Prüfung.
Der Ronin Dojo e.V. Harrislee, gegründet im Jahr 2021 und Teil des Deutschen Karateverbands, zeichnet sich durch seine Offenheit aus. Unabhängig von Herkunft oder Fitnesszustand bietet das Dojo jedem eine Heimat. Björn Biel, der als Referent für Inklusion und Integration im Karateverband Schleswig-Holstein fungiert, ermutigte seinen Lehrer Jacobsen, sich dieser besonderen Herausforderung zu stellen.
“Johannes Jacobsen ist ein inspirierendes Beispiel für Entschlossenheit und Beharrlichkeit”, kommentierte Björn Biel. “Seine Leistung beweist, dass durch Hingabe und Einsatz selbst die größten Herausforderungen überwunden werden können. Wir im Ronin Dojo e.V. Harrislee sind unglaublich stolz auf ihn!”
Karate als Therapie bei Parkinson
Wie das therapeutische Bogenschießen gehört Karate zu den jüngsten Angeboten im Bereich der Sporttherapien, denen in der Auseinandersetzung mit der Parkinson’schen Erkrankung Potenzial zugesprochen wird. Karate als therapeutischer Akzent bei Parkinson fußt auf den Ergebnissen einer Studie, die Wissenschaftler der Universität Regensburg 2018 vornahmen. Dabei fanden sie im Vergleich unterschiedlicher Sportarten und Bewegungsformen heraus, dass sich durch den Einsatz von Aktivitätselementen aus dem Karate sowohl die Mobilität insgesamt als auch etliche Handlungsabfolgen in ihren Details deutlich verbesserten.
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Die Elemente des Karate-Trainings
Zunächst lernen die Teilnehmer die Bewegungsabläufe und Dynamiken karatetypischer Elemente: etwa gezielte Faustschläge, Fußtritte, Abwehrreaktionen. Ein weiterer Fokus liegt auf wiederholten Übungen zur Stärkung des Gleichgewichts, schließlich wird dieses bei vielen Betroffenen meist schon früh im Krankheitsverlauf destabilisiert. Wiederholte Schritt-Drehung-Schritt-Kombinationen sollen zielgerichtet helfen; ebenso eingesetzt werden Abfolgen von Aktivitäten bei zeitgleichem Blickrichtungswechsel oder auch das Stehen auf einem Bein als weitere Herausforderung.
Dies soll nicht zuletzt - und beides miteinander verknüpfend - die Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit stärken. Unterdessen regt der Karatesport das Gehirn noch auf einer anderen Ebene an, da die Bereiche für Wahrnehmung und Denken die ganze Zeit über aktiviert sind.
Karate in der Praxis
Karate selbst kann im Sportverein oder eigenen Einrichtungen durchgeführt werden. Anlass war die Initiative des Zentralkrankenhauses Reinkenheide in Bremerhaven mit den Ärzten der Geriatrie Dr. Ackermann und der Neurologie Dr.Honig für die Parkinson Patienten des Krankenhauses Karate als Therapie gegen Parkinson anzubieten.Als Vorbild dient die Studie ,die von der Universität Regensburg in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Karateverband und ihrem Präsidenten Wolfgang Weigert erstellt wurde und grosse Erfolge im Kampf gegen die Parkinson Krankheit belegt.
In Bremerhaven trainieren 15 Parkinson Patienten unter der medizinischen Aufsicht der Ärzte, um Psychologie, Motorik, Gleichgewichtssinn , Koordination zu verbessern. Die Parkinson Karategruppe des GTV im Bremer Karateverband steht allen Parkinson Patienten offen.
Studien und Forschung
In drei Studien untersuchten wir den Effekt der Sportart Karate auf das gesunde Altern und bei Patienten mit Morbus Parkinson. Karate wurde als eine Sportart ausgewählt, die sowohl kognitive als auch motorische Elemente kombiniert. In allen drei Studien zeigte sich, dass Karate (trainiert entsprechend dem Regelwerk des Deutschen-Karate-Verbandes) im Alter und selbst mit einer Bewegungsstörung gut zu praktizieren ist.
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Einzelne positive, statistisch signifikante Effekte wurden nachgewiesen, so zum Beispiel bezogen auf die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit und die Balance. Die ersten Arbeiten sind vielversprechend, doch die Forschung in diesem Bereich bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Wissenschaftlichkeit und Machbarkeit.
Dass sich Karate auf das Wohlbefinden positiv auswirkt und insbesondere auch bei Krankheiten wie Parkinson und Depressionen eine therapeutische Entwicklung entfaltet, konnte durch Evaluierungen der Universität Regensburg nachgewiesen werden. Auch die "Best Ager" nehmen beim DKV eine exponierte Rolle ein - weil die Ausübung der Bewegungen und Elemente aufgrund ihrer motorischen und geistigen Beanspruchung der Gesundheits-Prophylaxe dient.
Qualitätssiegel "SPORT PRO GESUNDHEIT"
Karate als gesundheitserhaltende oder gesundheitsfördernde Sportart ist zudem durch das Qualitätssiegel "SPORT PRO GESUNDHEIT" zertifiziert. Hierbei handelt es sich um die höchste Auszeichnung, die der DOSB an Vereine vergibt, die sich in besonderem Maße dem Gesundheitssport widmen.
Das bundesweit anerkannte Qualitätssiegel wurde dabei auf Basis klar definierter und vereinbarter Qualitätskriterien von der Bundesärztekammer und dem DOSB entwickelt. Die Dachmarke "SPORT PRO GESUNDHEIT" beinhaltet die zugeordneten Angebote der Konzeption "Budomotion" und zeigt so den Weg zu hochwertigen Bewegungs-Angeboten in den DKV-Vereinen auf. Angebote mit dem Qualitätssiegel werden von der Bundesärztekammer empfohlen!
Zertifiziert und ausgezeichnet: "Budomotion"
"Budomotion - Haltung und Bewegung" erhielt zudem die höchste Auszeichnung der Zertifizierungsstelle der Krankenkassen sowie der "Zentralen Prüfstelle Prävention". Das Programm wurde mit dem Titel "Deutscher Standard Prävention" bedacht.
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Neuro-Karate: Ein spezielles Trainingsangebot
NEURO-KARATE ist mein spezielles Trainings-Angebot für Menschen mit neurologischen Erkrankungen (wie z.B. Parkinson, Multiple Sklerose, Schlaganfälle, etc.). „Verlangsamte Bewegungen, Zittern, Gleichgewichtsprobleme - so zeigen sich die Symptome der Parkinson-Krankheit. Die Diagnose Parkinson schränkt somit die Lebensqualität deutlich ein. Es kann zu Verhaltensänderungen und sozialem Rückzug kommen. Der Verlust an Selbstständigkeit kann Ängste und depressive Stimmungen verstärken. Zwar gilt die neurogenerative Erkrankung als unheilbar, eine ursächliche Behandlung ist bislang nicht möglich.
Die hier genannten Beschwerden und Einschränkungen finden sich nicht nur bei Parkinson Patienten. Häufig sind hiervon auch andere neurologisch Erkrankte betroffen. Ursprünglich war Karate eine Bewegungsschule und Gesunderhaltungsmaßnahme für Mönche, als Ausgleich für die langen Meditationszeiten und hat sich erst viel später zu einer Kampfkunst entwickelt.
Heute wird Karate in unterschiedlichen Stilen und mit unterschiedlichen Schwerpunkten betrieben; z.B. Breiten-/Fitness- Sport, Selbstverteidigung, sportlicher Wettkampf, oder als spiritueller Weg.Ich habe mich in meinen über 40-Jahren Karate-Training vor allem auf die gesundheitserhaltenden Aspekte des traditionellen Shotokan-Karate konzentriert und daraus das spezielle Trainingsprogramm Neuro-Karate entwickelt.
Die Vorteile von Neuro-Karate
Mein Unterricht umfasst vor allem Übungen, die den Teilnehmern helfen, ihre Koordination, Beweglichkeit, Reaktion, Geschwindigkeit, Ausdauer und Kraft mit den traditionellen Methoden des Karate zu verbessern bzw. zu erhalten. Ein weiterer Schwerpunkt des Trainings: Gleichgewichtsübungen. Das ist insofern wichtig, weil ein verbessertes Gleichgewicht der Instabilität und einem Sturzrisiko aktiv entgegenwirkt.
- Neuro-Karate ist neuroaktiv!
- Das heißt, dass durch die komplexen Bewegungsabläufe das Gehirn angeregt wird, sich auf natürliche Weise neu zu „vernetzen“, wobei positive Erkenntnisse und Ergebnisse verstärkt werden.
- Wegen der beim Training erforderlichen Konzentration ist es vielen Erkrankten sogar möglich, störende oder quälende Gedanken abzuschalten.
- Das Erlernen und Meistern der Karate-Techniken und Bewegungsabfolgen stärkt das Selbstbewusstsein und auch das Gefühl dafür, schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft (wieder) erfolgreich bewältigen zu können.
- Neuro-Karate wirkt insofern motivierend, aufbauend und antidepressiv!
Im Unterschied zum traditionellen Karate-Training wird Neuro-Karate grundsätzlich kontaktlos betrieben. Das heißt, dass die Trainierenden nicht gegen eine andere Person kämpfen!
