Halle Berry: MMA-Training und Regiedebüt im Film "Bruised"

Es ist eine alte Geschichte, aber es ist auch die beste Geschichte, vielleicht die einzige, die sich aus dem Sport im Kino zu erzählen lohnt: die Geschichte vom Hinfallen und Wiederaufstehen. Im Netflix-Drama "Bruised" liegt die Betonung auf dem Wiederaufstehen, denn das Hinfallen ist leicht, oder nicht einmal das, es geht nur schneller. Der Film handelt von der in Ungnade gefallenen MMA-Kämpferin Jackie Justice.

In dem Netflix-Kampfsportdrama Bruised spielt Hally Berry die in Ungnade gefallene MMA-Kämpferin Jackie, die versucht, sich ihren Weg in den Ring zurückzukämpfen. Mit "Bruised" feiert Halle Berry (55) ihr Regie-Debüt.

Die Geschichte von Jackie Justice

Im Fall der Hauptfigur Jackie (Halle Berry) liegt das Fallen vier Jahre zurück, da hatte sie ihren ersten Titelkampf. Bis zu dem Zeitpunkt war sie eine vielversprechende Mixed-Martial-Arts-Fighterin, danach nur noch das Gespött der Stadt. Denn sie bezog in der ersten Runde solche Prügel, dass sie über die Gitter aus dem Ring kletterte. Inzwischen ist Jackie beim heimlichen Trinken angelangt, bei Putzjobs und Gleichgültigkeit.

Sie lebt mit ihrem Ex-Manager Desi zusammen, eine Beziehung, die nur im Rausch funktioniert, sonst ist sie ein elendes Wechselspiel von Macht und Unterwerfung. Desi ist enttäuscht, dass Jackie kein Kampfgeld mehr einbringt, Jackie lebt längst jenseits von Enttäuschung. Aber in den Ring will sie auf keinen Fall wieder, ihre Angst ist zu groß. Ruhm? Reichtum? Nein. Jackie will einfach nur "in Würde schlafen".

Jackie (Halle Berry) war einst eine erfolgreiche MMA-Kämpferin und der größte Star im Ring. Doch dann ist sie in Ungnade gefallen und musste sich von ihrer Karriere verabschieden. Eine bittere Niederlage, mit der sie nicht gerechnet hat. Jetzt pendelt sie zwischen zwei Jobs und hofft auf ein besseres Leben. Lange hält sie das jedoch nicht mehr durch. Jackie ist am Ende ihrer Kräfte angelangt.

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Das Comeback

Das Comeback als MMA-Kämpferin scheint da eine reizvolle Idee zu sein. Desi (Adan Canto), Jackies Manager und Freund, organisiert ihr einen neuen Kampf, der ihr die Möglichkeit bietet, sich in der Szene zurückzumelden. Das einzige Problem: Es handelt sich um eine illegale Veranstaltung. Dennoch geht Jackie das Risiko ein und beweist einmal mehr, welche Kraft in ihr steckt.

Ihr energischer Einsatz zieht die Aufmerksamkeit des Promotors Immaculate (Shamier Anderson) auf sich, der sie einlädt, in sein Sportstudio zu kommen und mit der Trainerin Buddhakan (Sheila Atim) zu arbeiten. Immaculate (Shamier Anderson), ein Promoter der Kampfliga, wird auf Jackie aufmerksam und bereitet ihr ein verheißungsvolles Angebot. Dem Weg zurück ins Rampenlicht steht nichts mehr im Weg. Plötzlich taucht jedoch Jackies Sohn Manny (Danny Boyd Jr.) auf, den sie als Säugling weggeben hat, und bringt ihr gesamtes Leben durcheinander. Neben ihrer Karriere muss sie jetzt auch ihre Familie retten.

Sie wird vom engagierten Promoter Immaculate (Shamier Anderson) entdeckt, der Jackie direkt mit der Trainerin Bobbi Buddhakan Berroa (Sheila Atim) bekannt macht. Jackie Justice (Halle Berry) kämpft nicht nur für ihr Comeback im Ring - sondern muss auch alle ihre privaten Probleme in den Griff bekommen.

Halle Berry als Regisseurin

Der Film wurde von der Hauptdarstellerin inszeniert, er ist Halle Berrys erste Regiearbeit, angenehm zurückhaltend. Berry bleibt bei allem Drama unsentimental, sie weiß, dass wir wissen, wie solche Geschichten aussehen. Sie weiß auch, dass ein Film, nicht nur ein Kampf, durch Tempo gewinnt.

Zugleich holt Halle Berry als Regisseurin aber das Maximum aus sich und ihren Co-Stars heraus: In ungewöhnlich langen Einstellungen erhält der Cast viel Freiraum zur schauspielerischen Entfaltung. Berry holt gerade in solchen Momenten Performances aus dem Cats heraus, die die Figuren trotz des eindimensionalen Stoffes nicht wie reine Abziehbilder erscheinen lassen. Halle Berry hat ein solides Regiedebüt vorgelegt, dem jedoch mehr Mut zur Unbequemlichkeit gutgetan hätte.

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Mehr noch als Berrys Regieführung überzeugt ihre Leistung in der Hauptrolle: Sie spielt Jackie kraftvoll, vollkommen uneitel und voller Emotion, ohne je ins Overacting abzudriften.

Das MMA-Training von Halle Berry

Halle Berry legt in diese Rolle alles hinein, was sie als Schauspielerin in ihren guten Filmen gezeigt hat, den Pragmatismus, die Sensibilität, keine Eitelkeit. Man sieht ihr Gesicht - durchaus für Schönheit bekannt, immerhin war sie Bond-Girl - über weite Strecken des Films nur blau oder grün geschlagen. Denn so sieht Jackie aus, nachdem sie den Kampf doch wieder aufgenommen hat.

Um ihre Figur in „Bruised“ glaubhaft darstellen zu können, absolvierte Halle Berry ein hartes MMA-Training mit UFC-Champion Valentina Shevchenko. Die Schauspielerin musste also nicht etwa eine Anfängerin, sondern eine Profi-Sportlerin glaubhaft verkörpern können. Und dafür war der zweifachen Mutter kein Training zu hart.

Um sich optimal auf die Dreharbeiten vorzubereiten und im Ring bestehen zu können, übte sich Berry in der asiatischen Kampfkunst. Neben Boxen lernte und meisterte sie Schlag-, Tritt-, Stoß-, Wurf- und Würgetechniken aus den Disziplinen Judo, Taekwondo, Muay Thai (auch Thaiboxen genannt) und brasilianischem Jiu-Jitsu. Abgerundet wurde das Kampfsport-Workout durch Kickbox-Elemente.

Perfekt in Form und auf die Kampfszenen vorbereitet ging es für Berry dann während der Dreharbeiten gemeinsam mit Shevchenko in den Ring. Beim Dreh von Kampfszenen geht es bekanntlich darum, alles so echt wie nur möglich aussehen zu lassen. Berry schoss dabei wohl etwas über das Ziel hinaus. Denn obwohl sie und ihre Ringpartnerin eigentlich „nur“ einen choreografierten Stunt durchführten, ging es so heiß her, dass sich Berry direkt zwei Rippen brach. Und das ist ihr tatsächlich nicht zum ersten Mal passiert.

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Bereits beim Training für „John Wick 3“ brach sie sich drei Rippen, wie sie 2019 im Interview mit „Extra“ offenbarte. Damals wie jetzt bei „Bruised“ (was treffender Weise der englische Begriff für „gequetscht“ bzw. „verletzt“ in Bezug auf Knochen ist) war das für sie aber kein Grund zum Aufgeben.

Die Trainerin

Er schickt sie zu seiner besten Trainerin. Die wiederum findet es nicht so toll, eine alte, selbstmitleidige, nach Zigaretten stinkende Frau aufzunehmen, die nur mit Wut kämpft, nicht mit Kondition. Das ist natürlich Bestandteil jeder klassischen Legende. Diese Frau wird die ersten Hürden nehmen und dann Disziplin wahren, die Trainerin wird sie kennen und lieben lernen.

Die Probleme des Films

Das Drehbuch von Michelle Rosenfarb bietet eine ganze Latte an Leidensgeschichten: Eine abgehalfterte Protagonistin, die Aggressionsprobleme hat, unter Alkoholsucht leidet und ihrer kurzen Zeit im Rampenlicht nachtrauert. Hinzu kommen zahlreiche weitere Unterschichtenklischees wie etwa die fragwürdige Ernährung in Form von Hacksteak mit zerkrümelten Chips und Ketchup. Kurzum: Es gibt kaum eine Figur in „Bruised“, die sich nicht hauptsächlich durch das Elend definiert, in dem sie lebt.

Die Dialoge, die fast alle mit einer Faust-aufs-Auge-Deutlichkeit verfasst sind, intensivieren die Eindimensionalität weiter. Das Drehbuch ist ganz klar das größte Problem von „Bruised“.

Fazit

Der Finalkampf ist fraglos das Highlight von Bruised. Die Kamera ist oft zu nahe am Geschehen, eine leider übliche Eigenart bei MMA-Szenen, mit welcher kaschiert werden soll, dass es sich um eine Choreographie handelt. Diese als solche ist hier aber absolut gelungen, Shevchenko trägt den Kampf, doch Berry kann gut mithalten.

Mit dem Net­flix-Dra­ma „Bruised” feiert Oscarpreisträgerin Halle Berry nicht nur ihr Come­back als Char­ak­ter­darstel­lerin, son­dern auch ihr Debüt als Regis­seurin. Es wird sich noch zeigen, ob Halle Berrys Regiekar­riere in Zukun­ft weit­erge­hen wird. Aufgeben sollte sie in dieser Hin­sicht bess­er nicht, da sich in ein paar Szenen von Bruised dur­chaus größeres Poten­zial andeutet. Als Filmemacherin fehlt es ihr bis­lang noch an ein­er eige­nen Stimme.