Die Frage, ob eine Frau einen Mann in einer körperlichen Auseinandersetzung besiegen kann, ist komplex und hängt von vielen Faktoren ab. Es ist wichtig, verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, wie z.B. Statistiken zu Überfällen, körperliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen, psychologische Aspekte und die Bedeutung von Kampfsporttraining.
Statistiken und Realität von Überfällen
Eine Auflistung der 10 häufigsten Attacken auf der Straße wurde in der Online-Fachzeitschrift „KRAVMAGAzin“ (Ausgabe 1.2014, Seite 10) veröffentlicht:
- Der Aggressor bedroht das Opfer und kommt ihm zu nahe.
- [...]
- Schnitt mit einem Messer, meistens mit einer ca.
- [...]
Anders als in der davor aufgeführten Statistik, der zu Tötungsdelikten bzw. anderen Gewaltverbrechen benutzen Waffen, sind hier die Messerangriffe auf dem vorletzten Platz zu finden. Aus ihr gehen die verschiedenen Angriffswinkel hervor, die bei Überfällen Anwendung finden. Sie wurden so gekennzeichnet, dass die statistisch am häufigsten gewählte Angriffsrichtung (aus Sicht des Angreifers) der Nummerierung entspricht. Die dabei geführten Waffen können sowohl Messer als auch Stöcke sein.
Aus Beobachtungen sowie aus polizeilichen Berichten bzw. Aussagen schließt man, dass die Messerangriffe meistens spontan erfolgen.
Körperliche Unterschiede und Training
Es ist ein Fakt, dass der durchschnittliche Mann hierzulande 1,75-1,79m groß (26,1%) ist. Nahezu genau so viele Männer sind zwischen 1,80-1,84m groß (23,9%). Hinzukommt, dass der männliche Körper wesentlich mehr einstecken kann, als der Weibliche. Männer sind hormonell bedingt Schmerzunempfindlicher.
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Allerdings betont Kampfsportwissenschaftler Swen Körner: Es sei wichtig, Kampfsport und Selbstverteidigung voneinander zu unterscheiden. "Wer gut treten kann, kann sich vielleicht auch gut verteidigen, aber wer etwas lernen möchte, um sich zu verteidigen, dem würde ich keinen Kampfsport empfehlen", so Körner.
Auch wenn einige Kampfsportarten Selbstverteidigungselemente enthielten, biete Selbstverteidigung Lösungen an, die ganz unterschiedlich seien, zu dem, was im Kampfsporttraining gemacht werde.
Boxtrainer Dirk Wuttke betont, dass Boxen in erster Linie ein Sport sei, der fit mache, der das Selbstbewusstsein und das Gemeinschaftsgefühl stärke. "Wir versuchen zu sagen: 'Leute, passt auf, hier im Training kann man Boxen und hinterher geben wir uns wieder die Hand und gehen als Freunde auseinander'", erklärt Wuttke.
Entgegen vielen Vorurteilen mache Kampfsport die Sportler:innen nicht unbedingt aggressiver, betont Swen Körner. "Genau das Gegenteil ist der Fall." Bei Sportarten wie Judo, Karate oder Taekwondo gebe es beispielsweise bestimmte Regeln. Das hat auch bei Jeremy funktioniert. Er habe gemerkt, dass er nun beherrschter sei, erzählt er. "Ich schlage nicht sofort zurück, gehe dem Streit meistens aus dem Weg.
Kampfsport für Kinder und Jugendliche
Box- und Kickbox-Vereine berichten von immer mehr Zulauf - auch durch Eltern, die ihre Kinder "fit für die Straße" machen wollen. Doch Experten betonen: Kampfsport ist nicht zwingend eine gute Selbstverteidigung.
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Seit mehr zwei Jahren geht Jeremy regelmäßig zum Boxtraining im Amateur-Boxverein BSC Süd 05 in Brandenburg an der Havel. Mittlerweile hält er die Pratzen hoch, wenn Kinder und Jugendliche ihre Schläge üben. "Es fällt auf, dass in den letzten Wochen, Monaten, Jahren die Mitgliederzahlen ansteigen", sagt Wuttke. "Wir haben seit etwa drei Jahren einen Anstieg zu verzeichnen, vorher waren wir 60 Mitglieder, inzwischen sind wir bei 120 und stoßen eigentlich damit an unsere Grenzen."
Immer mehr Menschen kommen zu Wuttke zum Boxtraining. Damit ist der Verein in Brandenburg an der Havel nicht allein. In den vergangenen neun Jahren haben sich die Mitgliederzahlen in Brandenburg beim Kickboxen und Boxen fast verdoppelt, zeigt die Mitgliederstatistik des Landessportbundes Brandenburg (Kickboxen 2015: 446; 2024: 1109; Boxen 2015: 1.163; 2024: 1.866). Über alle Kampfsportarten verteilt - also auch inklusive Judo, Karate oder Taekwondo - sind es rund 21 Prozent mehr Vereinsmitglieder als noch 2015 (2015: 14.125, 2024: 17.090).
Auch in Berlin ist die Zahl der Mitglieder in den Landesfachverbänden von Kampfsportarten gestiegen. Verzeichnete der Landessportbund Berlin 2014 noch rund 20.500 Mitglieder, waren es 2024 mittlerweile rund 25.500 Mitglieder.
Auch der 16-jährige Jeremy sieht diesen Vorteil am Boxtraining. Jetzt fühle er sich durch das Boxen stärker, selbstbewusster - auch in der Schule. "Ich gehe besser durchs Leben", sagt er.
Kampfsport als Breitensport für Kinder
Ein Trend geht um in Deutschland, sein Name lautet: Kleinkinder-Kampfsport. In welchem Studio man sich auch erkundigt, die Antwort ist jedes Mal: Die Nachfrage wächst. Und wächst. Und wächst. Manchmal heißt es sogar, sie „explodiert“.
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Jan Graffelder, einer der Chefs von Cage, berichtet von monatlich 300 Anfragen von Eltern, die nach einem passenden Kurs für ihr Kleinkind suchen. Die Nachfrage sei so groß, dass sein Unternehmen an einem Konzept arbeite, um einen Kurs für Zweijährige anzubieten. Kaum das Laufen gelernt, und schon andere am Kragen packen? Von der Wiege auf die Matte, sieht so die neue Welt der Kleinkinder-Förderung aus?
In den Kursen, heißt es, würden die Kids langsam an den Kampfsport herangeführt. Koordinationsfähigkeit, Beweglichkeit, Fokussiertheit, Disziplin, Respekt - darum gehe es. Die Kids sollen zum Beispiel lernen, in Auseinandersetzungen mit Gleichaltrigen die Hand zu heben und zu rufen: „Stopp! Hör auf!“
Taoufik Jaajoui, im Hauptberuf Industriemechaniker, Vater von drei Kindern, die nach seinen Worten alle BJJ betreiben, sagt: „Kampfsport macht etwas mit einem.“ Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl würden gestärkt. Wer gemobbt wird, lernt, sich einem Konflikt zu stellen. Raus aus der Opferrolle.
Verbands-Vize Riem, 54 Jahre, streifte mit 18 Jahren erstmals die Boxhandschuhe über. 2013 wurde er Kickbox-Weltmeister, heute betreibt er in Kassel das Kampfsportstudio „FFT Akademie“. Seine Kundschaft stamme „aus allen Schichten“, sagt er. Manche Eltern würden ihr fünfjähriges Kind „am liebsten drei Mal die Woche“ in seinen Kickboxunterricht schicken und nicht bloß einmal. Ein regelrechter Hype sei zu beobachten.
Andreas Riem, Vizepräsident im Bundesverband für Kickboxen namens Wako, spricht von einem „Aufrüstungswunsch“ vieler Eltern. Der wiederum sei eine Folge von Angst: Angst, dass sich das Kind nichts zutraut. Angst, dass es im Sport versagt. Angst, dass es gemobbt wird und sich nicht wehren kann. Die Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft lässt grüßen. Die Welt ist ein gefährlicher Ort, es gilt, sich zu schützen, und genau das sei das Wesen des Kampfsports: „Wir trainieren erst, wie man sich schützt. Und dann, wie man schlägt“, sagt Riem.
Kampfsport für Senioren
Gebrechlich, hilflos und schwach: So sehen viele Menschen Senioren. Doch die Zahl der agilen älteren Menschen wächst. Immer mehr suchen die Herausforderung als Kampfsportler - und profitieren davon.
Die Zahl der Mitglieder im „Deutschen Karate Verband“ wächst stetig. Waren es im Jahr 2008 gerade einmal 766 Kämpfer, die 60 Jahre oder älter waren, lag die Zahl im vergangenen Jahr bei 2.777. Seit 2012 hat sich die Zahl der betagten Mitglieder verdoppelt. Ist dies die Reaktion von Senioren auf ein wachsendes Sicherheitsbedürfnis?
Offizielle Zahlen belegen, dass es nur wenig Grund gibt, Angst zu haben. Das Risiko für Senioren, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, ist in Deutschland eher gering.
Kampfsport gegen depressive Stimmungen: Die Psychologinnen Dr. Katharina Dahmen-Zimmer und Prof. Dr. Petra Jansen forschen schon seit einigen Jahren an der Universität Regensburg zu den Auswirkungen von Karate-Training im höheren Alter. In einer Vergleichsstudie konnten die Wissenschaftlerinnen zeigen, dass DKV-Karate (entsprechend den Regeln des Deutschen Karate Verbandes) im Gegensatz zu einem reinen Bewegungstraining oder einem Gedächtnistraining depressive Stimmungen abmildern kann. „Ein Faktor, der Karate so enorm nützlich für die seelische Gesundheit macht, ist die erlebte Selbstwirksamkeit“, sagt Dahmen-Zimmer.
Die Psychologin berichtet von einer Karate-Anfängerin, deren Enkel anfangs kommentierten: „Karate? Oma, Du spinnst.“ Nun, nach ein paar Trainingsstunden, sind die Enkel jedoch mächtig stolz auf die Seniorin. Ein weiterer positiver Effekt: Dank der notwendigerweise hohen Konzentration beim Training ist es nicht möglich, sich gleichzeitig mit quälenden Gedanken und Sorgen zu beschäftigen. Der Kopf wird frei - ganz ähnlich wie durch eine Meditation.
Die Rolle des Überraschungsmoments und der Selbstverteidigung
Den Statistiken zufolge die ich im Hinterkopf hab (leider keine Quelle mehr verfügbar) ist die Erfolgsrate bei Frauen, die sich wehren sehr hoch - und zwar weniger weil das alles ausgebildete Kampfsportlerinnen sind (auch wenn das evtl. überhaupt erst dazu führt dass sie sich wehren) sondern weil der Täter überrascht ist oder nichts riskieren will und von dem Opfer ablässt.
Es wurde ja schon angesprochen, dass es sich hier nicht um einen Wettkampf handelt. Und hier kommen noch so viele individuelle Faktoren hinzu. Grundsätzlich geht es ja darum, den ersten Angriff abzuwehren und sich dann schnell aus dem Staub zu machen. Das gilt ja sowohl für Männer als auch für Frauen.
Effektive SV heisst angemessene (im extremfall maximale) Brutalität ohne zu zögern einzusetzen und kreativ alles verfügbare als Waffe zu nutzen.
Viele Frauen haben ja auch Pfeffersprays in der Handtasche. Das wurde hier glaube ich noch nicht erwähnt. Allerdings habe ich bei Frauen die ich kenne, so mitbekommen, dass diese meistens schon uralt sind und die Frauen nicht wirklich wissen wie man sie richtig benutzt.
Rechtliche Aspekte der Selbstverteidigung
Als Fachanwalt für Strafrecht, der GKS Rechstanwälte in Wuppertal, hat Tim Geißler ein Infoheft für Kampfsportler herausgegeben, welches auf diese spezielle Thematik im Detail eingeht. Auch aus unserer Erfahrung kommt es nicht selten vor, dass der Verteidiger sich plötzlich als Beschuldigter wiederfindet. Denn die Staatsanwaltschaft leitet solche Ermittlungsverfahren routinemäßig ein. Da wir oft hier über Körperverletzung reden, sind wir auch im Bereich des Strafrechts.
Jeder Kampfsportler sollte sich mit dem Thema Notwehr und Notwehrrecht in der Selbstverteidigung auskennen. Doch alleine das Wissen reicht nicht aus. Wenn du in eine Notwehr- beziehungsweise Selbstverteidigungs-Situation gerätst wirst du als geübter Kampfsportler in der Regel angemessen reagieren. Trotzdem kann es durchaus vorkommen dass Du dich später vor Gericht verteidigen musst. Strafprozesse sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn sie können Dich nicht nur Geld sondern unter Umständen auch den Job kosten und deine Karriere gefährden.
