Die Forstwirtschaft in Deutschland greift nur in gut begründeten Ausnahmefällen zu Pflanzenschutzmitteln (PSM). Doch leider kann im Wald nicht ganz auf den PSM-Einsatz verzichtet werden. Deshalb ist es wichtig, über die aktuelle Zulassungssituation Bescheid zu wissen.
Vorab sei angemerkt, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Wald in Deutschland niemals leichtfertig erfolgt. Tatsächlich sind die rechtlichen Bestimmungen hier sehr streng und erlauben den Einsatz solcher Mittel nur als „letztes Mittel der Wahl“ und nach Ausschöpfung aller nicht-chemischen Maßnahmen, heißt es in dem Blickpunkt Waldschutz der LWF. So könne der Einsatz nur auf Basis einer Prognose und auch nur, wenn „Gefahr im Verzug“ bestehe, erfolgen.
Aufgrund der befristeten Zulassung von Pflanzenschutzmitteln komme es laut LWF vor, dass sich im Laufe eines Kalenderjahres die Zulassungssituation ändern kann. Infolge unvorhersehbarer, kurzfristiger Änderungen im Zulassungsgeschehen.
Die Expertinnen und Experten der LWF weisen darauf hin, dass nach dem regulären Auslaufen einer Zulassung gesetzliche Abverkaufsfristen für den Handel und Aufbrauchsfristen für den Anwender bestehen. So sei der Abverkauf von Pflanzenschutzmitteln nach Ablauf der Zulassung für einen Zeitraum von 6 Monaten legitim. Anwender haben darüber hinaus weitere 12 Monate Zeit, um diese PSM aus ihrem Bestand anzuwenden. Im Falle eines amtlichen Widerrufs einer Zulassung durch das BVL können veränderte Übergangsfristen gelten oder teilweise auch gar nicht erst gewährt werden, warnt die LWF. Nicht mehr zugelassene PSM außerhalb der Aufbrauchfrist sollten demnach ordnungsgemäß entsorgt werden. Manche PSM können darüber hinaus im Einzelfall gesetzlichen Beseitigungspflichten unterliegen. Zu beachten seien bei allen Pflanzenschutzmittelanwendungen außerdem die Anwendungsbestimmungen und die entsprechenden Auflagen.
Verlängerung der Zulassung von KARATE® FORST flüssig
Die Zulassung des Insektizids „KARATE® FORST flüssig“ wurde vorerst bis zum 28. Februar 2023 verlängert - und zwar unter Beibehaltung der auch bisher geltenden Anwendungsbestimmungen, berichten die Expertinnen und Experten der LWF in ihrem Blickpunkt Waldschutz. „KARATE® FORST flüssig“ sei damit im Forst das einzige Insektizid mit aktueller Zulassung gegen rinden- und holzbrütende Borkenkäfer sowie gegen Rüsselkäfer.
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Kontroverse um den Einsatz in Brandenburg
In Brandenburg sorgte der geplante Einsatz von „Karate Forst flüssig“ zur Bekämpfung der Raupen des Nonnen-Schmetterlings für heftige Kontroversen. Naturschutzorganisationen wie der BUND und der NABU sowie Bürgerinitiativen äußerten massive Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung.
Der Landesforstbetrieb Brandenburg argumentierte, dass der Einsatz des Insektizids notwendig sei, um die Kiefernwälder vor dem Kahlfraß durch die Nonnenraupen zu schützen. Hubertus Kraut, Direktor des Landesforstbetriebs Brandenburg, erklärte, dass ein landesweites Monitoring eine drastisch erhöhte Zahl an Schädlingen aufgezeigt habe und dass der Wald ohne den Einsatz von Insektiziden mehrmals vernichtet werden könnte.
Der Waldbesitzerverband Brandenburg unterstützte den Forstbetrieb und forderte, dass die Wälder jetzt gerettet werden müssen, weil Tausenden Hektar Wald der Kahlfraß durch Schädlingsbefall drohe. Thomas Weber, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes, betonte, dass der Einsatz von Pflanzenschutz immer eine „Ultima Ratio“ sei, wenn keine anderen Mittel gegen den Kahlfraß helfen.
Die Kritiker des Insektizideinsatzes ließen sich davon nicht beirren und sammelten mehr als 50.000 Unterschriften auf einer Online-Plattform, um die Brandenburger Politiker aufzufordern, Stellung zu beziehen. Sie argumentierten, dass der Einsatz des Totalinsektizides zu einem erheblichen Eingriff in das Ökogefüge des Waldes führe und nicht nur die Nonnenraupen, sondern auch alle weiteren im Gebiet vorkommenden natürlichen Bestäuber, Gegenspieler der Schädlinge und letztendlich die Nahrungsgrundlage für Vögel oder Fledermäuse vernichte.
Der NABU Brandenburg lehnte das Besprühen der Waldflächen im Beteiligungsverfahren zum Gifteinsatz in Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark ab. Ökotoxikologe und NABU Waldexperte, PD Dr. Werner Kratz sagte, dass angesichts des Insektensterbens die Bemühungen des Landes um eine insektenfreundlichere Ausrichtung ad absurdum geführt würden.
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Das Pestizid hat verheerende Auswirkungen auf Mensch und Natur. Als Totalinsektizid vernichtet es nicht nur die Nonnenraupen, sondern alle weiteren im Gebiet vorkommenden natürlichen Bestäuber, Gegenspieler der Schädlinge und letztendlich die Nahrungsgrundlage für Vögel oder Fledermäuse. Auch für den Menschen selbst kann keine Unbedenklichkeit des Mittels bescheinigt werden. So gehört das in Karate Fors enthaltene Lambda-Cyhalothrin zu einer Wirkstoffgruppe, die auch das menschliche Nervensystem angreift.
Auswirkungen und Alternativen
Der Einsatz des Mittels „Karate Forst flüssig“ ist nicht nur für die Insekten, sondern auch für Säugetiere und Menschen nicht unbedenklich. So weist der Hersteller selbst auf die akute inhalative Toxizität für Kleinsäuger bei geringen Mengen hin, die für Ratten bereits belegt ist.
Der NABU forderte stattdessen einen schnellen Waldumbau, um das natürliche ökologische Gefüge wiederherzustellen und damit langfristig den Wald zu schützen. Es gilt, das natürliche ökologische Gefüge durch schnellen Waldumbau wiederherzustellen um damit langfristig den Wald zu schützen. Der Einsatz des Mittels „Karate Forst flüssig“ ist nicht nur für die Insekten, sondern auch für Säugetiere und Menschen nicht unbedenklich.
Letztendlich wird es in Zeiten des Klimawandels immer wieder zu hohen Populationszahlen von Insektenarten kommen, die in diesem Umfang Bäume schädigen. Dies liegt in erster Linie an der geringen Widerstandsfähigkeit von Monokulturen, wie den in Brandenburg vorherrschenden Kiefernplantagen. Solche Forste sind zudem doppelt ungeeignet in Zeiten des Klimawandels. Sie leiden erstens weitaus mehr unter den Extremwetterlagen und binden zweitens weitaus weniger CO2 als stabilere strukturreiche Wälder mit heimischen Arten. Der lang verpasste Umbau zu stabilen Wäldern ist die einzige nachhaltige Maßnahme, die möglicherweise dem Klimawandel und all seinen Herausforderungen (wie die der "Schadinsekten"), die Stirn bieten kann.
Am 10. Mai verfügte das Verwaltungsgericht Potsdam nach einem Eilantrag des NABU Brandenburg die Aussetzung der Besprühung in Teilbereichen des Forstes, zum Beispiel im Natura 2000-Gebiet "Hackenheide" (einem europäischen Schutzgebiet) und anderen Naturschutzgebieten. Am 11. Mai fanden eine Kundgebung in Potsdam und eine Baumpflanz-Aktion in Fichtenwalde statt.
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