Karat: Eine musikalische Reise durch die Zeit

Karat, die Ost-Berliner Rockband, die schon vor der Wende in der BRD bekannt war, wurde spätestens nach ihrem Nummer 1-Hit „Über sieben Brücken mußt du geh‘n“ eine im Westen fest etablierte Rockband. Mit diesen und vielen weiteren Songs haben sie sich in den Analen der Geschichte der deutschsprachigen Rockmusik in den vorderen Reihen fest verankert. Inzwischen sind mehr als 12 Millionen Tonträger verkauft.

Die frühen Jahre und der Durchbruch

1975 in Ostberlin gegründet, landeten sie schnell auf der Überholspur. KARAT sind die einzige ostdeutsche Band, die schon vor dem Mauerfall im Westteil des Landes Gold einheimste und bei „Wetten dass…“ auftrat. Ursprünglich hat die Gruppe den Song für den gleichnamigen Fernsehfilm geschrieben, doch schnell wurde das Lied zum eigenständigen Hit.

"Über sieben Brücken musst du gehn"

Den Songtext können viele mitsingen, die wenigsten wissen aber, wie Karat auf den Text gekommen sind. Die Lyrics des deutschen Songs stammen aus einer polnischen Fabel. Das Lied dreht sich um die Liebesbeziehung eines polnischen Mannes und einer deutschen Frau. Die Sehnsucht und das Gefühl von Freiheit spielen auch eine wichtige Rolle.

"Wir haben uns in einem verräucherten Club kennengelernt. Und das war ja keine alltägliche Geschichte - eine ostdeutsche Band und ein westdeutscher Sänger", erinnert sich der deutsche Sänger Peter Maffay im MDR-Gespräch. Er coverte das Lied und machte es im Westen erst richtig berühmt. Das Kulturministerium der DDR verbot Karat, ihren Song im Westen zu spielen.

Inspiration und lyrische Tiefe

In den Lyrics des Liedes heißt es: „Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere. Wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere… Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt.“ Superpoetischer Text und zu dem haben sich Karat von keinem Geringeren als Leonardo da Vinci inspirieren lassen. Ja DER Leonardo da Vinci, der war nämlich nicht nur einer der größten Maler und Erfinder der Renaissance, er hat auch Fabeln geschrieben. Mit Klavierbegleitung und Streichern und teilweise mehrstimmig gesungen, geht diese Ballade total unter die Haut.

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"Jede Stunde" - Eine Ode an das Leben

Das Lied Jede Stunde von Karat ist eine Ode an die Wertschätzung des Lebens in all seinen Facetten. Der Sänger beschreibt, dass manche Menschen nur die Nacht lieben, weil sie geheimnisvoll ist, während andere den Sonnenschein bevorzugen und glauben, dass sie damit glücklich sind. Er vermittelt das Gefühl, dass jeder Tag seine eigenen Geschichten erzählt, und es ihm gleich ist, wie diese zu ihm sprechen.

Besonders markant ist der Moment der Nähe zu einer geliebten Person, in dem die Zeit für ihn zu vergehen scheint, als fallen die Blätter von den Bäumen. Darüber hinaus besingt der Sänger auch, dass er das Leben in all seinen Facetten akzeptiert, selbst wenn er friert oder im Regen steht. Die wiederholte Betonung, dass die Zeit nicht wartet, lässt erkennen, dass das Leben voller flüchtiger Momente ist, die nicht verschwenderisch behandelt werden sollten.

Die alte Katze, die still und heimlich lacht, steht möglicherweise für die Weisheit des Lebens, die man im Laufe der Zeit erlangt. Insgesamt ermutigt der Sänger dazu, jeden Augenblick zu schätzen, den Zauber des Lebens zu erkennen und das Hier und Jetzt zu genießen.

Ed Swillms: Der musikalische Kopf hinter Karat

Keyboarder Ulrich Swillms, der „Ed“ genannt wurde, fand eine eigenartige Tonfolge auf dem Synthesizer, spielte Streicher dazu, sang beim Komponieren eine Melodie, bevor er noch ein mächtiges zweistimmiges Gitarrenthema im Mittelteil einwob. Die elegisch-schwärmerischen Keyboard-Klänge von Swillms, die weiche Stimme von Herbert Dreilich und die metaphernreichen Texte von Norbert Kaiser ergaben einen Dreiklang, der Karat zur erfolgreichsten DDR-Band jener Jahre machte.

Der Musiker, 1947 in Berlin geboren, hatte schon ab 1962 die Spezialklasse der Hochschule für Musik besucht, studierte Cello und Klavier. Doch kurz vor dem Abschluss packte ihn der Pop. Swillms spielte in den Semesterferien am Klavier Soulmusik in Bars. Er stieg bei der Band Die Alexanders ein. Von Swillms stammt das programmatische „Alles fließt“ - eine soulige Progrock-Nummer, die auch von Colosseum oder King Crimson hätte stammen können.

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Der klassisch geschulte Ed Swillms, der sehr penibel arbeitete und ausgefeilte Partituren seiner Stücke schrieb, konnte und wollte keine Einfälle erzwingen. Bis zum fünften Studioalbum „Die sieben Wunder der Welt“ 1984 aber stammten fast alle Kompositionen von Swillms - darunter alle wesentlichen Stücke, von denen die Band bis heute zehrt.

Warum es nach 1986 keine Komposition dieses hochbegabten Mannes mehr zu hören gab, gehört zu den Rätseln des ostdeutschen Pop. Swillms selbst erklärte in den raren Interviews, er wolle lieber zu englischen Texten komponieren und interessiere sich mehr für Blues und Soul. Live war er gelegentlich zu erleben, etwa mit der Jonathan Blues Band, ab 2005 auch als Gast bei Karat - stets umjubelt, denn die Fans wussten genau, wem sie all die Hits zu verdanken hatten.

"Seelenschiffe" - Ein Neubeginn

„Seelenschiffe“ heißt das 12 ausschließlich neue Songs umfassende Werk. Das unter der Führung von Produzent Ingo Politz (Silly, Silbermond) entstandene Album ist ein Sammelsurium großartiger Songideen, es strotzt vor Energie und ist ein klares Statement, dass KARAT alles andere als eine Altherrentruppe sind, die ihre Daseinsberechtigung auf ihre frühen Hits beschränkt. KARAT überzeugen vom ersten Ton an mit den Qualitätsmerkmalen, für die sie gekannt und geschätzt werden: Dichte, vielschichtige Kompositionen, bis ins Detail durchdachte Arrangements, eine Produktion auf dem aktuellen Stand der Tontechnik.

Dass Claudius Dreilich im Gesangsduktus sehr nah bei seinem Vater Herbert (gest. 2004), dem früheren KARAT-Sänger, liegt, ist bekannt und hilft, Kontinuitätslinien weiterzuführen. Der sehr eigene KARAT-Stil ist auf diese Stimmlage, diese Art zu singen, zugeschnitten. Trotzdem ist Claudius Dreilich, der seit 10 Jahren der Frontmann von KARAT ist, nicht nur Abbild des Vaters. Er ergänzt das Erbe um ganz eigene Nuancen und bereichert den KARAT-Sound einmal mehr. Zusammen ergibt das diese faszinierende Mischung aus scheinbarem Understatement, dem sensiblen Gespür für Zwischentöne und überbordender Musikalität.

Gänzlich unberührt von Rücksichtnahme auf vermeintlich aktuelle Trends haben KARAT ein zeitloses Stück gültigen Deutschpops abgeliefert. Qualitativ auf höchstem Niveau, doch gleichzeitig durchzogen von diesem einfachen Pop-Appeal, mit dem Mehrheiten abgeholt werden.

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Die Bedeutung von Karat heute

Helene Fischer, Chris de Burgh, Peter Maffay und Matthias Reim, aber auch Scooter, Jan Josef Liefers und Max Raabe haben KARAT-Songs gecovert. KARAT haben ein neues Album eingespielt, ihr bestes seit langem.

KARAT überzeugen vom ersten Ton an mit den Qualitätsmerkmalen, für die sie gekannt und geschätzt werden: Dichte, vielschichtige Kompositionen, bis ins Detail durchdachte Arrangements, eine Produktion auf dem aktuellen Stand der Tontechnik.

Die Geschichte von Karat ist ein Spiegelbild der deutschen Geschichte, von der Teilung bis zur Wiedervereinigung. Ihre Musik hat Generationen geprägt und ihre Botschaften sind zeitlos. Karat bleibt eine der bedeutendsten Bands der deutschen Rockgeschichte.