Judo Olympia: Regeln und Disqualifikationen

Als eine der nobelsten Sportarten der Welt ist Judo international seit jeher anerkannt, beim japanischen Kampfsport gehört Fairplay zu den wichtigsten Grundlagen. Doch nicht immer werden die auch von allen Sportlerinnen und Sportlern vorgelebt. Ausgerechnet auf der großen Olympia-Bühne gab es in jüngerer Vergangenheit daher den einen oder anderen Fehltritt. Die Spiele in Paris sind da schon am ersten Wettkampftag keine Ausnahme mehr.

Judo-Aufreger bei Olympia: Protest und Fehlurteil

Im Viertelfinal-Duell zwischen dem Spanier Francisco Garrigós und dem Japaner Ryuju Nagayama gerieten gleich beide Kämpfer in den Fokus, bekleckerten sich dabei nicht gerade mit Ruhm. Am Ende wurde aber auch über einen Urteils-Eklat diskutiert. Durch einen Ippon, die Höchstwertung im Judo, die einen sofortigen Kampfgewinn nach sich zieht, zog Garrigós ins Halbfinale ein. Schon zuvor, als die Kampfrichterin Garrigós zum Sieger erklärte, hatte sein unterlegener Gegner die Arme aus Protest ausgebreitet. Bei genauerem Hinsehen keinesfalls zu Unrecht.

Kurz vor der Ippon-Wertung war Nagayama viele Sekunden lang in den Würgegriff von Garrigós geraten, mit dem unmissverständlichen „Mate“-Ausruf hatte die Kampfrichterin dann aber signalisiert, dass der Spanier den Griff wieder lösen müsse. Nach kurzer Unterbrechung bei angehaltener Uhr wäre der Kampf im Sinne des Regelwerks dann fortgeführt worden. Doch Garrigós behielt seinen Griff noch über mehrere Sekunden regelwidrig bei, auch noch nach dem wiederholten „Mate“-Hinweis in seine Richtung - ein klares Foul!

Nagayama verlor für einen kurzen Augenblick sogar das Bewusstsein, rappelte sich danach mühevoll auf. Als er dann mit einer Wiederaufnahme des Kampfes rechnete, ließ die Geste der Kampfrichterin seine Gold-Hoffnungen platzen: Sie erklärte Garrigós zum Sieger. Entsprechend groß war das Erstaunen des zweimaligen WM-Dritten, der noch mehrere Minuten ungläubig auf der Matte verharrte, ehe er nach immer lauter werdenden Pfiffen des Publikums schließlich von der Matte trottete.

Der genauere Blick auf die Szene zeigte, dass Garrigós letztlich von einer glasklaren Fehlentscheidung profitierte. Statt des Sieges hätte es für ihn zwingend eine Strafe geben müssen. Ein Skandal-Urteil! In den sozialen Netzwerken waren die Reaktionen daher eindeutig.

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Garrigós’ Trainer Quino Ruiz berichtete sogar, dass sein Schützling aus Japan bereits erste Drohungen wütender Fans erhalten habe. Im Mutterland des Judos ist der Spanier immer wieder zu Gast. Garrigós selbst verteidigte sich später, erklärte, dass er die Mate-Rufe wegen der Lautstärke in der Halle anfangs nicht gehört habe.

Immerhin: Dank der im Judo üblichen Hoffnungsrunde konnte Nagayama seinen Frust noch einmal in Energie umwandeln, holte sich über den Verlierer-Pfad letztlich ebenso wie Garrigós die Bronzemedaille.

Shido und Hansoku-make: Strafen im Judo

Judo ist ein Kampfsport, der auf Respekt basiert, der aber auch mit Kraft und Technik ausgeübt wird und bei dem es durch die schnellen Aktionen auch zu Vergehen kommen kann. Natürlich kann auch ein Judoka sich falsch verhalten und deshalb braucht es einen Katalog an möglichen Verfehlungen, die zu Strafen führen. Shido ist für die leichten Verstöße einzusetzen und es gibt insgesamt die Möglichkeit, drei Shidos auszufassen. Wenn man danach immer noch eine falsche Aktion zeigt, wird als viertes Hansoku-make ausgesprochen, was der Disqualifikation gleichkommt.

Shido bedeutet aber nicht, dass dadurch der Gegner Punkte zugesprochen bekommt und daher kann ein Kämpfer mit einer Waza-ari-Wertung, der zwei Shidos erhalten hat, immer noch in Führung liegen, während sein Gegner mit einer Yuko-Wertung ohne Strafen im Rückstand liegt. Shido wird auch vergeben, ohne dass man die aktuelle Position verlässt. Das heißt, dass mit Mate das Kommando für das Anhalten ausgesprochen wird, dann wird mit Shido der Kämpfer bestraft und mit Hajime wird der Kampf an gleicher Stelle fortgesetzt.

Für schwere Verstöße wird Hansoku-make ausgesprochen, und zwar in der direkten Form. Es gibt ja die Möglichkeit, nach drei Shidos diese Strafe auszusprechen, was der Disqualifikation gleichkommt. Aber bei der direkten Variante ist ein schwerer Verstoß zu bestrafen und das heißt, dass der Kampf sofort beendet wird und man ist aus dem Turnier ausgeschieden.

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Hansoku-make: Strafe für schwere Vergehen

Hansoku-make ist die Strafe im Judosport für schwere Verstöße oder Vergehen und führt zur sofortigen Disqualifikation, wobei es aber zwei verschiedene Anwendungsgebiete gibt. Wenn man einen leichten Verstoß begangen hat, aber schon vorher für ähnliche Vergehen drei Shidos erhielt, gibt es Hansoku-make als Disqualifikation. Die direkte Variante setzt aber nicht voraus, dass man schon abgestraft wurde.

Ein schwerer Verstoß, der Hansoku-make nach sich zieht, ist die negative Variante zum positiven Ippon. Das Standbein des Gegners von innen wegzufegen, wenn der Gegner eine solche Technik wie Harai goshi etc. Während der Ausführung oder dem Versuch der Ausführung von Techniken wie Uchimata, Harai goshi etc. Alle Angriffe oder Blocks in Tachi waza mit einer oder beiden Händen oder mit einem oder beiden Armen unterhalb des Gürtels werden mit Hansoku make bestraft.

Regeländerungen im Judo

Die IJF (International Judo Federation) hat zum Jahreswechsel die neuen Regeländerungen für den aktuellen Olympia-Zyklus, der offiziell im Mai diesen Jahres beginnt und bis Paris 2024 dauert, bekannt geben. Diese beinhalten zum einen ein paar Orga-Themen sowie Regelungen für die WM und Zusammensetzung bei Mixed-Nationenwettbewerben, ein paar Neuerungen bei der Prüfung des Judoanzugs und ein paar Änderungen bei den Wettkampfregeln.

Die Kriterien für Waza-ari umfassen die Landung (Trefferfläche) auf der ganzen Seite des Körpers in einem Winkel von 90 Grad oder mehr zum Rücken hin, oder auf einer Schulter und dem oberen Rücken. Eine Wertung wird gegeben, wenn der gesamte Körper auf der Seite landet, auch wenn der Ellbogen draußen ist.

Das Greifen unterhalb des Gürtels ist in der Wurfendphase erlaubt, wenn sich der Gegner bereits in Ne-waza befindet. Griff in den Gürtel, einseitiges Fassen, Cross-Grip, Pistolengriff und Taschengriff sind keine normale Kumi-kata.

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Das Neubinden oder Ordnen des Gürtels oder der Haare ist einmal pro Wettkampf und Judoka erlaubt. Weitere Male werden mit Shido bestraft.

Zum Schutz der Gesundheit der Athleten, insbesondere derjenigen die wenig Erfahrung mit Eigenbehandlung haben, wird es Athleten aller Altersklassen erlaubt, professionelle Hilfe beim Einrenken von Finger/Zeh-Ausrenkungen in Anspruch zu nehmen. Dies beinhaltete auch das Tapen.

Einige weitere Regeländerungen und Klarstellungen umfassen:

  • Es ist erlaubt mit beiden Händen zu lösen, wenn man mit einer Hand den Griff behält.
  • Bear Hug ist erlaubt, wenn Tori vorher gegriffen hat.
  • Wenn Uke reagieren MUSS, kann es sich eigentlich nicht mehr um einen Scheinangriff handeln.

Weitere Kuriositäten im Judo-Regelwerk

Beim Judo steht in Artikel 20: Wer sich auf der Matte übergeben muss, wird disqualifiziert! Nicht die einzige Kuriosität im Regelbuch: So darf ein Arzt helfen, wenn ein Fingernagel bricht, indem er den Nagel schneidet. Der Arzt darf auch helfen, indem er eine Hodensack-Verletzung zurechtrückt.

Anpassungen der Jugendregeln im Judo (2025)

Ab dem 1. Januar 2025 gelten die neuen Wettkampfregeln der International Judo Federation (IJF) in allen Altersklassen des Deutschen Judo-Bundes (DJB). Sollte in einer Altersklasse unterhalb der U18 ein Kämpfer dem anderen in Tachi-waza den Rücken zudrehen, ohne Kumi-kata/Kontakt zu haben und ohne dabei eine judotypische Aktion oder Reaktion auszuführen (z.B.

Diese Anpassungen dienen der Sicherheit der jungen Judoka und der Einhaltung der internationalen Standards. Zudem wird empfohlen, die neuen Judogi-Regeln auch auf Landesebene und darunter zu übernehmen.

Die U11 bis U15 Mädchen und Jungen wiegen ab sofort in gültiger Judohose und T-Shirt, dafür gibt es eine Gewichtstoleranz von 500g. An das T-Shirt gibt es bei der Waage noch keine besonderen Anforderungen, es sollte nur nicht zu weit oder aus zu schwerem Stoff sein, da man verhindern möchte, dass die Kids zu hoch eingewogen werden.

Tabelle: Wertungen im Judo

Wertung Beschreibung
Ippon Höchste Wertung, sofortiger Sieg
Waza-ari Zwei Waza-ari ergeben einen Ippon
Yuko Niedrigste Wertung, keine Addition zur nächsthöheren Wertung

Judo ist eine Kampfsportart, die durch die olympischen Sommerspiele besonders bekannt geworden ist. Auch in Filmen wird der Sport gerne gezeigt und es gibt viele, die sich den Kampf und die freundliche Verbeugung vor und nach dem Kampf gerne ansehen.