Judo oder Brazilian Jiu-Jitsu: Ein Vergleich

Für Kampfsportanfänger kann die Unterscheidung zwischen Judo, japanischem Jiu-Jitsu und brasilianischem Jiu-Jitsu eine Herausforderung sein. Deshalb bieten wir seit 2021 neben dem klassischen Ju-Jutsu auch die Variante Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) an. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Judo und BJJ besser zu verstehen.

Ursprünge und Entwicklung

Japanisches Jiu-Jitsu ist die älteste Disziplin, die ihren Ursprung in der Feudalzeit in Japan hat und dazu dient, unbewaffnete Samurai auf dem Schlachtfeld zu unterstützen. Stattdessen wurde Judo Ende des 19. Jahrhunderts von Jigoro Kano erfunden, der Jiu-Jitsu-Techniken in eine sportlichere und weniger gewalttätige Form überführte. Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) oder Brasilianisches Jiu-Jitsu ist eine judoähnliche Kampfsportart, die Mitte des 20. Jahrhunderts in der brasilianischen Region Rio de Janeiro entstand und vom klassischen Judo beeinflusst wurde.

Brazilian Jiu-Jitsu wurde von den Brüdern Carlos und Helio Gracie entwickelt. Carlos lernte unter Mitsuyo Maeda, der wiederum unter dem Gründer des Judos Jigoro Kano lernte. Er wollte die Techniken des Judos an seinen jüngeren Bruder Helio weitergeben, allerdings war dieser eher schmächtig und konnte die traditionellen Techniken nicht anwenden. Helio optimierte die Mechanik wie auch die Hebelwirkung, um sie nutzbar für jedermann zu machen. In den darauffolgenden Jahren gewannen die Söhne des Helio Gracie viele Wettkämpfe. Sie wurden zu berühmten Kämpfern, verbreiteten ihr Wissen, gründeten eigene Kampfsportschulen und machten das BJJ sehr bekannt.

Mitsuyo Maeda trug den siebten Dan (Schwarzgurt) im Judo. Er hatte als Kind Sumo gelernt, aber wegen seiner geringen Größe aufgegeben. Der bereits in Japan, Amerika und Europa bestens bekannte Mitsuyo Maeda lernte 1915 in der Brasilianischen Stadt Belèm Gastão Gracie kennen und freundete sich mit ihm an. Dies war der Beginn des Jiu-Jitsu der Familie Gracie. Nach jahrelangem Training bei Maeda und Carlos eröffneten sie Dojos (Kampfsportschulen) und unterrichteten ihrerseits Schüler. Der siebte Gracie, Helio Gracie, war zu dieser Zeit besonders prominent, obwohl er mit einer Länge von 1,64 Metern eher schmächtig wirkte.

Wie Maeda kamen diese japanischen Meister nach Brasilien, um Jiu-Jitsu und Judo zu fördern. Yano und Yasuichi kämpften gegen Helio Gracie unentschieden.

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Techniken und Strategien

Judo zeichnet sich durch Würfe und Stehtechniken zur Erlangung einer dominanten Position aus. Die Strategie des Judo konzentriert sich auf den Aspekt des Werfens, das heißt, auf die Ausführung eines erfolgreichen Wurfs, der zum Sieg führt. Derjenige, der die bessere Kontrolle und den besseren Griff hat, gewinnt am Ende. Eine Sache, die man beachten sollte, ist, dass der Bodenkampf beim Judo nicht im Vordergrund steht.

BJJ vereinigt Elemente des Judo und des Ju-Jutsu mit Fokus auf den Bodenkampf. Die BJJ-Strategie ist dagegen mehr auf den Boden ausgerichtet. 90 % eines BJJ-Kampfes findet am Boden statt. In den meisten BJJ-Schulen beginnen die Übungen sogar am Boden. Es besteht darin, sich in eine vorteilhafte Position für den Nahkampf zu begeben und den Gegner durch Armhebel, Würgen oder Pressen zu überwältigen. Entscheidend sind am Ende das Verständnis der Techniken, das dann zu ihrem wirkungsvollen Einsatz führt.

BJJ verfügt über Techniken und Regeln, bei denen es darum geht, den Gegner im Kampf mit bloßen Händen kampfunfähig zu machen. Mit anderen Worten, das Ziel dieser Kampfkunst ist es, eine vorteilhafte Position zu erlangen, um den Gegner mit einem Haltegriff zu fixieren, ihn mit einem Würgegriff zu betäuben oder ihn mit einer Submission (Unterwerfung) zu überwältigen. Daher liegt der Schwerpunkt des BJJ auf Bodentechniken wie Armhebel, Würgen, Pressen und Ausweichen, bei denen die Technik wichtiger ist, als die reine Körperkraft.

BJJ ist beides: modern und traditionell. Die "alten Meister" waren schon "modern". Sie haben schon vor 100 Jahren versucht, das beste für ihren individuellen Körper und Stil zusammenzusuchen, haben sich an anderen Sportarten und anderen Leuten orientiert. Alles was funktioniert, wird übernommen und mit Respekt behandelt.

Wettkampfregeln

Um im Wettkampfbereich faire Verhältnisse zu schaffen, erfolgt hier eine Geschlechtertrennung sowie die Unterteilung in Alters- und Gewichtsklassen. Judo wurde 1964 ofiziell Disziplin für die Olympischen Spiele. Seitdem haben sich die Regeln ziemlich verändert. Die Basis-Regeln sind jedoch relativ gleich geblieben.

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Um einen Kampf im Judo zu gewinnen gibt es diese Möglichkeiten:

  • Einen kompletten Punkt oder Ippon gibt es, wenn der Gegner mit dem ganzen Rücken auf die Matte (Tatami) fällt. Dies gilt als direkter Sieg und der Kampf endet. Wenn nur der halbe Rücken auf den Boden geht, heißt dies Waza-ari und zählt einen halben Ippon. Zwei Waza-ari führen zum ebenfalls zum Sieg.
  • Den Gegner für 20 Sekunden auf dem Boden unbeweglich halten ist dies ebenfalls ein Ippon. Wenn es 10 Sekunden sind und der Rivale sich befreien kann, zählt diez als Waza-ari.
  • Ebenfalls ein Ippon ist, wenn der Gegener auf dem Boden gewürgt oder eine Hebelbewegung gemacht wird, was ihn zum Aufgeben zwingt.

Obwohl es möglich ist, wie auch bei einem Brazilian Jiu-Jitsu-Turnier, durch Verrenkungen oder Würgen im Bodenkampf einen Sieg zu erringen, konzentriert sich Judo mehr auf den Fußkampf oder Tachi-Waza und sobald die Kämpfer zu Boden gehen, müssen sie die Handlungen sehr schnell ausführen, oder der Schiedsrichter wird sie wieder auf die Beine stellen lassen.

Die Wettkampfgeschichte des BJJ ist viel jünger als die des Judo. Ausserdem ist Judo eine olympische Disziplin, BJJ im Gegensatz nicht. Die Regeln im Brazilian Jiu Jitsu sind sehr unterschiedlich:

  • Es gibt Punkte, wenn der Gegener mindestens 3 Sekunden auf dem Boden gehalten werden kann.
  • Ein Kampf endet, wenn auf direkte Weise der Kampf kann direkt mit einer "Vollendung" beendet werden, die einfach darin besteht, dem Gegner eine Dislokations- oder Strangulationstechnik aufzuerlegen, so dass er gezwungen ist, sich zu ergeben.
  • Es sind Luxationen (Verrenkungen) in Gelenken erlaubt, die es nicht im Judo sind, zum Beispiel die Knöchel und auch andere Arten von Techniken, die im Judo nicht erlaubt sind, aber beim BJJ gibt es Würgetechniken, bei denen direkt die Arme, ohne Kimono ausgeführt werden.
  • Im Falle das keiner der beiden Gegner einen Kampf für sich gewinnt, gewinnt der Teilnehmer mit der höchsten Punktzahl.

Das Punktesystem wird normalerweise wie folgt zusammengefasst:

  • 2 Punkte: man bekommt sie, wenn man den Gegner durch Rollen oder Drehen auf den Boden bringt oder die Technik Knie auf dem Bauch ausführen kann.
  • 3 Punkte: wenn man die Abwehr des Gegners überwindet.
  • 4 Punkte: erreicht man, wenn man auf dem Rücken oder Brustkorb des Gegners gelangt.

Training und Ausrüstung

Im Judo liegt der Schwerpunkt mehr im Tachi-waza (Kampf im Stehen). Es wird auch das Ne-waza trainiert, aber die Proirität liegt im Kampf im Stehen. Im Brasilianischen Jiu Jitsu geschieht eher das Gegenteil. Es wird vermehrt am Boden trainiert, als im Stehen.

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Was die Kleidung betrifft, sind Jiu-Jitsu-Kimonos im Allgemeinen leichter als Judo-Judogis, die dicker und zugfester sind. Was die Gürtelfarben betrifft, so ist die Graduierung im Judo von Region zu Region unterschiedlich. In den meisten Ländern gibt es vor dem schwarzen Gurt (Dan) sechs Schülergurte (Kyu). Das Brazilian Jiu-Jitsu BJJ Gurtsystem ist sehr ähnlich, hat aber weniger Farben. Für jeden Gurt- außer dem weißen, weil der strenggenommen keine Graduierung, sondern ein notwendiges Kleidungsteil ist - ist ein Mindestalter vorgeschrieben,während das Mindestalter für den blauen oder violetten Gurt 16 Jahre beträgt. In beiden Sportarten ist ein fortgeschrittenes Training erforderlich, um den schwarzen Gurt zu erlangen.

Die traditionellen BJJ- und Judogis sehen sich sehr ähnlich, es gibt jedoch einige kleine Unterschiede. Der Judogi ist aus fester gewebtem Baumwollstoff als die gängigen Taekwondo- oder Karategis, da er dem Zug während der Würfe standthalten muss. Im BJJ gibt es auch No-Gi-Wettkämpfe, die dem Ringen ähnlicher sind, jedoch mit Unterwerfungen.

Beim Judo werden zwei Farben benutzt: weiss und blau, es gibt kaum großflächigen Aufnäher und oft wird das Markenlogo klein und unauffällig gehalten. Bekannte Markennamen für Judogis sind Adidas oder Mizuno mit exzellenten Modellen wie der Mizuno Yusho IJF 2015 oder der Adidas Judogi Competición Slim 2018, den Sie in unserem Shop online finden können.

Brazilian Jiu Jitsu Kimonos sind auf dem ersten Blick den für Judo sehr ähnlich, aber der Hauptunterschied ist, bei den BJJ Kimonos gibt es eine Menge unterschiedlicher Designs mit vielen Aufnähern oder Stickereien in unterschiedlichen Farben oder farbliches Innenfutter. Ein weiterer Unterschied, der nicht gleich ersichtlich ist, aber hervorsticht, ist die engerer Passform der Kimonos für BJJ, sie liegen enger am Körper an als die Judogis für Judo.

Neben den Basisfarben wie im Judo Weiss und Blau, kommt noch die Farbe Schwarz dazu. Diese Farben sind für Wettkämpfe zugelassen, aber es gibt für´s Training jede Menge farblicher Varianten wie Dunkelblau, Navygrün oder sogar Kamouflage. Aber Vorsicht! Manche Trainer mögen diese Farbvarianten überhaupt nicht.

BJJ im MMA

BJJ hat innerhalb der Mixed-Martial-Arts (MMA) eine lange Geschichte. Man kann behaupten, dass das moderne MMA der legitime Nachfolger des brasilianischen Vale Tudos ist, mit der sich die Familie Gracie einen Namen gemacht hat. Auch Ellbogentechniken und Kopfstöße waren erlaubt, es wurden keine Handschuhe getragen und es gab weder Runden noch Punktewertung. Wer gewonnen hatte, entschied sich durch die Kämpfe.

Um BJJ in den Vereinigten Staaten zu fördern, gründete Rorion Gracie den UFC (Ultimate Fighting Championship). Er hoffte, so den Sport besser vermarkten zu können. BJJ ist bei modernen MMA-Kämpfern nach wie vor sehr beliebt, da 99 % der MMA-Kämpfer inzwischen BJJ trainieren oder zumindest eine Form der BJJ-Verteidigung erlernt haben.

Vor- und Nachteile

Ich würde sagen, dass Bjj mehr Anwendungsmöglichkeiten hat, allerdings würde ich Judo, wenn es gut trainiert wird nicht unterschätzen, Bjj und Judo lassen sich meines Wissens nach sehr gut kombinieren. Es ist essenziell dieselbe Kampfkunst. Bjj fokussiert sich mehr auf den Bodenkampf und Judo mehr auf Würfe. Es gibt bjj Leute mit guten Würfen (wenn eher selten), aber auch Judoka die gut am Boden sind.

Ich denke mal, dass grundsätzlich keine Sportart besser oder schlechter ist, als eine andere. Brazilian Jiu-Jitsu ist eine Sportart, in der jeder sein geistiges Wohlbefinden finden kann. Ob als junger oder älterer Mensch, ob sportlich fit oder erst startend. Sie ist grundsätzlich für jeden geeignet, da die effektive Ausführung der Techniken wenig Kraft beansprucht. Alle Teilnehmer, ob jung oder alt, männlich oder weiblich, stehen gemeinsam auf der Matte und trainieren.

BJJ orientiert sich am Stand des Wissens und nicht an alten Katalogen. Das haben auch die alten Meister schon getan und tun es heute noch. Deswegen kommt der Respekt vorm Meister und vorm direkten Trainer und vor der "Linie" ganz von allein. BJJ hat Respekt vor allen Menschen und vor allen Sportrichtungen und ist für jeden offen. Auf unseren Turnieren darf jeder kämpfen und wir dürfen auch überall kämpfen. Und es gibt Turniere mit vielen verbotenen Techniken, mit wenigen Verboten. Mit Zeitlimit, ohne Zeitlimit. Mit Gi, ohne Gi. Also für jeden was dabei.