WWE hinter den Kulissen: Eine neue Doku-Serie auf Netflix

WWE gewährt in diesem Sommer einen Blick hinter die Kulissen, wie es ihn noch nie gegeben hat. Und das Beste: Sogar das deutsche Publikum darf durch den Vorhang luken.

„WWE: Unreal“ startet im Juli auf Netflix

Die Rede ist von einer neuen Behind-the-Scenes-Doku-Serie, die WWE gemeinsam mit Netflix an den Start bringt. Für „WWE: Unreal“ ist in dieser Woche der Starttermin enthüllt worden: Ab dem 29. Juli (9:00 Uhr) stehen die fünf Folgen der ersten Staffel zum Streamen auf der Plattform bereit. Jede Episode hat eine Spielzeit von rund 50 Minuten. Auch bei uns wird es „WWE: Unreal“ auf Netflix zu sehen geben.

Diese Frage hatten bereits einige Fans gestellt, schließlich bleibt Deutschland beim regulären WWE-Content (Raw, SmackDown, NXT, PLEs) außen vor. Diese Programme sollen erst nach dem Ende der laufenden TV-Vereinbarung mit ProSieben MAXX zu Netflix kommen (Frühjahr 2028).

Die Doku-Serie zeigt die Arbeit des WWE-Kreativteams

Einen Blick hinter die Kulissen von WWE hat es in der Vergangenheit bereits in unterschiedlichen Formaten gegeben. Dennoch dürfen Zuschauer mit ungeahnten Einsichten rechnen. Der Grund: Erstmals steht in einer solchen Produktion die Arbeit der Kreativabteilung des Wrestling-Unternehmens im Vordergrund.

Netflix bewirbt „WWE: Unreal“ mit diesen Worten: „Betreten Sie zum allerersten Mal den WWE Writer’s Room und den Bereich außerhalb des Rings mit Ihren Lieblings-WWE-Superstars, wo das Drama um kein bisschen kleiner ist als im Rampenlicht.“ Im Trailer zur Sendung verspricht Paul „Triple H“ Levesque: „Wir werden den Vorhang öffnen!“ Der WWE-CCO dürfte eine zentrale Rolle spielen.

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WWE und Netflix wollen neue Zuschauer gewinnen

Das erklärte Ziel: Über die Doku, die von WWE und weiteren hochkarätigen Playern in der Welt des US-Sports produziert wird (Skydance Sports, NFL Films und Peyton Mannings Omaha Productions), sollen neue Zuschauer für die Wrestling-Übertragungen auf Netflix gewonnen werden. Der Streaming-Riese erhofft sich einen ähnlichen Effekt, wie ihn vor einigen Jahren die „Drive to Survive“-Serie für die steigende Popularität der Formel 1 in den USA hatte. Bereits in einem Monat soll „WWE: Unreal“ weit oben in den Netflix-Charts aufscheinen.

Weitere Einblicke hinter die Kulissen: "The Last Ride" mit dem Undertaker

Eine Doku begleitete den Undertaker durch seinen Karriere-Herbst bei WWE. Die Ringlegende offenbart schonungslos wie nie ihre Ängste und Selbstzweifel. Gelüftet hat der Undertaker den Vorhang schon seit einigen Jahren. Im Frühjahr 2020 fiel er endgültig.

Die WWE-Legende offenbarte in einer Doku-Serie der Wrestling-Liga ungeschönt wie nie die reale Person hinter dem mystischen Totengräber-Charakter - und hat ihn an deren Ende offenbar in den Ruhestand geschickt. Drei Jahre lang hatte sich Mark Calaway, wie der Taker im wahren Leben heißt, seit 2017 von einem Kamerateam hinter den Kulissen begleiten lassen.

Das Ergebnis war eine fünfteilige Reihe namens "The Last Ride" (die Analogie zum "Last Dance" von Michael Jordan ist offensichtlich), inzwischen vollständig zu sehen im Web und Smart TV auf dem Streaming-Portal WWE Network. Schon die sehenswerten ersten Einblicke in die Show zeigten, wie der 55-Jährige sich durch den Spätherbst seiner scheinbar nicht enden wollenden WWE-Karriere kämpfte und dabei auch mit Selbstzweifeln und Versagensängsten rang, dem fortgeschrittenen Alter und den nachlassenden Ringleistungen haderte.

"Eine meiner größten Ängste ist die Angst zu einer Art Parodie meiner selbst zu werden", lautet ein Schlüsselsatz des Takers zu Beginn der ersten Episode - in deren Verlauf er aber auch ehrlich damit umgeht, dass ihm das zuletzt nicht immer gelungen ist.

Undertaker hatte Idee zu "The Last Ride" selbst

Die Idee zu dem Filmdreh ging vom Undertaker selbst aus, wie er in einem Interview mit ESPN berichtete: "Das Ende naht und ich wusste, dass ich ein paar Dinge dokumentieren musste, denn sonst würde es keine Gelegenheit mehr dazu geben." Einen konkreten Plan, was aus dem Filmmaterial entstehen sollte, hätte es zunächst nicht gegeben, die Idee zu der Serie hätte sich erst im Lauf der Zeit entwickelt.

Die erste Folge mit dem Namen "Chapter 1: The Greatest Fear" begleitete den Taker bei der Vorbereitung auf den Kampf gegen Roman Reigns bei WrestleMania 33, der damals sein letztes Match zu werden schien - und enthüllte in aller Deutlichkeit, wie sehr er diesen Kampf als Enttäuschung empfand.

"Angewidert" von WrestleMania-Match gegen Roman Reigns

"Ich war so angewidert, dass ich es mir nicht nochmal anschauen wollte", blickte der "Deadman" zurück. Dass die Kameras ihn dann aber auch dabei begleiteten, sei für ihn einer der unangenehmsten Momente der Dreharbeiten gewesen. Der Undertaker war damals sichtlich angeschlagen in das Match gegangen, vor allem Hüftprobleme beeinträchtigten ihn.

Am Ende war das Niveau des Kampfs weit weg von dem seiner WrestleMania-Klassiker gegen Shawn Michaels, Triple H und Co. Vor allem für Reigns hätte ihm das leidgetan, berichtete der Taker: "Ich wollte das Beste für ihn tun, ich halte unendlich viel von ihm." Aber je mehr er in dem Match zu zeigen versucht hätte, desto mehr sei schiefgegangen.

Reigns durfte das "Phenom" am Ende besiegen und ihm damit die zweite Niederlage bei der größten WWE-Show des Jahres zufügen, drei Jahre nachdem Brock Lesnar den WrestleMania-Streak beendete (in einem Match, das auf noch üblere Weise aus dem Ruder gelaufen war).

Last des Alters plagt den Taker

Immer wieder wurde in "The Last Ride" das Dilemma des Takers offenkundig: Er versuchte dem eigenen Mythos auch im Alter gerecht zu werden, obwohl sein durch über 30 Jahre im Ring und zahlreiche Blessuren geschundener Körper das immer weniger zuließ - trotz seines noch immer beachtlichen Fitness-Levels, das er auch dem Training mit seiner Frau Michelle McCool zu verdanken hat.

Er fühle eine "Pflicht", bei seinen selten gewordenen Matches das Beste aus sich herauszuholen, sagt der Taker beim Weg zum Training für das Reigns-Match in die Kamera - gerade auch den Wrestlerkollegen gegenüber, denen er den Platz auf der Card wegnehme, obwohl sie viel häufiger die Knochen hinhielten. Erkennbar wehmütig ergänzt der Taker: "Es würde mich fertig machen, wenn ein Zuschauer, der mich von früher kennt, seinem Sohn jetzt über mich sagen würde: Du hättest sehen müssen, wie er früher war. Nicht, wie er heute ist."

Noch ein Comeback bei WWE? Alles offen

Wohl auch, weil er diesem Anspruch gegen Reigns nicht gerecht geworden ist, hat der Undertaker nach dem Match gegen Reigns doch nicht Schluss gemacht, kehrte stattdessen ein Jahr darauf mit einem weiteren WrestleMania-Match gegen John Cena zurück und steht seitdem immer wieder in unregelmäßigen Abständen im Ring.

Bei ESPN zeigte sich der Taker auch noch offen dafür, dass solche Matches seine Karriere auch noch weiter verlängern könnten. "Das könnte so kommen, wenn ich das wollte", sagte er. In der Abschluss-Episode - in der unter anderem der Tod seines Bruders Timothy Thema war - kam dann aber doch die verhältnismäßig klare Ansage: Er spüre "kein Verlangen" mehr, wieder in den Ring zu steigen.

WWE-Doku „Mr. McMahon“: Aufstieg und Fall eines Imperators

Eine neue Netflix-Doku leuchtet den Aufstieg und Fall des über verstörende Vorwürfe gestolperten WWE-Gründers Vince McMahon aus. McMahon bezeichnet sie als „irreführend“ - dabei sind es seine eigenen Worte, die entlarvend sind. Vince McMahon, der wegen schweren Vorwürfen der Vergewaltigung und des Sexhandels in Ungnade gefallene Wrestling-Mogul, ist enttäuscht.

In dieser Woche hat der Streaming-Riese Netflix eine große Doku über seine Lebensgeschichte veröffentlicht - und es ist nicht das herausgekommen, was der Gründer und langjährige Patriarch von WWE sich erhofft hat. „Die Produzenten hatten die Chance, eine objektive Geschichte über mein Leben zu erzählen und das unglaubliche Geschäft, das ich aufgebaut habe - angefüllt mit Spannung, Drama, Spaß und einem gewissen Maß an Kontroversen und Lektionen fürs Leben“, klagte der 79-Jährige bei X über die Serie „Mr. McMahon“. Stattdessen sei sie eine „bewusst irreführende“ Vermischung von Realität und Fiktion, eine böswillige Vermengung seiner realen Persönlichkeit mit der Kunstfigur Mr. McMahon, die er vor der WWE-Kamera gespielt hatte.

Es war eine überraschende Wortmeldung des zuletzt eher aus der Öffentlichkeit abgetauchten Multi-Milliardärs - der das Aufsehen um das aufwändige Filmprojekt eher noch vergrößert hat. „Mr. McMahon“ ist in dieser Woche das Gesprächsthema Nummer 1 in der Wrestling-Szene - denn die oft bizarren Einblicke, die es in den Charakter und das Machtsystem des gestürzten Showkampf-Imperators gibt, sind ebenso umfassend wie vielsagend.

Netflix-Doku „Mr. McMahon“ nimmt WWE-Gründer in den Fokus

Zur Erinnerung: McMahon trat zu Beginn des Jahres bei WWE zurück, nachdem die junge Ex-Angestellte und -Geliebte Janel Grant ihm vorwarf, sie vergewaltigt und innerhalb seiner Firma als sexuelle Ware angeboten zu haben (unter anderem dem seit Januar ebenfalls von der Bildfläche verschwundenem Topstar Brock Lesnar) - untermauert mit der Veröffentlichung zahlreicher vulgärer Textnachrichten McMahons, die auf ein ausbeuterisches Verhältnis des Ex-Bosses mit seiner früheren Untergebenen hindeuten.

McMahon, gegen den auch andere ungeklärte Vergewaltigungs- und Belästigungsvorwürfe im Raum stehen, weist alle Anschuldigungen strafbaren Verhaltens zurück. Der Fall ist aktuell Gegenstand staatlicher Ermittlungen. Mitten hinein in das laufende Verfahren stößt nun das Netflix-Projekt, 2020 noch von WWE selbst mit hörbarem Stolz als Prestige-Projekt und „bahnbrechender Deal“ mit dem Streaming-Anbieter verkündet - das dann aber eine völlig andere Richtung genommen hat als ursprünglich geplant.

Hinter „Mr. McMahon“ steckt der preisgekrönte Filmemacher Chris Smith, ausführender Produzent der Kult-Doku „Tiger King“ und Regisseur der für Emmys nominierten Dokus „Fyre“ und „Jim & Andy“ über Jim Carreys Porträt des wrestlingaffinen Comedians Andy Kaufman in dem Film „Man on the Moon“.

Smith und seine Mitstreiter hatten die Dreharbeiten eigentlich schon abgeschlossen, als sich im Sommer 2022 nach den ersten Enthüllungen brisanter Schweigegeld-Zahlungen McMahons die Ereignisse vor und hinter den Kulissen überschlugen. Dem Projekt drohte zwischenzeitlich das Aus, stattdessen wurde schließlich - ohne Mitwirkung McMahons - ein neuer Schluss ergänzt, der auch den Sturz des langjährigen WWE-Patriarchen aufarbeitete.

Das Endprodukt bietet Kennern des McMahon-Skandals und der WWE-Geschichte keine bahnbrechenden Neuigkeiten, aber ein packend erzähltes Panorama von McMahons Wirken und seines eigenwilligen Charakters. Die Doku zeichnet McMahons Vita und die Geschichte seines Lebenswerks WWE nach, das McMahon von einer regionalen Showkampfliga zu einem globalen Imperium aufbaute: Die ersten vier Episoden porträtieren den ersten Boom der damaligen WWF mit dem damaligen Superstar Hulk Hogan, die Krise der Neunziger und die Attitude Era, das zweite große Hoch der Promotion mit den Aushängeschildern „Stone Cold“ Steve Austin und Dwayne „The Rock“ Johnson - und den gewonnenen Konkurrenzkampf mit dem 2001 untergegangenen Rivalen WCW.

Hätte WWE schon damals den öffentlichen Stellenwert besessen, den das Unternehmen heute hat, hätte McMahon womöglich schon viel früher abtreten müssen. Stattdessen behielt er trotz aller Kontroversen und Affären stets die Kontrolle über sein Reich, dessen Geschäfte durch milliardenschwere TV- und Streamingdeals und einen neuen Zuschauerboom seit rund zwei Jahren aktuell besser denn je laufen.

Etwa zum selben Zeitpunkt begann McMahon die Kontrolle über sein Lebenswerk zu verlieren. Eine investigative Enthüllungsserie des Wall Street Journal legte offen, dass McMahon jahrelang ein Schweigegeld-System unterhielt, mit dem er Vorwürfe sexueller Belästigung und Gewalt unter Verschluss hielt - unter anderem kam eine 7,5-Millionen-Dollar-Zahlung an eine anonyme Ex-Wrestlerin ans Licht, die ihm vorwirft, ihn im Jahr 2005 zu Oralsex gezwungen zu haben.

McMahon verkündete unter dem Druck der Ereignisse seinen Rücktritt und angeblichen „Ruhestand“, putschte sich Anfang 2023 aber mit Hilfe seiner Macht als Anteilseigner zurück ins Unternehmen und handelte die große Fusion mit dem UFC-Mutterkonzern Endeavor aus, wurde im neuen Konglomerat TKO der zweite Mann hinter Firmenboss Ari Emmanuel.

Der ewige Vince schien endgültig unverwundbar - als denn jedoch die Anwälte von Janel Grant ihre Klage und die belastenden Indizien öffentlich machten, wurde McMahon schnell zum endgültigen Rücktritt gedrängt.

Trotz der umfassenden kritischen Betrachtung McMahons ist die Doku nicht als persönliche Vernichtung angelegt, Regisseur Smith und sein Team mühen sich spürbar um ein dreidimensionales Bild.

Seltsames Verhältnis zur eigenen Familie

In einem souveränen Kunstgriff lässt Smith in der letzten Episode McMahons langjährigen Vertrauten Bruce Prichard über das eigene Projekt lästern: Der Rohschnitt, den er gesehen hätte, sei „Scheiße“, McMahon sei nicht das „Arschloch“, als das ihn die Doku hinstellen wolle, menschliche Seite käme zu kurz - etwa, dass McMahon das Leben von Prichards krebskranker Frau mit der Finanzierung der bestmöglichen Therapie verlängert hätte.

Auch in zahlreichen Interviews mit McMahons Weggefährten wird deutlich, wie viele seiner früheren Stars - John Cena, der Undertaker, früher auch der alte Freundfeind Bret Hart - ihn wie Vaterfigur betrachteten oder noch tun.

Demgegenüber steht - auch das wird in der Doku sehr deutlich - ein in vielfältiger Weise seltsames Verhältnis McMahons zur eigenen Familie: Zu Vater Vince Sr., den er ausbootete, als er die Vorgängerliga WWWF unternahm. Zu Frau Linda - Ex-Ministerin im Kabinett seines Geschäftsfreund Donald Trump -, mit der er seit langem eine De-facto-Scheinehe führt. Zu Sohn Shane, der offen zugibt, mit seinen waghalsigen Ringstunts die Liebe und den Respekt seines Vaters gesucht zu haben, den er sonst nicht bekommen hätte. In Teilen auch zu seiner Tochter und einst designierten Firmenerbin Stephanie, der er einmal - Vince erzählt es selbst - die Story-Idee vorschlug, dass er ihr ein Inzest-Baby gemacht hätte.

Dass dem Menschen Vince McMahon irgendetwas fehlt, offenbart er auch, als er in der Doku über das Thema Ruhestand spricht - und erklärt, dass ihm ein Rätsel sei, warum irgendjemand sein Berufsleben je verlassen wollte: „Wer aufhört zu wachsen, stirbt. Was genau wollt ihr denn tun, wenn ihr in den Ruhestand geht? Für solche Leute habe ich kein Verständnis. Dann sterbt halt.“ (Seinen ersten Rücktritt nach den Schweigegeld-Enthüllungen begründete McMahon einige Monate später mit den Worten: „Mit 77 ist es für mich Zeit, in den Ruhestand zu gehen“)

„Manchmal verlieren Performer den Sinn dafür, wer sie sind“

Was den Menschen McMahon stattdessen umtreibt, präsentiert die Serie am Ende der letzten Episode mit einem weiteren Interviewschnipsel aus dem Jahr 2021 - das durch die darauffolgenden Enthüllungen nun ebenfalls in anderem Licht erscheint.

McMahon räsoniert auf Nachfrage der Filmemacher über genau die Frage, die die Doku seiner späteren Behauptung zufolge falsch dargestellt hat: wie er wirklich sei und wie viel davon der Kunstfigur „Mr. McMahon“ stecke.

Die Antwort McMahons aus dem Jahr 2021: Die Frage sei schwierig, gewiss sei er „egomanisch“, wichtig seien ihm aber auch „Körperkultur“, „sexuelle Aktivität“ und sein Bedürfnis „jeden Tag herausgefordert“ zu werden: „Manchmal beginnen Performer zu glauben, dass sie die Rolle sind, die sie darstellen und verlieren jeden Sinn dafür, wer sie wirklich sind. Ich frage mich auch oft, was von mir die Rolle ist und was ich selbst. Vielleicht ist es eine Mischung. Ein Teil ist in jedem Fall etwas übertrieben. Ich bin nur nicht sicher welcher.“

Grenze zwischen Realität und Fiktion selbst verwischt

Die Schlusspointe der Doku verdeutlicht, dass McMahon und seine verbliebenen Anhänger es sich zu einfach machen, wenn sie dem Filmprojekt vorwerfen, die Grenze zwischen Realität und Fiktion zu verwischen.

Es ist McMahon selbst, der dies immer wieder tat und tut, sich hinter seiner Rolle versteckt, sein Alter Ego als machtversessener Boss als Schutzschild für echte Machtspiele mit seinen Untergebenen benutzt hat und die kreative Kontrolle über die Story-Scheinwelt, um sich selbst und auch seine Skandale in ein günstigeres Licht zu tauchen - oder es zumindest zu versuchen.

Die Netflix-Doku zeigt in dieser Hinsicht diverse entlarvende Beispiele auf: Als McMahon 2006 von einer Solariums-Angestellten beschuldigt wurde, sie sexuell bedrängt zu haben, inszenierte er bei WWE zwei Wochen später eine Story, in der Wrestlerin Mickie James einen unschuldigen Mann mit erlogenen Belästigungsvorwürfen ins Gefängnis brachte.

Ein Jahr darauf steckte McMahon James‘ Kollegin Ashley Massaro in ein TV-Segment, in der er sie in demütigender Weise anschrie, zum Weinen brachte und eine (Story-)Suspendierung verkündete - wie kurz nach McMahons Rücktritt herausgekommen ist, warf die inzwischen verstorbene Massaro McMahon vor, sich mit einer herabwürdigenden Darstellung ihres TV-Charakters für abgelehnte sexuelle Avancen gerächt zu haben.

Janel Grant? „Eine Affäre, die ich beendet habe“

Die Anwälte von Janel Grant sehen das Charakterportät als Bestätigung des Eindrucks, dass McMahon sein Wrestling-Reich als Machtinstrument gegen Frauen eingesetzt hätte.

„Die Serie verdeutlicht, dass es keinen Unterschied zwischen McMahons TV-Charakter und seinem wahren Selbst gibt“, kommentierten die Anwälte von Janel Grant die Doku: Die „gewalttätigen Ausbrüche, sexuelle Perversion und die Manipulation“, die McMahon in seiner Rolle auslebe, seien „genau das, was Janel Grant jahrelang hinter verschlossenen Türen erlebt hat“.

McMahon zeigt sich derweil weiter ungerührt von der Masse der Vorwürfe, die gegen ihn im Raum stehen - und gibt sich zuversichtlich, dass er seinen Namen reinwaschen und der Fall Janel Grant nie vor Gericht landen werde.