Seit Januar 2024 gibt es seitens des Deutschen Judo-Bundes eine neue Grundsatz- und Verfahrensordnung für Kyu-Grade. Das neue Graduierungssystem soll hierbei sowohl Tradition und Moderne, als auch klare Standards und Flexibilität ermöglichen. Das moderne Technikverständnis und die Kompetenzorientierung weisen hierbei den Weg.
Eine Verbindung von Wissen und Können unter Berücksichtigung individueller Entwicklung, Fähigkeiten und Fertigkeiten, gepaart mit individuellen Aufgabenstellungen und selbstständigen Lösungsansätzen werden angestrebt. Dadurch wird ein tieferes Verständnis von Situation und Lösung hergestellt. Im Mittelpunkt des „modernen Graduierungssystems“ steht neben der „Technik als Lösung einer Situation“ auch der vereinfachte Einstieg in den Judosport.
Anders als bisher muss im Rahmen der Graduierung zum 8. Kyu kein erreichtes Fertigkeitsniveau, sondern ausschließlich ein Grundverständnis von und über Judo erlangt werden. Der „neue“ weiß-gelbe Gürtel ist nicht mehr Teil des Graduierungssystems, sondern soll als „Einstiegsgürtel“ das Eintauchen in die Welt des Judosports schneller ermöglichen.
Unter dem Motto „Der weiß-gelbe Gürtel, dein erster Schritt zum schwarzen Gürtel“ haben Vereine die Möglichkeit, in Schnupperkursen, beim „Tag des Judo“ oder im Rahmen anderer Projekte mit einfachen ausgewählten Inhalten elementare Grundlagen spielerisch zu vermitteln und anschließend den weiß-gelben Gürtel auch ohne Vereinszugehörigkeit zu verleihen. So baut der Judoverein direkt eine Bindung auf und motiviert die neuen Judoschüler dazu, die nächsten Schritte im Leben eines Judoka zu gehen. Wer will schließlich nicht einen schwarzen Gürtel besitzen?
Das neue Kyu-Graduierungskonzept wurde zum 1. Juli 2022 veröffentlicht und allen Landesverbänden und Vereinen zugänglich gemacht. Nach einer anderthalbjährigen Übergangsphase soll das neue Graduierungssystem zum 1. Januar 2024 implementiert sein.
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Die im Kyu-Programm beschriebenen „Anforderungen für Kyu-Grade“ sind integraler Bestandteil der Graduierungsordnung des Deutschen Judo-Bundes.
Die Kyu-Grade im Überblick
- 8. Kyu (weiß-gelb): Für den 8. Kyu (weiß-gelb) gilt der Leitspruch „Der erste Schritt zum schwarzen Gürtel“. Hier wird ausschließlich das Grundverständnis von und über Judo abverlangt. Dazu gehören die Judowerte, Fallen zur Seite und nach Hinten sowie zwei Haltegrifftechniken beherrschen. Ebenso im Judo-Standkampf sollen sich die Kämpfenden kontrolliert werfen.
- 7. Kyu (Gelbgurt): Für den 7.Kyu (Gelbgurt) stehen „Fallen, Werfen und Halten“ im Vordergrund. Bei Wurftechniken ist besonders zu beachten, dass nach beiden Seiten geworfen wird.
- 6. Kyu (Gelb-Orangegurt): Der 6. Kyu (Gelb-Orangegurt) steht unter dem Motto „Vertiefung und Variationen des Fallen, Werfen und Halten.
- 5. Kyu (Orangegurt): Für den 5.Kyu (Orangegurt) ist Dynamik und Festigung von Wurftechniken erforderlich. Jetzt folgt das sogenannte GLT (Grundlagentraining), denn mit dem Orangegurt verlassen wir den Bereich der Grundausbildung, bzw.
Anforderungen für den Grüngurt
Demonstriert werden mindestens 12 Techniken aus der freien Bewegung, ruhig nach Absprache (Yakusoku-geiko). Einigen wir uns auf 10 Techniken. Punkt. Die Bedingung ist wieder die übliche Auswahl, es werden 4 Techniken aus dem [3]Kyo gefordert und 4 aus dem [2]Kyo, plus 4 aus dem [1]Kyo erwartet ... Techniken des Kanons der letzten zwei Klassen sind noch unbekannt.
Der Schüler (& ÜL/TR) wählt wieder weise aus, entweder 12 Möglichkeiten aus 2704156 oder er nimmt einfach den Tomoe-Nage (oder den Yoko-Otoshi, da er einen Sutemi-waza demonstrieren soll!), plus 3 neue Techniken, zzgl. Auch hier werden Situation gefordert, nämlich durch den Passus: Wurfkombination(en) & unterschiedliche Wurfausführung ---> also Fassarten, r/l, auch diverse Platzwechsel ...
Anstelle der Empfehlung des Sode-Tsurikomi-Goshi (auf der anderen Seite) darf man in "der Grundform" jede beliebige Technik des Programms beidseitig demonstrieren. Empfohlen wird eine permanente Wiederholung der vorhergehenden Klasseninhalte. Der "freie Fall" wird eingeführt damit man Tomoe-Nage in das Programm einfügen kann, doch eigentlich geht es um den überaus erfolgreichen Uchi-Mata (in der Differenzierung als Hüftwurf, Koshi-Waza). Art des Greifens (Kumi-Kata), durchaus als GRIFFKAMPF eingeführt. Zug & Druck, sowie Blocken wird betont. (zzgl. An dieser Stelle wird vermehrt auf Kaeshi-Waza, also "Kontertechniken" wert gelegt, es soll viel geblockt werden (Ukes Verteidigungsverhalten).
Koshi-Guruma ---> und wir heben ihn einfach aus ---> Ushiro-Goshi (wie wir ihn abwerfen "fragen wir uns???". Damit das "Blocken" nicht kontraproduktiv ist, starten wir den Tani-Otoshi auch schon einmal als "Offensivtechnik", "wir starten in den Angriff"... etc.pp.
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Würden beide Player gegeneinander antreten (Shiai) und der DJB-Grüngurt ideal ausgebildet worden sein, müsste er "gewinnen" ... Plötzlich sind wir wieder beim Methodikstreit angelangt, denn jetzt könnte man fragen: welche Progression will ich, wie erreiche ich meine Ziele ... usw.
An der Gokyo-no-waza liegt es auf jeden Fall nicht, auch nicht an der uralten PO des DDK ---> wenn sich die gewünschte Entwicklung nicht einstellt <--- allerdings stellt die Gokyo-no-waza eine gewisse Progression sicher, was man von dem komplexen und sich selbst bedingenden Programm des DJB (unseres Verbandes!) nicht unbedingt sagen kann. Doch bitte nicht mehr die Gokyo-no-waza verteufeln, bitte nicht - ich mag sie (man kann sich die Nage-waza des Kodokan, quasi im Karteikartensystem mit fünf Karten, so besonders gut merken).
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