Judo für ältere Menschen: Vorteile, Nachteile und mehr

In unserem Judoverein haben wir in den letzten Jahren eine spannende Entwicklung erlebt: Kurz vor der Corona-Pandemie haben wir eine eigene Abteilung für Senioren ins Leben gerufen, die sich dem Motto „Bewegt älter werden“ verschrieben hat.

„Bewegt älter werden“ ist für uns nicht nur ein Motto, sondern eine Lebenseinstellung. Judo hat nicht nur physische, sondern auch mentale Vorteile, die sich positiv auf das Alter auswirken.

Bis ins hohe Alter beweglich und fit bleiben, das ist möglich. Gesunderhaltung ist das erklärte Ziel. Judo ist dafür der optimale Sport. Beweglichkeit, Geschwindigkeit, Kraft, Koordination und Ausdauer werden durch diesen Sport optimal gefördert.

Judo im fortgeschrittenen Alter beginnen?

Im fortgeschrittenen Alter noch mit Judo anfangen? Ja, aber klar doch! Es ist nie zu spät, etwas für die Gesundheit zu tun. Es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass man nur in jungen Jahren mit Judo anfangen kann.

Judo kommt aus dem Japanischen und bedeutet übersetzt „der sanfte Weg“. Siegen durch Nachgeben. Gelegenheiten nutzen, um den Gegner niederzuringen. Den Gegner mittels einer der vielen, vielen Wurftechniken zu Boden bringen und dann mit einem Festhalter nahezu bewegungsunfähig auf der Matte zu fixieren. Dabei werden Schnelligkeit, Beweglichkeit, Dehnbarkeit und Kraft trainiert.

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Wie sieht ein Judotraining aus?

Wie sieht so ein Judotraining aus, werden sich viele fragen. Wie in vielen anderen Sportarten, fängt es mit einem Aufwärmtraining und mit einem Dehnen der Muskeln an, bevor es ans Eingemachte geht. Wir wollen uns doch nicht verletzen. Es ist der aufgewärmte, gedehnte Muskel, der geschmeidig und kraftvoll zum Einsatz gebracht werden kann.

Es folgt die Fallschule. Ja, auch Fallen will gelernt sein. Ältere Semester gewinnen damit erheblich an Sicherheit im alltäglichen Leben.

Der Judoka, der nun gerade erst mit diesem tollen Sport angefangen hat, wird von erfahrenen Trainern und den sogenannten „alten Hasen“ vorsichtig und ohne Eile in die Techniken des Judo eingewiesen. In die Fallschule gleichermaßen, wie in die Festhalter und die Wurftechniken und all die anderen Dinge, die diesen Sport so vielschichtig und interessant machen.

Und ehe man sich versieht, fällt es Oma und Opa wieder viel leichter, mit den Enkeln zu tollen und zu toben. Judo ist etwas für jede Altersgruppe.

Anpassungen und Judo

Aktive Judoka, die älter werden, betreiben ihren Sport bis ins hohe Alter. Die fortlaufenden Trainingseinheiten und die Judoerte, wie z.B. Respekt und Disziplin, ermöglichen es problemlos weiter am Training auch mit jüngeren Judoka teilzunehmen.

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Etwas anders sieht es bei untrainierten Menschen aus, die im höheren Alter zum Judo wechseln möchten. Aufgrund des demographischen Wandels der Gesellschaft und der Partnerschaft zum LSB im Programm „Bewegt ÄLTER werden in NRW!“ hat der NWJV die Notwendigkeit gesehen, speziell für Ältere attraktive Sportangebote im Judo zu konzipieren, Vereine für dieses Thema zu sensibilisieren, Trainer zu qualifizieren und letztendlich Judoka zu motivieren.

Judo für Menschen mit Demenz

Beim Training im Haus des Sports geht es vor allem um Kraftaufbau und das richtige Fallen. Die Übungen sind für Menschen mit Demenz geeignet. Einige der Teilnehmer waren deutlich über 70. Doch unter Demenz litten sie alle nicht, obwohl ihr Kurs doch unter dem Motto „Judo für Demenzkranke“ stand.

„Vielleicht ist der Begriff ein wenig irreführend“, gibt Wolfgang Rohrberg, Geschäftsführer des Essener Sportbundes, zu. Das Angebot, das in diesem Jahr fortgesetzt werden soll, sei durchaus für Menschen mit leichter Demenz geeignet. „Aber in erster Linie geht es darum, Kraft aufzubauen, um fit für den Alltag zu sein“, so Rohrberg.

Wer stark sei, falle nicht so leicht. Und wenn doch, hätten die Kursteilnehmer gelernt, möglichst so zu fallen, dass es nicht zu schweren Verletzungen wie Oberschenkelhalsbruch komme, die im Alter oft zu Komplikationen führten. Je geschmeidiger und gelenkiger man sei, desto weniger schlimme Folgen seien im Fall eines Sturzes zu befürchten.

„Nicht stürzen, sondern fallen“, so das Motto von Übungsleiter Rüdiger Kabella. Der Judo-Kurs sei auch eine Art Gedächtnistraining, denn die Teilnehmer müssten sich von Woche zu Woche erinnern, was genau bei den einzelnen Übungen mit Arm oder Bein zu tun sei. Je mehr Kraft man aufgebaut habe, um so leichter komme man selbst wieder auf die Beine.

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Das Training sei zwar auf den Grundlagen des Judo-Sports aufgebaut, aber die Teilnehmer sollten keine Kämpfe bestreiten, keine Gürtel erringen und keine Prüfungen absolvieren, versucht Wolfgang Rohrberg, Missverständnisse auszuräumen. „Alles wird einfühlsam vermittelt und wir streben den Kontakt mit den Angehörigen an.“ Auch um deren Entlastung gehe es bei dem Angebot. Während die Senioren in der Turnhalle an der Planckstraße trainierten, hätten die Angehören Zeit, Besorgungen auf der nahe gelegenen Gemarkenstraße zu erledigen.

Wolfgang Rohrberg vermutet, dass sich ein solches Angebot erst einmal herumsprechen müsse und geht davon aus, dass das Interesse beim zweiten Kurs Anfang 2017 schon größer sein wird.

Trainingsaufbau

1. Teil 35-45 Min. Aufwärmen und Technikschulung mit dem Schwerpunkt "Entwicklung der Techniken aus dem korrekten Verhalten von Uke her" - also zumeist aus der Fallübung von Uke her. 2. "Freies Training" (ca.25-35 Min.): in diesem Teil üben ALLE Teilnehmer das, was SIE sich vorgenommen haben; die meisten haben sich für diesen Teil schon mit einem Partner VORHER verabredet.

Ich versuche auf "Neueinsteiger" oder "Wiedereinsteiger" durch Änderungen meines Eingangsteils Rücksicht zu nehmen und versuche im "freien Training" einen fortgeschrittenen Teilnehmer zu motivieren, mit den "Neuen" die ersten Grundlagen (nach meiner Vorgabe) zu trainieren.

Taiso

"Befeuert" durch die Corona-Pandemie hat der Deutsche Judo-Bund (DJB) in Kooperation mit dem Nordrhein-Westfälischen Judo-Verband (NWJV) die traditionelle Bewegungsform Taiso neu aufgearbeitet.

Viele Taiso-Übungen gehören bereits zum festen Bestandteil des Judotrainings. Dabei ist die Entwicklung von Taiso als innovativer Prozess zu sehen - ähnlich wie die drei Methoden Kata, Randori und Shiai. Sportarten und Disziplinen entwickeln sich weiter und mit Taiso lassen sich traditionelle Elemente hervorragend in moderne Strukturen einbinden.

Taiso wird als allumfassende Körperschulung gesehen, die nicht nur die physische Stärkung des Körpers meint, sondern parallel die Stärkung des Geistes. Eine ideale Bewegungsform, um das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Mithilfe von Taiso kann das psycho-physische Wohlbefinden verbessert und die individuelle Leistung stufenweise gesteigert werden.

Für ältere Menschen oder Neueinsteiger kann das Angebot mit Modulen einer leichten Intensität beginnen, anfangs allgemeiner ausgerichtet sein mit einer späteren judo-spezifischen Orientierung.

Grundlage in der Praxis bildet ein Mobilisations-Modul im Umfang von acht bis ca. zwölf Minuten. Darauf aufbauend folgen Module mit unterschiedlichen Intentionen. Sie können allgemein-sportliche Ziele verfolgen, judo-spezifisch ausgerichtet sein oder aber auch spezielle Ziele und Zielgruppen im Blick haben.

Die Module sind in einer Art Baukastensystem kategorisiert, die von Übungsleiter*innen und Trainer*innen selbst zusammengestellt werden. So kann Taiso auch für neue Zielgruppen angeboten werden.

Taiso kann ein zusätzliches Angebot im Judotraining sein, soll aber keinesfalls das eigentliche Judo-Training ersetzen. Gerade in den aktuellen Zeiten gewinnen Sportarten, die sich möglichst einfach und ohne großen Aufwand in die Praxis umsetzen lassen. Taiso lässt sich gut mit einer Gruppe ohne Kontakt im Freien durchführen. Das gemeinsame Training weckt dabei sozial-emotionale Ziele, auch wenn der direkte Körperkontakt noch nicht möglich ist.