Judo-Club Weyhe: 50 Jahre Tradition und Erfolge

Der Judo-Club Weyhe feierte mit seinen Mitgliedern das fünfzigjährige Bestehen des Vereins. "Sollen wir den Geburtstag heimlich unter den Tisch kehren? Nein, wir wollen eine Party!" hieß es zur Eröffnung der Feierstunden in der Sporthalle der KGS Kirchweyhe.

Die Gründung des Judo-Club Weyhe als eigenständiger Verein erfolgte im November 1974, der JC wird in diesem Jahr also 50 Jahre alt. Die Weyher Judokas können auf sportliche Erfolge zurückblicken, etwa der zweite Platz von Egzon Lekaj bei den Deutschen Pokalmeisterschaften 2014, nachdem er zuvor Landesmeister geworden war. Als Highlights der Vereinsgeschichte hebt Claus Dierks, Trainer und langjähriger Vereinsvorsitzender, Lekajs Teilnahme an internationalen Judoturnieren hervor.

Zugleich geht es um mehr als um sportlichen Wettkampf. „Der sanfte Weg zur Geistesbildung“ lautet die Übersetzung, die der Judo-Club Weyhe auf seiner Internetseite anführt.

Anfänge und Entwicklung

Die Trainer der ersten Stunden waren Volker Porsch und Günther Joppich gewesen, erinnert sich Dierks. Laut JC-Historie war es 1967 gewesen, als sich „ein paar verwegene Weyher zum ersten Mal trafen, um eine zu dem Zeitpunkt noch recht unbekannte Sportart kennenzulernen“. Die ersten Matten, die in der Gaststätte Rohlfs in Kirchweyhe ausgelegt wurden, waren vom Boxring 46 geborgt.

Weil die Judo-Sparte - inklusive eines Ablegers in Syke - rasch wuchs, habe man sich für die Ablösung vom Boxring und für die Gründung eines eigenständigen Vereins entschieden. Als reiner Judoverein, der keine Abteilung innerhalb eines Großvereins bildet, ist der JC Weyhe eine Ausnahme im Landkreis geblieben.

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Überlegungen, bei einem größeren Sportverein anzudocken, habe es auch in Weyhe mal gegeben. Das würde mit ihm aber nicht gehen, betont Dierks. „Das ist etwas Anderes, wenn man sein eigener Chef ist“, sagt er. „Wir trainieren bis auf dienstags jeden Tag“, nennt er einen Vorteil: Man muss bei den Hallenzeiten keine Rücksicht auf andere Sparten nehmen.

Training und Infrastruktur

Für seine Trainingsstunden nutzt der Judo-Club die Sporthalle der Grundschule Leeste und die der KGS Kirchweyhe. Die Gemeinde überlässt ihre Sportstätten den Vereinen kostenlos. Gleichwohl hat es beim JC das Bestreben nach einer eigenen Halle gegeben. „Der Wunsch war schon mal sehr stark“, so Dierks.

Mitgliederentwicklung und Jugendarbeit

Die Entwicklung, die er bei den Anmeldungen für die Anfängerlehrgänge schildert, spiegelt sich auch in den Mitgliederzahlen wider. Zu Hoch-Zeiten habe der Verein 300 Mitglieder gehabt, heute seien es 130. Jugendarbeit wird nach wie vor beim JC großgeschrieben. So veranstaltet der Verein - seit Anbeginn an - jeden Sommer ein Zeltlager.

Herausforderungen und Perspektiven

Dass das Interesse unter Kinder und Jugendlichen nicht mehr so groß ist, wie es schon einmal war, liegt laut Claus Dierks weniger daran, dass andere Sportarten Judo den Rang abgelaufen hätten. Vielmehr führt er die Entwicklung nicht zuletzt auf den Ganztagsunterricht zurück. Dadurch blieben nach Schulschluss weniger Zeit und Energie für Vereinssport.

Und dann die Frage, ob Anfänger am Ball bleiben. „Das Durchhaltevermögen hat ganz stark abgenommen“, sagt Dierks und führt aus, dass er gerade die mentale Ausdauer meint. Und die ist im Judo, wie er es versteht, unabdingbar: Die ersten zehn Jahre ist man Anfänger. Und so lange könnten die wenigsten warten.

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„Das ist wie ein körperliches Schachspiel“, sagt Dierks über den Judosport - Finten und Bluffs inklusive. Als Judoka lerne man, die Bewegungen des Gegners zu antizipieren - aber auch, das Gegenüber zu respektieren. Mit Folgen: In all den Jahren sei ihm im Judo noch kein unangenehmer Mensch begegnet.

Claus Dierks hofft unterdessen, dass „judoverknallter“ Nachwuchs aufrücken wird. Denn zum 60-Jährigen in zehn Jahren habe er nicht vor, noch selbst auf der Matte stehen.

Aktuelle Wettkampfergebnisse

Am vergangenen Wochenende fand beim Judo-Club Weyhe das erste Ranglistenturnier des Kreisfachverbandes Diepholz statt. In verschiedenen Altersgruppen (U9, U11 und U13) und Gewichtsklassen hatte man die Möglichkeit sich mit anderen Vereinen und Kindern zu messen. Für viele Kämpfer:innen der U9 war es der erste Wettkampf überhaupt.

Mit viel Aufregung, aber einer guten Vorbereitung auf das erste „Kräfte messen“ begann das gemeinsame Aufwärmen mit der U11. Da der FTSV Jahn Brinkum den Großteil der Kämpfer:innen in der U9 stellte, kam es auch zu einigen vereinsinternen Duellen.

In der untersten Gewichtsklasse schlugen sich Lotte Neugebauer, Malte Pottmeier und Jannik Pluntke im Kreis. Neugebauer behielt nach Punkten die Nase und sicherte sich die Goldmedaille vor Malte (Silber) und Jannik (Bronze). Lias Kolivakis und Nikita Eirich mussten sich in der nächsthöheren Gewichtsklasse jeweils einmal geschlagen gegeben und holten nach starken Kämpfen Silber (Lias) und Bronze (Nikita). Viel Kampfgeist wurde auch von Ben Schlette und Edgar Reinhold gezeigt. Hier gingen einige Duelle mit vielen Wurfansätzen über die ganze Kampfzeit. Am Ende blieben Gold für Ben und Silber für Edgar. Im Finale zwischen Bennet Smisl und Toprak Acikgöz zeigte Bennett eine schöne Wurftechnik mit direktem Übergang in den Haltegriff. Toprak machte es mit einer tollen Befreiungstechnik nochmal spannend.

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In der U11 starteten drei Kämpfer:innen der Judoabteilung. Den Start machte Alea Kolivakis, die bei ihrem ersten Turnier gleich vier Mal kämpfen musste. Nach taktisch starken Kämpfen sichert sie sich Bronze in ihrer Gewichtsklasse. Konstantin Wienberg hat eine starke Gewichtsklasse erwischt und zeigte bei seinem 3. Platz eine kämpferisch starke Leistung. In der U13 startete Karl Reinhold und zeigte vor allem im dritten Kampf seine Kompetenzen im Werfen und holte Bronze.

In der U15 sammelten die alten Hasen wertvolle Erfahrungen für das weitere Training. Ben Owerst sicherte sich Silber, Theodor Frings steuerte Bronze bei und Maxim Pfeiffer belegte den vierten Platz. Premiere feierte auch Laurenz Burchardt der vor einigen Wochen seine Kamprichterausbildung begonnen hat und im Rahmen des Ranglistenturniers seinen ersten Einsatz hatte.

Das Trainerteam zeigte sich sehr zufrieden mit den jungen Kämpfer:innnen, die viele im Training gelernten Techniken umsetzen konnten und alle zusammen einen tollen Teamgeist gezeigt haben. Nun steigt die Vorfreude auf das zweite Ranglistenturnier im Juni.

Am vergangenen Wochenende machten sich unsere beiden Judoka Katharina und Erik auf den Weg zum Kreis-Poolturnier in Bassen und kamen mit einem strahlenden Lächeln und je einer Goldmedaille zurück. Mission erfüllt, könnte man sagen!

Weitere Aktivitäten

Bereits im vergangenen Jahr nahmen Britta, Rena, Louisa und Antonia vom Judo-Club Weyhe an der Veranstaltungsreihe „Judo-Selbstverteidigung für Frauen“ teil.

Bereits einen Tag nach unserer Jubiläumsfeier -also am 29.09.2024- ging es für Timo, Erik, Antonia und Finja bereits wieder los zu einem weiteren Judo-Event. Auf dem Plan stand das erste integrative Bodenturnier in Mellendorf. Bereits auf der Fahrt stellte sich heraus, dass niemand von uns so richtig wusste was uns auf dem Turnier erwarten würde.

Selbstbewusst sein, eigene Grenzen ziehen, für andere da sein und helfen… klingt sehr leicht, doch fällt in wichtigen Situationen häufig ganz schön schwer. Was mache ich denn, wenn ich Hilfe brauche? Wie kann ich mich gegen Angriffe und Mobbing wehren? All diese Themen wurden Samstag, den 01.03.2025, bei einem Selbstverteidigungs-Kurs in der Sporthalle der Leester Grundschule besprochen.

Frank Lambrecht vom Goshin-Jutsu-No-Michi Verein, hat sich mit Unterstützung von Luis in zwei Kursen für Judoka unterschiedlicher Altersgruppen intensiv mit den verschiedenen Themen der Gewalt, Selbstbehauptung und Verteidigung beschäftigt.