Wenn man beim Üben einige neue Techniken gelernt hat, dann sollte man auch dafür Anerkennung bekommen. Dafür gibt es beim Judo die verschiedenen Gürtelfarben. Die Gürtelfarbe gibt die Graduierung des Judokas wieder, sagt also etwas darüber aus, wie viele erfolgreiche Gürtelprüfungen abgelegt worden sind.
Der Judo-Gürtel (Obi) hat eine weitergehende Funktion als nur den Judoanzug (Judo-Gi) zusammen zu halten. Dies dient den Trainern bei Zuordnung zu Übungsgruppen und Zuweisung von Aufgaben, die dem Entwicklungsstand gerecht wurden.
Auf dieser Seite möchten wir Euch als Interessenten und Eltern alles Wesentliche über das Graduierungssystem im Judo erläutern. Ferner werden die Basics, also die Eckdaten der Gürtelprüfungssystematik, erklärt.
Die Judo-Gürtelprüfung ist, wie ihr Name schon sagt, eine Prüfung. Im Rahmen der Prüfung wird nach vom Deutschen Judo-Bund (DJB) festgelegten Kriterien überprüft, ob das Prüfungsprogramm für die begehrte Graduierung in angemessenen Maß beherrscht wird.
Die Prüfung ist also keine Formalie und kein Selbstläufer. Der Verein und die Trainer bereiten die Prüflinge darauf vor. Auf der anderen Seite müssen die Prüflinge die Prüfung auch ernst nehmen und sich darauf vorbereiten.
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Die Geschichte der Graduierung im Judo
Dr. Jigoro Kano setzte 1883 als erster ein 2-Rangsystem in seiner Schule, dem Kodokan, ein. Er verwendete weiße und schwarze Gürtel und teilte zwei Trainingsgruppen ein, Nichtgraduierte (Mudansha) und Graduierte (Yudansha). Nach 1887 konnte der Schwarzgurt nur noch durch Prüfung erreicht werden. Dr. Kano nahm damals alle Prüfungen selber ab.
Die Gürtelfarben im Judo
Dann verändern sich die Gürtelfarben im Laufe der Zeit. Die Reihenfolge ist weiß, weiß-gelb, gelb, gelb-orange, orange, orange-grün, grün, blau und dann braun. Früher gab es weniger Grade bei den Farbgurten (Kyu-Grade). Es wurden weitere Stufen hinzu genommen, um gerade Kindern und Jugendlichen auch kleinere Lernerfolge honorieren zu können. Erwachsene Judokas können die Zwischenstufen überspringen, in dem sie zwei Prüfungen zum gleichen Termin ablegen.
An der Gürtelfarbe kann man erkennen welche Techniken (Wurftrechniken, Halte- u. Hebeltechniken und Würgegriffe) du kannst, also welchen Ausbildungsstand du hast.
Die technischen Fähigkeiten eines Judoka erkennt man an seiner Gürtelfarbe und -breite. Die Farbe des Gurts entspricht der Ausbildungsgraduierung (Kyu-Grad). Eine Graduierung setzt beim Prüfling praktische Fähigkeiten und theoretisches Judo-Wissen voraus.
Die Bedeutung der Farben
Rot und weiß sind seit Frühzeiten symbolträchtige Farben in der Geschichte Japans. Weiß bedeutet Tod, Trauer, Stille und Frieden - Rot steht für Leben, Energie, Kraft und Liebe. Die Clanfarben der bekanntesten Adelsgeschlechter waren weiß für die Miniamoto und rot für die Taira. In den Genpei-Kriegen im 12. Jahrhundert rieben sich diese Clans fast völlig auf und gaben wohl den Anstoß für den ewigen Zwist zwischen Rot und Weiß in der japanischen Kultur. Der Träger des rot-weißen Gürtels sollte aber über solche simplen Streitigkeiten erhaben sein und beide Pole in sich vereinen.
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Die Kyu-Grade (Schülergrade)
Die Gürtel der Schüler-Grade sind farbig, werden mit steigendem Rang dunkler und abwärts gezählt (9-1).
Überblick über die Kyu-Grade
- 9. Kyu (Weiß)
- 8. Kyu (Weiß-Gelb)
- 7. Kyu (Gelb)
- 6. Kyu (Gelb-Orange)
- 5. Kyu (Orange)
- 4. Kyu (Orange-Grün)
- 3. Kyu (Grün)
- 2. Kyu (Blau)
- 1. Kyu (Braun)
Hier eine Tabelle mit den Kyu-Graden, den zugehörigen Farben und dem Mindestalter:
| Grad | Name | Farbe | Mindestalter |
|---|---|---|---|
| 5. Kyū | Gokyū | Orange | Vollendetes 8. Lebensjahr |
| 3. Kyū | Sankyū | Grün | Vollendetes 11. Lebensjahr |
| 1. Kyū | Ikkyū | Braun | Vollendetes 13./14. Lebensjahr |
Empfohlene Vorbereitungszeit und Prüfungen pro Jahr
- Für Judoka bis 14 Jahre: 6 Monate Vorbereitungszeit, maximal drei Prüfungen pro Jahr.
- Für Judoka über 14 Jahre bis zum 3. Kyu-Grad: 3 Monate Vorbereitungszeit, maximal vier Prüfungen pro Jahr.
- Für den 2. Kyu- und den 1. Kyu-Grad: 6 Monate Vorbereitungszeit.
Es ist verständlich, dass man den nächsten Gürtel möglichst schnell erreichen möchte. Daher werden immer wieder dieselben Frage gestellt: Welches Mindestalter muss/soll ich für die (nächste) Prüfung haben, wie lange muss/soll ich bis zur (nächsten) Prüfung warten? Eine „Wartezeit“ gibt es nicht. Denn es geht nicht um das „Warten“, sondern den Zeitraum, der üblicherweise erforderlich ist, um bei regelmäßigem Training die (nächsten) Prüfungsinhalte so zu erlernen, dass sie sich gesetzt haben und beherrscht werden. Es geht also um den Vorbereitungszeitraum.
Die DJB-Empfehlung entspricht der schnellstmöglichen noch Sinn ergebenden Vorgehensweise im Hinblick auf die Ablegung von Prüfungen. An dieser Tabelle wird auch ersichtlich, dass das vorgegebene Mindestalter für die höheren Graduierungen bei „zu schnellem Erwerb“ von Kyu-Graden letztlich irgendwann zu einem Graduierungsstau (längeren Wartephase) führen muss. So ist beispielsweise die Zulassung zur Prüfung zum 1. Dan grundsätzlich erst nach dem vollendeten 16. Lebensjahr und nach einer zweijährigen Vorbereitungszeit nach der letzten Prüfung möglich.
Die Dan-Grade (Meistergrade)
Den schwarzen Gürtel kann man frühestens als Erwachsener, also mit 18 Jahren, ablegen. Voraussetzung ist, dass der Judoka mindesten 4 Jahre Träger des braunen Gürtels war. Die Meistergrade müssen im DJB zentral vor 2 Prüfern abgelegt werden.
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Die Meister tragen schwarze Gürtel, die Grade werden aufwärts gezählt (1-10). Kyu (8-1) und Dan-Grade (1-6) werden durch Prüfungen erworben.
- 1. Dan
- 2. Dan
- 3. Dan
- 4. Dan
- 5. Dan
- 6. Dan
- 7. Dan
- 8. Dan
- 9. Dan
- 10. Dan
Gürtel oberhalb des 5. DAN können nicht durch eine Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen. Heute können auch der 2.- 5. DAN verliehen werden. Zum 1. DAN führt nur eine Prüfung.
Eine höhere Graduierung wie der 10. DAN wird weltweit nicht vorkommen. Eine höhere Graduierung als zum 10. Dan ist weltweit nicht möglich! Lediglich Professor Jigoro Kano, dem Begründer des Judo, hat man nach seinem Tode den 11. Dan verliehen.
Der 12. DAN-Grad ist für Menschen nicht zu erreichen - der Geist des Judo soll den 12. Dan tragen. Der weiße Gürtel des 11. und 12.
Besondere Grade
Gürtel oberhalb des 5. Dan können nicht durch Ablegen einer Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen.
Jigoro Kano hat keinen DAN im Judo. Aus japanischer Sicht hat niemand die Autorität ihm einen DAN-Grad zu verleihen, da niemand über ihm steht.
Der 12. Dan ist für Menschen nicht erreichbar. Der Geist, die Idee des Judo soll den 12. Dan tragen.
Die Gürtelprüfung
Der Gürtelprüfungs-Erfolg ist planbar. Er steht weder „im Belieben“ des Trainers, noch ist er ausschließlich von den Wünschen der Prüflinge/Eltern abhängig, noch ist er „käuflich“.
Soll man Prüfung machen?
Jeder sollte den Gürtel erwerben, der dem Stand seines Judowissens und -könnens tatsächlich entspricht. Übermäßige Eile (bei beschränktem Trainingseinsatz) ist genauso wenig zweckmäßig, wie die Weigerung eine Prüfung anzutreten, um der Beste seiner Graduierung zu sein.
Angst vor der Prüfung?
Angst braucht keiner zu haben. Angst ist ohnehin kein guter Ratgeber. Und: Ja, die Gürtel-Prüfung ist bei ordentlicher Vorbereitung gut zu schaffen. Keiner möchte durch eine Prüfung fallen - auch freut sich kein Prüfer, wenn er jemanden durchfallen lassen muss. Aber „verschenkt“ wird die Prüfung deswegen auch nicht.
Vorbereitung und Unterstützung
Wir helfen: Natürlich wird der Verein (organisatorisch), Euer Trainer und jeder fortgeschrittene Judoka unterstützen, wenn ein Kandidat in der Vorbereitung nicht weiterkommt und Hilfe braucht. Dazu hat das Trainerteam ein System entwickelt, welches die Prüfungsteilnehmer so gut wie möglich vorbereiten soll und das Risiko des Durchfallens möglichst minimieren soll (dazu gleich). Aber jeder trägt eine Eigenverantwortung für das eigene Vorankommen im Judo, vor allem bei der Prüfungsvorbereitung.
Allgemeine Infos: Die Prüfungsinhalte werden durch den DJB vorgegeben und sind auf der DJB-Seite „Prüfungsprogramm“ nachlesbar. Das offizielle Prüfungsprogramm für Kyu-Gürtelprüfungen ist dort der Grundsatzordnung des DJB und v.a. der Prüfungsordnung des DJB für Kyu-Grade zu entnehmen. Die dort genannten Inhalte sind Kerngehalt der Prüfung.
Notwendiges Trainingspensum
Die Zulassung zur Prüfung setzt auch voraus, dass jeder Kandidat in einem Mindestumfang tatsächlich auf die Prüfung trainiert hat. Wie schon bei den Ausführungen zur Vorbereitungszeit ausgeführt, geht es nicht darum, auf die nächste Prüfung zu warten, sondern darum, sich darauf durch Training vorzubereiten.
Gürtelprüfungs-Vorbereitungslehrgänge
Eine erfolgreiche Prüfung setzt eine gute Prüfungsleistung voraus. Dennoch kommt es vor, dass Prüflinge ggf. die formellen Prüfungsvoraussetzungen erfüllen, allerdings technisch noch nicht „prüfungsreif“ sind. Daher bieten wir systematisch vor den Prüfungen sog. Kyu-Gürtelprüfungs-Vorbereitungslehrgänge an, bei denen wir das gesamte Prüfprogramm durchgehen und uns den Stand der Prüflinge anschauen.
Die Teilnahme an dem Lehrgang ist Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung und letztere ist notwendig, um an der Prüfung teilzunehmen.
Prüfungsformalia
In der Regel finden zwei bis drei Prüfungen im Jahr statt; Prüfungszeiträume sind demnach in der Regel die Woche vor den Osterferien, die Woche vor den Sommerferien und die Woche vor den Weihnachtsferien.
Die Anmeldung erfolgt elektronisch im internen Bereich auf Eurem persönlichen digitalen Account. Bei „Buchung“ der Prüfung wird die Prüfungsgebühr in Eure Rechnung eingestellt und mit dem nächsten Beitragseinzug eingezogen, so dass weder Bargeldzahlung noch Überweisung notwendig sind.
