Die sagenumwobenen japanischen Kampfkunstarten wie Karate oder Judo sind auch hierzulande beliebte Sportarten. Doch wussten Sie auch, dass alle japanischen Kampfsportarten unter dem Begriff „Budo“ zusammengefasst werden?
Budo bedeutet auf Deutsch in etwa Militärweg oder Kriegsweg. Jiu Jitsu, Judo, Karate, Suijutsu, Aikido und einige weitere (mehr als 60!) japanische Kampfkünste machen Budo aus. Bei ihnen allen geht es nicht allein ums Kämpfen: Ihnen liegt in erster Linie eine innere Lehre zugrunde. Die japanische Kampfkunst Budo hat den Einklang von Körper und Geist zum Ziel. Das vielfältige Budo-Training lässt Kampfkünste mit oder ohne Bewaffnung zu und fasziniert Sportler und Zuschauer gleichermaßen.
Alle japanischen Kampfsportarten gehen auf die älteste Kampfsportart der Welt, Kalaripayattu, zurück. Sie stammt aus Indien und wurde von Mönchen über China bis nach Japan gebracht.
Jutsu bedeutet Technik oder Kunst. Die Silbe „Do“ auf die viele japanische Kampfkünste enden, bedeutet Weg. So wird zum Beispiel ein Jutsu erst mithilfe mentaler Prinzipien und geistigen Trainings zum Do, also zum Weg. Dieses Beispiel zeigt die Bedeutung des mentalen Anteils am Budo.
Alle japanischen Kampfkünste berufen sich auf unterschiedliche Schulen oder Stile, die „Ryu“. So wurde in der ersten Jujutsu-Schule, die 1532 gegründet wurde, als erstes die sogenannte „Technik des Greifens“ gelehrt.
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Historischer Kontext und Entwicklung
In der Meiji-Zeit Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte in Japan ein gesellschaftlicher Wandel von der Feudalzeit zu einem moderneren, westlich geprägten Lebensstil. Die Idee einer gesundheitsfördernden sportlichen Erziehung fand hier Eingang. Es gab Bestrebungen, die traditionellen japanischen Kampfkünste zu sportlicher Körperertüchtigung umzuformen, was ein mühsamer Prozess war, der viele Gegner hatte.
Maßgeblich beteiligt an diesen Bestrebungen waren japanische und ausländische Persönlichkeiten, wie Jigaro Kano aber auch der deutsche Arzt und Japanforscher Erwin von Baelz. Prof. Erwin von Baelz war gebürtiger Bietigheimer und wurde als Arzt für Innere Medizin 1876 nach Japan berufen, um hier die westliche Medizin zu etablieren.
Er hat die gesundheitsfördernde Wirkung des Sports früh erkannt. Selbst sportlich veranlagt, erlernte er in Japan verschiedene Sportarten, z.B. das japanische Rudern und Kenjutsu, die Kunst des Schwertes. Für das Jiu-Jitsu war er mit 30 Jahren damals zu alt. Als geachtete Persönlichkeit und Berater des Gesundheitswesens war er später Leibarzt am kaiserlichen Hof und wurde mit dem höchsten Staatsorden dekoriert, dem Großkreuz der aufgehenden Sonne.
Er förderte die Einführung des Sportunterrichtes an den Schulen, auch für Mädchen. Obwohl damals in Japan sich viele Stimmen dagegen aussprachen, erkannte er den sportlichen Wert der traditionellen Kampfkunst. So hielt er Jiu-Jitsu für die beste aller körperlichen Ertüchtigungen. Baelz und Kano kannten sich wohl persönlich, wirkten aber in unterschiedlichen Lebenswelten.
Ausgangspunkt vieler moderner Kampfsportarten war das traditionelle japanische Jiu-Jitsu, die Kunst der Sanftheit, und das Kenjitsu, die Kunst des Schwertes. Judo, der sanfte Weg, wurde von Jigaro Kano, aus Elementen des Jiu-Jitsu geformt. Auch das heutige Ju Jutsu beruht auf dieser historischen Kampfkunst. Einen anderen Ursprung hat das Karate, das in Okinawa aus dem chinesischen Boxen entstand. Okinawa wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts zu einer japanischen Provinz. Aikido wurde wiederum vom Meister Morihei Ueshiba aus Jiu-Jitsu- und Kenjutsu- Elementen Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt.
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Begriffe und Prinzipien
In den Bezeichnungen der japanischen Kampfsportarten tauchen oft bestimmte Begriffe auf. Z.B. „Ju“, das Sanftheit bedeutet, aber auch Nachgiebigkeit. Anekdotisch hat ein japanischer Arzt, der in China Medizin und Kampfkunst studiert hatte, im Winter die Elastizität von Weidenästen beobachtet, die nicht unter der Schneelast zerbrachen. So wurde dieses Prinzip in die Kampftechniken übernommen.
„Do“ bedeutet Weg, und soll die ständige Entwicklung des Schülers der Kampfkünste verdeutlichen. Im Kampfsport allgemein wird die sogenannte Kraftausdauer trainiert, also die Fähigkeit über längere Zeit dynamische oder statische Muskelarbeit oberhalb von 30-50% der Maximalkraft durchzuhalten. Daneben werden Reaktionsschnelligkeit, Koordination, Beweglichkeit und der Gleichgewichtssinn geschult.
Schon Erwin von Baelz erkannte die erzieherische, wertevermittelnde Wirkung der Kampfkunst. Ihn beeindruckte die Selbstbeherrschung, die Ruhe und Würde der Kämpfer, gleich ob man Sieger oder Besiegter war. Jigaro Kano beeinflusste die Kampfkünste durch die Erweiterung der Ziele auf „Kultivierung der Herzen“ „Leibeserziehung“ und „Wettkampf“.
Die heutigen westlichen Judo-Werte Respekt, Höflichkeit, Wertschätzung, Ernsthaftigkeit, Selbstbeherrschung, Mut, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit und Ehrlichkeit passen gut in unsere Zeit und haben sich von früheren Elementen von Gehorsam und Unterwerfung emanzipiert.
Japanischer Kampfsport verzichtet oft auf Waffen. Der Kämpfende soll sich stattdessen durch eine geschulte Reaktion und das gezielte Nutzen seiner Energie zur Wehr setzen können. Grundlegend für das Voraussehen der generischen Aktionen ist das „Mu“ - die Leere. In diesem Zustand sollen keine störenden Gedanken den Kampf beeinträchtigen.
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Ein weiterer wichtiger Bestandteil japanischer Kampfkünste ist der Respekt: vor dem Trainer „Sensei“, den anderen und sich selbst.
Bekannte japanische Kampfsportarten
Hier sind einige der bekanntesten japanischen Kampfsportarten im Überblick:
- Aikido: Eine defensive Kampfkunst, die darauf abzielt, die Energie des Angreifers umzuleiten und ihn zur Aufgabe zu bewegen.
- Jiu Jitsu: Die waffenlose Kampfkunst der Samurai, die auf dem Prinzip „Siegen durch Nachgeben“ basiert und Wurf-, Griff-, Hebel- und Schlagtechniken einsetzt.
- Judo: Entwickelt aus Jiu Jitsu, legt den Schwerpunkt auf Griffe, Hebel und Würfe, wobei gefährliche Techniken reduziert wurden.
- Karate: Eine waffenlose Kampfkunst, die Stoß-, Schlag- und Tritttechniken lehrt und eine gute Körperbeherrschung erfordert.
- Kendo: „Der Weg des Schwertes“ basiert auf dem Kenjutsu der japanischen Samurai.
- Iaido: Die japanische Kunst des Schwertziehens und stammt aus der Zeit der Samurai. Das Besondere ist, während des Schwertziehens bereits einen effektiven Angriff zu starten.
- Ninjutsu: War früher die Art der japanischen Spionage und wird heute mit der Kampfkunst der Ninja umschrieben.
Kampfsport und Gesundheit
Tatsächlich trainieren die meisten Kampfsportarten körperliche Fähigkeiten wie Beweglichkeit, Gleichgewicht, Koordination und Kondition. Studien haben positive Effekte von regelmäßigem Kampfsporttraining auf die körperliche Fitness nachgewiesen. Außerdem scheinen die Bewegungsabläufe bei asiatischen Kampfkünsten die Knochengesundheit besonders gut zu fördern.
Studien haben zum Beispiel eine verbesserte Knochendichte bei jungen Menschen nachgewiesen, die Judo, Karate und Taekwondo ausüben. Als Gesundheitssport für Menschen über 60 Jahre sind vor allem „weiche“ Kampfsportarten gut geeignet.
Kampfsport kann sich zudem günstig auf die psychische Gesundheit auswirken. Die Rituale für Achtsamkeit, die Teil traditioneller asiatischen Kampfkünste sind, fördern die Selbstachtung und die Wertschätzung des Gegenübers. Eine neuere Studie liefert Hinweise darauf, dass Menschen, die japanische Kampfkünste über einen längeren Zeitraum regelmäßig ausüben, zufriedener und weniger anfällig für psychische Erkrankungen sind als der Durchschnitt der Bevölkerung.
Außerdem lassen sich mit Kampfsportarten Aggressionen zielgerichtet abbauen. Und schließlich verleiht Kampfsport Sicherheit. Das Wissen, sich bei Gefahr angemessen verteidigen zu können fördert die Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein.
Der Judo-Club Bietigheim als Beispiel
Der Bietigheimer Erwin von Baelz, der Förderer in der Gründungsphase der modernen Kampfsportarten, war eine von der Stadt geehrte Persönlichkeit. Daraus ergibt sich für den JCB eine historische Verpflichtung die diesbezügliche sportliche und geistige Tradition zu wahren.
Der Verein entstand zunächst als reiner Judo-Club. Heute werden in unserem Verein verschiedene Kampfsportarten trainiert, Judo, Ju jutsu, Karate, Aikido, es werden aber auch Nichtkampfsportarten wie z.B. Yoga, Nordic Walking und Fitness ausgeübt. Unsere Sportangebote sind für eine sehr breite Altersgruppe geeignet.
Im Erlernen der verschiedenen Sportarten kennen wir heute, anders als es Erwin von Balz erging, keine Altersbegrenzung nach oben. So können auch die Sportinteressierten hier trainieren, bei denen nicht der Wettkampf, sondern die körperliche Ertüchtigung im Vordergrund steht. Das JCB- eigene Vereinsheim im Ellental enthält eine großzügige und gepflegte Trainingsfläche, die dauerhaft und komfortabel mit Matten ausgestattet ist. Eine Mitgliedschaft im Judo-Club Bietigheim ist daher für junge und alte Sportbegeisterte sehr zu empfehlen!
| Kampfsportart | Ursprung | Merkmale |
|---|---|---|
| Judo | Japan (entwickelt aus Jiu Jitsu) | Griffe, Hebel, Würfe |
| Karate | Okinawa (ursprünglich aus China) | Stoß-, Schlag- und Tritttechniken |
| Aikido | Japan | Defensive Techniken, Umleitung der Energie des Angreifers |
| Jiu Jitsu | Japan | Wurf-, Griff-, Hebel- und Schlagtechniken |
| Kendo | Japan | Schwertkampf |
| Iaido | Japan | Kunst des Schwertziehens |
| Ninjutsu | Japan | Spionage- und Kampftechniken der Ninja |
