Japanische Kampfsportarten: Eine umfassende Liste

Jeder kennt Karate und Judo - aber wussten Sie, dass Japan in seiner Geschichte über 60 Kampfkünste entwickelt hat? Ob mit oder ohne Waffe: Der japanische Kampfsport ist vielfältig und faszinierend.

Die Kampfsportarten Liste ist sortiert nach dem ABC, soweit dies sinnvoll möglich ist. Die Kampfsportarten mit Links verweisen alle auf einen Text auf dieser Homepage.

Grundlagen und Prinzipien

In den Bezeichnungen der japanischen Kampfsportarten tauchen oft bestimmte Begriffe auf. Z.B. „Ju“, das Sanftheit bedeutet, aber auch Nachgiebigkeit. Anekdotisch hat ein japanischer Arzt, der in China Medizin und Kampfkunst studiert hatte, im Winter die Elastizität von Weidenästen beobachtet, die nicht unter der Schneelast zerbrachen. So wurde dieses Prinzip in die Kampftechniken übernommen. "Do" bedeutet Weg, und soll die ständige Entwicklung des Schülers der Kampfkünste verdeutlichen.

Ausgangspunkt vieler moderner Kampfsportarten war das traditionelle japanische Jiu-Jitsu, die Kunst der Sanftheit, und das Kenjitsu, die Kunst des Schwertes. Judo, der sanfte Weg, wurde von Jigaro Kano, aus Elementen des Jiu-Jitsu geformt. Auch das heutige Ju Jutsu beruht auf dieser historischen Kampfkunst.

Einen anderen Ursprung hat das Karate, das in Okinawa aus dem chinesischen Boxen entstand. Okinawa wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts zu einer japanischen Provinz. Aikido wurde wiederum vom Meister Morihei Ueshiba aus Jiu-Jitsu- und Kenjutsu- Elementen Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt.

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Jede Kampfkunst hat mehrere Schulen oder Stile, die Ryu genannt werden. Die erste Schule des Jujutsu wurde offiziell 1532 gegründet und lehrte zuerst die Technik des Greifens.

Jutsu bedeutet „Technik“ oder „Kunst“, Do heißt „Weg“: So enden die meisten Namen der japanischen Kampfkünste. Ein Jutsu wird mithilfe mentaler Prinzipien und geistigen Trainings zum Do. Der philosophische Teil ist dann die unentbehrliche Basis für die Techniken, was die Kampfsportarten komplex und gleichzeitig natürlich und ästhetisch macht.

Künste und Techniken japanischer Krieger und Samurai, die seit 1185 acht Jahrhunderte lang das Land regiert haben, heißen Bujutsu. Auch wenn es heute keine Krieger - Bushi - mehr gibt, lebt Bujutsu weiter: In Budo. Während Bujutsu Techniken des Überlebens und Tötens lehrte, mussten für den heutigen „Weg des Krieges“ einige davon abgewandelt werden, um einen fairen Wettkampf zu ermöglichen. Das machte die Kriegskunst zum modernen Kampfsport.

Kampfsport war ursprünglich keine Kunst für sich, sondern ein Mittel zum Zweck und musste sich quer durch die Jahrhunderte der historischen Situation und diversen Schwierigkeiten anpassen.

Während der Meiji-Restauration 1868 durchging Japan viele Veränderungen. Unter anderem ordnete der neue Kaiser das Verbot der Kampfkunst an, als das Land modernisiert und Samurai abgeschafft wurden. Während der Okkupation durch die USA nach dem Zweiten Weltkrieg wurden jedoch erneut alle Aktivitäten, die mit dem Militär in Verbindung standen, von der Besatzungsregierung verboten. Als die Okkupation 1951 wieder vorbei war, erlebte Jujutsu einen neuen Aufschwung in Japan.

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Heute ist keine Kampfkunst mehr verboten - mit der Voraussetzung, dass ihre Ausübung nicht mit Verletzung oder sogar Tod endet.

Oft kommt der japanische Kampfsport ohne Waffe aus: Der Kämpfende soll mit aufmerksamer Abschätzung, schneller Reaktion und gezielter Nutzung seiner Energie dem Gegner zuvorkommen. Deshalb ist auch Empathie in der Kampfkunst so wichtig, denn wer den nächsten Angriff voraussehen kann, hat einen entscheidenden Vorteil im Kampf.

Eine weitere geistige Fähigkeit, die im Kampf eine große Rolle spielt, ist Mu - die Leere. Das bedeutet, seinen Geist von jeglichen Gedanken zu befreien, die ablenken könnten, und achtsam dem Verlauf der Geschehnisse zu folgen.

Zu diesem gehört daher nicht nur der Kampf an sich, sondern auch die intensive Vorbereitung darauf: Verbeugen, Begrüßen und lange Dehn- und Aufwärmübungen sollen den Körper und Geist auf das Training einstimmen.

Bekannte japanische Kampfsportarten

Hier ist eine Liste bekannter japanischer Kampfsportarten:

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  • Aikido: Die einst blutigen japanischen Kampfsportarten wurden im Aikido zu einer pazifistischen Körperkunst umgewandelt. Das Ziel ist nicht mehr der Sieg. Die Grundidee beim Aikido ist nicht, die angreifende Person zu bezwingen, sondern sie zur Aufgabe zu bewegen.
  • Iaido: Iaido ist die japanische Kunst des Schwertziehens und stammt aus der Zeit der Samurai. Das Besondere ist, während des Schwertziehens bereits einen effektiven Angriff zu starten.
  • Jiu Jitsu: Ein Grundprinzip im japanischen Kampfsport Jiu Jitsu ist: Nachgeben, um zu siegen. Wie verteidige ich mich, wenn ich keine Waffe trage? Nicht mit brachialer Gewalt, sondern mit Technik und Prinzipien. Ist ursprünglich eine Kampfkunst der Samurai. Die Bewegungen eines Angreifers werden blockiert und dann wird die Kontrolle über ihn übernommen.
  • Jo-Do: Jo-Do ist ein alter japanischer Kampfsport mit dem Kurzstock, dem „Jo“. Der Kurzstock wird dabei nur zur Verteidigung gegen das Samurai Schwert (Katana) eingesetzt.
  • Judo: Der Weg des Judo beginnt mit einer Fallschule. Der Übende muss fallen können, ohne sich zu verletzen, bevor er richtig mit diesem japanischen Kampfsport beginnen kann. Wurde aus dem Kampfsport Judo entwickelt. Konzentriert sich vor allem auf den Bodenkampf. Judo ist eine „harmlosere“ Form des Jujutsu, die auf direkten Angriff verzichtet und stattdessen ausschließlich mit Würfen und Griffen arbeitet.
  • Karate: Der Kampfsport Karate ist der Weg der „leeren Hand“. In ihm sind chinesische Kung Fu Techniken und japanische Kampftraditionen zu einem neuen System verschmolzen. Karate (“leere Hand”) etwa wurde entwickelt, als es Nicht-Samurai in Japan verboten war, Waffen zu tragen - im 17. Jahrhundert. Diese Kampfkunst, wie wir sie heute kennen, stammt von der japanischen Insel Okinawa und kam erst 1922 auf das Festland Japans. Seither ist es aber zur bekanntesten japanischen Kampfportart geworden. Obwohl Karate relativ jung ist, gehört es zu den gefährlichsten und effektivsten Kampftechniken der Welt. Im Karate spielen auch Tritte und Fausthiebe eine Rolle: Der Gegner kann mit offener Hand, Ellbogen oder Füßen angegriffen, gehebelt und sogar in den Würgegriff genommen werden. Der ganze Körper ist dabei im Einsatz.
  • Kendo: Moderner japanischer Schwertkampf. Ist mehr ein Zen Weg des Schwertes. Kendo „Der Weg des Schwertes“ basiert auf dem Kenjutsu der japanischen Samurai. Entdecke die faszinierende Welt von Kendo! Hier erfährst du mehr über die Geschichte, die Philosophie, die Techniken, Respekt und Etikette der Schwertkunst. Außerdem erhalten Anfänger 10 gratis Tipps und erfahren, wie sie das Kendo-Training optimal angehen können. Kendo ist die weltweit bekannte Kunst des Schwertkampfes. Obwohl die Schwerter, die im Training benutzt werden, bloß aus Holz oder Bambus sind, müssen die Kämpfenden trotzdem eine Rüstung namens Bogu tragen, die vor allem Gesicht und Oberkörper schützt. “Der Weg des Schwertes” lehrt die Beherrschung verschiedener Klingen, vom Dolch bis zum Langschwert. Der Unterschied zum Fechten im Westen besteht darin, dass Kendo die Selbstverteidigung durch Angriff lehrt, und Parieren darin so gut wie gar nicht vorkommt.
  • Kenjutsu: Kenjutsu ist der Oberbegriff aller Formen der japanischen Schwertkunst. Es geht ebenso um die innere Haltung, Wachsamkeit und Spontanität im Schwertkampf.
  • Kyudo: Das Schwert war zweifellos die gebräuchlichste Waffe der Samurai, aber bevor es zur ersten Wahl wurde, konnten die meisten von ihnen bereits mit Pfeil und Bogen umgehen. Kyudo, der Weg des Bogens, war in der Edo-Periode geboren, wobei diese Waffe schon lange vor unserer Ära im Einsatz war. Wie viele Kampfkünste in Japan hat auch diese als Basis eine Philosophie, die dem Zen ähnelt. Durch Aufgabe der eigenen Wünsche und Gedanken, Achtsamkeit, Verschmelzung mit dem Bogen und präzise Verinnerlichung der motorischen Abläufe soll Perfektion erreicht werden. Zen lernen mit einer Bogenzeremonie.
  • Kyusho Jitsu: Kyusho Jitsu „die Kunst der Vitalpunkte“ ist keine Kampfkunst, wird aber in einigen Kampfsportarten angewandt. Du kannst die Druckpunkte auf 3 Arten einsetzen, sie können heilend, hemmend oder zerstörend auf die Nervenleitbahnen des menschlichen Körpers wirken. Möchtest du mehr über die Vorteile der Nervendruckpunkte und ihre kraftvolle Wirkung erfahren?
  • Naginatado: Auch beim Naginatado müssen Kämpfer die Bogu tragen. Naginata nennt man eine über zwei Meter lange stockähnliche Waffe, die ein Kurzschwert an der Spitze hat.
  • Ninjutsu: Eine andere legendäre Gruppe aus Japan neben den Samurai waren die Shinobi, oder auch Ninja genannt. Auch sie haben eine eigene Kampkunst: Ninjutsu oder Ninbo. Anders als in anderen japanischen Kampfkünsten geht es hier nicht um das Training des Bewusstseins, sondern um effektive Ausführung eines Auftrags. Aber für den Fall, dass es doch zu einem Kampf kam, mussten sie allerlei Techniken der Selbstverteidigung beherrschen, die zur jeweiligen Situation passen. Unter Taijutsu versteht man die unbewaffnete Kampfkunst der Ninja - mit Bogen, Speer und Schwert umzugehen war aber ebenso Teil ihrer Ausbildung. Besonders Wurfgeschosse wie die sternförmigen Shuriken und kleine Dolche mit dem Namen Kunai werden mit den Shinobi assoziiert. Wegen der Ninja sind übrigens auch die Böden an vielen traditionellen japanischen Häusern mit speziellem Holz gebaut, das besonders laut knarrt, wenn man darauf tritt. Ninjutsu war früher die Art der japanischen Spionage und wird heute mit der Kampfkunst der Ninja umschrieben. Mit den Kampftechniken haben sie sich Zugang zum Wissen geschaffen.
  • Kobudo: Es gibt auch eine Gruppe der Kampfkünste, die mit Bauernwaffen ausgeübt werden und die Kobudo genannt werden - „alte Kriegskünste“. Solche Waffen sind Sichel, Schlagring, Dreizack oder etwa der Bo: Ein 121 oder 181 cm langer Stab, der im Bojutsu eingesetzt wird. Mit einem oder mehreren Gegnern nutzt man ihn zum Angriff und zur Selbstverteidigung, und braucht Fingerspitzengefühl, um ihn geschickt zu handhaben.
  • Sumo: Das japanische Sumo Ringen verbindet Wettkampf mit Tradition. Obwohl es einfache Regeln besitzt, können 82 Techniken zum Sieg führen. Ein Kampf dauert meist wenige Sekunden.

Budo: Der Weg der Kampfkünste

Budo ist der zusammenfassende Oberbegriff aller japanischen Kampfkünste, welche neben dem Aspekt des Kampfes auch innere Lehren vermittelt. Im Gegensatz zu reinen Kriegskünsten ist der Budo Kampf auch stets durch eine innere Do-Lehre geprägt.

Der gesundheitliche Aspekt von Kampfsport

Über den Wert der einzelnen Kampftechnik für die Selbstverteidigung hinaus wird Im Kampfsport allgemein die sogenannte Kraftausdauer trainiert, also die Fähigkeit über längere Zeit dynamische oder statische Muskelarbeit oberhalb von 30-50% der Maximalkraft durchzuhalten. Daneben werden Reaktionsschnelligkeit, Koordination, Beweglichkeit und der Gleichgewichtssinn geschult.

Schon Erwin von Baelz erkannte die erzieherische, wertevermittelnde Wirkung der Kampfkunst. Ihn beeindruckte die Selbstbeherrschung, die Ruhe und Würde der Kämpfer, gleich ob man Sieger oder Besiegter war.

Jigaro Kano beeinflusste die Kampfkünste durch die Erweiterung der Ziele auf „Kultivierung der Herzen“ „Leibeserziehung“ und „Wettkampf“. Die heutigen westlichen Judo-Werte Respekt, Höflichkeit, Wertschätzung, Ernsthaftigkeit, Selbstbeherrschung, Mut, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit und Ehrlichkeit passen gut in unsere Zeit und haben sich von früheren Elementen von Gehorsam und Unterwerfung emanzipiert.

Nicht zuletzt ist man so für Situationen gewappnet, in denen man sich und andere verteidigen muss.

Die Rolle des Kampfsports in der modernen Gesellschaft

Entgegen dem Stereotyp beherrscht heute nicht jeder Japaner eine Kampfkunst. Aber sie werden gerne in Clubs geübt, denen man in der High School und an der Universität beitreten kann. Noch in der Meiji-Ära (1868 - 1912) diente Kampfsport an Schulen als Mittel, den Geist der Schüler zu stählen und das traditionelle Ideal des Samurai zu pflegen.

Weltweit haben sich viele kleinere Schulen japanischer Kampfsportarten herausgebildet, die einen eigenen Stil und Grundsatz lehren. Sie werden durch nationale und internationale Organisationen verwaltet, die Wettkämpfe austragen und Regeln festlegen.

Wenn man selbst eine japanische Kampfkunst erlernen möchte, muss man dieser nicht seine ganze Freizeit widmen. In der Freizeit ist es ein Weg, die eigene Stärke und Geschicklichkeit, Koordination und Körperbeherrschung, Konzentration und Reaktion zu trainieren.

Tabelle: Übersicht über einige japanische Kampfsportarten und ihre Merkmale

Kampfsportart Waffen Schwerpunkt Philosophie
Judo Keine Würfe, Griffe, Hebel Sanfter Weg, Nachgeben um zu siegen
Karate Keine Schläge, Tritte, Stöße Weg der leeren Hand, Selbstverteidigung
Kendo Schwert (Bambus oder Holz) Schwertkampf Weg des Schwertes, Selbstverteidigung durch Angriff
Kyudo Bogen und Pfeil Bogenschießen Zen-ähnliche Philosophie, Achtsamkeit
Aikido Keine (manchmal Schwert, Stock) Abwehr, Würfe, Hebel Pazifistische Körperkunst
Ninjutsu Vielfältig (Schwerter, Wurfmesser, etc.) Spionage, Sabotage, Selbstverteidigung Effektive Ausführung von Aufträgen