Wrestling ist ein Spektakel, das als Kombination aus Sport und Unterhaltung in vielen Ländern Massen an Zuschauer:innen anzieht. Aber ist Wrestling Fake oder echt? Tatsächlich laufen die Kämpfe nach einem Drehbuch ab. Der Ausgang ist geplant. Wer das Match gewinnt, steht schon vorher fest.
Was ist Wrestling?
Wrestling heißt übersetzt Ringen. Es ist ein Schaukampf nach Drehbuch. Wer gewinnt, steht vorher fest.
Im Deutschen heißt es auch Catchen. Während Ringen eine anerkannte und olympische Sportart mit Wettkampfgedanken ist, geht es beim Wrestling um Sport und Show zugleich.
👏 Beim Wrestling steht also Entertainment im Vordergrund. Unterhaltsam zu sein, heißt aber für Wrestler:innen: hartes Training. Denn der Kampf verläuft zwar nach Skript, doch die Profis müssen trotzdem vollen Körpereinsatz leisten. Es soll ja spektakulär aussehen.
💪 Wrestling-Profis verbringen viele Stunden damit, Muskeln beim Body-Building aufzubauen. Sie üben verschiedene Moves ein, trainieren Kampftechniken und Sprünge. Außerdem verfügen sie über eine außergewöhnliche Körperbeherrschung, etwa um auf den Seilen im Ring zu balancieren und sich abzurollen.
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🦹♂️ Schauspiel-Talent ist ebenso gefragt. Es dauert meistens viele Jahre, bis Leute Wrestling-Profi sind.
Die Stars steigen meistens nicht unter ihrem echten Namen in den Ring. Auch charakterlich nehmen sie nur eine Rolle („Gimmick“) ein, die sich im Laufe der Karriere ändern kann. So kann ein Kämpfer zunächst auf der „guten“ Seite stehen. Dann wird er als „Face“ bezeichnet. Wie im echten Leben können sich Einstellungen aber ändern. Greift ein Akteur auf unfaire Mittel zurück oder verhält er sich anderweitig problematisch, wird er zum „Heel“, der von den Fans ausgebuht werden soll.
Die Aktionen wie Schläge werden nicht wirklich durchgezogen. Es geht im Ring also nicht zu wie etwa bei einer Kneipenschlägerei. Es ist auch kein Kampf wie bei „Mixed Martial Arts“-Events (MMA), etwa in der UFC. Die Schläge, Tritte und anderen Moves werden so ausgeführt, dass sie möglichst echt wirken, den Kontrahenten aber nicht verletzen sollen. Im Vordergrund steht nicht, den Gegner K.o. zu prügeln, sondern eine unterhaltsame Show zu liefern.
Die Matches sollen keine realen Auseinandersetzungen zeigen, sondern unterhalten. Eingerahmt sind die Kämpfe in verschiedene Geschichten, die Storylines. Die Kämpfe entwickeln sich also aus verschiedenen geschauspielten Ereignissen im Vorfeld. Gerade bei den WWE-Shows Raw und Smackdown nimmt das tatsächliche Geschehen im Ring nur einen kleinen Teil der Sendungen ein. Rund um die Matches gibt es verschiedene Interviews, Promos und Video-Clips, die die Vorgeschichte zu Matches oder andere Storys rund um die Superstars erzählen.
Man kann sich das „Sports Entertainment“ als Art Action-„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ vorstellen, bei denen Konflikte und Streitereien zwischen einzelnen Leuten oder Gruppen („Stables“) im Ring ausgetragen werden. Die Ergebnisse werden meist von einer Person bestimmt. Die Storys selbst werden von Autoren geschrieben, die die Superstars dann umsetzen sollen. Die Matches werden von „Producern“ (auch „Road Agents“ genannt) konzipiert. Dabei handelt es sich oft um ehemalige Wrestler mit viel Erfahrung im Ring. Je nach Erfahrung werden die Match-Aktionen mehr oder weniger konkret vorgegeben. Routinierte Akteure handeln häufiger spontan, während Neulinge stärker nach einer Choreographie arbeiten.
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Wrestling-Profis sind auch Schauspieler
Schon beim Einlaufen in den Kampf-Ring zeigen Wrestler:innen eine einstudierte Performance. Einige Profis überlebten ihren Show-Einsatz nicht: Owen Hart etwa stürzte bei einer Einlauf-Performance tödlich. Laut Skript sollte der Bruder des berühmten Bret Hart sich von der Halle abseilen. Doch dann versagte der Schnelllöse-Mechanismus vom Gurt - und der 34-jährige Wrestler stürzte über 20 Meter tief in den Ring.
Auffällig ist zudem, dass viele Wrestling-Stars schon früh an Herzinfarkten sterben. Mutmaßlich steckt dahinter Drogen- und Schmerzmittel Missbrauch in der Szene. Es besteht auch ein Risiko für Langzeitschäden durch zahlreiche Verletzungen wie Gehirnerschütterungen.
Gespielt, aber gefährlich - „Don't try this at home!“
Auch wenn die Ergebnisse abgesprochen sind, ist aber natürlich nicht alles nur ein Fake. Es reicht nicht, ein guter Schauspieler zu sein. Die Aktionen erfordern einen ausgezeichneten Fitness-Zustand, eine Top-Form, ein taktisches Verständnis und viel Leidensfähigkeit. Nicht umsonst gibt es vor jeder WWE-Show die Einblendung, gezeigte Aktionen nicht nachzumachen („Don't try this at home“).
Manchmal bluten die Superstars im Ring. Ist das an der Stirn der Fall, ist die Blutung meistens per „Blading“ selbst zugefügt. Das soll Matches dann realer und brutaler wirken lassen. Die WWE hat vor allem Ende der Neunziger Jahre auf solche Mittel zurückgegriffen, vermeidet das aber inzwischen, um einerseits die Sportler zu schützen und andererseits seine Familien-freundliche Ausrichtung zu behalten. In der AEW ist hingegen regelmäßig Blut im Ring zu sehen.
Obwohl Schläge nicht durchgezogen werden, gibt es viele schmerzhafte und spektakuläre Stunt-Einlagen im Ring. Verletzungen sind manchmal nicht vermeiden, werden aber zu keinem Zeitpunkt von Gegnern bewusst provoziert. Im Sommer 2022 ist zum Beispiel der ehemalige Champion „Big E“ außerhalb des Rings nach einer Aktion unglücklich gelandet. Er zog sich eine schwere Nackenverletzung zu. Ob er jemals wieder in den Ring steigen kann, ist ungewiss.
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Wrestling wird oft als „Fake“ abgetan, doch hinter den spektakulären Aktionen und dramatischen Feindschaften lauern echte Risiken und manchmal wahre Emotionen.
Ja, die Matches sind abgesprochen, aber das macht Wrestling nicht „fake“: Die Athlet:innen riskieren echte Verletzungen, trainieren auf Profi-Level und stecken unzählige Stunden in ihre Performance.
Jeder Move, jeder Aufprall auf die Matte birgt echtes Verletzungsrisiko. Die Matten? Härter als du denkst. Die Seile? Sie sind aus mit Gummi umwickeltem Stahl und hinterlassen tiefe Abdrücke. Wrestler:innen trainieren, um ihre Stürze abzufedern, aber manche Verletzungen lassen sich nicht vermeiden.
Hinter den Kulissen sind sie höchst athletisch, mit einem beeindruckenden sportlichen Hintergrund. Wrestler:innen verbringen Stunden im Fitnessstudio, perfektionieren ihre Akrobatik und üben komplizierte Stunts, um sicher und spektakulär zu kämpfen.
Der Boden besteht aus Holzplatten und Metall, mit nur einer dünnen Schaumschicht darüber. Jeder Aufprall - ob aus großer Höhe oder bei einem einfachen Wurf - tut weh.
Manchmal sind die Dramen im Ring realer, als man denkt. Hinter den Kulissen gibt es echte Freundschaften, Rivalitäten und Familienbande, die den Matches eine besondere Tiefe verleihen.
Alles passiert live, vor Tausenden Fans in der Arena und Millionen vor den Bildschirmen. Jede Bewegung muss perfekt sein - auch wenn etwas schiefgeht.
Kein Fake: Schlamm-Wrestling in Indien
🇮🇳 Das traditionelle Ringen auf einem Sandplatz heißt in Indien: Kushti oder Pehlwani. Seit Jahrhunderten praktizieren Menschen diesen alten Kampfsport.
🤼♂️ Um die Techniken zu lernen und den Körper zu stählen, besuchen junge Männer oft schon als Kind eine Wrestling-Akademie. Dort leben sie wie im Internat zusammen in einem Zimmer - und müssen sich an strenge Regeln halten.
💸 Bei einem Sieg im Kampf winken Prämien, die mehr als das Monatsgehalt der meisten Inder:innen betragen. Für viele Männer ist Kushti der Weg aus der Armut.
🪔 Was besonders ist: Kushti ist für die Schlamm-Ringer Sport und Lebensphilosophie. In den Wrestling-Akademien gibt es auch Tempel. Der Sandboden für den Kampf wird auf hinduistische Weise gesegnet. Disziplin und Enthaltsamkeit prägen den Alltag.
⏰ Um 5 Uhr morgens beginnt das Training in den Wresting-Akademien. Das ist die Zeit, zu der laut hinduistischem Glauben die Götter aufstehen.
❌ Die Profi-Ringer in Indien verzichten auf Sex, Tabak, Alkohol und Fleisch. Sie leben enthaltsam und diszipliniert. Jeden Tag absolvieren sie ihre Trainings-Routine.
⏱️ Ein Kushti-Kampf dauert um die 20 bis 30 Minuten. Daraufhin trainieren die Schlamm-Wrestler in Indien.
🤚 Schmutzige Sache: Die Ringer reiben sich mit Sand ein, dem Öl beigemischt ist. Sie bewerfen sich auch mit Schlamm.
Die Besonderheit ist der Sandboden. Hier ebnet ein Kushti-Ringer den Boden fürs Training.
WWE - 3 Buchstaben, die die Welt in Atem halten
Die WWE ist die einzige weltweit agierende Wrestling-Organisation. Sie wurde 1952 gegründet (damals noch unter dem Namen Capitol Wrestling Federation), 1963 in WWWF umbenannt, bevor sie 1979 in WWF (World Wrestling Federation) umbenannt wurde.
★ Seit 1999 ist die WWE auch an der New Yorker Börse. Der Aktienkurs liegt derzeit bei 23,50$ pro Aktie
★ Die WWE hat eine eigene App, welche bereits mehr als 10,3 Millionen mal heruntergeladen wurde.
JA! Zwar dominieren männliche Stars wie Hulk Hogan oder John Cena die Wrestling-Welt - doch seit den ersten Tagen stiegen auch Frauen in den Ring. Eine der berühmtesten Frauen war Mae Young († 90), die bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in den Ring stieg - und noch bis weit ins hohe Alter keiner gepflegten Prügelei aus dem Weg ging.
Derzeitiger Diva-Champion ist AJ Lee.
Wann ist ein Kampf gewonnen?
Ähnlich wie beim klassischen Ringen besiegt man den Gegner, in dem man in mit den Schultern auf den Ringboden drückt. Schafft man dies für drei Sekunden, ist der Kampf beendet.
Ein Wrestler verliert aber auch, wenn er dem Ringrichter signalisiert, dass er aufgeben möchte.
Welche Match-Arten gibt es?
Im Grunde sind der Fantasie der Booker (so werden die „Drehbuch“-Autoren genannt) keine Grenzen gesetzt. Neben den normalen Matches gibt es jede Menge Sonderkämpfe.
- Tag Team - Teams aus je zwei Wrestlern kämpfen gegeneinander
- Käfig - das Spektakel findet in einem oben offenen Käfig statt
- Hell In A Cell - ein viel größererer Käfig, der oben geschlossen ist
- Table Match - wer zuerst seinen Gegner durch einen Tisch haut, gewinnt
- Ladder Match - wer zuerst mittels einer Leiter den Titel (der unter der Hallendecke hängt) ergreift, gewinnt
- Extreme Rules - keine Regeln, alles ist erlaubt
- Triple Threat - drei Superstars kämpfen gegeneinander
- Fatal 4 Way - vier Superstars hauen sich gegenseitig die Birne ein
- TLC (Table/Ladder/Chairs) - Stühle, Tische und Leitern sind erlaubt
- Lebendig begraben - wer seinen Gegner zuerst in ein offenes Grab werfen kann, gewinnt
- Inferno Match - der Ring steht in Flammen
Tun sich die Wrestler eigentlich wirklich weh?
JA! Damit sich die körperlichen Schäden in Grenzen halten, ist eine gut ausgebildete Muskulatur nötig. Schläge und Tritte werden jedoch so ausgeführt, dass sich die Beteiligten nicht weh tun, bzw. versuchen sie es. Auch wenn die Wrestler die Aktionen beherrschen, kann es aber auch zu (teils schweren) Verletzungen kommen.
Sind die Wrestling-Aktionen gefährlich?
JA! Falsch ausgeführte Aktionen können schnell zu lebensgefährlichen Verletzungen führen. Daher appellieren alle Wrestling-Organisationen dauerhaft, die Moves niemals nachzumachen, da zu einer perfekten und sicheren Ausführung, jahrelanges Training von Nöten ist.
Neben dem Training ist das Vertrauen in den Gegner das Wichtigste. Nur wenn Beide die Aktion sauber ausführen, können Verletzungen minimiert werden. Dabei müssen sich die Kämpfer blind vertrauen können - auch wenn sie sich privat nicht leiden könne
Der Herr der Ringe
Vince McMahon (68) ist der Chef der WWE. Er kaufte 1983 die WWE von seinem Vater Vincent J. McMahon und baute zu einer weltweiten Unterhaltungs-Organisation um. In den vergangenen Jahren hat Vince McMahon zunehmend Aufgaben an seinen Schwiegersohn Triple H abgeben. Dieser wurde Ende der 90er Jahre selber zu einem der größten Wrestler der Welt und steigt auch gelegentlich noch in den Ring.
Der Superbowl des Wrestlings
Einmal im Jahr trifft sich die Wrestling-Welt zu einem einzigartigen Event: Wrestlemania! Diese mehr als vierstündige Monster-Show ist das Highlight des Wrestling-Jahres.
Die wichtigste TV-Show ist „Monday Night Raw“, die seit dem 11. Januar 1993 jeden Montag live ausgestrahlt wird. „Raw“ ist mit 1082 Episoden die am längsten laufende wöchentliche TV-Show der USA.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wrestling eine Mischung aus Show und Sport ist. Die Kämpfe sind zwar geskriptet und choreografiert, aber die Athleten riskieren echte Verletzungen und müssen über ein hohes Maß an körperlicher Fitness und schauspielerischem Talent verfügen. Wrestling ist in erster Linie Unterhaltung, aber es ist auch ein anspruchsvoller Sport, der von den Athleten viel abverlangt.
